Vorbereitung auf die "Stunde null"

Reportage | 7. Juli 2011, 18:24
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    foto: standard/astrid frefel

    Rot-Schwarz-Grün statt einheitlich Grün: Die Farben des befreiten Ostteils Libyens erinnern an die monarchistische Vergangenheit des Landes vor Muammar al-Gaddafis Machtergreifung.

Hunderttausende Libyer demonstrieren im befreiten Osten des Landes ihre Verbundenheit mit den Menschen in Tripolis

Unterdessen wälzt der Nationale Übergangsrat bereits Pläne für die Zeit nach Gaddafi.

*****

"Keine Show, keine Fälschung - das ist eine echte Demonstration", steht auf einem der vielen Plakate auf dem Platz der Freiheit vor dem alten Gericht von Bengasi, dem Epizentrum der libyschen Revolution des 17. Februar. Der "Marsch der Millionen" in Bengasi soll die Antwort auf die andernorts inszenierte Unterstützung für Muammar al-Gaddafi sein.

Zu dieser Solidaritätskundgebung in Bengasi hatten deshalb auch die Aktivisten der "Freien Generation" aus Tripolis aufgerufen, die im Untergrund arbeiten müssen. Sie leben gefährlich: Über 40.000 Personen wurden dort in den vergangenen Monaten verhaftet.

Die Demonstranten sind aus allen Richtungen der befreiten Gebiete nach Bengasi gekommen - von Ajdabiya bis Tobruk. Es sind ganze Familien, und die revolutionäre Euphorie der ersten Tage ist wieder zu spüren. "Das Volk will die Todesstrafe für den Führer!" , skandiert eine Gruppe Frauen - und meint damit Gaddafi. Lange Fahnen in den rot-schwarz-grünen Farben des befreiten Libyen werden mitgeführt.

Tripolis ist ganz nah

Tripolis ist zwar am Landweg 1000 Kilometer entfernt - aber für viele hier ganz nah: Sabha hat Tränen in den Augen, wenn sie von ihrem Sohn spricht, vom dem sie schon monatelang nichts mehr gehört hat. Lutfi, ein Erdöl-Ingenieur, kann zwar mit seiner Familie in Tripolis telefonieren - aber sagen, wie es ihnen wirklich geht, das können sie nicht. Dazu ist die Angst zu groß.

In Bengasi haben die Menschen das Gefühl, dass das Ende des Diktators naht - noch vor oder während des Ramadan, sind viele überzeugt. Der Fastenmonat, der heuer Anfang August beginnt, ist der wichtigste Zeitabschnitt im Kalender der Muslime und traditionell die Zeit von Kriegen und wichtigen Entscheidungen.

Diese Überzeugung wird gestützt von Meldungen, dass die Rebellen bereits 50 Kilometer vor Tripolis stehen sollen. "Sie rücken aus fünf Richtungen vor" , erklärt Juma Ifhima die Strategie. Zugrunde liegt die Idee, dass sich die betroffenen Städte und Dörfer selbst befreien - das sei wichtig für das Selbstwertgefühl, betont der Berater von Mustafa Abdul Jalil, dem Vorsitzenden des Nationalen Übergangsrates. Hilfe kommt von außen, etwa in Form von Waffen.

Warum herrscht an der Front bei Brega Stillstand? Weil das ganze Gebiet laut Nato-Luftaufnahmen vermint sei, erläutert Ifhima.

Der Übergangsrat arbeitet indes mit Hochdruck an den Plänen für die "Stunde null" in Tripolis: 15.000 Kämpfer stünden bereit, erklärt Ifhima. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die Stadt zu sichern, die beim Fall Gaddafis komplett abgeriegelt und mit einer totalen Ausgangssperre belegt werden soll. Die Karten mit allen Check-Points seien bereits gezeichnet, die Verantwortlichen benannt. Für ein paar Tage wird sich niemand frei bewegen dürfen.

Zum Plan gehört auch die Sicherstellung der Versorgung - das heißt genügend Lebensmittel, Medizin und Treibstoff müssen in die Nähe der Stadt gebracht werden.

Und mit London ist man in Verhandlungen über den Transfer eines dreistelligen Millionenbetrages an libyschen Dinar, die vor der Revolution in England gedruckt aber noch nicht ausgeliefert worden sind. Sie sollen nach Libyen gebracht werden, um die Versorgung der Bevölkerung mit Zahlungsmitteln sicherzustellen. (Astrid Frefel aus Bengasi/DER STANDARD, Printausgabe, 8.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 166
1 2 3 4
opryde
00
14.7.2011, 10:07

"aus dem befreiten osten" - wahnsinn, die formulierungen hier.

Franz Kohlegger
11
13.7.2011, 01:14
Die NY Times schreibt nicht bei Reuters und AFP ab; sie recherchiert: http://atwar.blogs.nytimes.com/2011/07/1... bya&st=cse

Die Aufständischen haben gerade ihre Niederlage besiegelt. Sie haben die Stadt Qawalish fast zerstört. Warum? Weil die Stadtbewohner Gaddafi unterstützt hatten. Alle waren geflohen. Alle fürchteten sich vor den Aufständischen.

As one house burned inside near the road and rebels openly stole from the town’s few stores, the question by late last week was whether what was happening was the opportunistic looting of an inexperienced quasi-military force, which was suffering the same shortages as everyone else, or something punitive and potentially much worse. Either behavior would be a crime under any notion of modern law.

Die Aufständischen wollen nicht die Libyer befreien sondern alle Gaddafi-freundlichen Libyer bestrafen.

Weh mir
31
10.7.2011, 09:58
und wie befreit man sich

so man/frau/kind von den reb am Leben gelassen wird vom nationalen übergangsrat?

Harry Meier
 
22
10.7.2011, 15:45
In einer Demokratie regelt sich das von selbst.

Weh mir
31
10.7.2011, 16:51
werden alle getötet

von den massakriereb meinen sie?

Harry Meier
 
11
13.7.2011, 12:52
Wenn sie es sagen, kann es nicht stimmen. Bisher

.. wurde noch jedes ihrer Argumente widerlegt.

Def. Izit
31
https://twitter.com/#!/search... BRQ%20News

hamzamu hamzamu
#Libya #BRQ News Network LOSE of it's reporter in Misrata , and news about death of 2 other reporters in Tripoli

yes2bertl
31
15.000 Kämpfer stünden bereit, erklärt Ifhima. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die Stadt zu sichern, die beim Fall Gaddafis komplett abgeriegelt und mit einer totalen Ausgangssperre belegt werden soll.

Stelle mir grad vor wie 15.000 Maxerln die Sicherheit in einer Stadt wie Wien sichern wollen.
Bei einer Bevölkerung die offensichtlich nach 4 Monaten Bombardment immer noch nicht bereit ist die eigene Regierung zu stürzen, geschweige denn die "Rebellen" willkommen zu heißen.

Der WESTEN spielt ein blutiges Spiel, die Entgleisung der "brillianten" Sandkasten Strategen laufen nicht zum ersten Mal aus dem Ruder, wann wird der Notstopp gedrückt - nach einem Highway of death?

Heinrich Müller1
22

Die Aufständischen in Tripolis haben zuwenig Waffen und Munition. Es wäre Selbstmord, jetzt gegen den Diktator aufzustehen. Der ist skrupellos und lässt jeden Widerstand von seinen bezahlten Mördern niederschießen. Das hat er auch schon bei den unbewaffneten Demonstrierenden gemacht.
Besser warten, bis der richtige Zeitpunkt kommt.
Nämlich dann, wenn die Aufständischen aus dem Nafusa und aus Misrata vor den Toren von Tripolis stehen.

yes2bertl
42
Genozid

Das ist es was der Westen erreicht.

"Wir" werden nicht verantwortlich sein, nie und nimmer.

Ist doch die libysche Regierung für alle Schweinereien verantwortlich, na sicher.

Dafür werden wir noch ein, zwei Jährchen reichlich Öl haben.

Der Onkel mit dem Speiseeis
02
11.7.2011, 09:46

die bedeutung des wortes genozid haben sie nach monaten immer noch nicht begriffen. aber schon klar, wer die ganze zeit einseitig und undifferenziert "love und peace" einfordert, hat sonst nicht viel zeit. viel spaß weiterhin beim kampf für des gadaffen windmühlen...

Harry Meier
 
02
10.7.2011, 15:46
Und was wollens mit ihrem unpassenden Vergleich

eigentlich erreichen? Die blutige Gaddaffi Diktatur schönreden?

opryde
00
14.7.2011, 10:10

ihr zwei könnts ja nicht mal gaddafi richtig schreiben ..

Weh mir
10
10.7.2011, 16:51
blutig nr. 1 reb + nato

Weh mir
41
Stunde 0

= vorebreitung auf die vom Westen mit Zwangsbekriegung herbeigeführten Wahlen

2/3 der Libyer ermORdet, MAssakriert oder vertrieben - die Reb haben nur so eine Chance Wahlen zu gewinnen

die vorbildlichen westl. Demokratrien stehen eerne mit Blick auf die REICHTÜMER LIBYENS ZUR SEITE UND HELFEN SOWIE ETWA DIE nato

diamant
23
'2/3 der Libyer ermORdet, MAssakriert oder vertrieben'

Sind sie sicher das sie noch bei Sinnen sind?

Weh mir
12
warten sie ab

yes2bertl
52
Monarchistische Vergangenheit (Bildunterschrift)

Erinnerung an das vergangene Marionettenregime und Hoffnung auf neues Marionettenregime.

Es ist jammerschade, dass die meisten "befreiten" Libyer nicht mal verstehen welch' grausames Spiel die "Friedens"bringer mit ihrem Land und ihren Leben spielen.

Der reiche Onkel aus Amerika
01
11.7.2011, 10:23

dass die gurken immer glauben, sie würden die welt begreifen...

es muss angenehm sein, wenn man die komplexität der welt auf: "böse böse amis!" reduzieren kann.

diamant
22
Sicher, denn Libyer sind ja von natur aus minderbemittelt....

Haben sie aber nicht mal gepostet wie gut und gratis das Bildungssystem in dem Land nicht waere?

Wie passt die naturgebene Bloedheit der Libyer damit zusammen?

Oder wollen sie eher das Forum fuer dumm verkaufen?

yes2bertl
43
Oder wollen sie eher das Forum fuer dumm verkaufen?

Nein diamant, Sie kann man nicht für dumm verkaufen. Über das Bildungssystem habe ich noch nicht gepostet, dieses hat aber auch kaum etwas mit dem divide et impera der westlichen Angriffskrieger und dem mangelnden Verständnis der "Rebellen" zu tun - welche "Freunde" sie sich da ausgesucht ahben.

Weh mir
11
ob die wissen das ihre widerstandstrainer

bezahlte us-agenten waren?

das hat mit bildung nix tu tun, wohl aber mit den plänen der neoncons für die us-weltherschaft im 21.jahrhundert

diamant
22
'widerstandstrainer'

Sie wissen aber schon das die webpages die sie hier immer wieder zitieren eigentlich von US-Agenten betrieben werden......

Oder sind sie wirklich auch ein Opfer der Neocons??

mistvieh666
 
22

ach, das geld, das in london gedruckt worden ist, das wollen die rebellen haben. ich hab da so eine eigene theorie, eine, die in die arabisch - islamische kultur genau reinpasst, warum die meisten personen im rebellenrat namentlich nicht bekannt sein wollen.

Franz Kohlegger
23
Nur einmal wieder bitte: Die Wahrheit? Keine Orwellsche Welt bitte

Wenn die Wahrheit und die Geschichte verdreht wird, dann wissen wir dass wir im Orwellschen Raum sind.

Was schreiben die 20-jaehrigen ohne Geschichtskenntnisse im Standard?

"Die Farben des befreiten Ostteils Libyens erinnern an die monarchistische Vergangenheit des Landes vor Muammar al-Gaddafis Machtergreifung"

Es wird suggeriert:

1. Der Osten ist "befreit"
2. Gaddafi hat die Macht "ergriffen"
3. Die Monarchie war "gut"

Ueber 1) kann man streiten, also wollen wir das nicht diskutieren.

3) ist falsch. Die kuenstlich eingesetzte Monarchie und die Bestimmung durch die Kolonialmacht Italien war einfach furchtbar fuer Libyen.

2) Gaddafi rang Italien die Macht ab und gab die Macht an das Volk (alle Macht dem Volke).

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