Mercer-Studie: Der zurückhaltende Regulierungsansatz in den USA verschafft Wettbewerbsvorteil gegenüber Europa
Europäische Banken hätten einen klaren Wettbewerbsnachteil, wenn es um die Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern geht. Dies ist das Ergebnis einer neuen Mercer-Studie, im Rahmen derer 63 internationale Unternehmen aus der Finanz- und Versicherungsbranche befragt wurden. Die verschiedenen Ansätze, die in Europa und in den USA bei der
Regulierung der Vergütung im Finanzsektor verfolgt werden, hätten zu
ungleichen Bedingungen im weltweiten Wettbewerb um Talente geführt, so Mercer in einer Aussendung.
In den USA wurden zur Regulierung der Vergütung im Finanzsektor Richtlinien entwickelt, die zwar aufzeigen, was von den Unternehmen erwartet wird, aber großen Spielraum für die Interpretation und Anwendung lassen. Im Gegensatz dazu haben die Behörden in Europa genau festgelegt, wie Unternehmen Bonus-Aufschiebungen zu strukturieren haben und welche Arten von Vergütungsinstrumenten eingesetzt werden müssen.
"Um es einfach auszudrücken: In den USA kann man sich momentan viel sicherer sein, eine Bonuszahlung zu erhalten als in Europa", so Bernd Thomaszik, Leiter der Vergütungsberatung bei Mercer in Central Europe. Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen resultieren aus den unterschiedlichen Ansätzen in Bezug auf die so genannten "deferred bonuses" - also die aufgeschobenen Boni. Die Aufschiebung soll einen kurzfristigen Ansatz im Hinblick auf die Risiken vermeiden. Dabei wird ein Teil des individuellen Bonus zurückgestellt oder verschoben, typischerweise für mindestens drei Jahre. Die meisten europäischen Banken setzen inzwischen Performance-Konditionen oder Malus-Regelungen ein, um die aufgeschobenen Beträge zu reduzieren oder zu eliminieren, wenn die wirtschaftliche Entwicklung des Instituts nicht so positiv verläuft wie angestrebt. Im Gegensatz dazu haben viele US-Banken diese Konditionen für Bonus-Aufschiebungen noch nicht eingeführt. (red, derStandard.at)