Studienfinanzierung

Studieren auf Pump

Lisa Aigner, 12. Juli 2011, 13:44

Wenn Studiengebühren, dann mit günstigen Studentenkrediten, heißt es oft - In Deutschland hat dieses System zu vielen Angeboten und Unübersichtlichkeit geführt

Die ÖVP will Private mehr Einbeziehen, die SPÖ schreibt dem Staat die Verantwortung zu. Der Streit um die Finanzierung der Universitäten ist in Österreich eine unendliche Geschichte. Studiengebühren wurden eingeführt, dann teilweise wieder abgeschafft. Die Rektoren der Universitäten schreien nach mehr Geld: Die Unis sind heillos überfüllt und die Budgets knapp. Eine Möglichkeit der Universitätsfinanzierung wird immer wieder diskutiert: Die Einführung von Studiengebühren mit der gleichzeitigen Einführung von Studentenkrediten, von staatlicher Seite sowie von Seiten der Banken.

Auch die OECD (Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung) hatte in ihrem aktuellen Bericht zu Österreich empfohlen, dass die heimischen Universitäten ihre Studenten auswählen und Studiengebühren einheben können. Diese Maßnahmen sollen von einem Stipendiensystem und Kreditangeboten, um eine Auswahl nach finanziellen Kriterien zu verhindern, begleitet werden. Spezielle Kredite für Studenten werden von Kritikern oft als problematisch angesehen, da sie automatisch zu einer Verschuldung von Studenten führen, Befürworter sehen eine gute Möglichkeit, Studiengebühren sozial abzufedern. Selbst die SPÖ hat Studienkredite während der Zeit der Studiengebühren vorgeschlagen. 

Drei Formen von Krediten

In Deutschland, wo in manchen Bundesländern Studiengebühren eingeführt wurden, gibt es seit rund sechs Jahren verschiedenen Formen von Studentenkrediten. Das Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh erstellt jährlich einen Studentenkredit-Test. Ulrich Müller, einer der Autoren der Studie, erklärt im Gespräch mit derStandard.at die unterschiedlichen Formen von Studentenkrediten. So gäbe es jene Kredite, die ausschließlich Studiengebühren finanzieren, solche, die Geld für den Studienabschluss zur Verfügung stellen und zuletzt Kredite, die kein Zweckbindung haben, sondern allgemein helfen sollen, die Lebenshaltungskosten zu decken. Jede Form dieser Kredite wird sowohl von Banken als auch vom Staat Deutschland zur Verfügung gestellt. Zu unterschiedlichen Konditionen natürlich. Jene der Banken sind flexibler, während die staatlichen Angebote weniger Risiko bergen.

"Nicht zu leichtfertig Schulden aufnehmen"

"Es ist gut, dass es Studienkredite gibt, aber es ist noch besser, wenn man sie nicht braucht", fasst Müller seine Einschätzung zu diesen Krediten zusammen. Besser sei es natürlich immer, eine staatliche Ausbildungsförderung zu beantragen, wenn man Anspruch darauf hat, oder sich um ein Stipendium zu bewerben. "Man kann davor warnen, zu leichtfertig Schulden aufzunehmen, wenn es vermeidbar wäre. Ein Studienkredit dient nicht dazu, dass ich ein schönes Leben habe, sondern dazu eine Finanzierungslücke zu schließen, die ich anders nicht schließen kann", so Müller. Auf der anderen Seite solle man sich aber "nicht vor Angst in die Hosen machen, sondern die Chance ergreifen und ein sinnvolles Modell suchen", wenn man ohne einen Kredit das Studium abbrechen müsse.

Immerhin handle es sich beispielsweise bei einem Kredit zur Abdeckung der Studiengebühren für ein fünfjähriges Studium meist nicht um höhere Summen als 6.000 oder 7.000 Euro und die könne man über zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre zurückzahlen, so der Erziehungswissenschaftler. Generell würden Studierende so gut wie nie den Höchstbetrag aufnehmen, über die Verschuldung von Studierenden gäbe es derzeit aber noch keine Zahlen.

Australien als Vorreiter

Manche Länder haben das System Studienkredit noch weiter ausgebaut. In Australien gibt es schon seit längerem "nachlaufende Studiengebühren". Das heißt, dass Studenten erst wenn sie berufstätig sind und Geld verdienen, die Studiengebühren in Form von einer Steuer zurückzahlen müssen. Die Höhe der Steuer ist abhängig vom Gehalt, wer bei seinem Einkommen nie eine bestimmte Summe überschreitet, muss gar nichts zurückzahlen. 

Kreditrückzahlungen auch bei österreichischen Studenten

Obwohl es hierzulande kaum mehr Studiengebühren gibt, werden trotzdem Kredite angeboten. Die Zahl der Studenten, die einen solchen Kredit aufnehmen, ist aber bescheiden. So hat bei der Erste Bank der letzte Student seinen Kredit für Studiengebühren vor zwei Jahren abgeschlossen. Die Bank-Austria bietet ebenfalls einen speziellen Studentenkredit. "Traditionell hält sich dieser Bereich eher in Grenzen", heißt es dort in der Pressestelle. Die Studierendensozialerhebung 2009 ergab trotzdem, dass 9,5 Prozent der Studenten derzeit einen Kredit zurückzahlen. Die Höhe der Rückzahlungen liegt durchschnittlich bei 264 Euro. 

Gratis Geld für den Abschluss

Der Staat Österreich selbst bietet keinen Studentenkredite. Es gibt allerdings ein spezielles "Studienabschlussstipedium" für jene, die vorhaben ihr Studium den nächsten achtzehn Monaten abzuschließen. Bezugsberichtigt sind allerdings nur jene Personen, die in den vergangenen vier Jahren mindestens drei Jahre lang berufstätig waren. Die Höhe dieses Stipendiums liegt, je nachdem ob man Teil- oder Vollzeit beschäftig war, zwischen 600 und 1040 Euro. Dieses Geld müssen Studenten allerdings nicht zurückzahlen, es ist geschenkt. Im Studienjahr 2009/2010 haben 304 Personen ein solches Stipendium bezogen. 

Ein Ansprechpartner für alle Studenten

Würde Erziehungswissenschaftler Müller Österreich, bei einer Einführung von Studiengebühren empfehlen, ebenfalls einen Kredit für Studenten anzubieten? "Ich würde Österreich ein konsistentes Funding empfehlen, in dem Sinn, dass man einen institutionellen Ansprechpartner für alle staatlichen Angebote hat. Dass man nicht ein ineffizientes Paralleluniversum von schwer kommunizierbaren Angeboten wie in Deutschland hat", sagt er. Es brauche eine Stelle "wo jeder weiß, wenn ich da hin gehe, dann gibt es eine Lösung für mich". Egal ob das nun ein Stipendium oder ein günstiger Kredit sei.

Es sei bewiesen, dass Studiengebühren nicht abschreckend wirken. "In Australien haben nach der Einführung mehr studiert als vorher", so Müller. "Studiengebühren sind nicht per se gut oder schlecht. Ich kann sie nur gut oder schlecht umsetzen." (Lisa Aigner, derStandard.at, 12.7.2011)

Kommentar posten
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living reef
00
18.8.2011, 11:21
am besten mit einem sfr kredit ;-)

tock tock tock
00
24.7.2011, 09:59
Ok ... führen wir Studiengebühren ein.

Es darf aber nur an jenen UNIs eine Gebühr eingehoben werden, die im internationalen Ranking in den Top 100 sind.

M0ru
00
20.7.2011, 00:13

"In Australien haben nach der Einführung mehr studiert als vorher"
klar. Im Vergleich zu anglikanisch-hohen Studiengebühren ohne Kredite sicherlich.

Heavyweather
00
16.7.2011, 02:24

Für die Studenten ist es wohl immer schlecht wenn sie zahlen und dann dafür arbeiten müssen.
Wozu zahlt man eigentlich Steuern?
Sollen dann Akademiker die sowieso eine überdurchschnittlich hohe Steuerbelastung tragen noch eine extra Strafsteuer zahlen müssen? Am besten noch an private Banken...
Ich würde auch Studienkredite anbieten...vor allem wenn der Staat die mir dann noch gscheit absichert.

süd wind
00
13.7.2011, 19:40
Bayern: Seehofer stellt Studiengebühren in Frage

"man könne nicht länger ignorieren, dass der Freistaat zu den _letzten_ Bundesländern gehöre, die überhaupt noch Gebühren für ein Studium verlangten."
http://www.sueddeutsche.de/bayern/ba... -1.1119940

ilse schmidt
01
13.7.2011, 14:18
Studiengebühren sind Teil des Ausverkaufs von Bildung, wie es so schön heißt. Doch was bedeutet das tatsächlich? Bildung muss - nach den Vorstellungen der Neoliberalen und Neocons - vermarktet werden.

Harford und Oxbridge.. wer dort war, dem stehen alle Türen offen...und auch die Kreditagenturen. Der Handel mit Universitätsmarken wird über Rating-Agenturen gesteuert. Je nach Rating werden dann auch Studiengebühren einbehoben. Es ist vollkommen naiv anzunehmen, dass sich Studiengebühren in einer Höhe wie wir sie jetzt bereits kennen halten könnten. Studiengebühren würden steigen (siehe auch GB, oder Australien), weil die Unis ihre (noch) staatlichen Ressourcen im Sinne des Wettbewerbs verwenden müssen...Studiengebühren finanzieren irgendwann den großen Teil der Unis, machen 5.000 oder 10.000 Euro, Dollar, Pfund aus. Die Banken werden Kredite vergeben klar..der Staat sicher nicht mehr.. das Risiko trägt der Einzelne. defaultmovie.com

dasandere
03
13.7.2011, 11:47
Die Bildungsmisere

kann nur und allein dadurch überwunden werden, dass jene zur Kasse gebeten werden, die von gut qualifizierten Arbeitskräften am meisten profitieren und diese bislang zum Nulltarif zur Verfügung gestellt bekommen - die Arbeitgeber!
Progressive Bildungsbesteuerung von Unternehmen nach Größe und anderen sozial-ökologischen Kriterien kann, europäisch oder sogar global gesehen, echte Umverteilung bewirken. Man stelle sich vor, dass Konzerne an zahlreiche Staaten Bildungsdividenden zahlen, und das im Idealfall sogar gerne, da sie gute Leute bekommen. Man sollte auch nicht vergessen, dass das Geld, welches heute in der Bildung fehlt zuerst gezielt von dort weg und in die Wirtschaftssubvention gesteckt wurde, siehe Banken aktuell....

dasandere
01
13.7.2011, 11:52
nota bene:

Es ist offensichtlich verräterisch, dass absolut niemand bislang (auch der Androsch mit seinem Bildungsvolksbegehren nicht) diese Forderungen tatsächlich lautstark erhebt! Dass der Staat zahlen soll, ist scheinbar wirklich so ideologisch motiviert, wie die mittellosen Studis in die Schuldenfalle zu zwingen... Wenn soll der soll Bedarf ermitteln, planen, Mittel einheben und verteilen, aber zahlen? Warum ist tatsächlich unklar.

Christoph91
20
13.7.2011, 11:46
Das australische...

System ist in meinen Augen (und ich habe mich auch mit australischen Studenten ausführlich darüber unterhalten) eines der Besten. Die Akademikerquote 36% in Australien verglichen zu ... was haben wir? 15%? spricht wie ich finde auch "eher dafür".

Und wenn ich heute einen "Studentenkredit" von sagen wir 10.000€ aufnehme um neben dem Studium weniger zu arbeiten, und nach Beendigung meines Studiums im technischen Sektor >2,3k verdiene sind die Raten auf 10 Jahre gesehen sehr erträglich und ich zahle insgesamt etwa 13.400 zurück. Finde ich absolut ok!
Unabhängig davon natürlich-> 2% des BIP für die Unis nicht erst 2020 ist ein Muss wenn wir ein ernstzunehmendes Universitätssystem wollen!

120 Jahre Karl Schranz
00
13.7.2011, 12:09
es sind sogar noch mehr

fast jeder zweite australier zwischen 26 und 29 hat einen hochschulabschluss (46%, http://oesterreich.orf.at/stories/270668/)

aber fragen sie heir mal rum. das geht ja gar nicht, weil die da ja kredite zahlen, und die sind ganz böse. es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Heavyweather
00
16.7.2011, 02:35

Dann kann der Pröll auch eine Buschuni aufmachen wenn man mit Studenten endlich ordentlich verdienen kann.
Vielleicht kommen die Asiaten dann auch zu uns wie nach Australien...das funktioniert aber nur wenn die Unis auch ordentlich Gewinn einfahren.

dasandere
05
13.7.2011, 12:50
sorry

aber die Abschlüsse dort sind zum guten Teil ein Witz - und zwar ein teurer!

chezgarando
02
13.7.2011, 11:45
bevor hier weiterdiskutiert wird

müssen ein paar leute mal schnallen dass nicht jeder student nach dem studium riesensummen verdient

sicher, ein arzt/jurist kann so einen kredit dann schneller mal zurückzahlen...aber was ist mit sozialarbeitern, historikern, journalisten die vielleicht sowieso erstmal ein jahr gratis-praktikum absolvieren müssen...

icybobo
00
13.7.2011, 13:30
Damit hätte man gleichzeitig einen tollen Steuerungseffekt!

Journalisten etc. müssen nach dem Studium nämlich deshalb gratis arbeiten, weil es ein überbordendes Angebot im Vergleich zu einer relativ geringen Nachfrage gibt.

Bei kreditfinanzierten Studien müsste sich dieses anschließend auch lohnen um den Kredit zurückzuzahlen. Es würde also weniger Leute Publizistik etc studieren, dadurch gäbe es kein Überangebot mehr und die Gehälter würden steigen.

Salem Saberhagen
00
13.7.2011, 14:33
...

Ja, wenn das eh alles so einfach ist...
Googlen Sie mal nach Schweinezyklus.
LG,
Salem

icybobo
00
13.7.2011, 15:11
Über den Schweinezyklus hab ich im Studium genug gelernt, danke.

Aber für manche Sachen bruach ich keine mathematischen Modelle sondern nur gesunden Menschenverstand. Oder glauben Sie, dass uns irgendwann die Historiker ausgehen.

Aber auch wenn wir den Schweinezyklus bemühen, so ist ein Kreisen um eine Gleichgewichtssituation, bzw eine verspätete Nachfragebefriedigung immer noch besser als gar keine.

chezgarando
01
13.7.2011, 13:41
aha...genial

und was haben sie studiert...milchmädchen? :]

Got Your Noes!
00
13.7.2011, 19:51

an der tschechischen unität 6 silvester stukkatiert...

the idler
12
13.7.2011, 11:16

Ein Studium ist ein Dienst an der Gesellschaft und kein Privatvergnügen.

Darum soll die Gesellschaft das Studium auch bezahlen.

dasandere
13
13.7.2011, 11:40
Nein,

die Gesellschaft soll bloß für die richtige Verteilung der Mittel sorgen. Herkommen soll sie von den Nutznießern, den Arbeitgebern. Diese bekommen bestqualifizierte Arbeitskräfte zum Nulltarif serviert, das ist eine versteckte Subvention!

kein standardsozi
00
13.7.2011, 14:02

solche schräg linke argumentationen haben unsere Unis ruiniert. was ist das schon wieder für eine typisch österreichisch sozialistische Argumentation. euch fällt immer für alles nur das gleiche ein: Arbeitgeber sollen zahlen. dafür daß sie arbeitsplätze sichern, dafür daß sie die wirtschaft ankurbeln, dafür daß sie die nachfrage decken etc.

wenn der staat zu blöd ist eine ordentliche ausbildung effizient zu finanzieren, muß man sich die gut ausgebildeten eben in Indien usw holen; beziehungsweise können nur die mit guten job beschäftigt werden, die sichs leisten können gute Universitäten im Ausland zu besuchen.

Sehr sozial, sie schlaumeier!

dasandere
01
13.7.2011, 14:46
Als Freund des freien Marktes

- den es nirgends gibt- habe nicht nur ich etwas gegen die versteckte Subventionierung der Arbeitgeber durch "gratis" zur Verfügung gestellte, bestens qualifizierte Angestellte, egal ob in Indien oder Österreich.

Das hat genau nichts mit links oder Sozialismus zu tun, den genau jene fordern doch durch den Staat bezahlte Bildung für alle!

Seehund
01
13.7.2011, 11:09

Ich finde es seltsam, dass ich Artikeln über Studienkredite in Deutschland nie das Bafög erwähnt wird. Das muss man zu 50% zurückzahlen, ist also durchaus ein günstiges Darlehen, aber eben kein Gratis-Stipendium wie in Österreich. D.h., die Studenten, deren Eltern das Studium nicht finanzieren können, müssen ohnehin ab 5 Jahre nach dem Ende der Regelstudienzeit (NICHT nach Studienende) anfangen, ihre Bafög-Schulden zurückzuzahlen. Die sind zwar mit 10.000 Euro gedeckelt, aber es ist schon ein Sümmchen... Und ein Studienkredit für Studiengebühren käme da noch DAZU.

120 Jahre Karl Schranz
00
13.7.2011, 11:17
das bafög ist eine sonderform und kein echter kredit

die nur bis zu einer gehaltsobergrenze der eltern schlagend wird.

es hat also den nachteil, dass wenn meine eltern genug verdienen, mir aber nicht genug geben, gilft mir das bafög auch nichts.

pelzebube
12
13.7.2011, 10:33
"Studieren auf einem höheren Niveau"

Ich persönlich würde die Einführung von Studiengebühren für gutheißen, wenn sich dadurch die Qualität auf unseren Unis dadurch verbessert (wie z.B. keine überfüllten Säle durch bessere Infrastruktur)
Welche Schritte für eine Qualitätssteigerung genau getroffen werden müssten, kann ich leider auf die Schnelle hier nicht erläutern. Dies ist aber auch nicht meine Aufgabe, sondern jene der dafür zuständigen Personen.

Weiters halte ich die Idee der Einführung von sogenannten Studienkrediten welche natürlich auf die Anliegen der Studenten angepasst werden müssten für eine gute Alternative.

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