Die wirkliche Zäsur ist die steirische Bezirksreform

Kolumne | 10. Juli 2011, 18:43

Vollzogen wird etwas, das es zumindest im Bewusstsein der Urlauber längst gibt und womit auch geworben wird

Ein Groß-Leoben mit 50.000 Einwohnern, mit der Montanuniversität, den Kulturaktivitäten, mit dem Stahlwerk Donawitz. Das hätte optische Wucht - auch wenn es nur der Politik- und Verwaltungsvollzug einer jetzt schon wirksamen Realität wäre.

Die eigentliche Zäsur ist die von SPÖ und ÖVP betriebene Bezirksreform mit dem Ziel, in wenigen Jahren statt 17 nur noch acht Verwaltungseinheiten zu haben. Dass am 1. Jänner 2012 bereits Judenburg und Knittelfeld (das Waterloo Jörg Haiders) zusammengelegt werden, hebt das Vorhaben über bloße Ankündigungspolitik hinaus.

Noch mehr: Dass man den neuen Bezirk "Obersteiermark West" nennen will, bedeutet den Einschluss Muraus, des westlichsten Bezirks der Steiermark. Und der Norden, wo die Auflassung der Expositur Bad Aussee beschlossene Sache ist, wird dann ebenfalls nicht mehr nach seiner Hauptstadt Liezen benannt sein, die übrigens über einen Bezirk gebietet, der flächenmäßig größer ist als Vorarlberg.

Voitsberg und Deutschlandsberg werden in wenigen Jahren "Steiermark West" bilden. Leoben, Bruck/Mur und Mürzzuschlag werden "Steiermark Nord" heißen. Hartberg, Weiz und Fürstenfeld sind dann "Steiermark Ost" , Leibnitz, Radkersburg, Feldbach werden "Steiermark Süd" .

Vollzogen wird etwas, das es zumindest im Bewusstsein der Urlauber längst gibt und womit auch geworben wird - die Strukturierung des Landes in Genussregionen, eine Industriezone und die Grazer Zentrale samt dem bisherigen Bezirk Graz-Umgebung. Seine Einbeziehung würde aus Graz eine 300.000-Einwohner-Stadt machen.

Die politischen Folgen sind ungleich größer als bei Maßnahmen wie der Verkleinerung des Landtages und der Landesregierung. Dort entstehen neue Konstellationen: Durch die Zusammenlegung der Polizeikommandos zum Beispiel, durch die Fusionierung der Bezirksgerichte sowie durch neue Schwerpunkte in der Parteipolitik - welcher Bezirkschef setzt sich durch?

Diese Reform wird, so sie nicht Stückwerk bleibt, auf Nachbarländer ausstrahlen. Über kurz oder lang sind Diskussionen auch in Niederösterreich erwartbar, spätestens nach dem Abtritt von Erwin Pröll. Denn was spricht wirklich dagegen, die Viertel-Regionen (Wein-, Wald-, Mostviertel sowie Industrieviertel) auch in große Verwaltungsbezirke zu verwandeln? Ähnliches gilt für Oberösterreich. Die dortigen Viertel heißen in Salzburg "Gaue" . Eine alte regionale Struktur mutierte zu einer modernen Vorstellung der Strukturvereinfachung.

Und Vorarlberg - wozu brauchen die überhaupt eine Unterteilung in Bezirke? Im Burgenland könnte man die jetzt schon üblichen drei Regionen einführen:Nord-, Mittel-, Südburgenland.

Die damit verbundenen finanziellen Einsparungen würden sich so richtig erst in zwanzig Jahren auswirken - wenn die letzten Beamten und Beamtinnen aus der "guten alten Zeit" in Pension gegangen sind. Und überhaupt: Wenn eine neue Generation gar nicht mehr weiß, dass Murau oder Mistelbach einmal Bezirkshauptstädte waren. (Gerfried Sperl, DER STANDARD; Printausgabe, 11.7.2011)

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Wahrheit111
00
31.7.2011, 22:07
Zitat:

"...die Grazer Zentrale samt dem bisherigen Bezirk Graz-Umgebung. Seine Einbeziehung würde aus Graz eine 300.000-Einwohner-Stadt machen."
Ich will ja nicht Erbsen zählen aber bei tatsächlichen 404.000 EW sind 300.000 doch etwas ungenau ...

world-citizen
00
25.7.2011, 11:47
Werden dann eigentlich ............

........... auch die KFZ-Kennzeichen geändert?

derPolizist
00
14.8.2011, 18:38

Natürlich

Wernael Spindelmann
00
11.7.2011, 22:33
Ich als vehementer Polit-Kritiker ziehe meinen Hut vor Voves und Schützenhöfer!

derPolizist
00
11.7.2011, 18:30

Es wird wohl eher "Weststeiermark" als "Steiermark-West" heißen....

Wobei ich finde, dass es kreativer wäre, hier komplett neue Namen für die neuen Bezirke zu erfinden.

MCU
00
11.7.2011, 17:34

Steiermark West mit Deutschlandsberg und Voitsberg wird es mMn nicht geben, da schon derzeit Leibnitz und Deutschlandsberg enger zusammenarbeiten:
z.B. die Baubezirksleitung Leibnitz ist auch für Deutschlandsberg zuständig.

Der neue Bezirk mit Leibnitz und Deutschlandsberg könnte demnach Steiermark Süd-West heißen.

sociovation
00
11.7.2011, 18:29
Voitsberg bemüht sich zudem

schon seit Jahren um eine Zugehörigkeit zum Steirischen Zentralraum mit Graz und Graz-Umgebung.
Übrigens: Simmering gegen Kapfenberg, a matte Sache, Voitsberg gegen Deutschlandsberg, des is Brudalidäd---

locken
00
11.7.2011, 17:13
Gemeinden unter 5000 Einwohner zusammen legen !

Krahberg
00
11.7.2011, 16:16

Wenn Schweden nur ca 200 Gemeinden hat, warum braucht Österreich da über 2200 Gemeinden?

Ich bin sehr gerne in der Steiermark: Schladming und Rohrmoos-Untertal könnte man doch zur Gemeinde Rohrming machen oder das Ganze gleich Planai nennen und dann gleich die westlicheren Gemeinden bis Salzburg Landesgrenze auch einschließen sowie den Hauser Kaibling und auch die Ramsau gehört dazu. Touristisch wirds ja auch als Region vermarktet.

locken
00
11.7.2011, 15:35
Warum nicht gleich Bundesländer zusammen legen ?

J. Reichhart
02
11.7.2011, 15:11
deutschland hat das schon vor vierzig jahren gemacht,

viele landkreise zusammen gelegt und dabei eine menge verwaltungsaufwand gespart.

wir diskutieren noch, ob wir bezirksschulinspektoren brauchen. aber lehrer haben wir nicht genug!

aiuto
00
11.7.2011, 16:04
Natürlich sind wir in Österreich immer hinterdrein,

aber wichtig ist doch, dass einmal begonnen wird, die Verwaltung zu reformieren.
Bravo !!!
Jetzt könnte man dann auch daran gehen, Dinge auszulagern, die nicht unbedingt beamtet erledigt werden müssen, nur als Beispiel sei die Europa-Information genannt.

FS4 - the science channel
03
11.7.2011, 14:55

Und WU, SW, MD bitte gleich Wien einverleiben – wenigstens nach Prölls Tod.

Dimple
00
11.7.2011, 22:35
Ich weiß nicht recht

Die BewohnerInnen von Kleingemeinden wie Perchtoldsdorf (15.000 EW), Wiener Neudorf (8.800 EW), Brunn am Gebirge (11.000 EW), Mödling (20.000 EW),... - zusammen 115.000 EW - werden sicher nicht einer Eingemeindung nach Wien zustimmen:

1. Niemals wollen sie den Wr. Bürgermeister als Stadtoberhaupt haben (nicht mal die Brunner, die SPÖ-Mehrheiten wählen)
2. Niemals wollen sie ein (oder mehrere) Wr. Schulsprengel sein (freie Sprengelwahl in Wien!)
3. Niemals wollen sie vom Wr. Magistrat verwaltet werden, anstatt einfach ins Gemeindeamt zu gehen.

lg
Dimple, und ich verstehe sie

Forname Nachnahme
00
11.7.2011, 23:19

Aha, das heisst, die Straffung der Verwaltung sollte nur für das "gemeine Volk" gelten, nicht aber für die im Speckgürtel siedelnden Neureichen!?

Gratuliere, Sie sind wirklich ein Kind dieser Zeit!

Dimple
00
12.7.2011, 11:45
Naja

Die Sache ist halt nicht so einfach: Die BürgerInnen dieser Gemeinden sehen sich halt zu einem großen Teil eben nicht als WienerInnen und sind eben froh, verwaltungstechnisch nicht in Wien zu sein. Daher werden Sie da keine Zustimmung finden.

Noch dazu ist eine Eingemeindung in Wien sicher keine Verwaltungsstraffung.

Eher interessant wäre eine Zusammenlegung der kleinen Gemeinden im Bezirk Mödling (zu Einheiten von 6000 und mehr EW).

lg
Dimple

momodeluxe
00
11.7.2011, 16:40

die idee gabs schon öfter: http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9F-Wien

(und nein, das ist nicht als n-keule gemeint)

FS4 - the science channel
00
11.7.2011, 16:52

Wenn die Sch... Nazis das nicht gemacht hätten, dann wären die Umlandgemeinden schon lange eingemeindet.

Nightstallion
00
11.7.2011, 16:15
Ja, bitte. Wäre längst überfällig.

Reginald Barclay
00
11.7.2011, 16:23
Hmm

.. wenn dafür die U4 dann endlich bis Unterkritzendorf bzw. Mauerbach, und die U1 bis Mödling bzw. Groß-Enzersdorf, durchfahren, und nicht quasi noch im Stadtzentrum verenden ..

zkk
 
01
11.7.2011, 12:47
hat spövp wirklich diese reformkraft?

gibt es in der ö politik tatsächlich noch überraschungen?

jeder weg beginnt mit dem ersten schritt und das ist auf alle fälle ein mehr als überfälliger auf dem langen weg der verwaltungsreform (=vereinfachung).

und die zusammenlegung von 99 bezirken zu wenigen (15?) regionen in ö könnte eine vorstufe zur abschaffung der "länder" sein ... ok, das ist unwahrscheinlich, aber träumen wird man ja noch dürfen ... ^^

http://www.zpa.at
10
11.7.2011, 12:38

- eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als dass substantielle Einsparungen im Öffentlichen Sektor erfolgten.

Corello
 
51
11.7.2011, 11:52
Ein Traum...

...aber ein schelchter:

Feuerwehren und Krankenhäuser sowie "VAZs" wird es weiter wie Sand am Meer geben (geht ja um Stimmen, äh optimale Versorgung), aber für denMeldezettel und das gelbe Sackel muss man dann 50km fahren, zum Kindergarten vielleicht nur 25.

Ludovico Settembrini
02
11.7.2011, 18:05

im unterschied zur feuerwehr brauchen sie einen meldezettel nicht binnen 15 minuten an einem samstag um 01:30 in der frueh....

papperlapapp78
02
11.7.2011, 15:40

wie oft im leben braucht man schon einen meldezettel?

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