Frauenfußball und Medien

Sex. Zickenkrieg. Möpse

Gastkommentar | 8. Juli 2011, 11:01

Herrenwitze und Bierfürze sind zwar out – trotzdem erfahren wir anlässlich der Frauenfußball-WM einiges darüber, wie die Problematisierungsmaschinerie des Fernsehens funktioniert

„So gefällt uns Frauenfußball! Die fünf schönsten Nationalspielerinnen zeigen uns, was das heißt: Echtes Ballgefühl", textet der „Playboy" unter der Überschrift „WM-Vorspiel mit scharfen Schüssen". Auf einer Anzeige ist zu lesen: „Die Pille ist Frauensache" - daneben ist ein Fußball zu sehen. Und der DFB selbst preist die Frauenfußball-WM mit den Worten an: „Fußball von seiner schönsten Seite".

Sie können es einfach nicht anders. Im Deutschland des Jahres 2011 fällt den meisten zum Frauenfußball nur eins ein: Sex. Zickenkrieg. Möpse.

Im Presseraum des DFB fragt hingegen ein Sugardaddy mit Haarausfall gönnerhaft und mit süffisantem Lächeln in den Mundwinkeln, ob denn die Nationalspielerinnen wirklich gut mit den Menschenmassen im Stadion umgehen könnten, da sie sonst ja nur ein paar Hundert Zuschauer gewohnt seien.

Miese Zoten, gute Quoten

Das ist die andere Variante: väterliche Fürsorge, ebenfalls vorgetragen mit schmierigem Unterton. Wäre ich in dieser Sekunde Nationalspielerin Kim Kulig, mich würde es ekeln.

Im ZDF-Morgenmagazin, genauso wie in Plasbergs „Hart aber fair", hält man sich hingegen für fortschrittlich und klopft sich auf die Schulter, weil man sich über Wim Thoelke empört, der sich in den frühen Siebzigern („Wenigstens waschen sie ihre Trikots selber") über Frauenfußball lustig gemacht hatte. „Ungeheuerlich", findet Plasberg, „ungeheuerlich", findet der Morgenmagazin-Moderator und finden sich dabei selbst ungeheuerlich. Ungeheuerlich modern.

Doch egal ob Herrenwitz oder Plasbergs Empörungsattitüde: Unablässig wird so ein Thema am Kochen gehalten, und ein gesellschaftlich-historischer Aspekt durchgekaut, der offensichtlich die Masse der Fernsehzuschauer mitnichten interessiert. Sie gucken sich die Sache einfach an, die Spiele der deutschen Elf erzielen hohe Einschaltquoten.

Sie wollen und sie müssen nicht wissen, was 1974 war (erstes Frauenfußball-Endspiel um die deutsche Meisterschaft) oder 1955 (der DFB verbietet Frauenfußball, wegen der Gefahr eines Verlusts der „weiblichen Anmut").

Was man angesichts der Frauen-WM erleben kann, ist eine Diskussions- und Problematisierungsmaschinerie, die sich selbst am Laufen halten muss, selbst wenn es nichts zu diskutieren gibt. Frauenfußball-WM: Es läuft. Die Leute gucken das. Auf angenehme Weise wird man - in der nichtmedialen Öffentlichkeit jedenfalls - von süffisanten, ironischen oder auch betont gut meinenden Kommentaren zum Thema verschont.

Im Fernsehen hingegen nicht. Wenn es nichts zu besprechen gibt, muss man ein Thema - und das heißt ja immer einen Konflikt - erfinden. So wie bei Plasberg, wo lauter Männer saßen, die ihre Sätze anfingen mit: „Ich habe nichts gegen Frauenfußball", und man die ganze Zeit nicht verstand, wogegen sie jetzt eigentlich was haben.

Gegen Gehirnwäsche von „denen da oben", die einem die Frauen-WM reindrücken, und die so mächtig sind, dass man wie gebannt vorm Fernseher sitzen muss, nur um sich aufzuregen, anstatt abzuschalten?

Zurück bleiben ein paar schmierige Herren

„Darf man denn gar nichts mehr gegen Frauenfußball sagen?", fragt die Sendung - und meint das sicher, wie sagt man da in diesen Kreisen - mit einem Augenzwinkern.

Der Trick ist einer, ja der entscheidende aus dem Arsenal der Gegner einer angeblichen übermächtigen, in Wahrheit aber erfundenen „Political Correctness", die es zwar im amerikanischen Universitätsmilieu der Neunzigerjahre, hierzulande aber nie gegeben hat: Man behauptet, irgendwas zu sagen sei nicht erlaubt, um dann Leute aufzustellen, die gegen dieses angebliche Sprechverbot zu Felde ziehen.

Das Ganze wird natürlich so dargestellt, als sei es „nicht ganz so ernst" gemeint, aber deshalb versteht man eben auch nicht, warum man dann 90 Minuten mit einem Problem füllt, das gar nicht wirklich existiert, weshalb man es immer unterschwellig ironisch thematisiert. Entweder es gibt ein Problem, dann diskutiert man darüber ernst, oder man lässt es ganz bleiben.

Nimmt man den Ironikern ihre angebliche Ironie, ihr sogenanntes Augenzwinkern weg, dann bleiben lauter Wim Thoelkes zurück: ein paar schmierige Herren.

Und die Frauen-WM? Die läuft. Diejenigen, die es sehen wollen, sollen das tun. Und die anderen sollen einfach abschalten. (derStandard.at, 8.7.2011)

Autor

Jost Kaiser war Blogger bei Vanity Fair und kommentierte dort das politische Geschehen im In- und Ausland. Kaiser ist zudem Autor für die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Zeit und den Tagesspiegel.

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So Ren
00
13.7.2011, 10:15
Frauenfußball...

...mag es ein wenig an Tempo und Spielwitz fehlen (streckenweise bin ich an Unterligisten in Österreich erinnert) aber ich finde es toll daß es organisiert wurde. Einige Bekannte Frauen von mir spielen schon seit Jahren in einem Verein in de Schweiz (weils in Österreich keine adäquate Liga gibt) und sind mit viel Engagement dabei. Von einer von ihnen kam übrigens folgende Feststellung beim Ansehen eines Spieles der WM: Frauenfußball ist wie ein Trabrennen mit Maultieren. :) .

Agnostiker1
11
10.7.2011, 10:34
Totaler Unsinn. Sicher ein verklemmter Autor.

(°)(°)
00
16.7.2011, 19:40
"Betroffenheitsbumser"

erwin aschenwald
 
00
10.7.2011, 09:48
22 Frauen jagen einem Ball nach ...

... und am Ende gewinnen die JAPANERINNEN!

Agnostiker1
00
10.7.2011, 10:35
Deswegen haben wir überhaupt nicht teilgenommen!

Nirvanacharly
 
00
10.7.2011, 08:56
da habe ich aber gestern geschaut,

verletzungsbedingt war gerade 2 minuten pause, was taten fast alle englischen spielerinnen, sie bildeten einen kreis und besprachen sich, das habe ich bei den herren noch nicht gesehen, bei den herren ist es meist so das sie sich teamintern auch bekämpfen, das ist einmal ein unterschied. was lese ich im artikel, das thema wird am kochen gehalten, ja wie, warum gerade kochen, lieber autor, und nicht aufrecht oder am leben gehalten, warum nur? der wesentliche unterschied ist, das es bei den damen amauteure sind und das ist gut so, die männer speilen nur für´s geld, müssen nicht erhalten werden so wie einige ballveteranen, aber das ist primär ;-))

untypischer Leistungsträger
00
10.7.2011, 08:43
Ich mags.

Sie spielen einfach anders als die Männer. Und in den letzten Jahren hat sich das allgemeine technische Können auch sehr weiterentwickelt.

So nebenher gibts auch immer wieder ein paar wirklich fesche Damen zu sehen. Was soll daran schlimm sein?

Im Gegensatz zu einer Sportart wie Beachvolleyball lebt der Frauenfussball nicht zu 90% on knappen Höschen und engen Tops.

Schlussendlich hat Frankreich mit der Damenmannschaft endlich wieder mal ein Team, auf das es stolz sein kann - spielerisch und optisch!!
:-)

Poldi Fesch
00
10.7.2011, 12:27
on knappen Höschen und engen Tops

was meist auch gut ist, Ausnahme tw. Fr

presumption of innocence
00
10.7.2011, 08:07
Auf ZDF und Eurosport kommt man ohne die hier beschriebenen Anspielungen aus

empfehle Herrn Keiser diese Kanäle!

Und ja, so wie den Frauen ein Ballack und Beckham gefällt kann man(n) auch sagen, dass einige der Frauenfussballerinnen hübsch sind. Whats the problem?

spaß&freude
00
10.7.2011, 06:48

was bitte gibt es gegen attraktive sportlerinnen einzuwenden?

immer gleich die verklemmte sexismus-karte ausspielen wird langsam fad!

Heavyweather
02
10.7.2011, 01:17

Beim Fußball geht es doch immer um Sex.
Wer schaut sich bitte die Männchen wegen dem Spiel an?
Das ist einfach nur öd und dauert ewig lange. Selbst spielen ist ok - wenn man auf Verletzungen steht.
Alle paar Wochen verkrüppelt sich irgendein Kollege, Freund, Verwandter,... beim kicken.

Wenn das schon bei den Männern so fad ist zum zuschauen, was haben denn die Frauen mehr zu bieten? Mehr Ballgeschick, höhere Spielgeschwindigkeit, mehr Tore, mehr Leistung, mehr .... ja eben...deswegen wird das ja zum Glück auch nicht so häufig im TV gezeigt.

Wer spielen sollte sind die Kinder...die werden nämlich immer fetter.

j smith
00
10.7.2011, 18:49
Grün

...für die erste qualifizierte Meinung einer Frau zum Thema Frauenfussball....und mit den Kindern habens leider auch Recht!

JackTheFlipper
00
10.7.2011, 00:43
Unterschied?

wo liegt eigentlich der Unterschied, ob Männer oder Frauen einem Ball nachlaufen?
Am Ende bleibt es doch ein primitiver Sport mit hohem Aggressionspotential der Fans.

Manuel Eder, hinter mir die Sinnflut
00

Weils nicht wurscht is was irgendwelche Medien verzapfen. Die Damen spielen ja nicht für die Schlagzeilen sondern für ihren Sport.

Genauso mental bedient sind die Leute die gleich draufschlagen wenn jemand sagt, dass ihm Frauenfußball nicht gefällt. Vor allem körperlich kann er nunmal mit den Männern nicht mithalten. Dafür, das sieht man auch bei der WM, ist er mittlerweile auf hohem technischen und kämpferischen Niveau.

Persönlich bevorzuge ich dann allerdings doch die Premier League ;)

.MS.
31
Frauenfußball unterscheidet sich nicht vom Männerfußball

10 Personen versuchen einen Ball an den 11 Gegnern vorbei ins Tor zu bekommen.
Mitspielen ist ganz witzig - zuschauen recht fad.
Um ein bisschen was daran interessant zu machen werden Spinnereien darum herum entwickelt. Und wenn Männer über Frauen spinnen, geht es immer um sex.

Johannes Benn
00
.

das ist doch laecherlich. die gesamten oeffentlich rechtlichen medien werfen die propaganda maschine an, karen miosga behauptet bei den tagesthemen oder aehnlichem gestern abend wer frauenfussbal nicht mag sei ein esel...und dann beschwert sich jemand ueber die paar verbliebenen subversiven stimmen

Ausgeflippter Lodenfreak
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Ausgeflippter Lodenfreak
00
LCMSMS2
129
Was, dem Playboy ...

... fällt zum Thema Frauenfußball nur Sex ein? Unerhört! Strotz dieses Journal doch sonst geradezu von schneidender Dekonstruktion patriarchalischer Gendernormierungen.

Und die Fußballerinnnen erst, die dort nackig abgebildet wurden. Reingelegt, die waren der Meinung, sich unentgeltlich für SOS Kinderdorf/PETA/Obama entblättert zu haben.

Da die Damen aber erst 11 Jahre alt sind konnten sie wirklich nicht wissen, dass ihre Nacktfotos im Playboy von einer anzüglichen Überschrift begleitet werden könnten. Böse, böse Medien!

Julian Bashir
41
Ist es nicht auffällig, dass (mindestens) drei Viertel...

...der Kommentare in dieser "Meinungsoffensive" von Männern verfasst werden (ähnlich hoch wie der Männeranteil auf wikipedia, was ja vom Schwesterblatt schon mehrmals als Zeichen von systematischem Sexismus gesehen wurde)? Auch hier wieder ein Mann als Autor - sind die Beiträge der Frauen zu mies (glaub ich eher nicht) oder schreiben zu wenige? Wenn zweiteres, warum?

Poldi Fesch
00
10.7.2011, 12:30
habe gestern 1. Halbzeit

Fr : E gesehen u. leider auch gehoert. Die Kommentatorin unterbot die Spielerinnen gewaltig

j smith
00
Das kommt nur daher, dass die Schlagworte dieses Artikels, SEX+FUSSBALL halt leider fast nur Männer interessiert....

Ausgeflippter Lodenfreak
00
10.7.2011, 08:42

Weshalb sind dann Beckham und C. Ronaldo in jeder Frauenzeitschrift schon 100mal mit nackten Oberkörpern abgebildet gewesen?

j smith
00
10.7.2011, 18:54
Weil sich die Damen für Beckham und Ronaldo - NICHT aber für deren Beruf interessieren!

Cash macht fesch -und Profifussballspieler sind Casher! Niemand würde sie in Frauenzeitschriften abbilden, wenn sie Maurer und Installateure wären....

beliar
00

genau warum? weils einfach nur mieser sexismus ist. manche frauen dürfen für männer hackel das ist normal. fussball ist nun eine männerdomäne. habens soviel angst vor frauen?

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