Bernard-Henri Lévy: "Erniedrigung Strauss-Kahns obszön"

9. Juli 2011, 22:43

Philosoph prangert "Kannibalisierung der Justiz durch das Spektakel" an

Paris/Wien - In der Affäre um die angebliche Vergewaltigung einer Hotelangestellten in New York durch Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sieht der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy den Beschuldigten und das Prinzip der Unschuldsvermutung als Opfer. Die "Kannibalisierung der Justiz durch das Spektakel" habe in diesem Fall mit einer "inszenierten Lynchhysterie" einen "obszönen Höhepunkt" erreicht, schreibt Lévy in einer von der Zeitung "Die Presse am Sonntag" veröffentlichten Streitschrift, die in der von ihm herausgegebenen Publikation "La Règle du Jeu" erschienen ist.

Strauss-Kahn sei in ein "Symbol" verwandelt und "mit allem, was uns in dieser Welt hassenswert erscheint," beladen worden. Der Politiker sei nur noch "das Abbild der weißen Bankiers und der Globalisierung" und sein mutmaßliches Opfer "die Verkörperung aller erniedrigten und misshandelten, dazu noch eingewanderten und armen Frauen". Doch die Justiz habe nicht über Symbole, sondern über menschliche Individuen zu urteilen. Eine Rechtsfrage werde so in einen "metaphysischen Streit zwischen Schwachen und Mächtigen" verwandelt, kritisiert der französische Parade-Intellektuelle, der sich auch gegen "die Heiligung der Aussage der Opfer" verwahrt: "Es ist eines, ihnen das Wort zu erteilen. Etwas anderes ist es, dieses Wort als Evangelium zu nehmen."

"Dieser Mann, dessen Leben und Ehre man den Hunden zum Fraß vorgeworfen hat, heißt Dominique Strauss-Kahn. Aber es gibt noch ein anderes Opfer in den Vereinigten Staaten und in Europa: den Grundsatz der Unschuldsvermutung. Dieses Prinzip wurde mit Füßen getreten, von Boulevardblättern, die in ihrer Niedertracht wetteiferten, um Strauss-Kahn in ein 'Monster' und einen 'Perversen' zu verwandeln. Aber dies tat auch ein Teil der seriösen Presse, etwa das 'Time Magazine', das auf seiner Titelseite die 'Arroganz der Mächtigen' mit dem Bild eines Schweins illustrierte und damit weiter ging, als dies die schlimmsten Schmierblätter gewagt hätten. Das Prinzip wurde auch von den Bürokraten des Internationalen Währungsfonds durchlöchert, die Strauss-Kahn zum Rücktritt zwangen, obschon sie nicht mehr wussten als die Hotelangestellten bei ihrer Demonstration am 6. Juni. Sie haben sich dadurch mit Schande bedeckt", meint Bernard-Henri Lévy. (APA)

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Chien de Pique
14
11.7.2011, 02:17

Die Karikatur des Intellektuellen steigert sich über den kriegslüsternen Einbläser nun zum speichelleckenden Hofschranzen. Hoffentlich hat er den Text wenigstens verfasst, als es noch schlecht aussah für DSK; in F war sowieso keine Rede von dem, was er der Welt hier vorwirft; da hat man, als das vermeintliche (und jetzt immer noch denkbare) Verbrechen noch recht deutlich wie ein solches aussah, bereits den guten Herrn verteidigt, die behauptete Tat bagatellisiert und die allerhöchsten Interventionen zu seinen Gunsten gefordert.

Jürgen Rembremerding
13
11.7.2011, 10:13
In Frankreich kann man ja schon als Intellektueller durchgehen,

wenn man dem Papst die NS-Vergangenheit Deutschlands vorhält, wenn dieser FÜR Sinti und Roma Partei ergreift:

http://www.welt.de/die-welt/... edikt.html

Jürgen Rembremerding
01
10.7.2011, 21:33
"Erniedrigung Strauss-Kahns obszön"

Prominent muss man sein! Da hat man Fürsprecher.

So geht es dem Normalbürger:

http://www.welt.de/vermischt... ngnis.html

Felix Meritis
24
10.7.2011, 15:58

Der Levy wird wohl ein ähnlicher Schwerenöter sein wie Strauss-Kahn und sieht schon seine Felle davonschwimmen.

BigPeng
13
10.7.2011, 13:11
Spätestens, allerspätestens jetzt...

...wundert mich nichts, aber auch gar nichts mehr. Wenn sich genau diese Leute zur "Elite" zählen, dann war es das wohl mit dem kulturellen Vermächtnis Europas. Hier auch nur nach philosopischen Spurenelementen bzgl. "Wahrheit", "Weisheit" und dergl. suchen zu wollen ist schier sinnlos. Erkenntnismäßig fast nilpotent und somit argumentativ nicht hinreichend satisfaktionsfähig also.
Hier zeigt sich doch ganz offen, "welch' Geistes Kind" der Autor zu sein scheint...ein Relikt aus der vor Achtung, Anstand, Objektivität und kultivierter Haltung nur so strotzender 68'-er Bewegung mit J-P S., Cl.Croiss., Cohn-B. u.v.a.m.
Gott-sei-dank habe ich mit solchen Leuten direkt nichts zu tun.

Bruno Flex
210
10.7.2011, 11:59
Nur zwei Personen

wissen, was in der Suite des Herrn Präsidenten passiert ist - und selbst deren Wahrnehmungen müssen nicht übereinstimmen.

Die meisten "Analysen" rundherum sind parteilich. Sie dienen der Beeinflussung der Öffentlichkeit und der Justiz.

Dies gilt besonders für die Auslassungen dieses famosen "Philosophen", der stets extrem parteilich agitiert.

Bleibt zu hoffen, dass zumindest der Richter den wahrscheinlichsten Tatbestand ermittelt und fair urteilt.

Kontrahent1
56
10.7.2011, 11:34
Obszön, das ist es!

Wenn ein soignierter Familienvater (mit einer sehr charmanten Frau verheiratet) in exponierter gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Position von Geilheit getrieben über ein farbiges Stubenmädchen herfällt.

Jürgen Rembremerding
00
10.7.2011, 21:36
Mit einer "Weißen" wäre es o.k. gewesen?

Kontrahent1
01
11.7.2011, 11:12
Da hätte er sich vielleicht nicht getraut,

aber so eine schwarze Asylantin, die wird sich schon nicht beschweren und ausserdem hats doch einen besonderen Reiz- 'ist der Massa guat bei Kassa fliegt er firstclass nach Mombasa...' (rein hypothetisch da ich solches Verhalten einfach nicht nachvollziehen kann.)

emma goldman
10
12.7.2011, 00:42

was sie schreiben ist schlichtweg absurd, es gibt da keinen zusammenhang. Solche männer fallen über alles her, hauptsache halbwegs gutes aussehen.
Wenn das mit Banon stimmt widerlegt das ja ihre behauptung.

Ingrid Goeschl1
00
12.7.2011, 16:18

Ich glaube sehr wohl, dass man mit einem Opfer aus dem weißen Mittelstand anders umgegangen wäre als mit einer schwarzen Stubenfrau.

kopfsalat
10
10.7.2011, 14:00
find ich jetzt nicht unbedingt

Kontrahent1
02
10.7.2011, 16:28
Würden Sie jemandem,

der sich so wenig unter Kontrolle hat, Ihr Geld anvertrauen, geschweige denn, Ihre Tochter zur Beaufsichtigung übergeben?

nutzloses treibeis
14
10.7.2011, 08:28
So schnell und respektlos der Typ Frauen respektlos attackiert , ist er nicht so schützenswert wie im Artikel dargestellt. Die amerikanische Geschichte mag gefaked sein, dutzende andere Zeugnisse seiner grapschereien sollten allerdings reichen,

um das Bild klarzustellen.
Dass er noch dazu Banker ist, hilft Ihm halt nicht gerade

J. Reichhart
14
10.7.2011, 08:21
tja, da müssen die 'eliten' zusammen halten,

wenn es gegen die herrenmoral geht. wo kämen wir hin, wenn jede schwarze putzfrau einen weissen riesen anpatzen darf!

herr levy, si tacuisses!

Hugo Strudl
00
10.7.2011, 06:56
Nun ja

Im Grunde zur jetzigen Zeit noch unbedeutendes Gejammer in dem er die Situation einer dem Volke zum Fraß vorgeworfenen Persönlichkeit - wie so oft schon passiert in der Geschichte der Menschheit - beschreibt.

Was man dem vielleicht abgewinnen kann ist eine Illustrierung der aktuellen Gesamtlage:
Bernie Madoff, KHGrasser, Strauss-Kahn,... sind Bauernopfer, die dem Volk vorgeworfen werden so lange es schreit, während im Hintergrund die bisherigen "Spezialisten" noch versuchen rauszuholen was geht.

Nelly Niedlich
 
01
10.7.2011, 22:37

Die Fälle DSK und KHG können Sie wirklich nicht vergleichen!

Beim Fall DSK steht Aussage gegen Aussage und DSK ist im Gegensatz zu KHG wirtschaftlich nicht unbeleckt.

Heinz Anderle
 
12
10.7.2011, 06:28
Lektionen aus dem Fall eines scheinbar Unfällbaren:

Die US-Justiz funktioniert noch einigermaßen, wenn ohne Ansehen der Person ermittelt und die Geschichte nicht von vornherein oder im nachhinein unter den Teppich gekehrt wird.

Kaviar-Sozialismus und das ganze Sittenbild einer angemaßten Elite hat den längst überfälligen Haut-Gout abbekommen, gegen den nun auch das stärkste Parfum des Eigenlobs nicht mehr ausreicht.

Ein Amtsträger, der als "notorischer Schürzenjäger" seinen Hosenstall nicht unter Kontrolle halten kann, ist für solche Ämter von vornherein ungeeignet.

Die Unterprivilegierten, also die Hotelangestellten, die unbeachtet und unbedankt den feinen Leuten hinterherputzen dürfen, haben sich einmal Gehör verschaffen können.

Dr. Heinz Anderle, ultra-jakobinischer Freigeist

Aung San Suu Tschi
 
12
10.7.2011, 02:19
Schreiben Sie jetzt MICH u.a. ab? Den link zum BHL-Text habe ich am 3.07., 23:37, hier hereingestellt & ein and. Poster hat das kommentiert

Nach einer ganzen Woche wird das von der APA entdeckt & Sie übernehmen den APA-Text?

Hat Journalismus nicht auch was mit Aktualität zu tun?

Außerdem fällt die politische Absicht auf, die Geschichte wird offenbar zum running gag.

Gibt's neue Fakten und vielleicht auch mal Recherche (dass Banon eine Freundin der Tochter des DSK aus 2. Ehe ist z.B.)?

Karl Joda
14
10.7.2011, 01:59
Warum hat man DSK so schnell..

Warum hat man DSK eigentlich so rasend schnell
qbgelöst ?

Peter Sichrovsky
14
10.7.2011, 00:49
Bravo

Das Drama um Strauss-Kahn ist im Grunde genommen das Drama der modernen Medien, die ein Niveau erreicht haben, dass einem nur mehr schlecht wird: Meinungsterror - Menschenvernichtend - Unterstellungen - Kriminalisierung - und das alles geschützt durch die sogenannte Pressefreiheit, die benutzt und missbraucht wird.

Heinz Anderle
 
00
10.7.2011, 18:46
Mimimimi...

"Meinungsterror".

Aha, eine Variante des "Tugendterrors" oder "Gesinnungsterrors".

Typische Argumentation der FPÖ-Mimosen, nebenbei angemerkt.

Dr. Heinz Anderle, ultra-jakobinischer Freigeist

Clear Mind
106
Exzellenter Artikel eines Philosophen

Eine wirklich exzellente Analyse von Bernard-Henri Lévy! Hier das Original:
http://www.thedailybeast.com/articles/... ffair.html

Heinz Anderle
 
23
10.7.2011, 06:53
Vor allem das heraufbeschworene Schreckgespenst des "Robespierrismus"...

... sagt mehr über die Gewissensbisse des "Philosophen" aus als über die Affaire(n) selbst.

Eine Tugend und Gerechtigkeit Hohn lachende "Elite" amalgamiert sich selbst - sie soll sich glücklich schätzen, daß sie heute nur mehr der schneidenden Schärfe des öffentlichen Seziermessers einer aufklärenden Presse ausgesetzt werden kann. Köpfe rollen keine mehr, ja sie neigen sich nicht einmal im Zeithalter unverhüllter Schamlosigkeit und dreister Unverschämtheit.

Die Justiz in den USA hat unbeirrt ermittelt, ohne Ansehen der Personen, und wenigstens Tugend und Gerechtigkeit rehabilitiert. Den Kaviarsozialismus kann niemand reinwaschen.

Dr. Heinz Anderle, ultra-jakobinischer Freigeist

Adolf Ogi
127
10.7.2011, 00:21
die helfen doch immer zusammen

diese elsässischen Maghrebiner

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