Red Bull Racing muss gar nicht siegen, um zu gewinnen. In Silverstone baut Sebastian Vettel mit Rang zwei hinter Fernando Alonso die Führung in der WM weiter aus. Die Box vereitelt den siebenten Saisonsieg.
Silverstone/Wien - Nach zwei zweiten und einem dritten Platz feierte der Spanier Fernando Alonso am Sonntag beim Grand Prix von Großbritannien seinen ersten Saisonsieg, den 27. insgesamt. Das Ende der Ferrari-Durststrecke - die Scuderia darbte seit Alonsos Sieg im Oktober des Vorjahres in Südkorea - verantwortete Vettels Boxencrew. Der vorletzte Reifenwechsel des 24-jährigen Deutschen dauerte mehr als 13 Sekunden. Alonso, zu selben Zeit in die Box gefahren, aber deutlich früher wieder draußen, brauchte sich dann nicht mehr sonderlich anzustrengen, zumal Vettel auch noch in Spritnot geriet. Platz zwei rettete der Weltmeister mithilfe von Teamchef Christian Horner. Der Australier Mark Webber durfte seinen angeschlagenen Teamkollegen nicht mehr überholen.
Beim Start galt selbstverstänlich kein Überholverbot. Vettel passierte Pole-Mann Webber und schien auf zunächst regennasser Strecke seinem siebenten Saisonsieg entgegen zu stürmen. Hinter dem Weltmeister ging es recht spannend zu, zumal die beiden McLaren nach verheerendem Training im Rennen das Tempo von Red Bull locker halten konnten. Lewis Hamilton raste vor seinem Heimpublikum von Startplatz zehn aus wie ein Irrwisch durch das Feld, zu guter Letzt quetschte er sich in der finalen Kurve am Ferrari-Brasilianer Felipe Massa vorbei auf Rang vier.
Schraube locker
Hamiltons Teamkollege Jenson Button war gar zu einem Podestplatz unterwegs, bedauerlicherweise wurde beim letzten Boxenstopp der rechte Vorderreifen seines McLaren nicht festgeschraubt, was spätestens bei der Boxenausfahrt höchst unangenehm auffiel. Button konnte den Dreibeinigen jedoch immerhin unfallfrei zum Stehen bringen.
Altmeister Michael Schumacher hatte es lange davor als Erster gewagt, von nässefreundlichen Intermediates auf Slicks zu wechseln. Der 42-Jährige fuhr danach im Mercedes flott, kollidierte dann aber mit dem Sauber des Japaners Kamui Kobayashi, wurde mit einer schadhaften Frontpartie und einem 10-Sekunden-Halt bestraft und rettete dennoch Rang neun. Dass Schumacher 176 Zähler hinter Spitzenreiter Vettel liegt, spielt für den weiteren Saisonverlauf keine Rolle. Wohl eine Rolle spielt, dass Vettels erster Verfolger, nämlich Webber, auch schon 80 Punkte Rückstand hat. Und Alonso fehlen als Drittem 92 Punkte. Hamilton und Button liegen zehn Rennen vor Schluss jeweils 95 Punkte zurück.
Vettel konnte also gelassen kommentieren. "Wir hatten ein paar kleine Fehler, aber es kann nicht jeden Tag perfekt laufen", sagte der WM-Führende, der ausgerechnet vor Silverstone seinen Helm mit Bildern von der Boxencrew geschmückt hatte.
Alonso rief dafür die große Tradition der Scuderia in Erinnerung, die vor 60 Jahren just in Silverstone mit einem GP-Sieg des Argentiniers José Froilán González begonnen hatte. "Das war ein Privileg für mich. Heute habe ich auf der gleichen Strecke mit der gleichen Passion eines fantastischen Teams gewonnen", sagte der 29-jährige Spanier.
Fortgesetzt wird die WM am 24. Juli mit Vettels Heim-GP auf dem Nürburgring. Im Vorjahr, aber in Hockenheim, siegte Alonso. (lü; DER STANDARD Printausgabe, 11. Juli 2011)