Früherer Geheimdienst-Offizier Petrow soll Teil einer kriminellen Gruppe sein
Sofia - In Bulgarien will ein mutmaßlicher "Mafia"-Boss für das Amt
des Staatspräsidenten kandidieren. Der frühere Geheimdienst-Offizier Aleksej
Petrow sei von seinem Initiativ-Komitee und Bürger-Verbänden für die Wahl am 23.
Oktober nominiert worden, berichtete am Donnerstag der Staatsrundfunk in Sofia.
Das letzte Wort über die Kandidatur hat die zentrale Wahlkommission im Herbst.
Die Regierung wirft Petrow vor, eine organisierte kriminelle Gruppe geleitet
zu haben. Gegen ihn wird derzeit ermittelt. Der "Traktor", wie Petrow in seinem
Umfeld genannt wird, war im Februar 2010 bei einer Polizei-Razzia mit mehreren
mutmaßlichen Helfern vorübergehend festgenommen worden. Der Gruppe wurde unter
anderem Erpressung, Geldwäsche und Zuhälterei vorgeworfen.
Borissow-Gegner
Als Hochschullehrer an der Wirtschaftsuniversität in Sofia und Chef des
"Verbandes für Wirtschaftsinitiative der Bürger" gehört Petrow zu den schärfsten
Kritikern von Regierungschef Bojko Borissow, den er seit vielen Jahren
persönlich kennt.
Der derzeitige sozialistische Staatspräsident Georgi Parwanow darf nach zwei
Amtszeiten - seit 2002 - nicht noch einmal antreten. Die wichtigsten Parteien,
die bürgerliche Regierungspartei GERB und die oppositionellen Sozialisten, haben
noch keine Kandidaten benannt.
Bisher sind neben Petrow drei weitere Kandidaten bekannt: Nationalisten-Chef
Wolen Siderow (Ataka), Ex-EU-Kommissarin Meglena Kunewa (NDSW) und Rumen Hristow
für die antikommunistische Blaue Koalition. (APA)