Die schwere Last des blau-weißen Trikots

7. Juli 2011, 18:12
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Argentinien kommt bei der Heim-Copa nicht in die Gänge - Entscheidungsspiel gegen Costa Rica

"Die Pfiffe schmerzen, aber es liegt an uns, diesen Trend umzukehren", meinte ein enttäuschter Carlos Tevez nach der schwachen Nullnummer der "Albiceleste" gegen Kolumbien. Argentiniens Nationalteam hatte in Santa Fe mit einer gehörigen Portion Glück den zweiten Punkt im zweiten Spiel eingefahren und muss nun um die Qualifikation fürs Viertelfinale zittern. Es brennt der Hut. Die Gastgeber kommen einfach nicht in Schwung und die heimischen Gazetten waren sich über eine "weitere graue Nacht" und ein "schreckliches Spiel" einig.

"Sie waren ein harter Gegner und haben uns das flache Spiel schwer gemacht, aber wir wissen, dass die Partien so sein werden. Gute Spieler gibt es in allen Teams, aber man muss eine Mannschaft finden und die suchen wir", nannte "Apache" Tevez die unübersehbaren Defizite im Zusammenspiel beim Namen. Die individuell hochkarätig besetzten Argentinier machten gegen die gut stehende Kolumbianer wenig Stiche, verrannten sich in Einzelaktionen (Tevez, Lavezzi) und waren bei den vorgetragenen Kontern des Gegners defensiv äußerst anfällig. Das zentrale Mittelfeld mit Mascherano, Banega und Cambiasso agierte mit wenig Esprit und auf den Außenbahnen wagte nur Zabaleta den einen oder anderen Vorstoß. Und der weltbeste aller Fußballer? 

Lionel Messi war ein Schatten seiner selbst. In der ersten Halbzeit schaute noch ein schöner Lochpass auf Lavezzi heraus, der alleinstehend vor dem Keeper die beste Chance der Gauchos ausließ. Sonst war wenig zu sehen von dem 50 Tore-Mann, der mit Barcelona die spanische Liga und die Champions League dominierte. Höhepunkt der schwachen Vorstellung war ein Freistoß in Halbzeit zwei. Aus aussichtsreicher Position jagte Messi die Kugel auf die Tribüne und vergrub anschließend vor Scham sein Gesicht im weiß-blauen Dress, das eine sehr schwere Last auf seinen Schultern zu sein scheint.

Argentinien ist nicht Barca

Die Leistung von "La Pulga", wie die kleine 10 auch genannt wird, beschäftigt natürlich die Nation. Eine der häufigsten Erklärungen: Argentinien ist nicht Barca und Messi vermisst Xavi und Iniesta wie ein Stückl Brot. Exemplarisch wird ein missglückter Doppelpassversuch mit dem extrem unauffälligen Banega kurz vor der Pause angeführt, bei dem sich der Superstar auf Grund des schlechten Zuspiels auch noch den Knöchel lädierte. "Wenig Mannschaft, Messi leidet" war eine der Schlussfolgerungen und ein weiterer Kommentar lautete: "Leo transportiert mit seinem Gesichtsausdruck das Gleiche, wie Argentinen mit seinem Fußball."

Das Publikum in Santa Fe war zu Beginn der Partie noch in Feierlaune, aber die Fans entzündeten sich schnell an der Leistung der Selección. Bereits nach einer halben Stunde wurden die Spieler zu mehr Bewegung aufgefordert ("Movete Argentina, movete"). In der zweiten Halbzeit folgten “Maradó, Maradó”-Sprechchöre, die Zuschauer hatten das Verlangen nach dem größten Sohn des argentinischen Fußballs bevor die aktuellen Spieler mit einem gellenden Pfeiffkonzert verabschiedet wurden.

"So will man natürlich nicht vom Platz gehen, aber man muss die Leute respektieren, die gekommen sind um die Selección gewinnen zusehen." Trainer Sergio Batista flüchtete sich nach der Vorstellung in keine Ausreden. Die Mannschaft habe zu langsam gespielt und er kündigte für das Spiel gegen Costa Rica eine taktische Umstellung an: Ein zentraler Stürmer soll den Aufstieg ins Viertelfinale garantieren. "Es waren sehr viele Ungenauigkeiten im Spiel, daraufhin wurden wir nervös und sind in Unordnung geraten", erklärte der Teacmchef, der weiter an seiner Mannschaft festhalten will. "Die Spieler und das Konzept sind richtig, aber am Platz fällt es uns noch schwer. Wir spielen noch nicht wie wir wollen", fügte Batista hinzu. Gegen Cost Rica sollte es dann auch auf dem Platz funktionieren, sonst ist es wahrscheinlich für ihn und die Copa zu spät. In der Hand haben sie es ja noch. (Alex Aigner, derStandard.at, 07.07.2011)

  • Lionel Messi wirkte schon während der Partie extrem nachdenklich. Die Harmonie fehlte.

    Lionel Messi wirkte schon während der Partie extrem nachdenklich. Die Harmonie fehlte.

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