Wien - Spannend gestalten sich die Ermittlungen in der Causa Stradivari rund
um Geigenhändler Dietmar M. Die Staatsanwaltschaft ermittelt u. a. wegen
Verdachts auf Veruntreuung, Betrug, Krida. Im Konkurs von M. geht es um
(großteils verschollene) Geigen im Wert von 155,6 Mio. Euro.
Geld gegen (verpfändete) Geigen war das Motto der Banken; und sie ließen sich
nicht lumpen. Der UniCredit etwa "überschrieb" M. eine Stradivari im Wert von
3,2 Mio. Euro, der Hypo Alpe Adria eine um 3,7 Mio. In den Bilanzen von M.'s
Gesellschaften finden sich noch höhere Bewertungen. Eine Stradivari um 25 Mio.
Euro etwa, oder eine Guarneri um 14 Mio. Euro.
Ein paar Geigen sind wieder aufgetaucht. Am 17. März fanden die Ermittler bei
Hausdurchsuchungen bei M.'s Schwiegereltern bzw. bei Bekannten zwei Geigen aus
dem 17. Jahrhundert, 26 Uhren, diverse Unterlagen - und einen Orientteppich, der
eigentlich in M.'s Schloss liegen hätte sollen. Seither ermittelt man auch gegen
M.'s Frau und Schwiegermutter wegen Verdachts auf Vollstreckungsvereitelung, es
gilt die Unschuldsvermutung.
Vor der Polizei sagte Frau M. aus, sie habe die zwei Geigen im Februar
gemeinsam mit ihrem Mann zu ihrer Mutter gebracht, danach sei sie mit ihm "nach
Zermatt zum Schilaufen gefahren". Die Mutter wiederum hat laut ihren Angaben die
Instrumente später bei den Bekannten "untergestellt". M. sitzt derzeit in der
Schweiz in Auslieferungshaft. (gra, DER STANDARD, Printausgabe, 12.7.2011)