Geheimnissen des frühen Christentums auf der Spur

17. Juli 2011, 19:46
  • Diese Handschriften sind Teil des Lukasevangeliums. Sie wurden 1883 in Mittelägypten gefunden, auseinander gerissen und blatt- oder lagenweise an Händler und Durchreisende verkauft.
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    foto: österreichische nationalbibliothek

    Diese Handschriften sind Teil des Lukasevangeliums. Sie wurden 1883 in Mittelägypten gefunden, auseinander gerissen und blatt- oder lagenweise an Händler und Durchreisende verkauft.

Basis ist die weltgrößte Fotosammlung koptischer Handschriften

Wien - Geheimnisse des frühen Christentums will man an der Universität Wien lüften. Basis dafür ist die weltgrößte Fotosammlung koptischer Handschriften, die der deutsche Ägyptologe und Koptologe Karlheinz Schüssler der Uni übergeben hat. Der mittlerweile 70-Jährige hat in den vergangenen 40 Jahren weltweit Seiten alter koptischer Bibeln abfotografiert und eine 240.000 Seiten umfassende Sammlung angelegt. Diese soll laut einer Aussendung nun von Wissenschaftern der Evangelisch-Theologischen Fakultät im Rahmen des neu gegründeten "Research Centre for Early Christian-Coptic Studies" untersucht werden.

Davon erhofft man sich Erkenntnisse über die ursprüngliche Erscheinungsform der Bibel oder den Ablauf der Gottesdienste koptischer Christen vom 4. bis zum 8. Jahrhundert und welche liturgischen Elemente möglicherweise heute noch erhalten sind. Problematisch waren derartige Untersuchungen bisher insofern, als ein Großteil der auf Papyrus überlieferten Schriften entweder schon zerfallen ist oder diese nur schwer gesammelt anzutreffen sind. "Der Verkauf einzelner Blätter brachte mehr Geld als der Verkauf der gesamten Handschrift", begründet Hans Förster vom Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie der Uni Wien, warum die Dokumente weltweit verstreut sind.

"Biblia Coptica"

Schüssler hat die Handschriften in seiner mehrbändigen "Biblia Coptica" zusammengeführt. Jetzt gelte es, die noch unbearbeiteten Blätter und Fragmente auf ihren genauen Inhalt und ihre Zusammengehörigkeit zu untersuchen. Endziel der Bearbeitung des digitalen Materials sei eine "Gesamtausgabe der koptischen Bibeltexte", so Förster. Der Forscher arbeitet derzeit an einer kritischen Edition des Johannesevangeliums - eines der am besten bezeugten biblischen Bücher in der koptischen Überlieferung.

Untersucht werden die digitalen Fotografien neben Wien auch an Instituten in Münster sowie Paris, Cambridge und Birmingham - ein enormer Forschungsaufwand, da fast alle neutestamentlichen Bücher auf die Erstellung eines kritischen Textes warteten, der alle bekannten Handschriften berücksichtigt.

Übersetzungsfehler

Ein spannendes Detail seiner Forschung stammt aus dem Römerbrief von Paulus (16:7): "Grüßt Andronikus und Junias, die zu meinem Volk gehören [...]; sie sind angesehene Apostel und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt." In dieser deutschen Übersetzung wird Junias als Mann dargestellt, was laut Förster aber ein Übersetzungsfehler ist: "Im Griechischen lautet der Akkusativ für die weibliche als auch für die männliche Form Junian. Ab dem Mittelalter war es in unserer Gesellschaft nicht mehr vorstellbar, dass an dieser Stelle eine Frau erwähnt sein könnte, und so wurde aus ihr kurzerhand ein Mann. In der koptischen Version ist aber von Junia die Rede. Die koptische Sprache dekliniert die Namen nicht, weshalb wir in der koptischen Überlieferung den eindeutigen Beweis haben, dass Junia sehr wohl von Paulus als weibliche Apostelin gegrüßt wird", betonte Förster.

"Unsere Aufgabe ist es zu verstehen, was im Text Deutung und was wirklich auf die ursprüngliche Vorlage zurückzuführen ist. Das ist nicht immer einfach, da die Übersetzungen früher vergleichsweise frei waren", so der Forscher abschließend. (APA/red)

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Wann wird eigentlich die Priester-Homoehe eingeführt?

spätestens...

...wenn es keine ministranten mehr gibt ;)

Dann werden die Priester wieder klagen, dass sie das jetzt auch noch machen müssen.

Endlich wird man die Wahrheit über Rufus, den 13. Apostel, erfahren!

Oder auch nicht, ganz, wie es Rom gefällt.

und das 11. gebot ("du sollst spaß am sex haben").

Natürlich wars eine Frau

Deswegen schrieb auch Paulus: "Die Frau soll in der Gemeinde schweigen."

papa razzi trifft der schlag,

wenn er jetzt zugeben muss, dass eine FRAU von anfang an dabei war!

das kommt nicht gut...

... dem hat schon das 11. Gebot nicht gefallen!

( http://www.utz-freiburg.de/pix/Papst... 5_72px.gif )

Der Opus Dei und die Piusbruderschaft

werden DIE Junia schon verschwinden lassen.

Wenn nicht heute dann ... in 200 Jahren

... das Werk digitalisieren lassen...

.. und über Internet verbreitern ... DAS können selbst die nicht mehr rückgängig machen...

PS: hatte nicht schon Martin Luther etliche Übersetzungsfehler beklagt?

EMS

Nicht wahrscheinlich das nach dem nächsten Atomkrieg vom Internet was übrig ist.

"Grüßt Andronikus und Junia [...] sind angesehene Apostel und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt."

Irgendwie wusste der alte Paulus nicht so recht, was er wollte, oder hat er sich später mit Junia überworfen und zu dem Ergebnis gekommen, dass sie lieber schweigen sollte? Vielleicht findet sich ja noch ein zweiter Römerbrief unter den Papyri, der Aufklärung gibt.

"Ab dem Mittelalter war es in unserer Gesellschaft nicht mehr vorstellbar, dass an dieser Stelle eine Frau erwähnt." Paulus deutliche Worte spielen dabei eine gewisse eine Rolle und dazu muss ich jetzt unbedingt noch etwas verlinken:

http://johammonia2.blogspot.com/2007/12/r... n-der.html

Die Interpretation von 1Kor33ff ("..mulieres in ecclesiis taceant non enim permittitur eis loqui..") ist ähnlich schwierig wie die der anderen Skandalstellen, 1Thess2,16 ("...praevenit autem ira Dei super illos usque in finem") und Rom13,1 ("...non est enim potestas nisi a Deo quae autem sunt a Deo ordinatae sunt").
Zu 1Kor - die Authentizität angenommen -, könnte es nach Ansicht mancher sein, dass Paulus einfach seinen Grant über spezifische Zustände in einer theol. abweichenden, anscheinend hippie-artigen Gruppe in Korinth ausgedrückt hat, die von einer Frau geleitet wurde, und somit nicht als generelles Verdikt zu verstehen ist, obwohl es später so verstanden wurde, wie bei d anderen Skandalstellen, mit den bekannten trag. Folgen.

Aber wieso ist denn zumindest die Stelle mit den schweigenden Weibern so schwierig zu interpretieren? Wird geargwöhnt, Paulus habe sich da der Ironie befleißigt?

Hier zumindest:

http://iteadthomam.blogspot.com/2008/05/c... 14-on.html

wo wahres katholisches Denken mittels mittelalterlicher Diputationes - das dumme Weib Eva habe sich in seiner Schwäche von der Schlange täuschen und verführen lassen, Adam allerdings dadurch erst zur authentischen Sünde veranlasst, worin ihre eigentliche Verfehlung liege, und deshalb müsse, wenn ich den verästelten Gedankengang richtig verstehe, das Weib zur Strafe dem Manne untertan sein - wiederhergestellt wird, gibt's gar keinen Zweifel an der Eindeutigkeit.

Nein, Ironie nicht; aber die Stelle passt nicht zu vielen anderen bei Paulus. Mir erscheint bei P. oft schwierig zu unterscheiden was sozusagen Theorem ist, und was Korollar; d.h. was einen konkreten Anlass betrifft, und was Entwicklung seiner Theologie; noch dazu gibts darin eine zeitl. Entwicklung, deren Nachvollziehung nicht ganz einfach ist, weil die äusseren Umstände (Sein schafft Bewusstsein) nur unzureichend bekannt sind. Die Empfänger der Briefe kannten den Kontext und taten sich leichter.
Die damalige Ges. war sicher misogyn, und d Lehre von Reb Jesus scheint nicht wenigen Frauen einen Ausweg aus d Misere gezeigt zu haben. Paulus (ein komplizierter Charakter) war da wohl ambivalent, weil für ihn Jesus ja eher ein Vehikel seiner..

... theologischen Reformagenda war: ein gescheiterter Messias ist ein hervorragender Erlöser. Keine Frage, dass die Misogynie in speziell theol. überhöhter Form (generell nichts Neues) schnell zum christl. mainstream wurde, s. zB. Tertullian, De virginibus velandis.
Die zit. website is übrigens absurd und verquer, sucht sich offenkundig ideologiegetrieben heraus was ihr passt; etwa ist heftig umstritten ob 1Tim überhaupt von P stammt; und wenn christl. Fundis die Gn interpretieren wirds überhaupt lachhaft.
Welchen Anteil d paulinische Theologie (also abgesehen von anlassbez. Polemik) an d Durchsetzung d christl Misogynie hatte ist mE. eine durchaus untriviale Frage. Freudianische Analyse mag hier weiterhelfen.

Philologie ist (ich wiederhole mich, aber egal), eine subversive Wissenschaft und hat schon manches Glaubensgebäude schwer beschädigt. Zum wahren Glauben gehört einfach, das man sich das Passende aus heiligen Schriften heraussucht, weshalb es immer so eine Sache ist, die Identität von beidem zu postulieren, sei es pro oder contra. Die betreffende Website mag ich übrigens auch wegen ihrer Illustrationen - der barock-ekstatische, leicht dümmlich aus der Wäsche schauende Thomas, die brokatenen Prälaten, Schriftgelehrte, mit denen nicht gut Kirschenessen zu sein scheint, der grämliche, auch nicht sehr erlöst blickende (Magenleiden?) Mönch (Abt, Papst [?]) und das allerliebste Frauenbild in Form der literarischen gotischen Dame mit dem Hündchen.

Stimmt !

Oh me dolente! come mi riscossi quando mi prese dicendomi: "Forse tu non pensavi ch'io filologo fossi!".

Philologische Hermeneutik ist Sprengstoff, und die Fundis aller Glaubensrichtungen wissen genau warum sie so dagegen sind.
Die Methodik wurde übrigens zum nicht geringen Teil von der kath. Scholastik entwickelt; schönes Beispiel für die ironische Dialektik der Geschichte.

Die Illustrationen der Website sind in d. Kontext allerdings wirklich nett :-) - Trotzdem ärgerlich: die philologische Debatte um "authentein" in 1Tim2,12 (www.biblegateway.com/passage/?search=1 Timothy+2&version=SBLGNT) ist ganz verdreht widergegeben; so problematisch der Text sein mag, s. Bezug in V.13.

Du ahnst nicht, auf welche Bildungs-Surfreisen du mich mit solchen Zitaten schickst (auf Kosten meines ahnungslosen Arbeitgebers). Die Bedeutung der Worte habe ich schließlich begriffen, aber als es galt, ihren Sinn auszuloten, musste ich meinen Trip wegen dringender E-Mails dann doch vorzeitig abbrechen. Aber morgen ist ja auch noch ein Tag.

Hinter deinen Freund, den Abbé, bin ich übrigens noch nicht gekommen, obwohl ich das Gefühle habe, ich müsste es doch, sei mir dessen quasi schuldig und hätte schon mal was von ihm gehört und Google ist in diesem Punkt gar nicht mein Freund.

"(auf Kosten meines ahnungslosen Arbeitgebers)"

Ich weiss ja nicht wofür er dich "eigentlich" zahlt, geht mich auch nix an, aber hier zahlt er wenigstens für Sinnvolles !; dazu wie indirekt immer beitragen zu dürfen schmeichelt mir sehr !
(Um es zum Kalenderspuch des Tages zu erhöhen, wie oft nicht geschieht doch das Sinnvollste ganz ahnungslos!)

Der Abbé... ganz einfach, wirst sehen. Denk noch 1 Arbeitstag lang nach. Die Lösung steckt in den folgenden 2 Perioden. (Nimms nur nicht zu Ernst, war ja nur assoziatives Geblödel.)

(Ich geniesse ja den Luxus, ganz offiziell & amtlich fürs Grübeln bezahlt zu werden, und was & wie sich da gerade grübelt, kann keine Stechuhr und keine Evaluierungskommission kontrollieren. Wenn dabei nur genug Publikationen rauskommen, ist alles, äh, knorke.)

Apropos Gruebeln...

Ich grueble heute ueber die EGRM, wer gruebelt mit?!? ;)

ups ?????

ertappt ?

"An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen." ;)

auweia... naja, ich mag ja zwar nicht grade einer Lilie auf dem Felde gleichen, aber dieses ist weit und viel seltsames Kraut wächst darauf, sei es zuweilen auch eine Distel; soll sein.
Heut ist übrigens nix mit hochgeistigem Rhabarber, kämpfe mit Fuku-review, schlampiges Manuskript, schwer leserliches japano-english; daher grantig.

Jedenfalls werd ich über einen neuen nickname nachdenken müssen... ;-)

"Blattella germanica" vielleicht?!? ;)

aber...
"ertappt" wird man (zumindest am Anfang ;)) durch Inhalte, nicht durch kreative Nicknames... :)

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