Feindbild Automobil (III)

8. Juli 2011, 16:59
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    foto: ap/kai-uwe knoth

    Schlechte Arbeitsbedingungen aber ein Erfolgsmodell für die Zukunft der Arbeiterklasse - das Fließband.

Die Existenz zu vieler Autos wird zwar beklagt, als Jobmoter sind Autofabriken aber nach wie vor gerne gesehen

Die Kritik, dass alle Autos irgendwie gleich aussehen, hat eine lange Geschichte, sie ist im Grunde so alt wie das Auto selbst. Denn immer schon haben die gerade gültigen technischen Möglichkeiten das Aussehen ganz wesentlich mitbestimmt.

Als Henry Ford die Serienfertigung für das Automobil adaptierte (Revolver und Nähmaschinen wurden bereits Jahrzehnte früher zu Hunderttausenden jährlich produziert), entstand die Form des Ford T auch unter dem Aspekt der Serienfertigung. Ein zentrales Merkmal war die äußerst geringe Flexibilität, auf spezielle Kundenwünsche einzugehen, Ford sträubte sich sogar lange, alternative Farben zu Schwarz anzubieten.

So sah Hauptkonkurrent General Motors unter seinem Boss Alfred Sloan seine Chance in der systematischen Individualisierung der Produkte. Er kurbelte den Verkauf durch rasche Modellretuschen an und adaptierte damit die kommerzielle Dynamik des Modebusiness fürs Autogeschäft. Diese Sloanismus genannte Praxis ist heute gültiger denn je, siehe explosionsartige Verbreiterung der Modellvielfalt.

Die Gewerkschaften hatten immer ein ambivalentes Verhältnis zur Fließbandarbeit. Einerseits stellte sie ein typisch kapitalistisches Instrument der Ausbeutung mit schlechten Arbeitsbedingungen dar, andererseits sicherte sie als wirtschaftliches Erfolgsmodell die Zukunft der ganzen Arbeiterklasse.

Heute wird zwar einerseits die Existenz viel zu vieler Autos beklagt, als Jobmotor wird der Bau neuer Autofabriken aber nach wie vor gerne von Regierungen gefördert. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/08.07.2011)

  • Gefährliche Elektroautos [136]

    Elektrische Spannungen und Ströme, aber auch die Elektromotoren selber bergen hohe Risiken

  • Konflikt Fahrrad versus Auto [268]

    Die Trennung von Rad- und Autoverkehr funktioniert nicht wirklich. Radwege mögen das richtige Symbol sein, aber nicht immer die richtige Lösung

  • Vom autonomen Autofahren [42]

    Autofahren ist vor allem in Ballungsräumen nicht mehr lustig und um das erste verdiente Geld auszugeben gibt es genügend Alternativen zum Auto

  • Start-Stopp: Es gibt längst Besseres [86]

    Die Zukunft gehört Systemen mit Starter-Generator, der unauffällig zwischen Stillstand, Elektro- und Verbrennungsmotorbetrieb wechselt

  • Verkehr in Megacitys [3]

    Die Autoindustrie liefert Konzepte für den Autoverkehr in künftigen Megacitys und denkt über besonders kleine und smarte Fahrzeuge nach

  • Zugfahren als Schnäppchenjagd [185]

    Die Bahn hält Neukunden konsequent fern. Alternativen sind die neue Westbahn - oder der private PKW

  • Radfahren: Fit, aber tot? [256]

    Je mehr Radfahrer sich auf den Straßen tummeln, umso mehr Unfälle gibt es auch

  • Autosalon als Spiegelbild [3]

    Die heurige Automobilausstellung in Frankfurt kehrt auf den ersten Blick wieder ziemlich auf den Boden der Tatsachen zurück

  • Das Auto braucht Straßen [86]

    Das Auto braucht eine Infrastruktur, nämlich Straßen, und die schenken uns die Autohersteller nicht dazu

  • Autofahren mit Biogas [39]

    Biogas wird im Wesentlichen aus landwirtschaftlichen "Abfällen" hergestellt, tritt also nicht in unmittelbare Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion

  • Pendlerpauschale ade? [379]

    Eine hohe Mobilität von Arbeitskräften ist eine Grundlage unseres Wirtschaftslebens. Die CO2-Diskussion betrifft vor allem auch die Pendler

  • Mit den Waffen der Gegner [99]

    Gijs Mom macht sich schon lange Gedanken, warum der Elektromotor vor 100 Jahren den Wettlauf mit dem Verbrennungsmotor verlor

  • Abgas-Erregungsakrobatik [19]

    Bis heute spielen die kompromisslosen Autoverteidiger eine lautstark polternde, aber ziemlich nutzlose Rolle

  • Feinstaubalarm beim Ottomotor [81]

    Die Regelung Euro 5 sieht eine Begrenzung der Partikelmasse vor. Aber nur mit der Partikelmenge lässt sich der Feinstaubanteil erfassen

  • Feindbild Automobil (III) [20]

  • Feindbild Automobil (II) [103]

    Fahrrad- und Automobilfahrer waren einst Freunde. Die Freundschaft hatte ein Ende, als das Auto dem Rad davonfuhr

  • Feindbild Automobil (I) [71]

    Das Auto hatte es Anfangs ganz und gar nicht leicht, sich durchzusetzen

  • Porsche-Preis fürs Lichtsparen [21]

    Der Prof.-Ferdinand-Porsche-Preis der TU Wien geht dieses Jahr an Wolfgang Huhn (Audi) und Kamislav Fadel (Automotive Lightning)

  • Gasgeben wörtlich genommen [12]

    Mit steigenden Kraftstoffpreisen werden Alternativen zu Benzin und Diesel zusehends interessanter, insbesondere Erdgas

  • Gummi braucht Straße

    Die Hoffnung der Autobranche lautet, in den derzeit noch weniger entwickelten Ländern im Laufe der Zeit auf über 500 wie bei uns aufschließen wird

  • Elektromotor rettet Verbrennungsmotor [41]

    Das diesjährige Wiener Motorensymposium prophezeite revolutionäre Zeiten im Automobilbau

  • Flexibler Motorenpapst [43]

    Es werden nur jene technischen Lösungen kommen, für deren Erforschung und Umsetzung in die Praxis sehr viel Geld ausgegeben wird

  • Auf ins Energiesparadies [8]

    Wahrscheinlich befinden wir uns jetzt im letzten Drittel des Erdölzeitalters - und auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger

  • Mit dem Rotstift durch die Verbrauchstabelle [60]

    Mercedes senkt mit Akribie den CO2-Ausstoß seiner E-Klasse, jedenfalls auf dem Papier

  • Automatik ohne Mehrverbrauch [197]

    Mit manuellem Schaltgetriebe, automatischem Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomatik werden heute in etwa die gleichen Verbrauchswerte erzielt

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20 Postings
tablespace65
00
11.7.2011, 12:42
"beklat" wird gar nix :-)

pirat was sonst
22
EU-Vorschriften

Autos sehen heutzutage so ähnlich aus, weil die Vorschriften immer präziser werden - wie ein Scheinwerfer, eine Stoßstange, die Motorhaube etc. aussehen muss, spielt sich in engen gesetzlichen Grenzen ab.

Der junge Jim Kirk
00
11.7.2011, 09:18

Stimmt, kann einen touran schon gar nicht mehr von einem alfa mito unterscheiden.

Land der Frauen
00
"rasche Modellretuschen"

Der Designer mit seinen Retuschen
hilft beim Verkauf der alten Kutschen.

amused8
33
Der Grund warum Autos aussterben werden ist ihr geradezu laecherlicher Wirkungsgrad. Von der eingesetzten Primaerenergie werden nur einige Prozent zum Transport des Gutes verwendet.

Die Existenz zuvieler Autos wird sich bald selbst erledigen. Im Jahr 2050 wird es viel weniger Autos geben. In den naechsten 40 Jahren wird die beginnende Energiekrise voll durchschlagen und Autos mit Verbrennungsmotoren unbezahlbar machen. Elektromobile werden sich nicht durchsetzen,weil, wenn die Quersubvention der erneuerbaren Energien und Atomkraft durch fossile Energie schrumpft,wird sich zeigen, dass diese Energieerzeugung viel teurer ist als heutige fossile Energie. Auch Rohstoffe werden dadurch entscheidend teurer werden.Im Jahr 2050 wird ein E-Bike im Verhaeltnis zum durchschnittlichen Einkommen eien aehnliche Relationen haben wie heute ein Mittelklasseauto.

http://www.econ.utah.edu/~mli/Annu... 202011.pdf

luke skywalker
23
10.7.2011, 20:50
Dann bleibt Ihnen wohl nichts anderes überig als Zuhause sitzen zu bleiben

weil die Bahn braucht praktisch genausoviel Energie

http://www.faz.net/artikel/C... 74725.html

Der Rest hingegen wird die Fahrzeug dann halt überwiegen elektrisch antreiben.

Für 15.000 Jahreskilometer braucht man ~ 2500-3000KWh Strom.
Eine Photovoltaikanlage um ~ € 8.000 am Garagendach liefert diese 3000KWh locker für 25 lange Jahre.

Ich würde mein Hab und Gut drauf wetten, dass es in 40 Jahren drastisch mehr Fahrzeuge gibt als heute. Und dass die "Eneriekriese" locker und mit links durch erneuerbare Energie bewältigt werden kann.

amused8
01
11.7.2011, 04:59

Die Erzeugung der Photozellen ist energieintensiv. In ihren 8000 Euro ist diese Erzeugung mit billiger Energie aus Kohle und Erdgas geschehen. Erzeugen sie diese nur mit Energie aus Wind- oder gar Photovoltaikanlagen wirds viel, viel teurer. Auch sie werden noch lernen, systemisch zu denken.
Wußten sie, dass der weltgrößte Kupferproduzent, Chile, Post Peak ist?. Seit 2007 sinkt dort die Kupferproduktion. Und um 2020 wird der weltweite Peak der Kupferproduktion erwartet. Und das am Vorabend einer neuen Elektrifizierungswelle:

http://www.theoildrum.com/node/6307

Grisu der kleine Drache
00
11.7.2011, 17:06

Die energetische Amortisierung einer PV-Anlage liegt sogar im trüben Mitteleuropa bei wenigen Jahren. Dann arbeitet die Solaranalage eben 10-20% der Lebensdauer die Energie für ihre eigene Produktion herein. Das ist durchaus noch vertretbar.

Und wenn man den energieintensiven Teil der Produktion (Silizium-Reinigung mit dem heute üblichen Siemens-Verfahren) entweder an einem sonnenverwöhnten Standort durchführt, schaut´s auch gleich ein bisschen besser aus. Und vielleicht haben wir schon in wenigen Jahren ein besseres, weniger energieintensives Verfahren. Ansätze dazu gibt es ...

R. Lexer
00
11.7.2011, 10:23

Auch nicht vergessen, dass die Herstellung von Silizium per Reduktion mit Kohlenstoff erfolgt.

Grisu der kleine Drache
00
11.7.2011, 17:19

Das bisschen Kohlenstoff ist nicht der Rede wert:

Kohleverbrauch global: 4.000 Mio. t
Bedarf für die Siliziumgewinnung für Solarzellen: 0,2 Mio. t

Noch ein Vergleich:
Mit einem Kilo Kohle kann man folgende Mengen elektr. Energie gewinnen:

Kohlekraftwerk: 4kWh
Bei Gewinnung von Silizium, das dann zu Solarzellen verarbeitet wird: 1kg C = 0,5kg Si = 50W Zellenleistung = 50kWh/a = 1000kWh nach 20 Jahren.

R. Lexer
00
11.7.2011, 18:59

Ich sag ja auch nicht, dass Photovoltaik nicht sinnvoll wäre. Allerdings wäre es schlau, bereits jetzt in Zellen zu investieren, und nicht erst, wenn Öl und Kohle rar und teuer werden.

Don schlau on
00
12.7.2011, 09:33
Die Kohle wird nicht rar

Solange noch Sauerstoff in der Atmoshäre ist gibt es irgendwo Kohle oder KWs.

Die Uratmosphäre bestand aus CO2 und Wasserstoff, nachdem ein Teil des Sauerstoffs im Wasser, und an Mineralien gebunden vorliegt, müßte es sogar einen Überschuß an Kohlenstoff geben.

Den man jedoch nicht Verbrennen kann weil zuwenig Sauerstoff da ist!

gaisbock
00
10.7.2011, 22:09

zum Glück hält sich ihr Hab und Gut in Grenzen.

MrGreen
00
10.7.2011, 11:01
Was die Entwicklung der Verkaufszahlen angeht haben Sie haben offensichtlich wenig Ahnung von der Realität oder weigern sich diese zu akzeptieren

Die Anzahl der Automobile wird bis 2050 drastisch steigen.

amused8
00
11.7.2011, 09:25

Aus einem US-Blog:
Blogger 1:

Bill Ford, executive chairman of Ford Motor Company, gives a presentation at TED 2011 about global gridlock.
Basic issue : by 2050, the population is expected to grow from 6.8B to 9B and the number of cars from 800M to 4B. There will be total gridlock. How can we solve the problem of gridlock using car systems that talk to each other, so we can continue to have the freedom and mobility of today?
I don't know whether to laugh or cry...let's have our cake and eat it too...

Blogger 2:
Fear not! Technology will cure all: Smart cars, smart parking places, ya da ya da....the only thing lacking is people smart enough to realise what idiocy this all is.

-blos so-
50
Heute wird zwar einerseits die Existenz viel zu vieler Autos beklagt, als Jobmotor wird der Bau neuer Autofabriken aber nach wie vor gerne von Regierungen gefördert.

da sieht man wie blind die Regierungen sind.

die sollten darauf achten, daß die Jobs nicht in einigen wenigen Branchen konzentriert sind sondern breiter verteilt... Fördern der Fahrradindustrie...

pirat was sonst
13

und wie viele Personen sollen in der Fahrradindustrie arbeiten? Anders gefragt: wie viele Beschäftigte bräuchte es, um die alle Menschen der Welt mit Fahrrädern zu versorgen? Wahrscheinlich weniger als in einer einzigen Autofabrik arbeiten.

gaisbock
00
10.7.2011, 22:13
könnte es sein,

dass eine Entkopplung von Beschäftigung und Existenzsicherung durch die Gesellschaft eine Lösung wäre??

Parkschwein
01
11.7.2011, 08:42

ja, die ur super lösung ist das. menschen müssen zwar arbeiten um sich selbst und andere menschen mit waren, z.b. jenen des täglichen bedarfs, zu versorgen, aber wir entkoppeln das einfach. das mehl fällt dann einfach vom feld in den pizzaofen und rutscht von dort in die haushalte. bge, jetzt!

gaisbock
01
18.7.2011, 22:39
ah, Danke

jetzt weiss ich endlich wofür Geld gedruckt wird - damit das Mehl rutscht und jetzt bin ich auch für Sozialhilfe, danke.

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