Elsner-Anwalt Stranzinger

Auf der Suche nach den Bawag-Millionen

Interview | Sigrid Schamall, 8. Juli 2011, 16:52
  • Artikelbild
    foto: apa/herbert neubauer

    Andreas Stranzinger: "Wir arbeiten daran, entsprechende Gründe zu finden, die eine Wiederaufnahme des Bawag-Prozesses rechtfertigen."

Eingefrorenes Vermögen, eine Ex-Richterin im Zwielicht, mysteriös versickerte Millionen - die Causa Bawag ist längst nicht gegessen

Viereinhalb Jahre saß der ehemalige Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner hinter Gittern. Anträge auf Haftunfähigkeit oder elektronisch überwachten Hausarrest wurden in dieser Zeit stets abgelehnt. Seit heute ist er vorerst ein freier Mann. Warum für Elsner die Causa Bawag noch längst nicht abgeschlossen ist, was der ehemaligen Richterin und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner blühen könnte und warum das Thema der verflossenen Bawag-Millionen nicht versiegen wird, erklärt Elsners Anwalt Andreas Stranzinger im derStandard.at-Interview.

***

derStandard.at: Nach 4 ½ Jahren ist Helmut Elsner seit heute ein freier Mann. Wie überraschend ist der Strafaufschub wegen Haftunfähigkeit gekommen?

Andreas Stranzinger: Nachdem wir alle schon einen gewissen Grundpessimismus in uns hatten, war der Entscheid überraschend. Allerdings hatten wir in den letzten Tagen und Wochen, vor allem auch durch die veröffentlichten Fotos, die den kranken Helmut Elsner zeigten, eine leise Hoffnung. Sie wuchs, als die ärztlichen Gutachten eingelangt waren und diese nicht zur Äußerung an uns Verteidiger zugestellt wurden. Im Klartext: Wenn wir beschwert gewesen wären (d.h., wenn der Antrag auf Haftunfähigkeit abgelehnt worden wäre, Anm.), hätten wir eine Äußerungsmöglichkeit gehabt. Da diese nicht kam, konnten wir vorsichtig davon ausgehen, dass dem Antrag stattgegeben wurde. Trotzdem waren wir bis zum Schluss sehr vorsichtig.

derStandard.at: Sollte sich der Gesundheitszustand von Helmut Elsner verbessern, müsste er immer noch "nachsitzen".

Stranzinger: Herr Elsner muss sich regelmäßigen medizinischen Untersuchungen unterziehen. Sollte sich die Frage einer Haftfähigkeit stellen - die ich jedoch de facto ausschließe -, wäre meiner Meinung nach in jedem Fall die Halbstrafe zu gewähren, da keine spezialpräventiven Gründe vorliegen.

derStandard.at: Wurden die Polizeibeamten bereits vor Helmut Elsners Krankenzimmer abgezogen?

Stranzinger: Nachdem das Staatsanwaltschaft nach Rücksprache mit dem Justizministerium auf die Rechtsmittel der Beschwerde verzichtet hat, gehe ich davon aus. Alles andere würde mich überraschen. Die Haft ist aufgehoben, Wachebeamte kosten nur Geld.

derStandard.at: Die ehemalige Richterin im Bawag-Prozess, Claudia Bandion-Ortner, wird Sie noch eine Zeitlang begleiten.

Stranzinger: Der Verdacht auf Amtsmissbrauch steht im Raum. Mir liegen Informationen vor, wonach die ehemalige Justizministerin im Innenministerium in der Antikorruptionsabteilung unterkommen soll. Das ist insofern pikant, als nach wie vor sowohl gegen sie als auch gegen ihren damaligen Kabinettschef (Georg Krakow, davor Staatsanwalt im Bawag-Prozess, Anm.) ein Strafverfahren am Landesgericht Leoben anhängig ist. Beide fanden es nicht der Mühe wert, im Zuge des Prozesses nach den verschwundenen Bawag-Geldern zu suchen. Diese Tatsache ist relevant dafür - und wurde vom Obersten Gerichtshof (OGH) in seinem Entscheid bestätigt -, um Herrn Elsner allfällige Betrugsvorwürfe zu unterstellen. Wir verfolgen das Verfahren gegen Bandion-Ortner mit Akribie, damit es auch zu einer entsprechenden Anklage kommt.

derStandard.at: Wann könnte es soweit sein?

Stranzinger: Als Bandion-Ortner noch im Amt war, hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren naturgemäß eingestellt. Von unserer Seite wurde ein Fortführungsantrag gestellt, der zurzeit bei den drei Richtern in Leoben zur Entscheidung liegt. In den nächsten Wochen sollten wir mehr wissen. Im Rahmen des Antrags haben wir außerdem neue Beweismittel gelegt, aus denen hervorgeht, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass die letzten Uni-Bond-Veranlagungen von Flöttl innerhalb eines Monats zu einem Totalverlust geführt worden sind, wie stets von ihm  behauptet. Das belegt uns ein gerichtlich zertifizierter Sachverständiger. Im Umkehrschluss heißt das: Das Geld muss irgendwo sein.

derStandard.at: Sie haben eine Wiederaufnahme des Bawag-Prozesses angekündigt.

Stranzinger: Wir arbeiten daran, entsprechende Gründe zu finden, die eine Wiederaufnahme rechtfertigen. Man muss bedenken, dass man letztlich nur einen seriösen Schuss zur Verfügung hat, den man nicht vergeuden darf. Es gilt daher, akribisch eine Stoffsammlung zu betreiben, um zum richtigen Zeitpunkt einen Antrag zur Wiederaufnahme zu formulieren. In erster Linie zielen wir darauf ab, zu hinterfragen, wo die angeblich verschwundenen Bawag-Gelder tatsächlich sind.

derStandard.at: Die Causa Elsner/Bawag bleibt uns demnach noch einige Zeit lang erhalten?

Stranzinger: Definitiv. Für Herrn Elsner ist diese Geschichte noch nicht abgeschlossen.

derStandard.at: Was ist mit dem eingefrorenen Vermögen von Herrn Elsner?

Stranzinger: In dieser Angelegenheit hat sich nichts getan. Meiner Meinung nach hätte schon nach dem OGH-Spruch im Dezember vergangenen Jahres etwas geschehen müssen. Aber die juristischen Mühlen drehen sich extrem langsam. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 8.7.2011)

Hintergrund

Das Wiener Straflandesgericht hat auf Basis eines kardiologischen und eines neurologischen Gutachtens beim herzkranken 76-jährigen Helmut Elsner die Haftunfähigkeit aus medizinischen Gründen festgestellt und per Beschluss die Enthaftung angeordnet. Maßgeblich beteiligt daran war neben Elsners Anwälten Karl Bernhauser und Jürgen Stephan Martens auch Leopold Hirsch, Präsident der Salzburger Rechtsanwaltskammer, der die beiden gerichtlich beeideten Sachverständigen Alexander Gappmaier und Gregor Thorwartl - letzterer ist Gerichtsmediziner und stellvertretender ärztlicher Leiter der Justizanstalt Salzburg - mit der Erstellung des Gutachtens bauftragte. Diesem fast 100-seitigen Gutachten haben sowohl Kurt Huber, Elsners betreuender Arzt im Wiener Wilhelminenspital und Klaus Kaiser-Mühlecker, ärztlicher Leiter der Justizanstalt Josefstadt, vollinhaltlich zugestimmt.

Elsners Gesundheitszustand sei laut Gutachten so schlecht, dass er in der Justizanstalt Wien-Josefstadt nicht mehr angemessen betreut werden konnte. Ausschlaggebend für den Gerichtsbeschluss waren darüberhinaus ein Ergänzungsgutachten des kardiologischen Sachverständigen Joachim Borkenstein und eine neurologische Expertise des Facharztes für Neurologie und Psychiatrie Heinrich Pfolz.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 273
1 2 3 4 5 6
isehwurscht
00
25.7.2011, 17:17
schweinerei

adaschauher
10
11.7.2011, 07:22
einem Lebensabend am Golfplatz, versüßt durch die Millioneneinnahmen aus den Bucherfolgen von Sheriff Ruth steht nichts mehr im Wege...

gb12
00
10.7.2011, 12:01
Der politisch Gefangene Elsner kommt nun frei

Elsner durfte stellvertretend für seine Parteihintermänner, für die Medien und die Öffentlichkeit in Haft sein.
Ein österreichischer politisch Gefangener.
Dem dahinterliegende System gehört eigentlich der Prozeß gemacht, nicht dem Sündenbock Elsner. Elsner ist nur ein kleiner Platzhalter der Parteiaparate gewesen.

left
11
10.7.2011, 17:56

Elsner ist alles andere als ein Unschuldslamm. Natürlich ist es unverständlich, warum in der Causa BAWAG ein Herr Flöttl, ein Herr Verzetnitsch usw. noch frei herumlaufen. Dies ändert jedoch nichts an dem Faktum, dass das Ganze unter einem BAWAG-Chef Elsner passiert ist.

h 90
00
10.7.2011, 16:30

Man weiss, dass die Millionen bei der SPOE sind. Aber da halten alle ruhig weil die OEVP genug eigene Probleme hat.

Oranginella
00
18.7.2011, 23:58
Jo eh.

ach, wie simpel die Welt doch sein kann, wenn man mit einem schlichten Gemüt gesegnet ist.

IchHabeImmerRecht
01
10.7.2011, 10:41

'... die ehemalige Justizministerin im Innenministerium in der Antikorruptionsabteilung unterkommen soll' - dann kann sie ihren eigenen Fall ja gleich selbst untersuchen.

Kohlhaas1
01
10.7.2011, 09:43
Vielleicht sollte man mal die Konten der SP durchsuchen

Besondere Kennzeichen: keine
15
10.7.2011, 09:26
Nach den verschwundenen BAWAG-Millionen zu suchen, wäre Elsners Aufgabe gewesen!

Aber da war der Herr Direktor halt noch damit beschäftigt, seine Betrügereien zu vertuschen und sich seine Bonis zu erschleichen. Kein Wunder hat er damals keine Zeit für seine eigentliche Aufgabe gehabt...

E Pucelj
00
10.7.2011, 08:54

Da steckt noch viel Geld im Verborgenen. Wieso sollten sich so viele Rechtsanwälte um Elsner bemühen? Das erste Ziel der Rechtsanwälte ist, den Klienten frei zu bekommen (ob schuldig oder unschuldig). Das zweite Ziel ist die eigene Kassen aufzufüllen, wo mehr zu holen ist, wird auch gearbeitet mit allen Mitteln. Auch verständlich.

Unverständlich, warum sich die Presse (besonders die KRONE) für die Elsner-Mitleidswelle einspannen lässt.

Sam Polani
11
10.7.2011, 08:44

der arme anwalt arbeitet für elsner aus reiner menschenliebe. da lachen ja die hühner und mäuse. die rechtsanwälte wissen, da gibt es noch viel zu holen.

realodox
01
10.7.2011, 11:08
wo steht das?

lesen sie lieber, statt schwachsinn zu posten.

erbärmlich!

Kubaner
10
10.7.2011, 07:12
Care

Haben wir denn keine anderen Sorgen, als uns um die "armen" Elsners zu kümmern?
Seine Plastiksackerlaktion mit Gerharter spricht allerdings Bände über den Charakter von Helmut Elsner!
Ein Plus: seine Überheblichkeit dürften sie ihm im Häfen ausgetrieben haben!

Keyser
00
10.7.2011, 03:49

Das wäre doch mal eine Aufgabe für die Anonymous Leute - oder wer immer sich dazu befleißigt fühlen mag, ein wenig Millionen-Suche zu spielen. :-o

Grantscherben
10
10.7.2011, 00:35

Immer das Gleiche bei den oberen Zehntausend die etwa angestellt haben. Kaum rückt ihnen die Justiz auf die Pelle sind die Armnutschkerln alle sterbenskrank und und und ...
Das Problem ist nicht das der Elsner sitzt, sondern soviele andere nicht. Vor allem das der Flöttl noch frei herumrennt!?

Politiker sind schlechte Menschen !!
20
kasperltheater ala övp ....fortsetzung folgt

teil xxx....
urlaub vom knast.... zuerst staatsfeind nr. 1 von övp richterin mit brillentick in den kerker geworfen, als belohnung vom woferl schüssel ministerin geworden in unknade gefallen.....
jetzt darf er nach hause... der övp feind nr.1

auf der anderen seite nicht schlecht, denn operationen muß er sich jetzt selber zahlen, im knast hätts der steuerzahler büßen u. zahlen müssen

buff flyer
10
na, die ruth

hat auch schon einen haufen falten...

V. Pu
00
10.7.2011, 13:27

Eine Frechheit! So eine wunderschöne Frau in ihrem Alter. Vor allem würde ich Ihnen mal empfehlen, sich selbst mal in den Spiegel zu schauen...

buff flyer
00
10.7.2011, 17:10
was ich dort seh kann ich vom rasieren ;-)

und pudeln sie sich nicht auf: sie ist ja nicht unattraktiv, aber auf den fotos hier wohl wirklich auffällig gealtert.

Der Udo
03

Armer alter Mann.

walter prohaska
01

nu ja, das mit alt stimmt ja aber ich moechte auch mal so arm wie der sein.

hellgate
12
2 Klassen Justiz

Jeden kleinen Gauner würde man im Knast verrecken lassen, weils nicht in den Medien steht und dem Regime egal ist. Aber für Herr Millionenabzocker Elstner nur vom Feinsten.
Spittal, Reha und die besten Ärzte.
Wovon zahlt er denn das?

Sam Polani
10
10.7.2011, 08:41

Wer bezahlt das alles? Nun die kleinen & grossen Geschenke für die Reporter (um Elsner als Oper umzufunktionieren), die Ärzte (für ein gefälligeres Gutachten), die Paperazzzzies (um Fotos für Tränentrüsen zu gestalten), . . die Anwälte . . wer wird die alle bezahlen? Ja, die Millionen aus dem Versteck. Un die armen Anwälte wissen, da gibt es noch viel zu holen.

realodox
20
schwachsinn.

buff flyer
00
aber wo

das geht durchgängig: letztens ist ein kleinkrimineller freigelassen worden, weil er im gefängnis klaustrophobie (sic: ich dachte naiverweise immer, das wäre sinn der übung, strafweise im kammerl zu sitzen) nachweisen konnte.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 273
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.