Durch Improvisation zum Urlicht

11. Juli 2011, 17:08
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Pianist Uri Caine beim Musikforum Viktring

Klagenfurt - Seit seiner Neugründung vor 25 Jahren versteht sich das kleine, aber feine Festival als innovative Veranstaltung abseits des Mainstreams - mit besonderer Affinität zu Gustav Mahler: Kompositionspreis, Projekte, Workshops, Konzerte umfassen das Angebot des Musikforums Viktring. Vielfach sucht man aber auch die bewusste Auseinandersetzung (bis zur Entfremdung), um womöglich neue Facetten des Mahler'schen OEuvres zum Vorschein zu bringen.

Dass der amerikanische Pianist Uri Caine diesen Intentionen nahekommt, liegt spätestens seit seiner CD Primal Light aus dem Jahre 1995, die sich ausschließlich mit Werken des großen Spätromantikers auseinandersetzt, auf der Hand.

Im Arkadenhof des prachtvollen ehemaligen Zisterzienserstifts, dessen Gemäuer weiland unter anderem auch Pianist und Musikuniversalist Friedrich Gulda zum Schwingen gebracht hatte, scharte der Musiker eine Reihe von hochkarätigen Instrumentalisten um sich, die mit bekannten und neueren Bearbeitungen so manchem Traditionalisten den Schweiß auf die Stirn trieben - zur Rhythmusgruppe mit Klavier, Schlagzeug und Bass gesellten sich Trompete (herausragend Ralph Alessi), Violine und Klarinette.

In dieser Besetzung entwarf Uri Caine einen Sound, der mit den musikalischen Zitaten und Fragmenten in meisterhafter Selbstverständlichkeit verfuhr, niemals manieriert oder gar "blasphemisch" wirkte. Dabei setzte er auf Elemente aus unterschiedlichsten Stilen und Kulturkreisen:

Artifizielle Arrangements wechselten da mit funkigen Improvisationen. Fetzig wurde es, als Bruder Jakob zum jiddischen Volksfest mutierte. Der Fahrende Geselle fand sich inmitten höchst konzentrierter Hard-Bop-Patterns wieder.

Gustav Mahlers Urlicht ließ Caine dann aus düsteren Clustern gleichsam herauswachsen und zu betörender tonaler Intimität reifen. In Erwartung solcher Klänge hätte Gustav Mahler aus dem nahen Maiernigg wohl einen ausgedehnten Spaziergang unternommen. (Bernhard Bayer, DER STANDARD - Printausgabe, 12. Juli 2011)

  • Pianist Uri Caine variierte Gedanken von Mahler.
    foto: standard/heribert corn

    Pianist Uri Caine variierte Gedanken von Mahler.

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