Populist HG will nach oben

8. Juli 2011, 20:00
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Nestroys Posse "Der Mann an der Spitze" beim Theatersommer in Schwechat

Schneider Heugeign will ganz nach oben. Dementsprechend hieß das Stück, das die Nestroy-Spiele Schwechat für diesen Theatersommer ausgegraben haben, ursprünglich Der Mann an der Spitze, ehe Johann Nestroy den Titel in Lady und Schneider änderte.

Auf die Niederschlagung der Märzrevolution von 1848 Bezug nehmend, erzählt die Posse, wie besagter Schneider, blind vor politischem Ehrgeiz und Liebe zu den eigenen Kreationen (Kostüme: Okki Zykan), in die Intrigen des Hofes verwickelt wird.

Die Schwechater Theatertruppe um Intendant und Regisseur Peter Gruber ergänzt den ursprünglichen Text mit Zitaten aus anderen Nestroy-Stücken und aktuellen Diskussionen und holt ihn damit stärker in die Gegenwart. Der alte Titel darf wieder nach vorn, Heugeign, den Christian Graf mit dem Charme eines Reinhard Fendrich ausstattet, wird zur wunderbaren Figur.

Als Bilderbuchpopulist, der sich HG nennen lässt, verkündet er, dass seine Ehre Treue heißt, während das Volk im Rücken des Publikums begeistert johlt. Ein Programm hat er zwar nicht, dafür markige Sprüche und Zug zum Tor.

Auf Alexandre Collons Bühne geben sich auch andere Darsteller outriert, ohne die Grenze zum Klamauk zu überschreiten. Sympathieträger ist Bruno Reichert als alter Schneidermeister Restl, der in seiner übervorsichtigen Art den Gegenpart zum opportunistischen Himmelsstürmer Heugeign gibt.

Trotz beherzten Ensembles hat das Stück in der zweiten Hälfte seine Längen. (wall/ DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.7.2011)

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