Kopf des Tages

Vom Jäger zum Gejagten der Medien

8. Juli 2011, 19:02
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    foto: reuters/bolante

Bewundert, verhasst: Medientycoon Rupert Murdoch

Solche Bilder hat es selten gegeben. Immer waren die anderen die Gejagten: Politiker, Prominente, Verbrecher, deren Opfer - all jene, mit deren Affären, Lebenslügen und tragischen Schicksalen sich Geld verdienen lässt. Und nun das: Rupert Murdoch, der legendäre Medienmogul, auf der Flucht vor Journalisten. "Ich gebe keinen Kommentar ab" , sagte der Gehetzte.

Doch die schmutzige Realität holt Murdoch ein. Ausgerechnet in London, wo der Australier seinen Aufstieg zum Herrscher über ein weltweites Firmenimperium begann, indem er sich 1969 die etablierte Sonntagszeitung News of the World (NoW) unter den Nagel riss. 42 Jahre danach ließ der Unternehmer das ebenso brutale wie profitable Revolverblatt mit dem Spitznamen "News of the Screws" , zu Deutsch Bums-Postille, kurzerhand schließen: Zu groß war der Aufschrei der Öffentlichkeit über die kriminellen Machenschaften von NoW-Mitarbeitern.

Womöglich verbaut die Affäre Murdoch den krönenden Karriere-Coup: die Übernahme sämtlicher Anteile am erfolgreichen Satellitensender BSkyB. Die britische Regierung hat das fast abgeschlossene Genehmigungsverfahren erst einmal auf die lange Bank geschoben. Das Unternehmen sollte ein Geschenk für den designierten Konzern-Erben James sein, das vierte von insgesamt sechs Kindern, die aus Murdochs drei Ehen hervorgingen. James halte nicht viel von Zeitungen, behaupten Insider; vom Firmenpatriarchen hingegen sagt man, er liebe dröhnende Druckmaschinen und den Geruch von Druckerschwärze. Die Entscheidung, das 168 Jahre alte Traditionsblatt zu schließen, hat bewiesen, dass Murdoch auch im neunten Lebensjahrzehnt bei Geschäften vollkommen rücksichtslos vorgeht.

Nicht umsonst steht er einem der größten Medien-Konzerne der Welt vor. NewsCorporation hört auf das Kommando eines Mannes, der mit 22 Jahren von seinem verstorbenen Vater in Melbourne eine Provinzzeitung übernahm. Seither hat Murdoch den Markt so umgekrempelt, dass er heute 70 Prozent aller australischen Zeitungen kontrolliert und einen TV-Sender besitzt. In England repräsentieren seine Blätter, darunter Times und Sun, 40 Prozent der Gesamtauflage aller Zeitungen. In Amerika gehört ihm das Filmstudio 20th Century Fox. Per Kabel und Satellit können drei Viertel der Menschheit Murdochs TV-Programme sehen. Und sie sehen, wie der Medienmogul vor Journalisten davonläuft. (Sebastian Borger/DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2011)

 

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