Keine Arbeit ohne Geld in den Ländern

10. Juli 2011, 18:31
  • Beamtenministerin Gabriele Heinisch Hosek will keine unbezahlten Praktika mehr in der Verwaltung.
    foto: apa/hochmuth

    Beamtenministerin Gabriele Heinisch Hosek will keine unbezahlten Praktika mehr in der Verwaltung.

Im Bund fordert Beamtenministerin Heinisch-Hosek das Ende unbezahlter Praktika - In den Ländern ist das fast allerorts selbstverständlich

Wien - Mehr als 350 Praktikanten waren im Bundesdienst im Vorjahr beschäftigt, ohne dafür nur einen Euro zu bekommen, der überwiegende Teil im Außenministerium. Das ergab eine parlamentarische Anfrage, die Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) dazu bewog, das Ende unbezahlter Arbeit in Ministerien zu fordern (Der Standard berichtete). Die Länder sind in dieser Hinsicht dem Bund voraus, wie ein Rundruf ergab: Fast alle Kurzzeit-Mitarbeiter der Landesregierungen werden bezahlt.

136 Praktikanten beschäftigt man heuer im Burgenland in der Verwaltung. Mit Matura verdienen sie 660 Euro netto pro Monat, ohne Matura 584,30 Euro.

Im Magistrat Wien gibt es keine unbezahlten Praktika und umso mehr Bewerber: 2000 Schüler und Studierende fragen jedes Jahr an, 200 Plätze werden vergeben. Die Bezahlung ist nach Alter gestaffelt: 16-Jährige erhalten 582 Euro pro Monat, mit 17 gibt es 617 Euro. Maturanten und Studierende im 1. Abschnitt bekommen 690 Euro, im 2. Studienabschnitt gibt es dann 763 Euro.

570 Praktikanten gibt es pro Jahr in Niederösterreich - in der Verwaltung, in den Bezirkshauptmannschaften, aber auch in Küchen von Pensionistenheimen. Sie verdienen 600 bis 900 Euro pro Monat. Für Juristen oder Techniker gibt es außerdem das Top-Ten-Programm: Zehn Studierende oder Absolventen werden dafür jedes Jahr ausgewählt.

Gut 500 Praktikanten nimmt das Land Oberösterreich jährlich auf, einige davon direkt im Büro eines Landesrates. Vier Wochen sind sie dort in der Regel tätig, je nach Einsatzort erhalten sie zwischen 700 und 1000 Euro.

In der Steiermark hat die Landesregierung den Sparstift auch bei den Ferialpraktikanten angesetzt. Statt wie in den Vorjahren 300 gibt es heuer nur 150 Stellen für junge Leute, die dafür 550 Euro pro Monat bekommen. Wer einige Wochen "schnuppern" will, kann dies auch unbezahlt tun, die Tätigkeit ist dann mit einem Monat begrenzt. In den verschiedenen Abteilungen des Landes kann man zwischen 800 und 1100 Euro pro Monat verdienen, im Sozialbereich - etwa in Heimen - werden zusätzlich Tagsätze ausbezahlt.

Wer in Kärnten Ferialpraktikant ist, bekommt für 22 Arbeitstage etwa 480 Euro netto. 150 Personen wurden dafür heuer in Klagenfurt aufgenommen. Etwa 450 bis 500 Bewerbungen trudeln bei der Landesregierung jährlich von jungen Leuten ein, die im Rahmen ihrer Ausbildung ein Praktikum absolvieren müssen. 180 werden vom Land bezahlt; wer darüber hinaus unbedingt ein Praktikum absolvieren will oder muss, kann dies unbezahlt tun, und zwar bis zu fünf Monate. Laut einem Beamten der Landesregierung gibt es über das Jahr verteilt in Kärnten etwa 70 unbezahlte Praktikanten.

Ausschließlich Pflichtpraktika werden in Salzburg vergeben, diese dauern durchschnittlich acht Wochen und werden mit 570 Euro pro Monat bezahlt - unabhängig vom Bildungsgrad. Wer als Volontär in den Landesdienst hineinschnuppern möchte, erhält 180 Euro Taschengeld pro Monat.

Maximal ein Jahr lang kann man in Tirol als Verwaltungspraktikant arbeiten, es handelt sich dabei großteils um Hak-Maturanten oder Jus-Absolventen. 1200 Euro gibt es dafür pro Monat, kürzere Pflichtpraktika werden mit 680 Euro netto entlohnt.

In der Landesverwaltung in Vorarlberg arbeiten jährlich bis zu 45 bezahlte Praktikanten. Schüler und Studenten bekommen für das Pflichtpraktikum rund 300 Euro, Verwaltungspraktikanten verdienen monatlich 2000 Euro brutto. Ein Verwaltungspraktikum kann machen, wer ein abgeschlossenes Studium, aber noch keine Berufserfahrung hat. Zwölf bis 15 Plätze stehen zur Verfügung. (fern, hei, jub, kali, ker, mue, ruep, ver, wei, DER STANDARD; Printausgabe, 11.7.2011)

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7 Postings
Na das ist doch mal eine Ansage

Darunter fallen natürlich auch die Zivildiener!

Ich finde es unerträglich, wie die Zivildiener - unsere jungen Menschen - finanziell ausgebeutet werden.

Daneben haben wir ausgebildetes Personal, das am Arbeitsamt Schlange stehen muß, um einen Stempel zu bekommen.

Stehlt unseren Jungen nicht ihre produktivste Zeit. "Keine Arbeit ohne Geld!"

Ich halte unbezahlte Praktika für eine "kapitalistische Schweinerei" und wenn SozialdemokratInnen hier mitspielen, sollten sie aus der Partei austreten mangels sozialer Kompetenz.

dem stimme ich anstandslos zu

Beim Wiener Magistrat gibt es nach wie vor sog. Volontariate. Das sind unbezahlte Praktika...

na toll, jetzt wollten die gerade alle praktika in voluntariate umtaufen, und das problem waere so schoen geloest gewesen. und jetzt kommen sie daher und haengen das an die grosse glocke ;-)

Im Bereich der Gemeinde WIen

gibt es nach wie vor unbezahlte Praktika - möglicherweise bezieht sich dieser Text nur auf Ferialpraktikanten?

Im Bereich der Gemeinde WIen

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