Viel Pomp auf dem Weg in die Kapuzinergruft

Der Sohn des letzten österreichisch-ungarischen Monarchen wird kommenden Samstag in der Wiener Kapuzinergruft bestattet - Republik und Kirche bereiten Otto Habsburg ein imperiales Begräbnis

Wien - Fix zugesagt hat bisher nur Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein - der Rest der europäischen Adelshäuser, die zum Begräbnis eingeladen sind, hat sich noch nicht gemeldet. "Es tröpfeln aber laufend Antworten von Trauergästen ein", sagt Organisator Rainhard Kloucek. Von Otto Habsburgs Tod wurden unter anderen der Großherzog von Luxemburg, der Prinz von Belgien und der König von Spanien verständigt.

Die Bestattung findet nächsten Samstag statt. Davor wird der Bevölkerung ausgiebig Gelegenheit gegeben, sich vom Sohn des letzten österreichisch-ungarischen Monarchen, der seit den 1950ern in Deutschland lebte, zu verabschieden. Über die Kosten des Begräbnisses wollen die Organisatoren nicht sprechen, auch im Innenministerium nennt man keine Zahlen. "Abgerechnet wird erst danach", sagt Ministeriumssprecher Rudolf Gollia. Die Veranstaltung werde wie eine Demonstration behandelt, die Kosten trage daher die öffentliche Hand.

1,5 Kilometer Trauerzug

Die Särge von Otto und seiner bereits im Vorjahr verstorbenen Ehefrau Regina treffen am Dienstag in Mariazell ein. Am Mittwoch ist die Mariazeller Basilika ab 7 Uhr geöffnet, um 14 Uhr beginnt das Requiem.

In der Nacht auf Donnerstag geht es dann weiter nach Wien, wo die Särge in der Kapuzinerkirche aufgebahrt werden. Bis zur Nacht auf Samstag gibt es dort zwischen 6 und 24 Uhr eine Totenwache, von 10 bis 22 Uhr kann man sich ins Kondolenzbuch eintragen. Für Samstag ist dann der Höhepunkt der Trauerfeierlichkeiten geplant. Ottos Sarg wird im Stephansdom aufgebahrt. Ab 13 Uhr ist der Dom für Trauergäste geöffnet, um 15 Uhr beginnt das Requiem. Danach - voraussichtlich um 17 Uhr - wird der Sarg in einem offenen Wagen der Bestattung Wien zur Kapuzinergruft befördert.

Der Trauerzug, der ihm über Graben, Michaelerplatz, Burgtor und Ring folgt (siehe Grafik), soll laut Schätzungen der Organisatoren rund eineinhalb Kilometer lang sein. Das Bundesheer stellt eine Ehrenkompanie, eine Gardemusik sowie ein Sargspalier zur Verfügung. Unklar ist noch immer, wie der Sarg in die Gruft Einlass findet: Traditionell klopft ein Herold an die Tür, ein Kapuziner fragt, wer Einlass begehrt.

Der Herold nennt Namen und Titel des Verstorbenen - "wir kennen ihn nicht", antwortet der Mönch. Erst, wenn der Herold den Toten als "sterblichen, sündigen Menschen" vorstellt, darf der Sarg passieren. Beim Begräbnis von Ottos Mutter Zita nannte der Herold sie "Ihre Majestät, Kaiserin und Königin" - ein Titel, der Otto nach seiner Verzichtserklärung nicht mehr zusteht.

Wirklich abgeschlossen sind die Trauerfeierlichkeiten erst am Sonntag: Dann wird das Herz von Otto Habsburg im ungarischen Kloster Pannonhalma im Kreis seiner Familie bestattet. (Martina Stemmer, DER STANDARD, Printausgabe, 9./10.7.2011)

 

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