Positive Überraschungen sind auch noch möglich

12. Juli 2011, 16:50
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Und noch ein ultrakompaktes Raumwunder, diesmal aus Korea: Hyundai ix20 im Standard-Praxistest

Bei der Namensgebung waren die Herren aus Südkorea nicht rasend kreativ. ix20 hat den Charme eines Luftfilters - allerdings den Vorteil, diversen Fettnäpfen großräumig auszuweichen. Das unerotische ix20 taugt im fernen Westen weder als ordinäres Schimpfwort noch als andere Anzüglichkeit und reiht sich auch noch stramm in die Nomenklatur.

So schlecht war der Name des Vorgängers, Matrix, auch wieder nicht, stand er doch für Ordnung.

Dem Benutzer soll es recht sein. Denn die Kreativität wurde ins Gerät investiert, und herausgekommen ist ein Microvan, der wohlgepflegte Vorurteile gegen Billig-Schüsseln aus Fernost abhängt. Er bietet viel mehr Platz, als die äußeren Abmessungen vermuten lassen - und gespart wurde bei der Ausstattung nicht und schon gar nicht bei der Ordnung. Im Gegenteil. Eine Ablagefläche da, ein Schiebefach dort.

Diese Dinge müssen mittlerweile lobenswert hervorgehoben werden, denn die Airbag-Mania führt dazu, dass bei Kleinwagen in der Mittelkonsole nicht einmal mehr ein Mobiltelefon halbwegs rutschfest liegen kann. Liebe zum Detail (man kann es auch durchdacht nennen) lässt sich auch bei der Bestuhlung ablesen: Die geteilte Rückbank lässt sich der Länge nach getrennt verschieben, und die Lehnen sind variabel verstellbar. Da hat offensichtlich jemand im wirklichen Leben Anleihe genommen, Chapeau!

Gut gelungen ist die Fahrwerksabstimmung, wenngleich die Motorisierung selbst mit 90 PS nicht der große Renner ist. Unterschätzen sollte man den ix20 allerdings keineswegs. Der Microvan ist nämlich ein heimtückischer Teufel, der ausnehmend leise durch die Gegend schleicht - so leise, dass aus erlaubten 80 Stundenkilometern in null Komma nix 120 wurden. Die brachten uns zwei Monate später schlanke 110 Euro Radarstrafe ein - mit ein Grund, warum der Testerin der sportliche Rattler so gut in Erinnerung geblieben ist.

Dabei war das noch Glück im Unglück. Ein paar Sachen mehr, und nach einer Lenkererhebung wär' die Anonymität des Testfahrzeugs ebenso weg gewesen wie der Deckel. Falls nicht: Zumindest ein Downgrade der Verkehrspolizei wäre unvermeidlich gewesen. Also wurde blutenden Herzens ausnahmsweise ohne aufzumucken sofort gelöhnt.

Apropos Aufpreis: Der Vierzylinderdiesel ist, auch was den Verbrauch betrifft, in Ordnung. Ob er jedoch den finanziellen Mehraufwand von 1500 bis 2000 Euro gegenüber den vergleichbaren ix20-Benzinmodellen wert ist, hängt sehr vom Fahrverhalten ab. Bei anhaltend hohem beziehungsweise steigendem Dieselpreis klingt es nicht unwahrscheinlich, dass die Amortisation die durchschnittliche Behaltedauer des Stadtflitzers übersteigt; zumal wir das Gefährt schlicht nicht so sparsam betreiben konnten, wie im Herstellertest beschrieben.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Microvans obligatorisch bei Hyundai: serienmäßig diverse Buchsen für MP3, Aux und USB. Die Asiaten sind diesbezüglich moderner als die Europäer, wo ein MP3-Anschluss ab und zu doch noch als Luxus betrachtet wird. Das gilt auch für die serielle Mitgift des ix20: ESP, Klima, Isofix, Berganfahrhilfe, Start-Stopp-Automatik. Nur die Einparkhilfe mit Rückfahrkamera kostet extra - aber wer bitte braucht die bei so einem übersichtlichen Auto? (Luise Ungerboeck/DER STANDARD/Automobil/08.07.2011)

  • Drinnen a wengerl mehr, als von außen erkennbar: Der ix20 von Hyundai fährt vielen Vorurteilen davon.
    foto: christian fischer

    Drinnen a wengerl mehr, als von außen erkennbar: Der ix20 von Hyundai fährt vielen Vorurteilen davon.

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