Auch EPA-Fotograf und Leibfotograf von Machthaber Saakaschwili unter den Festgenommenen - Neun Personen zu langen Haftstrafen verurteilt
Tiflis/Moskau - Wegen Militärspionage für Russland hat Georgien neun Männer zu Haftstrafen zwischen 11 und 14
Jahren verurteilt. Die fünf Georgier und vier
Russen hätten im Kaukasus-Krieg im August 2008 den Gegner Moskau mit
Geheiminformationen versorgt. Das entschied ein Gericht in der Schwarzmeerstadt
Batumi nach Angaben von Medien in der Hauptstadt Tiflis (Tbilisi) am Donnerstag.
Unterdessen nahm die Polizei in Tiflis drei Fotoreporter und die Ehefrau
eines der Männer unter dem Vorwurf der Agententätigkeit fest. Die Journalisten,
darunter Zurab Kurtsikidze von der APA-Partneragentur European Pressphoto Agency
(epa), hätten für einen ausländischen Geheimdienst verdeckt Informationen
gesammelt, die gegen das Interesse Georgiens
gerichtet seien, teilte das Innenministerium mit. Unter den Festgenommenen war
auch ein Fotograf der Präsidialverwaltung.
Provokation Moskaus
Die in Batumi verurteilten Männer waren im Herbst 2010 verhaftet worden.
Moskau hatte die Vorwürfe als "anti-russische Provokation" zurückgewiesen. Auch
die Angeklagten, darunter Mitarbeiter von Ölfirmen und georgische Militärpiloten, sprachen von einer
"konstruierten Anklage". Oppositionelle in Tiflis sieht hinter den
Spionageprozessen Manöver, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Sie
werfen der Regierung von Präsident Micheil Saakaschwili seit langem einen
autoritären Führungsstil vor.
Russland hat den pro-westlichen Politiker Saakaschwili wiederholt
"Verfolgungswahn" sowie chronische "Spionomanie" vorgeworfen. Moskau und Tiflis
unterhalten seit dem Krieg keine diplomatischen Beziehungen. Damals hatte die
georgische Führung die Kontrolle über ihre
abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien verloren. Russland hatte die
Gebiete nach dem Waffengang trotz internationaler Proteste als unabhängige
Staaten anerkannt. (APA)