Putin erhält Quadriga-Preis für Aufklärung und Gemeinwohl

Auszeichnung traf im deutschen Kuratorium auf Widerspruch

Berlin - Umstrittene Preisverleihung an Russlands Regierungschef: Wladimir Putin wird am 3. Oktober in Berlin mit dem Quadriga-Preis ausgezeichnet, bestätigte ein Sprecher des Vereins Werkstatt Deutschland am Samstag in Berlin. Der Preis wird verliehen an "Vorbilder, die Aufklärung, Engagement und Gemeinwohl verpflichtet sind".

Die Auszeichnung für Putin traf im Kuratorium auf Widerspruch: Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte der "Süddeutschen Zeitung", er habe sich als Mitglied des Gremiums "strikt gegen Putin ausgesprochen" und der Preisverleihung nicht zugestimmt. Nach Angaben des Sprechers enthielt sich Özdemir bei der Abstimmung.

Zum Kuratorium gehören auch Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz und Wikipedia- Gründer Jimmy Wales. Nach Angaben des Sprechers äußerten auch zwei Unternehmer Bedenken gegen die Auszeichnung Putins, stimmten dann aber mit. Einwände können auch die vorherigen Preisträger erheben, darunter Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière (CDU). Sie machten demnach aber keinen Gebrauch von diesem Recht.

"Berechenbarkeit gepaart mit Stehvermögen"

In der Begründung heißt es: "Berechenbarkeit gepaart mit Stehvermögen, Verlässlichkeit gepaart mit Kommunikationsfähigkeit machen Charakter und Person von Wladimir Putin aus." Im Inneren habe er Stabilität durch das Zusammenspiel von Wohlstand, Wirtschaft und Identität geschaffen. "Im Äußeren definierte und definiert er Spielräume durch die Fokussierung auf Zweiseitigkeit, Multipolarität und Respekt."

Die Quadriga wird seit 2003 jedes Jahr am Tag der Deutschen Einheit verliehen. In der Vergangenheit war die Auszeichnung unter anderem an EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso sowie die ehemaligen Staatschefs Michail Gorbatschow (Sowjetunion) und Vaclav Havel (Tschechoslowakei) gegangen.

In Russland steht im kommenden März die Präsidentenwahl bevor. Unklar ist bisher, ob Kremlchef Dmitri Medwedew 2012 noch einmal antritt. Menschenrechtler werfen dem Ex-Kremlchef Putin einen autoritären Führungsstil vor. (APA)

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