Wissensschatz: 340.000 Bände im Parlament

10. Juli 2011, 00:50
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Jeder Bibliothekar hat Sorge um seine Bestände, sagt die Direktorin der Parlamentsbibliothek, Elisabeth Dietrich-Schulz

Es wäre eine Wegstrecke vom Parlamentsgebäude zum Schloss Schönbrunn und retour, würde man die 340.000 Bände der Parlamentsbibliothek aneinanderreihen. Und um den bestmöglichen Erhalt - genauer gesagt: um die bestmögliche Zugänglichkeit - dieses Bestandes während der Generalsanierungsarbeiten des Parlamentsgebäudes geht es Elisabeth Dietrich-Schulz, Direktorin der Parlamentsbibliothek.

Immer wieder in der Geschichte gab es Momente der "Gefahr einer Zerteilung" des Bestandes, holt sie aus. Ein möglicher könnte 2013/14 bevorstehen. Alle Bibliothekare haben - bei Umzügen - Angst um ihre Bestände, sagt Dietrich-Schulz, "weil Schwankungen in der Temperatur oder der Luftfeuchtigkeit einen irreparablen Schaden für die Bücher bedeuten", und auch deshalb sei der Wunsch deponiert, dass der Zugang zum Bestand während der Sanierungsarbeiten des historischen Parlamentsgebäudes offen bleibt. Natürlich sei es verlockend, einen Teil der Sammlung zu komprimieren, um dadurch die Lagerkosten sehr viel günstiger zu halten. Aber, so Dietrich-Schulz weiter, wenn man die Bibliothek als einen "Wissenschatz" sieht, "von dem man leider nie weiß, was in der Diskussion wichtig wird, dann müsste man sich doch sehr bemühen, diese Mittel aufzubringen, um eine adäquate und zugängliche Lagerung der Bestände zu gewährleisten". Denn selbst ein temporärer Verlust von Wissensmaterial könne unter Umständen Langzeitwirkung haben, sagt sie, wissend, dass die Forderung, die sie stelle, eine hohe ist, so Dietrich-Schulz weiter.

Das zunächst Wichtigste, sagt Dietrich-Schulz, sei eine politische Einigung über einen ganz konkreten Plan. Denn: Wichtig sei nicht nur eine gute Um-, sondern auch eine gute Rücksiedelung. "Eine große Sammlung wie die unsere hat sehr selten die Chance einer kompletten Neuaufstellung", sagt sie und meint dabei auch etwa eine mögliche Einrichtung von Fördersystemen zur Verbesserung der Serviceleistungen. Und: Sie wünsche sich, dass die Schwerpunkte der Bibliothek - Parlamentarismus- und Demokratieforschung - sich noch stärker in wissenschaftlichen Publikationen niederschlagen. "Es ist genug Material vorhanden - für viele interessante Fragestellungen", so die Direktorin. (haa/DER STANDARD; Printausgabe, 9./10.7.2011)

  • Elisabeth Dietrich-Schulz leitet die Parlamentsbibliothek.
    foto: standard/fischer

    Elisabeth Dietrich-Schulz leitet die Parlamentsbibliothek.

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