Wie ich zum Opfer der Griechenland-Krise wurde

Kommentar der anderen | Christian Fleck, 08. Juli 2011 19:40
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    Athen, am Tag nach den "rettenden" 155 Ja-Stimmen zum Sparpaket: 155 Masken, eine Tränengaspatrone, im Hintergrund eine EU- und eine Hellas-Flagge. - Was wird da gespielt?

Aufzeichnungen eines Nicht-Experten von einer mentalen Odyssee durch allerlei Deutungen des gegenwärtigen Unheils - Von Christian Fleck

Aufzeichnungen eines Nicht-Experten von einer mentalen Odyssee durch allerlei Deutungen des gegenwärtigen Unheils - an deren vorläufigem Ende nur ein Wunsch offenbleibt: Kann bitte irgendjemand einmal schlüssig erklären, was hier vor sich geht?

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Ich will nicht länger Opfer der Griechenland-Krise sein. Zum Opfer wurde ich nicht, weil ich griechische Staatsanleihen gezeichnet oder wegen der unsicheren Lage meinen Urlaub storniert habe, nein, geopfert habe ich in den vergangenen Monaten Zeit und Hirnschmalz, um wenigstens in Grundzügen zu verstehen, was der Fall ist.

Auf dieser mentalen Odyssee traf ich, auf dieser und vergleichbaren Seiten, Essayisten, die ihr Mitleid mit den doch so netten Griechen kundtaten, Denker, die die Wiege der Demokratie nicht den Bach des schnöden Mammons hinuntergehen sehen wollten, Erleuchtete, die ihren Lesern weismachen wollen, dass alles von der Differenz zwischen Zinssatz und Wachstumsrate abhänge, Prediger, die in der nun endlich möglichen Etablierung einer Gemeinwohlökonomie die Rettung sehen und die, die es immer schon wussten: Der Euro kann nicht funktionieren. Das war alles nett zu lesen und manchmal auch informativ, doch beschlich mich immer mehr der Eindruck, es handle sich um Beiträge zu einer Anthologie wie jener der 10.000 ÖFB-Bundestrainer: leidenschaftlich, aber ein wenig unprofessionell.

Wo sind die Beiträge der Fachleute geblieben? Bzw. wer ist überhaupt ein Fachmann oder eine Fachfrau, die mir und anderen plausibel machen kann, was Sache ist?

Ich habe begründete Zweifel, dass die Banker, die neuerdings (auch dieser Zeitung) so gerne Interviews geben, in denen sie uns glauben machen wollen, dass sie nichts mit der Krise zu tun haben, wohl aber wüssten, was zu tun sei, unparteiisch genug sind, trifft doch auf mehr als nur einen die neue Berufsbezeichnung Bangster zu. Die Verursacher des Elends sind selten gute Diagnostiker. Auch der kürzlich im Bundeskanzleramt konstituierte Wirtschaftsrat der Bundesregierung, der sich aus Spitzenvertretern der Industrie- und Finanzwirtschaft (so weit ich sehen kann war darunter kein einziger Wirtschaftswissenschafter!) zusammensetzt, verfolgt wohl eher Eigeninteressen und kommt daher als Auskunftsperson kaum in Frage.

Bescheidenes Ansinnen

Warum, so frage ich mich, muss ich in die Tiefen der internationalen Wirtschaftspresse eintauchen, um auf Antworten zu stoßen, die plausibel klingen, aber vor allem neue Fragen aufwerfen? Auf der "Börsen und Märkte" betitelten Seite der Neuen Zürcher Zeitung etwa konnte man am 4. Juli lesen, die "Rettung von Banken (sei das) wahre Ziel der europäischen Bemühungen". In diesem Artikel werden "Währungsstrategen", "Händler" und "Vermögens- und Kapitalverwalter" zitiert, die unisono bestätigen, was die Überschrift verkündete. Der Verfasser fügte dem nur hinzu, dass "Kommentatoren und Teilnehmer an den internationalen Finanzmärkten" "skeptisch oder gar zynisch reagiert haben".

Dabei sind meine Erklärungswünsche doch ganz bescheidene: Ich will eigentlich nur wissen, ob die jetzige, die Griechenland-Krise bloß eine neue Etappe des seit 2008 zu beobachtenden Debakels ist oder ob es sich um etwas Neues handelt? Die Royal Bank of Scotland, der Versicherungskonzern AIG, der Bankmoloch Citigroup und all die anderen, denen mit Steuermitteln aus der Patsche geholfen wurde, nachdem sich der Bankrott von Lehmann Brothers als folgenschwerer denn erwartet herausstellte, waren "too big to fail" - ist Griechenland auch zu groß oder geht es gar nicht um die Größe des vom Bankrott bedrohten Staates (oder Unternehmens), sondern um die unübersichtliche Verkettung der Kontrakte zwischen den Gläubigern und ihren Wetten darauf, dass Griechenland (nicht) untergehen wird?

Wer erklärt mir, warum griechische Staatsanleihen mit zweistelligen Zinssätzen heute, wo die europäischen Regierungschefs und Finanzminister doch mehr oder weniger unmissverständlich verkündeten, Griechenland nicht allein zu lassen, nicht heiß begehrte Finanztitel wurden?

Magisches Weltbild

Von wem kann ich eine Auskunft darüber bekommen, warum gewöhnliche Firmen im Fall von Zahlungsunfähigkeit zum Insolvenzrichter gehen müssen, Griechenland aber wegen der Herabstufung durch (private) Ratingagenturen in den Bankrott schlittern würde?

Fragen wie diese zu beantworten fiele, dachte ich bisher, i n die Kompetenz von Wirtschafts- und Finanzwissenschaftern; uns über die Verteilung der Macht und die Verschiebung der Balance zwischen Machtgruppen aufzuklären, gehöre zu den vornehmsten Aufgaben der Politikwissenschaft. Das Schweigen der Wissenschafter ist nicht nur ärgerlich, sondern droht auch die Deutungshoheit jenen zu überlassen, die zwar nichts erklären können, aber immer schon Bescheid wussten. Mitglieder bildungsnaher Schichten kümmern sich immer weniger darum, die gegenwärtige Krise zu verstehen, sie überblättern die Wirtschaftsseiten und verkünden, ohne zu erröten, dass sie davon halt nichts verstehen.

Am anderen Ende des Bildungsspektrums, wo sich die Bildungsfernen tummeln, sind die Reaktionen nicht weniger hilflos, dafür lauter: Man klopft sich auf die Schenkel, wenn Rattenfänger "unser Geld für unsere Leut'" verkünden (Schlingensief, der vor Jahren dies in Graz tat, als er Geldscheine unters Volk warf, hätte seine Freude).

Die Folge unerklärter Verhältnisse wird die Ausbreitung von Ersatzdeutungen sein, deren ja schon jetzt genügend durch die Internetforen geistern. Ersatzschuldige sonder Zahl werden geoutet und Pseudoerklärungen blühen in einer Population, deren ökonomischer Alphabetisierungsgrad ohnehin bescheiden ist. Die Rückkehr zu einem magischen Weltbild steht nicht mehr bevor, sondern ist bereits eine Tatsache. Die neuen Götter mögen Gier oder Ratingagentur heißen, dass beide das geronnene Ergebnis des Handelns von Menschen sind und daher auch anders aussehen könnten, fällt dem Vergessen anheim.

Zu "kompliziert"?

Dabei gilt eine Ausrede, die Wirtschaftswissenschafter gemeinhin bemühen, mit Sicherheit nicht: Die Verhältnisse mögen kompliziert sein, doch ein zumindest annähernder Konsens, zu dem sich Fachleute zusammenraufen, hat in anderen bedrohlichen Lagen durchaus zu einer Belehrung der "gewöhnlichen" Leute geführt. Erinnert sei nur an die anfänglichen Deutungen der Aids-Epidemie durch jene, die meinten, für die Moral zuständig zu sein, was nach drei Jahrzehnten höchstens noch schlechtem Kabarett als Material dient. Beharrliche Aufklärungsarbeit kann Einstellungen und Verhalten modifizieren. Das Intergovernmental Panel on Climate Change hat wesentlich zum Verständnis des von Menschen verursachten Klimawandels beigetragen, woran berechtigte Kritik an Einzelbefunden und übertriebenen Deutungen beteiligter Wissenschafter nichts geändert hat. Ein halbwegs stabiler Konsens unter Wissenschaftern verträgt Mängelrügen.

Für den Fall der wirtschaftlichen Krise(n) und ihren Herausforderungen für die davon direkt oder indirekt Betroffenen kann man den "zuständigen" Wissenschaftern den Vorwurf nicht ersparen, sich der Aufgabe zu entziehen, eine halbwegs stimmige Deutung dessen, was der Fall ist zustande gebracht zu haben.

PS: Soeben lese ich, dass der US-Bundesstaat Minnesota zahlungsunfähig ist - und wie die Ratingagentur Fitch darauf reagierte: Dieselbe Agentur (oder war's eine von den zwei anderen? - egal), die Griechenland und Portugal schon vor Monaten in den Bonitäts-Hades "Trashniveau" geschickt hat, wiewohl der Staatsbankrott in beiden Fällen bisher erfolgreich abgewendet wurde, zögerte nicht, die bisherige Triple-A-Bonität (!) auf AA+-Level zu reduzieren - also von "sehr gut" auf "sehr gut minus" sozusagen. - Ich glaube, ich bin auch ein Opfer der Minnesota-Krise ... (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9./10.7.2011)

CHRISTIAN FLECK ist Soziologe an der Universität Graz.

Kommentar posten
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ocelote
11.07.2011 10:53
Soziologie muss in Vorlage treten

Wenn mir SoziologInnen endlich konsensual erklären ob nun Struktur oder Handlung letzlich determinierend sind, dann können wir ÖkonomInnen auch Griechenland erklären :-)

J. Reichhart
11.07.2011 08:42
die sog. wirtschaftswissenschaften sind

nun mal keine wissenschaften!

sie sind ein sammelsurium kurioser bis zweifelhafter theorien und spekulationen"

was man mit sicherheit sagen kann:

gier macht blind.
gier ist immer stärker als vernunft.
gier ist grenzenlos.

das sollte genügen, um zu erahnen, was da z. zt. passiert.

avision
11.07.2011 10:10
Der Mensch glaubt an ...

Wolfgang Schmidbauer - Paartherapeut sagt:
Geld ist das zentrale Mittel, Ängste in den Griff zu bekommen. Uns stehen unendlich viele Möglichkeiten offen, das macht die Welt unüberschaubar, verunsichert zutiefst. Der Mensch sucht Zuflucht: je mehr Geld, desto mehr gefühlte Sicherheit. Und je mehr Sicherheit, desto weniger Angst. Geld verleiht allem einen Wert oder Nichtwert.

Der Nachteil der Intelligenz besteht darin,
dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen. - George Bernard Shaw

Jedes Kind versteht das. Eben das macht Geld so Überzeugend. Geld ersetzt emotionale Bindungen und ermöglicht Herzlosigkeit. Deshalb jagt der Mensch auch dem Geld nicht aus Gier nach, sondern aus Angst!

happytechno
15.07.2011 15:55

diese Angst ist in einem Sozialstaat viel kleiner!

Lolek
 
11.07.2011 08:02
Den Marktgläubigen ...

schlage ich eine marktwirtschaftliche Lösung vor. Jede Investition birgt ein Verlustrisiko. Man betrachte den viel zitierten "Häuslbauer". Kann er seine Schulden nicht bezahlen, wird sein Haus gepfändet und versteigert. Er ist bankrott.Kein Staat kommt ihm zu Hilfe und übernimmt seine Schulden, damit die Bank (und er) weiterhin existieren kann.

Auf Griechenland umgelegt bedeutet das, dass das Risiko schlagend geworden ist. GRE ist bankrott. Die Gläubiger müsssen nun die Konsequenzen aus einer fehlgeschlagenen Investition (Verlust des Kapitals) hinnehmen, wie jeder andere Unternehmer auch.

Der Markt hat durch die irrige Annahme, ein Staat könne nicht ahlungsunfähig werden zu viel, zu billiges Geld zur Verfügung gestellt.

site:°~+*-||!#.\>
11.07.2011 03:02

Als vom Steuerzahler bezahlter Wissenschaftler sollten sie nicht so dämliche Fragen stellen (Griechenland, die EU sowie die USA sind schlicht und einfach pleite), sondern sich Gedanken über neue, nachhaltigere Arbeits- und Wirtschaftssysteme Gedanken machen.

http://www.youtube.com/watch?v=XqJjWe1QeUY

http://www.youtube.com/watch?v=3... re=related

http://www.youtube.com/watch?v=U... re=related

http://www.monetative.org/

GTV916
 
11.07.2011 09:27
...die umzusetzen...

...wen interessiert ?

meresi
11.07.2011 01:05
Genaueres kann ich erst am Dienstag

sagen, wenn ich mein letztes huhn geschlachtet habe und in den eingeweiden alles wissenswerte gesehen habe...bis dahin...schönen tag

Truhe
 
10.07.2011 23:13

Wer brauch schon eine Erklärung? Wir haben ein schönes Feindbild: Die Griechen - korrupt, arbeitsscheu und hauptberuflich Steuerhinterzieher. Das die, wie alle anderen auch, mangels Alternativen in dem System leben müssen in dem sie leben ist ja egal und die Griechen die schon vor zwei Jahren, als im Rest Europas noch kein Verdächtlein die Wasser getrübt haben, das korrupte konservative Gesocks der ihnen die Misere eingebrockt haben hochkant und lautstark rausgeschmissen haben, das waren - no na - lauter linkslinke Chaoten und Krawallbrüder, weil wer Scheiben einschlägt ist ein Verbrecher und wer einen Staat ruiniert ist jetzt ein Oppositioneller der gegen die Sparpakete sind - ist doch in den USA genau das Selbe - Konservative sind einfac

jesus mohammed
10.07.2011 21:55
Erklärt wird das ganze in dem Film "Debtocracy"

http://www.presseurop.eu/de/conten... -die-krise
Und daß jetzt Ruhe ist, ist auch ein Trugschluß. Trotz Sommerloch gibt's es überall in den Wahlkreisen Fahndungsplakate mit den Bildern der Pasokabgeordneten, täglich stoßen wütende Bürger mit ihnen zusammen und es werden Parteibüros verwüstet oder belagert. Interessant sind neueste Wahlumfragen: insgesamt kommen ALLE Parteien nur knapp über 50%, ND "führt" mit 17,8 über Pasok mit 16,5 http://www.athensnews.gr/portal/8/44521

Joshua Calvert
10.07.2011 20:04
wer lernen will...

"Wo sind die Beiträge der Fachleute geblieben?"
Die QUALITÄTSmedien bringen diese von Zeit zu Zeit, zB., NYT: http://www.nytimes.com/2011/07/1... .html?_r=1

oder: oekonomenstimme.de, oder, oder.

NB: auf die Oekonomie hinschlagen, aber die Presse meinen, ist billig.

chrilly donninger1
11.07.2011 07:25
Es gibt auch andere Ökonomen

aber der Mainstream ist eine jämmerliche und ideologisch-hirnverbrannte Disziplin.
Ich habe mich immer gefragt, wie ein halbwegs vernünftige Mensch an die Theorie der rationalen Erwartungen glauben kann. Dagegen ist die jungfräuliche Geburt Mariens etwas höchst logisches.
Ich bekomm auch Lachanfälle, wenn WIFO&IHS 5 Jahresprognosen präsentieren. Jenseits von 3 Monaten wird es reiner Zufall.
Die Wissenschaft war einst die Magd der Theologie, heute ist sie die Hure des Kapitals. Das gilt speziell für Ökonomen.

Grunzbert
10.07.2011 15:45
widerspruechlicher Artikel

Der Autor wuenscht sich zwar erst eine Erklaerung um die Krise verstehen zu koennen, meint aber trotzdem bereits die Verursacher zu kennen.

Erklaerungen gibt es, nur die passen offenbar nicht in sein festgelegtes Weltbild.

Oh my God !
10.07.2011 17:11

er will ohndies nur manipulieren, "die Bösen" stehen schon fest.

chrilly donninger1
10.07.2011 15:27
The Great Moderation

Die Wirtschaftswissenschaften haben im Laufe der 1990er Jahre Krisen aus ihren Wortschatz gestrichen. Die Theorie nennt sich "The Great Moderation".
"An Example of the confidence of the economic profession in this period given by R.Lucas, in his 2003 presidential address to the Ameriacn Economic Association, where he declared that the "central problem of depression-prevention has been solved, for all practical purposes"
http://en.wikipedia.org/wiki/Grea... Moderation

Die Gründe für das Ende von Krisen: Verbesserte staatliche Wirtschaftspolitik und Innovationen!! am Finanzmarkt.

Ausgerechnet von einer derartig ideologisch verblendeten Disziplin erwartet der Autor eine Antwort.

nadine for 2te integrationsstaatssekretärin
15.07.2011 09:54
Eine "Theorie komplett irrationaler Erwartungen" ...

... würde man in der Wissenschaft nicht so gut verkaufen können?

Niccolo Machiavelli..
 
10.07.2011 10:44

Vielleicht braucht es einfach ein wenig mehr unternehmerischen Hausverstand anstatt komplexer ökonomischer Modelle die Grossteils von Atomphysikern oä. erstellt worden sind.
Worin in jedem Fall Konsens besteht, ist, dass langfristig nicht mehr ausgegeben werden kann als eingenommen wird. Eine Verletzung dieses Prinzips fand vor der Subprime Krise statt, in US haben sich Private zu stark verschuldet. Staaten in Europa haben immer schon gerne übertrieben Schulden angehäuft. Ein Griechenland Debakel war nur eine Frage der Zeit.
Auch kam in der Subprime Krise ganz klar zum Vorschein, dass Ratingagenturen versagt hatten, dass diese überhaupt noch ernst genommen werden ist sehr verwunderlich.

Friedman Tobin
10.07.2011 22:11

Wenn die Schulden langsamer steigen als das durch Sie erzielte Wirtschaftswachstum (Einkommen), ist alles in bester Ordnung. So funktioniert das bei einzelnen Betrieben und umso mehr bei Volkswirtschaften. Natürlich darf man es nicht übertreiben und da tun sich dann einige Länder etwas schwer mit dem Ganzen.

Publius C. Pulcher
10.07.2011 08:51
Der Glaube an die Wirtschaftswissenschaft

Es ist traurige Realität, dass die Volkswirtschaftslehre im Großen und Ganzen mehr eine dogmatische Religion ist, als eine kritische Wissenschaft. Die Neoklassischen Modelle kennen keine Massenpsychologie, sie können und wollen Lobbyismus und ähnliches nicht erkennen und erklären. Am Schluss geht es darum, dass das freie Spiel der Märkte (inkl. Rating-Agenturen) schon zum besten aller sein wird. Alle sind in dem Fall natürlich die Reichen.

Die Reichen zu retten und ihnen noch mehr in den Rachen zu stopfen ist derzeit etwas unpopulär, deswegen halten sich diese Leute derzeit bedeckt. Und von den anderen Wirtschaftswissenschaftlern gibts recht wenige, die melden sich aber zum Teil eh.

Friedman Tobin
10.07.2011 22:04

Inhaltlich richtig, aber eines ist falsch: Die Volkswirtschaftslehre per se ist heute die wohl pluralistischste und am wenigsten dogmatische Wissenschaft überhaupt. Es gibt heute mindestens 20 zum Teil ganz verschiedene Denkschulen (wenn du Sie nicht kennst, heisst das nicht, dass es sie nicht gibt). Dogmatisch und religionsartig ist das, was als Mainstream unterrichtet und in den am meisten gelesen Zeitschriften publiziert wird. Und das ist sehr wohl leider nur die - zT sogar sehr vereinfachte - Neoklassik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Aber es gibt sehr wohl auch Alternativen, nur muss man sich halt die Mühe machen und sich einlesen.

santa fe
 
10.07.2011 07:05

niemand kennt sich mehr aus. die finanzindustrie kann das chaos in gewinne verwandeln, die seit der krise ins unermessliche gestiegen sind. das ist fakt.

simultan dazu steigt die verschuldung der staaten, fallen die real-löhne und die sozialleistungen. das ist ebenfalls fakt.

mir ist egal, wie sie das drehen, aber die verursacher der verluste bei der bevölkerung müssen diese verluste abgelten, oder demokratie und sozialer friede sind geschichte.

der eskalierende krieg namens "arabischer frühling" trifft nicht diejenigen, die ihn angezettelt haben sondern bisher fast 2 millionen zivilisten.

die finanzindustrie muss demokratisiert werden und das

BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN

bezahlen, z.b. per finanztransaktionssteuer.

amused8
10.07.2011 06:12
Who creates and allocates money

In einer Umfrage unter rund 1000 Beteiligten wurde in Grossbritanien gefragt, wer das Geld erzeugt und zuweisst. Rund 84% der Befragten meinten, die Regierung, die Zentralbank. In einer zweiten Frage wurde gefragt, ob die Menschen damit einverstanden wären, dass private Unternehmen Geld erzeugen, allokieren und damit Profit machen. Die ueberwiegende Merheit lehnte das ab. Aber genau dieses System haben wir!! Rund 97% des umlaufenden Geldes wird von Banken aus dem Nichts geschöpft und allokiert.

http://www.youtube.com/watch?v=D... re=related

Heefcleeve
10.07.2011 07:52

Nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Pfand (was sich im Fall Griechenland gerade sehr deutlich zeigt) Der Wert des Pfands kann im Extremfall aber auch gegen 0 gehen. ;-)

the comedian
 
10.07.2011 08:54
doch, doch: aus dem nichts

erst durch das pfand wird daraus ein realer wert, der vom kreditnehmer in jedem fall (kredit wird bedient: in form von geld; kredit wird nicht bedient: in form von pfand) zum bankster wandert. der bankster hat aber den kredit praktisch aus dem nichts geschaffen (nur 2% rücklagen erforderlich)!
wie konnten wir nur den bankstern dieses ungeheuerliche privileg privater geldschöpfung überantworten.
wir müssen uns endlich von der kognitiven dissonanz befreien, die dieses privileg der bankster in uns auslöst. wir dürfen diesen ungeheuerlichen missstand nicht länger ignorieren, sondern müssen dieses banksterprivileg aktiv abschaffen oder zumindest einschränken.
alle macht geht vom volke aus; es wird zeit, dass das auch für die geldmacht gilt!

Wer lesen kann...
10.07.2011 06:04

Ob man da wirklich einen Wirtschaftswissenschafter baucht? Ich denke "Hausverstand" reicht vollkommen. Was man ausgibt muss man vorher einnehmen und fuer schlechte Zeiten muss man sich etwas zuruecklegen...

Das ist jetzt sehr vereinfacht, ich denke aber es trifft aber den Kern der Sache.

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