Eskalierende Feiern

Verbot von Facebook-Partys in Österreich kein Thema

21. Juli 2011, 11:27

Österreichische Politiker halten nichts von Präventivmaßnahmen

Flaschen flogen und Brandsätze, 41 Festnahmen listete das Polizeiprotokoll und 16 Menschen mussten medizinisch versorgt werden. Es war nicht die erste Facebook-Party, die in Deutschland außer Kontrolle geriet, zweifellos aber die folgenschwerste. 800 Besucher folgten der anonymen, aber öffentlichen Einladung nach Wuppertal-Ronsdorf, darunter nicht wenige – wie es in der Terminologie der Sicherheitsdienste heißt – "erlebnisorientierte" Fans des größten städtischen Fußballvereins.

Bis das Phänomen "Facebook-Party" den deutschsprachigen Raum erreichte, dauerte es einige Zeit. In anderen Ländern setzte es Exekutivkräfte und Politik bereits seit längerem unter Druck. Aus Großbritannien und den USA existieren Berichte über ausufernde Feste dieser Art bereits seit dem Vorjahr. Im australischen Sydney verbreitete im März ein Schüler die ursprünglich als privat eingestellte Geburtstagsfeier einer Schulkollegin öffentlich auf Facebook: Der Multiplikatoreffekt sorgte letztendlich für 200.000 Zusagen, ein Polizeiaufgebot verhinderte den Massenauflauf.

Verbotsforderung von Landesinnenministern

Nachdem nun auch in Deutschland erste Erfahrungen mit der Eigendynamik von auf Facebook organisierten Feiern gemacht wurden, forderte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ein rigides Verbot solcher Partys: "Wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird, müssen Facebook-Partys im Vorweg verboten werden."

Auch seine Amtskollegen aus Bayern, Joachim Herrmann (CDU), und Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger (SPD), äußerten sich ähnlich. Herrmann relativierte seine Aussagen nach Kritik der politischen Konkurrenz und schränkte sie nicht mehr nur auf Facebook und soziale Netzwerke ein: "Wer einen Polizeieinsatz provoziert, hat auch dafür zu zahlen. Grober Unfug ist auch über Facebook nicht erlaubt."

"Großer Eingriff in die Privatsphäre"

In Österreich gab es bisher noch keine Meldungen über entgleisende Facebook-Partys. Sehen die Verantwortlichen im Land dennoch einen Grund, Präventivmaßnahmen gegen mögliche Auswüchse zu fordern?

Nein, sagt Polizeioberst Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, auf Anfrage von derStandard.at: "Uns sind hierzulande keine Veranstaltungen bekannt, die über Facebook zustande gekommen wären und Probleme bereitet hätten. Es gäbe aber auch dann keinen erkennbaren Bedarf, irgendwelche Verbote auszusprechen, weil es letztendlich keinen Unterschied macht, ob die Einladung via E-Mail, SMS, Facebook oder telefonisch verbreitet wird. Eine entsprechende Regelung wäre auch praktisch nicht einfach durchzusetzen und würde einen großen Eingriff in die Privatsphäre bedeuten."

"Aufrufe zu Gewalt entsprechend scharf ahnden"

Auch FPÖ-Sicherheitssprecher Harald Vilimsky sieht keinen Sinn in vorbeugenden Maßnahmen: "Ein Verbot von Facebook-Partys oder aus vergleichbaren sozialen Netzwerken ist aus meiner Sicht absolut abzulehnen. Warum sollen sich Freunde nicht miteinander treffen und dies über den virtuellen Raum organisieren? Warum sollen tausende und zehntausende die Zeche dafür zahlen und keine Party mehr organisieren dürfen, nur weil auch vereinzelt ein paar Wirrköpfe Gewaltbereitschaft in sich tragen? Diese gibt es an vielen anderen Plätzen leider genauso, wie jüngst die Ausschreitungen im Fußball-Bereich zeigen. Aufrufe zu Gewalt und Gewaltausübung sind entsprechend scharf zu ahnden, das ist primär Aufgabe der Sicherheitsbehörden und sekundär der allgemeinen Bewusstseinsbildung im gesellschaftspolitischen Bereich."

Bei SPÖ-Technologiesprecher Kurt Gartlehner stößt ein Verbot auf ebensowenig Verständnis: "Ein Asset der sozialen Netzwerke ist die spontane Organisationmöglichkeit, und diese darf aus demokratiepolitischen Gründen nicht eingegrenzt werden." Er weist aber gleichzeitig darauf hin, dass "sich allfällige Veranstalter in Österreich darüber im Klaren sein müssen, dass es sehr sinnvolle gesetzliche Mindesterfordernisse für Veranstaltungen gibt. Sie sollten vorher die gesetzlichen Rahmenbedingungen erkunden, damit derartige Partys nicht polizeilich aufgelöst werden müssen." (Michael Matzenberger, derStandard.at, 21.7.2011)

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Posting 1 bis 25 von 58
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Nitram1988
00
23.7.2011, 11:38
Ist Deutschland Iran oder Libyen?

Die Party wurde doch abgesagt. Also sind alle uneingeladen gekommen. Gestraft gehört jeder der einen Radau macht, aber nicht Kinder, die sich bei Facebook verklickt haben.

derunbestechliche
00
23.7.2011, 10:17
Etwas anders ausgedrückt: Eh wuascht.

Diese Partys sind so lange kein Thema, solange sie in Österreich nicht durchgeführt werden/worden sind und keiner zu Schaden gekommen ist. Das ist immer so in Österreich: So lange nichts passiert, ist es eh wuascht.

Heavyweather
00
22.7.2011, 23:15

Vor so vielen Leuten haben die halt Angst.
Irgendwie hat so eine Party auch etwas poitisches.

Wie soll man jemanden finden der anonym so eine Party über Facebook ankündigt. Das ist absolut nicht zurückverfolgbar.

Spartaner13
20
22.7.2011, 09:09
Da sieht man, wie saudumm manche Facebookler sind.

Da postet man eine Einladung falsch und schon kommen 100derte Lemminge ... wenn man mal einen Meter weiterdenkt müsste man wissen, dass bei so einer Privat-Party zu wenig Platz für solche Menschenmassen ist. Dass dann die Halbaffen auch noch randalieren ... unglaublich.

Hui Buh
00
21.7.2011, 21:35
*schluchz* Ich hätte ja gar nicht mal 200.000 Freunde......

*ggg*

Bastardl
10
21.7.2011, 19:28
Bin verdattert dass im Bericht zuerst die F

und dann erst die S zu Wort kommen - sowas schätze ich gar nicht, zumindest solange die F nicht die meisten Stimmen haben (was nicht mir nicht ausmalen möchte)!

Nessus
00
22.7.2011, 09:26
Und was war nicht in Ordnung bei der Äußerung?

Eine richtige Aussage wird ja nicht dadurch falsch, dass sie ein Vertreter der falschen Partei macht.

Ich möchte mir das Demokratieverständnis mancher Leute auch nicht ausmalen...

Bastardl
00
21.7.2011, 21:00

anhand der Wortstellung sieht man wie sehr ich verdattert bin...

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
21.7.2011, 18:40
gottseidank darf man in Ö noch ein bisserl leben, danke!

die Deutschen sind ja vollkommen durchgeknallt

Jugendlichen die Party machen wegen Landfriedensbruch anzeigen

da wächst ein neuer Faschismus heran, ganz ohne daß sich die Effen in einer eigenen Partei versammelt hätten

die sind in D. bestens in CDU/CSU integriert

Hartmut Rücker
00
22.7.2011, 08:54

Wenn Du die Party auf Deinem privaten Grundstück machst (bei 200.000 Leuten etwas schwierig, außer, Du bist Eigentümer der Neverland Ranch;-)) bin ich bei Dir. Aber diese Parties finden sicherlich auf öffentlichem Grund statt und wenn dann randaliert wird (und das wurde es offensichtlich), dann ist das etwas anderes und dann sind die Anzeigen gerechtfertigt.

Heavyweather
01
22.7.2011, 23:05

Öffentlicher Grund gehört aber jedem.
Es ist einfach nicht strafbar wenn jemand sagt wir machen eine Party im Donaupark...egal ob auf Facebook oder auf ein paar Einladungen an seine Freunde.

Die Polizei hat die Aufgabe sich um Leute zu kümmern die Probleme machen...
Diese Leute sind immer für sich selbst verantwortlich.

Im Fall Donaupark stelle ich ja auch keine Bühne oder so etwas zur Verfügung wo ich als Veranstalter für die Sicherheit verantwortlich wäre. Jeder ist eben für sich selbst verantwortlich.

derunbestechliche
00
23.7.2011, 10:14

So einfach würde ich mir das nun nicht machen. Wenn ich z.B. den Aufruf zu einer Party mache und mein Grund und der angrenzend öffentliche Grund schwer zugänglich und für Massen gefährlich ist, dann haftet der zur Party Aufrufende sehr wohl auch für die Sicherheit. Ich bin kein Rechtsexperte, aber wenn eindeutig davon auszugehen ist, dass (über die Maßen) viele Leute kommen und das eigene als auch das angrenzende Grundstück für viele Menschenmassen gefährlich sind, dann kann man den quasi Veranstalter nicht gänzlich aus der Schuld entlassen.

Heavyweather
00
23.7.2011, 11:55

Blöd nur wenn man nicht feststellen kann wer der "Veranstalter" ist...

Poldi Fesch
00
21.7.2011, 19:40
200.000

sind wohl keine Party mehr

der schwitzbär der schwitzt sehr
00
21.7.2011, 20:46

Zusagen sind auch noch keine Besuchszahlen

Poldi Fesch
00
21.7.2011, 21:47
scho, aber auch 1/100

waeren eher viel

der schwitzbär der schwitzt sehr
01
22.7.2011, 00:47

zweitausend Leuz ist ein ordentliches Rave. Sowas ham wir in den 90ern noch aus dem Kofferraum gepackt und los gings

Laßt den jungen Leuten ihren Spaß. Die haben eh triste Zukunftsaussichten vor sich

Spartaner13
00
22.7.2011, 09:12

Dann lass mal die jungen Leute bei dir in der Nähe abfeiern ... mal sehen ob du dann genauso denkst - lasst doch den jungen Leuten ihren Spaß und Alk.

Oje, triste Zukunftsaussichten haben wir auch noch?
Aja mein Opa hatte es ja viel besser damals im Krieg ... na da gehts mir heute natürlich viel schlechter ...

Poldi Fesch
00
22.7.2011, 00:50
??

in der Kleingartensiedlung Krietzendorf ?

woifee 0.0
00
21.7.2011, 22:00

Ich war schon auf Partys mit 5.000 Gäste, okey war keine Geburtstagsparty, eher ein alljährlich statt findendes Bierzelt. Aber unter 2.000 Gäste ist bei uns recht selten bei derartige Veranstaltungen.

Poldi Fesch
00
21.7.2011, 22:58
dann wirds aber

zur Veranstaltung.
Das Problem bei der Sache ist doch der Selbstlaeufer. Am Sa Festerl beim XY, weitersagen, kommts eh alle.

Heavyweather
00
22.7.2011, 23:07

Auf der Donauinsel wäre das aber kein Problem. Da passen schon ein paar Leute drauf...wenn jeder seine Würschteln selbst mit bringt...

bleak_vision
00
21.7.2011, 18:06
Wofür neue Gesetze?

Sehe keinen Grund warum man gegen diese Partys nicht mit bestehenden Rechtsmitteln vorgehen kann. Lärmbelästigung, Hausfriedensbruch, Alkoholauschank in Jugendliche unterm entsprechenden Schutzalter usw.

Was fehlt ist die politische Rückendeckung für die Polizei diese Jugendlichen tatsächlich festnehmen, ihre Identität feststellen und anzeigen zu können.

Selbst bei Anzeigen ist die Justiz nicht willens Strafen zu vergeben, die man sich merkt. Die müssten bei Gott nicht drakonisch sein. Bei 99% würde es reichen, nach einer Nacht in der Zelle von den Eltern abgeholt zu werden.

Wahrscheinlich wären die Strafen für "Facebookparty machen" auch noch geringer, als jene für die Summe der Delikte, die so eine Party konstituieren.

Poldi Fesch
00
21.7.2011, 21:48
???

wen wollens denn aus welchem Titel festnehmen ?

the JJ
00
21.7.2011, 18:25

Sie waren wohl auch immer derjenige, der nie zu privaten Partys eingeladen wurde, oder nie gehen durfte?

Und bezüglich der Nacht in der "Ausnüchterungszelle"...bei der Überfüllung der Gefängnisse, die ohnehin schon vorhanden ist, dann auch noch jedes Wochenende zig Jugendliche einzusperren halt ich dann doch für übertrieben, und außerdem auch für ziemlich kostenintensiv...

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