Wer radelt eigentlich unter Strom?

"Urbane E-Biker sind meist Leute, die in ihrer Freizeit intensiv sportlich radeln - aber während der Woche Anzug und Krawatte tragen müssen."

Das E-Bike, sagte die Kollegin aus der Wien Heute-Redaktion an der Kreuzung, habe sie zu einem besseren Menschen gemacht: "Ich bin jetzt milder und sanfter: Wenn ich wegen eines rücksichtslosen Autofahrers abrupt bremsen muss, bin ich nimmer so sauer, dass der ganze Schwung weg ist."

Berufsjunge Dynamikbiker mögen hämisch grinsen, aber die Journalistin hat recht: Sie ist keine 25 mehr - und Wien eben doch recht hügelig.

Nebenbei passt ihre E-Motivation gut zu den "Wer kauft eigentlich ein E-Bike?"-Erkenntnissen des Sport- und Radhandels: Vor allem "Golden Ager", also Menschen jenseits der 50, holen sich so ein Stück verlorengeglaubter Mobilität zurück. Reise- und Tourenräder und der Preisbereich zwischen 1000 und 1500 Euro, sind hier gefragt. Gefahren wird (no na) in der Freizeit.

Im urbanen Alltags-Radverkehr ist jedoch eine (eigentlich zwei) andere Zielgruppe der Pedelec-Hoffnungsmarkt, erklärt Wendelin Fortner. Fortner verkauft als "Elektrobiker" (teure) E-Bikes in Wien. Seine Klientel ist männlich, image- und stilbewusst - und verdient gut: "Urbane E-Biker sind meist Leute, die in ihrer Freizeit intensiv sportlich radeln - aber während der Woche Anzug und Krawatte tragen müssen."

Die "echten" Umsteiger kämen aber aus der Auto-Oberklasse: "Wenn die erkennen, dass sie mit dem Dienstwagen in der Stadt viel Zeit und Geld liegenlassen, ist der Motorroller der erste Gedanke. Aber wenn sie sehen, dass man mit dem Rad in der Stadt noch mehr Schlupflöcher findet als mit der Vespa, ist für viele die Entscheidung rasch klar." (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/08.07.2011)

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