Der sprachgelehrte Affe

8. Juli 2011, 19:00
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Kommunikation mittels Lexigrammen: Die Schimpansin Panzee versteht mehr, als man dachte - sie erkennt auch synthetisch verzerrte Wörter

Atlanta/Wien - "Panzee" heißt eigentlich Panpanzee und gehört zu den verständigsten Nicht-Menschen des Planeten. Die Schimpansin wuchs ab ihrem achten Lebenstag unter menschlicher Obhut auf und wurde so behandelt, als ob sie ein Menschenkind wäre. Mit sogenannten Lexigrammen, also farbigen Symbolen, lernte sie auch zu kommunizieren. Auf diese Weise versteht Panzee rund 130 englische Wörter und kann sie mit den Lexigrammen auch selbst aktiv verwenden.

Diese Fähigkeit machte die Schimpansenfrau zur idealen Kandidatin, um eine grundlegende Frage zum Verstehen von Sprache zu beantworten: Ist diese Fähigkeit ein Monopol der Menschen oder verfügen auch andere Tiere über entsprechende Talente, wenn man sie nur entsprechend fördert? Das Experiment, mit dem die US-Primatologin Lisa Heimbauer gemeinsam mit zwei Kollegen Aufschluss erhalten wollten, bestand darin, Panzee Wörter aus ihrem Wortschatz vorzuspielen - allerdings stark verzerrt oder unvollständig. Menschen sind in der Lage, die Wörter trotzdem zu erkennen, was ihr besonderes Talent im Verstehen von Sprache zeigt.

Panzee erkannte zwar nur mehr rund die Hälfte der Wörter, aber doch sehr viel mehr, als durch reines Raten zustande gekommen wäre. Wurden die Worte auf eine ganz bestimmte Art verzerrt, schnitt die Schimpansin fast gleich gut wie 32 menschliche Testpersonen ab, berichten Heimbauer und Kollegen im Fachblatt "Current Biology".

Dieses Ergebnis bedeute nicht, dass das Monopol des Menschen bei allen Formen des Sprachverstehens gebrochen wäre, so die Forscher. Es weise aber darauf hin, dass bestimmte sprachliche Fähigkeiten schon bei den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Menschenaffe existiert haben könnten. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 9./10. 7. 2011)


Abstract
Current Biology: "A Chimpanzee Recognizes Synthetic Speech with Significantly Reduced Acoustic Cues to Phonetic Content"

Über einen Fall, in dem ein ähnliches Experiment unter weniger professionellen Bedingungen durchgeführt wurde und scheiterte, berichtet die Dokumentation "Project Nim", hier als Klicktipp vorgestellt.

  • Die Schimpansin Panzee versteht mehr, als man dachte.
    foto: carolyn richardson/division of university relations/georgia state university

    Die Schimpansin Panzee versteht mehr, als man dachte.

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