550 Millionen Euro sind wohlfeil angesichts der Probleme mit fossilen Energien
Es ist ein mächtiges Rad, das da unter dem Titel der Ökologisierung des österreichischen Energiesystems gedreht wird. 500 bis 550 Millionen Euro im Jahr sind nun für die Förderung von Alternativenergien vorgesehen. Diese Summe ist respekteinflößend und kann nur über einen breiten Nutzen legitimiert werden. Also über die vielen Vorteile, die sich aus einem ökologischen oder zumindest ökologischeren Energiesystem ergeben, bei dem die hiesigen Gegebenheiten bei Wind, Wasser, Sonne und Biomasse zur Energieerzeugung genutzt werden.
Ökobewegte Politiker und Ökonomen zählen gerne auf, welche Problemlösungskapazitäten erneuerbare Energien bieten. In aller Schlichtheit lauten sie: weniger Abhängigkeiten von Importen aus instabilen und politisch oft fragwürdigen Öl- und Gasförderländern - damit auch weniger Kaufkraftabfluss in diese ölexportierenden Länder. Dazu gehören auch die Schaffung von Jobs in den Bereichen Umweltschutz und erneuerbare Energien sowie forcierte Forschung und Entwicklung neuer Technologien rund um Ökoenergien.
Das bringt mehr Klimaschutz, da die vom Menschen verursachte Erderwärmung vor allem auf das Verbrennen fossiler Energien wie Erdöl, Gas und Kohle zurückzuführen ist. Dazu zu zählen ist auch die Minimierung jener Bedrohung, die für das westlich-konsumorientierte Wirtschafts- und Lifestyle-System entsteht, wenn Erdöl & Co knapp werden. Viele Experten meinen, dass dieser Peak, also das Fördermaximum, bereits erreicht wurde oder knapp bevorsteht. Und dass der Ölpreis nie wieder so richtig niedrig wird.
Damit ist die Notwendigkeit gegeben, das Feld aufzubereiten für den langwierigen, komplexen Umbau unseres Energiesystems. Wenn dabei dieses neue, x-fach novellierte Ökostromgesetz die Lösungskapazität hat, sind 500 oder 550 Millionen Euro im Jahr wahrlich wohlfeil.
Österreich hat sich mit der Installierung eines finanziell potenten, schlagkräftigen Ökostromgesetzes ziemlich viel Zeit gelassen. So viel Zeit, dass nicht mehr alle Vorteile so greifen wie in Deutschland, das viel rascher gehandelt hat. Der deutsche Visionär in Sachen Ökoenergien, der mittlerweile verstorbene Sozialdemokrat Hermann Scheer, vertrat die Ansicht, dass erneuerbare Energien auch einen friedenstiftenden Aspekt hätten. Die Abkehr von Erdöl und Erdgas (und übrigens auch von Atomenergie) werde Konflikte und Kriege um Energieressourcen hinfällig machen, meinte Scheer.
Die größten Bremser beim Umbau in ein erneuerbares Energiesystem sah der Träger des Alternativen Nobelpreises in den multinationalen Energiekonzernen und großen Stromanbietern. Diese sähen sich in ihrer Existenz bedroht, wenn es viele kleine Einheiten gäbe, die die lokalen Gegebenheiten zur Energieerzeugung nutzen.
Auch die Zukunft des Automobilbaus dürfte in Richtung Elektroauto gehen - so sieht es jedenfalls derzeit aus. Umso wichtiger ist es, jetzt die Weichen für eine ökologische Stromerzeugung zu stellen.
Klar, dass noch über einen längeren Zeitraum jede aus Alternativen hergestellte Energieeinheit teurer sein wird als Energie aus konventionellen Quellen. Dem wird mit dem Ökostromgesetz Rechnung getragen, indem den Anbietern erneuerbarer Energien die Differenz zum Marktpreis abgegolten wird. Es ist zu hoffen, dass man sich bald auf Augenhöhe befindet. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Printausgabe, 8.7.2011)