Zwei Astronauten hatten sechseinhalb Stunden außerhalb der ISS zu tun
Cape Canaveral - Hollywood hätte sich vielleicht etwas Feierlicheres überlegt, doch der letzte "Weltraumspaziergang" der Shuttle-Ära war ein recht typisches Beispiel seiner Art: Die prosaische Aufgabe lautete, eine kaputte Kühlpumpe von der Internationalen Raumstation zu bergen und in den Laderaum der "Atlantis" zu bugsieren. Genau sechs Stunden und 31 Minuten dauerte der historische Einsatz am Dienstag. "Gute Arbeit", lobte ein NASA-Sprecher.
Es war ein schwieriges Unternehmen, das die beiden Bewohner der Internationalen Raumstation ISS, Ron Garan und Mike Fossum, zu bewältigen hatten. Tatkräftig unterstützt wurden sie dabei von ihren "Atlantis"-Kollegen: Die Spaceshuttle-Crew steuerte einen Roboterarm und half dem Duo im All damit, die hunderte Kilo schwere Pumpe zu bewegen.
Das Gerät war im vergangenen Jahr ausgefallen und musste in drei schwierigen Außeneinsätzen ersetzt werden. Jetzt soll es von der "Atlantis" zur Erde zurückgebracht werden. Ein solcher Transport wird nach der Pensionierung des Shuttles gar nicht mehr möglich sein - denn die russischen Sojus-Kapseln, die über Jahre hinaus die einzigen Vehikel sein werden, die es bis zur ISS schaffen, sind viel zu klein für ein solch großes Gerät.
Ein Zusatztag
Die US-Weltraumbehörde NASA gab der "Atlantis"-Mission STS-135 indessen einen Tag mehr Zeit. Dieser
soll genutzt werden, um an Bord der Internationalen Raumstation ISS Ausrüstung
auszupacken und zu verstauen, teilte NASA-Manager LeRoy Cain mit.
Überdies sollen verschiedene Systeme eingerichtet werden.
Keine Schrottgefahr
Am Montag konnte die NASA eine mögliche Gefährdung der Raumstation durch ein Stück Weltraumschrott nach anfänglichem Alarm ausschließen. Das Trümmerteil ist eines von mehr als 500.000 Teilen im Orbit, deren Bahnen aufmerksam verfolgt werden. Zuerst war unklar, ob das Teil, das vom russischen Satelliten Cosmos 375 stammt, der Station nahe kommen könnte. Montag Vormittag konnte die NASA aber Entwarnung geben: Der Weltraumschrott stelle für Station und Raumfähre keine Gefahr dar, es sei kein Ausweichmanöver erforderlich.
Die "Atlantis"-Crew wurde am Montag mit dem Song "Tubthumping" von Chumbawamba geweckt. Das Lied war speziell für Astronautin Sandy Magnus gespielt worden. Um 11:16 Uhr wurde das Mehrzweck-Logistik-Modul "Raffaello" im Laderaum des Space Shuttles mit dem ISS-Roboterarm "Canadarm2" erfasst. 1,5 Stunden später war es erfolgreich am Verbindungsmodul "Harmony" angeschlossen. Das 12,5 Tonnen schwere Modul ist 6,4 Meter lang und mit Ersatzteilen, -ausrüstung, Lebensmitteln und anderen Versorgungsgütern beladen. Montag Abend wurde die Luke zum Modul geöffnet und mit dem Ausladen "Raffaellos" begonnen. Die Entladung des Moduls wie auch die Beladung mit ausrangierter Ausrüstung, die zur Erde zurückkehren wird, wird nahezu 130 Arbeitsstunden benötigen. (red/APA)