Keine Tat ohne Frauenrat

12. Juli 2011, 10:56
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Überparteilich feministisch: Seit 25 Jahren arbeiten Frauenrat und Unabhängige Frauenbeauftragte mit und für die Frauen in Graz

1986 hat sich in Graz frauenpolitisch etwas zu regen begonnen, was heuer ein rundes Jubiläum feiert: 25 Jahre Grazer Frauenrat und 25 Jahre Unabhängige Frauenbeauftragte. Beide Einrichtungen sind eng miteinander verknüpft, in ihrer Entwicklung und in ihrer Zielsetzung, die Frauenanliegen in der Stadt zu forcieren und durchzusetzen.

Frauengruppen gebündelt

Anfang 1986 berief Grete Schurz, die erste Unabhängige Frauenbeauftragte (UFB) in Graz wie in Österreich, die Gründungssitzung des Grazer Frauenrates ein, der sich vormals der "Frauenbeirat der Grazer Frauenbeauftragten" nannte. Achtzehn Fraueninitiativen - zwölf autonome, zwei kirchliche, vier politische Gruppen - konnte sie - letztlich erfolgreich - bündeln, um die Finanzierung des ersten Grazer Frauenhauses voranzutreiben. Es folgten Richtlinien, in denen Zielgruppe, Grundsätze, Aufgaben, Aufnahmekriterien, Arbeitsweisen und Beschlussfassungsmodus formuliert waren. Diese Richtlinien einte alle Frauen im Frauenrat, sich für Interessen von, beziehungsweise für Frauen einsetzen zu wollen.

Damals umfassten die Frauenrats-Aktionen Resolutionen, Beschwerdebriefe, Solidaritätserklärungen und das Weiterleiten konkreter Forderungen an die entsprechenden amtlichen Stellen. Außerdem wurden medienwirksame Auftritte im öffentlichen Raum durchgeführt, um auf Anliegen aufmerksam zu machen. 1992 protestierte der Frauenrat erfolgreich gegen die von der Stadt geplante Einsparung der Unabhängigen Frauenbeauftragten. Der Frauenrat erarbeitet ein Anforderungsprofil für die Frauenbeauftragte, wurden mit der Ausschreibung und Auswahl der Bewerberinnen betraut.

UFF taucht auf

1995 löste Barbara Kasper Schurz ab. Die finanziellen Voraussetzungen ihrer Arbeit gingen konform mit den Belastungs- und Einsparungspaketen, die auf Bundes- und Landesebene geschnürt worden waren. 1996 formierte sich das Unabhängige Frauen Forum (UFF), das medial die Diskussion zur sozialen und materiellen Situation von Frauen in Österreich aufbereitete. Der Grazer Frauenrat war mit dem UFF solidarisch: Nicht nur Organisationen sollten Mitglied sein können, sondern auch Einzelfrauen, um vermehrt vom Austausch von Kontakten, Informationen und Ressourcen zu profitieren.

Öffentlichkeitswirksame Aktionen

Doris Kirschner wurde 1998 Unabhängige Frauenbeauftragte. Sie griff das Thema Richtlinien wieder auf und machte die Geschäftsordnung des Frauenrates. Vereint wurde gegen das "Lebenszentrum Graz" und die Absetzung der Kärntner Frauenbeauftragten protestiert. 2002 folgte Daniela Jauk auf Kirschner. Sie bezeichnete sich als Leiterin des Frauenrats und definierte diesen als "ein überparteiliches und überkonfessionelles Gremium, das es in dieser Form seit über fünfzehn Jahren gab. Wie keine andere nutzte sie das Gremium, um Themen öffentlichwirksam zu kampagnisieren und setzte wieder auf Aktionismus und Öffentlichkeitsarbeit: 2002 protestierten Abgeordnete aller Parteien mit einer Delegation des Frauenrates als Frauenärztinnen verkleidet vor der Steirischen Gebietskrankenkasse GKK gegen die Vergabe einer Kassenstelle für Gynäkologie an einen Frauenarzt; 2003 fand zur - für Frauen nachteilige - Pensionsreform 2003 eine demonstrative öffentliche Frauenratssitzung auf der Grazer Herrengasse statt. Mit Jauk bekam der Frauenrat auch seinen ersten Internetauftritt.

2004 kam Brigitte Hinteregger auf den Posten. Gemeinsam mit dem Frauenrat protestierte sie gegen Einsparungsmaßnahmen bei verschiedenen Fraueninstitutionen und Frauengruppen auf. 2007 initiierte sie das "Lichtermeer gegen Gewalt an Frauen". Ihre Öffentlichkeiten waren im Internet und Cyberraum.

Unabhängigkeit hat Priorität

2007 ging es darum, den Dienstvertrag zwischen Stadt Graz, dem Trägerverein und Frauenbeauftragter zu verlängern. Dieser konnte nur provisorisch für das Jahr 2008 fortgeschrieben werden, da durch die Grazer Gemeinderatswahlen auch die Erstellung eines neuen Stadtbudgets ab 2008 bedeuteten. So musste die UFB vom Trägerverein gekündigt werden; parallel dazu legte dieser die Trägerschaft für die Frauenbeauftragte zurück.

Von Juli 2008 bis März 2009 war daher die Funktion der Frauenbeauftragten nicht besetzt. Die Frauenbeauftragte sollte weiterhin weisungsfrei bleiben und das Anstellungsverhältnis zur sozialen Absicherung beibehalten werden und deshalb wurde der Vorschlag einer Trägerinnenschaft durch den autonomen Frauenrat aufgegriffen. Eine Arbeitsgruppe des Frauenrates erarbeitete die künftigen Statuten des Vereins, die Geschäftsordnung zwischen Vorstand und Frauenbeauftragter, die als Geschäftsführerin des Vereins eingesetzt wurde. Die Sitzungen des Frauenrats wurden statutarisch als ein Organ des Vereins verankert.

Die erste Vollversammlung des "Verein Grazer Frauenrat - Unterstützung von frauenpolitischen Anliegen in der Stadt Graz" fand am 10. Februar 2009 statt. Die Stelle der Frauenbeauftragten wurde unter den neuen Bedingungen neu ausgeschrieben und mit 1. März 2009 nahm Maggie Jansenberger als UFB und Geschäftsführerin ihre Arbeit auf. Der Gemeinderat beschloss im April, dem Verein auf fünf Jahre, also die Dauer eine Legislaturperiode, einen Vertrag zu sichern und ein Budget von 80.000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Für alle StadtpolitikerInnen von Nutzen

So ist es nach mehr als zwanzig Jahren gelungen, die Brücke zwischen Autonomie und Institution zu schlagen: eine autonome Institution, die formal in das etablierte politische System integriert ist. An den Zielen des nicht gewinnorientierten, überparteilichen und nicht konfessionellen Vereins hat sich über die Jahre nichts geändert: Es wird an der Umsetzung von Geschlechtergerechtigkeit und gegen Sexismus und die Diskriminierung von Frauen gearbeitet sowie kommunale und gesellschaftspolitische Entwicklungen und Maßnahmen nach den Geschlechterdimensionen kritisch hinterfragt. Die Vernetzung von institutionellen und autonomen Fraueneinrichtungen und -initiativen in Graz und ganz Österreich ist auf der Agenda immer weiter nach oben gerückt.

Die Organisationen im Frauenrat arbeiten direkt mit und für die Frauen, kennen deren Alltag durch ihre jahrzehntelange Arbeit in den unterschiedlichen Bereichen. Dieses Expertinnenwissen wurde in den letzten 25 Jahren auch immer wieder (z.B. von den Frauenstadträtinnen, Gemeinderätinnen) genutzt und soll nun verstärkt für Entscheidungen in der Stadt Graz angehört werden. "Nach 25 Jahren des Bestehens ist es an der Zeit, dass der Grazer Frauenrat als beratendes Gremium von allen StadtpolitikerInnen aktiv genutzt wird", formuliert Jansenberger die Stoßrichtung für die Zukunft. (red)

  • Ein Viertel Jahrhundert nach Gründung ist Graz nach wie die einzige Stadt Österreichs mit einer Unabhängigen Frauenbeauftragten und einem Frauenrat.
    foto: eva & co, 1988

    Ein Viertel Jahrhundert nach Gründung ist Graz nach wie die einzige Stadt Österreichs mit einer Unabhängigen Frauenbeauftragten und einem Frauenrat.

  • Ziel ist "Keine Tat ohne Frauenrat": Maggie Jansenberger, UFB und Frauenratsvorsitzende.
    foto: fischer

    Ziel ist "Keine Tat ohne Frauenrat": Maggie Jansenberger, UFB und Frauenratsvorsitzende.

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