Lehrer-Ausbildung

Rektoren-Chef gegen Aufwertung der PH zu Unis

8. Juli 2011, 11:26

Sünkel: "Pädagogische Unis kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen"

Wien - Strikt gegen die Aufwertung von Pädagogischen Hochschulen (PH) zu Pädagogischen Universitäten im Zuge der Reform der Lehrerausbildung hat sich der Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, Donnerstag Abend vor Journalisten in Wien ausgesprochen. Der Rektoren-Chef sprach von einem "fehlgeleiteten Ehrgeiz" einiger PH, eine Umwandlung in Unis wäre eine "Duplizierung vorhandener Kapazitäten", die man sich angesichts der beschränkten Mittel absolut nicht leisten könne.

Er verstehe schon, "dass Landeskaiser aus welchen Gründen auch immer Interesse haben, auch eine Universität in ihrem Bundesland zu haben", aber "Pädagogische Universitäten kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen". Es habe keinen Sinn, Dinge zu wiederholen. Vielmehr müsse man im tertiären Sektor darauf schauen, Doppelgleisigkeiten abzubauen. Aus diesem Grund kann sich Sünkel vorstellen, dass die PH als "Schools of Education" in Universitäten eingegliedert werden, "so wie ich mir auch vorstellen kann, dass Fachhochschulen ein Teil von Universitäten werden können".

"Niveau nach unten"

Sünkel fürchtet weiters, dass durch die neue Lehrerausbildung "das Niveau nach unten korrigiert wird", was "absolut kontraproduktiv" wäre. In Finnland etwa könnten nur die Besten der Besten Lehrer werden. Ein Master-Abschluss wäre nach Meinung des uniko-Chefs für alle Pädagogen wünschenswert, zumindest aber für die Sekundarstufe unbedingt notwendig. "Alles, was länger ist als drei Jahre, ist besser", kommentierte Sünkel den Vorschlag der Expertenkommission, die Bachelor-Ausbildung für Pädagogen auf vier Jahre anzusetzen, "fünf Jahre wären aber besser".

Als "versäumte Chance" sieht Sünkel, dass das diese Woche beschlossene Qualitätssicherungsgesetz nicht für die PH gelte. Damit gebe es im tertiären Sektor eine "unterschiedliche Behandlung qualitativer Art". Auch eine Zusammenarbeit von zwei Einrichtungen mit völlig unterschiedlichem Status kann sich Sünkel nicht vorstellen. Denn die zum Wissenschaftsministerium ressortierenden Universitäten sind autonom, während die dem Unterrichtsministerium unterstellten PH Dienststellen des Bundes sind. "Zwei Einrichtungen mit völlig anderen Rahmenbedingungen miteinander spielen zu lassen, ist nicht möglich", so Sünkel. (APA)

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23 Postings
Kelborn
00
11.7.2011, 08:29

Niveau nach unten, Kosten rauf, selektion verstärken, usw. Das ist Uni-Politik in Österreich!

BrainDrainer
03
10.7.2011, 04:23

in österreich gibt es ca. 8 Millionen Fußballtrainer, ca. 8 Millionen Ärzte, und scheinbar seit ein paar Jahren auch mehrere Millionen Forscher - wirklich toll hier, da kann man die Exzellenz und den Fortschritt wirklich an jeder Ecke sehen und spüren.

Cpt. Bligh
00
11.7.2011, 09:03
nöö,

ich habe festgestellt:
4 mio fussballteamchefs, und der rest ist bauherrenberater...

Mike Webman
53
Der Herr Dünkel...

...fürchtet um seine akademischen Pfründe.
Private Pemperl-Unis gibt es auch jetzt schon in den Bundesländern, Flussuniversitäten und Titelmühlen ebenfalls. Pädagogischen Volkshochschulen mit ihren vielen politischen Günstlingen zu Universitäten zu machen wäre nur ein weiterer Etikettenschwindel - weil nur PÄDAK drinnen ist !

byron sully
33

sünkel wirkt ein wenig paranoid.

Elisabeth Stein
25
Was fürchtet Herr Sünkel wirklich?

Den Verlust der Lehramtsstudierenden und damit ein schrumpfendes Budget für seine Unis vielleicht? Es würde sich doch das Betreuungsverhältnis und die Arbeits- und Studienbedingungen an den überquellenden Unis verbessern. Um mehr Geld für Bildung und Forschung muss sowieso gekämpft werden, egal wie die Institution heisst. Seit den Leistungsvereinbarungen ist die Autonomie der Unis stark beschnitten, allerdings ermöglicht sie einen Abglanz von Unabhängigkeit - bei Berufungen.

srinivasa
04

Universitäten haben auch einen Forschungsauftrag. Bei allem Respekt vor der Arbeit der der PH's, aber da fehlen die Einrichtungen, das Geld und vor allem das Personal.

Theano
00
11.7.2011, 09:53

Es könnte ja Geld und Personal umgeschichtet werden. Wer von den Unis schlecht behandelt wird, hätte gegebenenfalls eine Alternative. Ach ja, nein, die soll es nicht geben. Da würden Pfründe und Abhängigkeiten verloren gehen. Wer Lehramt studiert, soll dies bitte weiterhin an Einrichtungen machen, wo von vornherein klar vermittelt wird, dass man bestenfalls in der zweiten Liga spielt.

Unterton
00
10.7.2011, 13:01

Ja, vor allem Geld und Personal...

Saskia Fabian
 
134
eine frechheit so herablassend zu sprechen

die pädagogische ausbildung ist an manchen phs weit besser als auf den universitären instituten wo mehr das fachwissenschaftliche gelehrt wird. sünkel braucht sich nicht über landeskaiser zu beschweren, seine eigenen aussagen nähren sich genau aus derselben "revier-absicherungs-intention".

BrainDrainer
00
10.7.2011, 04:21

wenn sie bildungsminister werden, wandere ich (wieder) aus!

Somebody Someone
35

"wo mehr das fachwissenschaftliche gelehrt wird"

Sie sind also für eine Universität wo dieser Satz nicht zutrifft? Oder sind Sie dafür, dass dieser Satz für die zur Universität aufsteigenden PHs auch zutreffen soll? Ansonsten wäre doch die Konsequenz, dass PHs einfach Pädagogische Hochschulen bleiben.

Übrigens, früher waren die PÄDAKs Akademien, ehe sie zu Hochschulen wurden. Und jetzt werden die PÄDAKs Universitäten? Wozu eigentlich? Soll dort Wissenschaft betrieben werden? Gibt es dann Forschungsgruppen, Konferenzen, wird in Journale publiziert? Per Definition müssten PÄDAKs also auch Doktoratsprogamme anbieten?

rigil kent
12

"Gibt es dann Forschungsgruppen, Konferenzen, wird in Journale publiziert?"

Ja, seit 2007!

Somebody Someone
00

Interessant. Mir war das nicht bewusst. Wie sieht denn die Personalstruktur dort aus? Gibt es da auch PhD Studenten, postdocs, Professoren? In welchen Journalen wird da typischerweise publiziert? Haben Sie einen Link einer PH parat, der ein wenig zeigt, was wo publiziert wird?

rigil kent
01

PHs hier: http://www.bmukk.gv.at/schulen/b... ndorte.xml

Links zu den Instituten für F&E suchen (die Privaten sind zumeist besser aufgestellt)

PH.D. - Ebene wurde bislang politisch unterdrückt;

Masterprogramme vorhanden (restriktiv vom bmukk behandelt)

Bsp. für Journal gemeinsam von Unis mit PH (sogar Hauptträger) unter www.oefeb.at

Im Übrigen kenne ich etliche Uni-Institute in meinem Fach: zumeist ist nur die Kopfanzahl der Lehramtsstudenten geschätzt, die Ordinariate werden dann zumeist fachwissenschaftlich besetzt (bringen mehr 3.-Mittel und Reputation), Lehramtsbereich bleibt dann Stiefkind. Wer sagt, dass sich dies dann in Zukunft bessern wird?

moejoe000
04

Was aber nichts daran ändert, dass es immer noch Schulen sind und die Leute, die dort unterrichten, Lehrer:
1) sie müssen viel mehr unterrichten, als das wissenschaftliche Unipersonal
2) die Lehrer an den PHs werden, wie alle anderen Lehrer auch, sofort unbefristet angestellt und sind - im Gegensatz zu den Unis - auch alle gleich Professoren (wie zB an der AHS).
3) Die Forschung soll lt. Gesetz "berufsfeldbezogen" sein und bezieht sich somit zumeist auf den pädagogisch-didaktischen Bereich. Eine fachwissenschaftliche Grundlagenforschung fehlt völlig. (Und wenn Sie so tun, als wäre seit 2007 mit einem Schlag alles anderes geworden, dann disqualifizieren Sie sich ohnehin schon selbst)

rigil kent
00

Ad 1:
Ist leider richtig, so fehlt die Zeit und die Kraft gesetzeskonform dem wissenschaftlichen Auftrag nachzukommen. Glauben Sie wirklich, dass sich dies an "schools of education " ändern wird, wenn hinten und vorne das Geld fehlt?
Ad2:
Diesbezüglich sind Sie nicht mehr am Stand der Zeit: kaum mehr Übernahmen von neuen Lehrern, fast nur Mitverwendungen und Lehraufträge (jederzeit abbaubar); komplette Übernahmen sehr selten und fast nur mehr mit Promotion.
Ad 3:
Stimmt zum Teil: Jetzt frage ich Sie: Wie viel hat fachwissenschaftliche Grundlagenforschung mit Lehrerbildungsdidaktik zu tun?
Zum Klammerausdruck: Wo habe ich geschrieben, das seit 2007 alles anders wäre? Das habe ich als Replik auf meinen Vorposter geschrieben, der von aktuelle

rigil kent
00

n Entwicklungen und Verbesserungen an den PHs offenbar wenig mitbekommen hat (oder sie nicht sehen will).

moejoe000
00

Nochmals ad 2: Lehrbeauftragte und mitverwendete Lehrer sind aber auch nicht der Weißheit letzter Schluss und nicht das, auf das ich hinaus wollte. Es geht um die unterschiedliche Personalstruktur zwischen Schulen einerseits und Universitäten andererseits.

Das universitäre System ist von einer Zweiteilung geprägt zwischen einer (eher kleinen) Zahl von Universitätsprofessoren (den Chefs), die in einem umfangreichen Berufungsverfahren bestellt werden, und den anderen, die in der Regel nur befristete Verträge haben und ofmals anstreben, auch einmal irgendwo Universitätsprofessoren zu werden.

An Schulen jedoch gibt es nur eine Kategorie von Lehrern; alle sind gleich. Hirarchie zwischen den Lehrern gibt es eher nicht. [...]

rigil kent
11

Ist mir bekannt, schließlich habe ich selbst einen Lehrauftrag an einer Uni.
Ich bin nicht blauäugig und kenne die Schwächen der PH im Forschungsbereich (vom bmukk kräftig behindert) und der davon abhängigen Personalstruktur, aber auch deren Stärken: gute und ambitionierte Verzahnung von FW und FD mit einem im Optimalfalle zielgerichteten HW-Kern (ausnahmen wie überall). Für die Primarstufe sowieso, aber auch für die SEK 1 sicherlich besser als die Uni aufgestellt (im Schnitt).
Eine moderne Uni ist einfach für ein Lehramt nicht gebaut: fachwissenschaftlicher Veröffentlichungsdruck mit Punkten im citation-index, Drittmittelrekrutierung (10 % overhead), Personal ohne Schulerfahrung (Ausnahmen ...).
Deshalb braucht`s eine eigenständige Pädago

rigil kent
00

gische Universität mit dem Besten von beiden.

moejoe000
01

Und das Lehrerdienstrecht (für die Lehrer an Schulen) gilt nunmal auch für die Pädagogischen Hochschulen.

Aber ich kann Sie beruhigen: auch die Fachhochschulen sind in diesem Sinne Schulen! (Auch wenn die nicht dem Lehrerdienstrecht unterliegen)

moejoe000
00

Nochmals ad 2: Lehrbeauftragte und mitverwendete Lehrer sind aber auch nicht der Weißheit letzter Schluss und nicht das, auf das ich hinaus wollte. Es geht um die unterschiedliche Personalstruktur zwischen Schulen einerseits und Universitäten andererseits.

Das universitäre System ist von einer Zweiteilung geprägt zwischen einer (eher kleinen) Zahl von Universitätsprofessoren (den Chefs), die in einem umfangreichen Berufungsverfahren bestellt werden, und den anderen, die in der Regel nur befristete Verträge haben und ofmals anstreben, auch einmal irgendwo Universitätsprofessoren zu werden.

An Schulen jedoch gibt es nur eine Kategorie von Lehrern; alle sind gleich. Hirarchie zwischen den Lehrern gibt es eher nicht. [...]

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