Wohnbaustadtrat Ludwig anlässlich eines Besuchs in Hamburg: "Wien-Aspern darf nicht Hafencity werden"
Hamburg/Wien - Wien will nicht mehr benötigte Bundesheerkasernen im Stadtgebiet erwerben und diese für den geförderten Wohnbau nutzbar machen. Das sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) im Gespräch mit Journalisten am Rande eines zweitägigen Hamburg-Besuchs mit Stadtentwicklungsexperten.
Besonders gut angebundene Heeresareale hätten großes Potenzial, ein diesbezügliches Interesse habe man bereits bei Verteidigungsminister Norbert Darabos deponiert. Details, ab wann und in welchem Umfang dadurch neuer Wohnraum entstehen könnte, ließ sich der Stadtrat allerdings nicht entlocken. Schließlich stehe noch gar nicht fest, welche Kasernen das Bundesheer letztendlich überhaupt veräußern werde.
Soziale Durchmischung
Ludwigs Resümee über den zweitägigen Besuch in der Hansestadt viel kurz und knapp aus: Wiens Seestadt Aspern dürfe nicht Hamburgs Hafencity werden - zumindest im Hinblick auf den sozialen Wohnbau. Die Hafencity, mit 157 Hektar das größte innerstädtische Erweiterungsvorhaben Europas, beinhalte zwar manche Aspekte, die man bei der Entwicklung des früheren Flugfelds aufgreifen könne, sagte Ludwig vor Journalisten. Die Wohnprojekte seien aber vorrangig finanzkräftigen Bürgern vorbehalten.
Wien gehe hier bezüglich der sozialer Durchmischung bewusst einen anderen Weg, betonte der Stadtrat. Die Pläne für das teils bereits bebaute Areal in Hamburg, das im Westen durch das eindrucksvolle Konzerthaus "Elbphilharmonie" markiert werden wird, seien architektonisch und bezüglich der Öko-Nachhaltigkeit sehr interessant. Zusätzlich bleibt das Gebiet frei von Einkaufszentren. Vielmehr wird auf kleinere Einzelhandelsflächen gesetzt - eine Sache, die auch für das ehemalige Flugfeld interessant sein könnte, betonte Ludwig.
Im Hinblick auf leistbaren Wohnraum habe man jedoch viele Flächen für das Luxussegment und große Konzerne - etwa für das Unilever-Headquarters - reserviert, beklagte der Ressortchef. In Aspern setze man dagegen auf einen ausgewogenen Mix aus freifinanziertem und gefördertem Wohnbau, der leistbare Mieten garantieren soll.
Gedeckelte Mieten nur für 15 Jahre
Laut Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer der Hafencity Hamburg GmbH, ist rund ein Drittel der Wohnflächen sehr wohl dem geförderten Wohnbau vorbehalten. Allerdings liegen die gedeckelten Mieten teils über Wiener Niveau und laufen - im Gegensatz zur Bundeshauptstadt - nach 15 Jahren aus. Ein Umstand, der in Hamburg generell auch dazu führe, dass sich Bewohner die Miete nach Ablauf der Frist plötzlich nicht mehr leisten könnten, verwies Ludwig etwa auf aktuelle Probleme im Stadtteil St. Pauli. Die Lage werde in der Hansestadt insofern noch verschärft, als jährlich nur 300 geförderte Wohnungen hinzukämen, während Wien pro Jahr 6.000 Einheiten errichte.
Die Hafencity erstreckt sich entlang der Elbe und wird Hamburgs City um 40 Prozent erweitern. Im Endausbau sollen hier 12.000 Menschen wohnen und 45.000 Leute arbeiten. Zum Vergleich: Die Seestadt ist 240 Hektar groß, hier sollen bis 2028 je 20.000 Personen leben und arbeiten. Die Ausschreibung der ersten Bauträgerwettbewerbe startet im Herbst, bis Ende 2013 sollen die ersten Anrainer - gleichzeitig mit Fertigstellung der U2-Verlängerung - einziehen. (APA)