"Leidensweg" für künftige Wohnungssuchende

Martin Putschögl
7. Juli 2011, 14:02
  • Herbert Ludl, seit 1984 Vorstandsvorsitzender der Sozialbau AG, sieht eine "beachtliche, beängstigende Zunahme" an Interessenten ...
    foto: sozialbau

    Herbert Ludl, seit 1984 Vorstandsvorsitzender der Sozialbau AG, sieht eine "beachtliche, beängstigende Zunahme" an Interessenten ...

  • ...  für seine Neubau-Projekte wie jenes im "Sonnwendviertel" beim künftigen Wiener Hauptbahnhof.
    foto: sozialbau

    ... für seine Neubau-Projekte wie jenes im "Sonnwendviertel" beim künftigen Wiener Hauptbahnhof.

Sozialbau-Chef Ludl sieht "unglaublich dramatische Entwicklung" auf dem Wohnungsmarkt

Mehr als 9.000 Interessenten für eine Wohnanlage mit 170 Wohnungen auf den Aspang-Gründen im 3. Wiener Gemeindebezirk: Die Sozialbau AG musste kürzlich so viele Absagen wie noch nie bei einem einzelnen Wohnprojekt verschicken. Nicht nur daraus sei die "unglaublich dramatische Entwicklung" auf dem österreichischen Wohnungsmarkt erkennbar, erläuterte Vorstandschef Herbert Ludl am Donnerstag. Im Schnitt gebe es heuer bereits 37 Bewerber pro Wohnung - fast doppelt so viele wie im Vorjahr (19).

Die Zahl der Vormerkungen für Neubauprojekte stieg um ein Drittel, sie liegt derzeit bei 43.309. Das sei eine "beachtliche, beängstigende Zunahme", so Ludl - auch wenn man berücksichtige, dass sich die Mehrzahl der Interessenten bei mehreren Bauträgern bewerbe. Und ein gegenläufiger Trend sei auch nicht in Sicht, eher im Gegenteil: Durch den Rückgang der Neubauleistung der Genossenschaften wird sich die Situation in den nächsten Jahren weiter verschärfen. "Auf Wohnungssuchende kommt ein Leidensweg zu", klagte Ludl bei der Präsentation der Sozialbau-Bilanz in Wien. Leerstände gebe es praktisch nicht mehr, und auch die geringe Zahl von Wohnungswechseln - im Vorjahr nur 4,3 Prozent bei der Sozialbau - seien Indikatoren für die Enge am Markt, die den Wohnungssuchenden vermehrt zu schaffen mache.

Neun Prozent weniger Wohnungen gebaut

Die Sozialbau AG hat im Vorjahr um 13 Prozent weniger in den Neubau investiert, bei der Zahl neuer Wohnungen bedeutete dies einen Rückgang um neun Prozent auf 1.266. Heuer dürften noch einmal um 150 bis 200 Wohnungen weniger im Baustadium sein. An die Mieter übergeben wurden im Vorjahr 462 Wohneinheiten.

Auch in die Sanierung wurde um 14 Prozent weniger investiert, nämlich 22 Millionen Euro. Allerdings habe man hier langsam "den Gipfel erreicht", nachdem die Sozialbau seit längerem ihre Altbau-Wohnungen bei Bewohner-Wechseln sukzessive auch innenseitig auf Neubau-Standard trimmt. Im Vorjahr war dies bei 348 Altbau-Wohnungen (älter als 14 Jahre) der Fall, Sanierungen wurden an Häusern mit insgesamt 1.517 Wohnungen durchgeführt.

Schuld an der Neubau-Misere ist für Ludl nur teilweise die drastisch zurückgefahrene Wiener Wohnbauförderung (und damit auch die von der Sozialbau oft in Anspruch genommene "Superförderung"); auch die Situation am Grundstücksmarkt sei alles andere als zufriedenstellend. Um die in der Wiener Wohnbauförderung festgeschriebenen Höchstgrenze von 230 Euro pro Quadratmeter Baugrund (darüber verliert der Bauträger die Wohnbauförderung, Anm.) bekomme man "nicht einmal mehr einen Acker in Floridsdorf", so Ludl lakonisch.

"Größer als Klagenfurt"

Aktuell verwaltet die Sozialbau 47.072 Wohnungen, davon 39.387 Miet- und Genossenschaftswohnungen sowie 7.685 Eigentumswohnungen. Mit den 120.000 betreuten Menschen sei man damit "deutlich größer als Klagenfurt", so Ludl. Hinzu kommen 27.167 Garagen- und Abstellplätze für Pkw sowie 508 Geschäftslokale. Insgesamt verwaltet die Sozialbau 3,5 Mio. m2 und ist damit der größte private Hausverwalter des Landes.

Die durchschnittliche Miete bei der Sozialbau beträgt 3,51 Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich zur derzeitigen Wiener Richtwertmiete von 4,91 Euro würden sich die Mieter insgesamt 34 Millionen Euro pro Jahr ersparen, so Ludl.

Freuen dürfen sich 86 Prozent der Sozialbau-Haushalte auch wieder über eine Rückzahlung bei den Betriebskosten. In Summe werden 5,4 Millionen Euro an die Mieter refundiert, durchschnittlich 152 Euro pro Mietvertrag - diese Summe wird von der August-Miete automatisch abgezogen.

Umsätze legten zu

Die Umsätze der Sozialbau AG stiegen im Vorjahr um vier Prozent auf 40,8 (39,1) Mio. Euro. Davon resultierten als größte Brocken 22,4 (20,9) Mio. Euro aus den Mieten und 15,3 (15,9) Mio. Euro aus der Betreuungstätigkeit. EGT und Jahresüberschuss stiegen auf 10,7 (9,64) Mio. Euro, der Bilanzgewinn schrumpfte dagegen auf 5,18 (6,23) Mio. Euro. Das Eigenkapital stieg laut Ludl auf 127,7 Mio. Euro und die Eigenkapitalquote auf 41,4 Prozent.

Die Bilanzsumme der Sozialbau AG wuchs auf 439 (425) Mio. Euro und samt den drei Genossenschaften im Sozialbau-Verbund auf 2,293 Mrd. Euro. Ludl: "Wir errichten mehr neu als wir abschreiben, nur so kann es das Wachstum geben." (map, derStandard.at, 7.7.2011)

Nachlese

Bilanz 2009: Sozialbau setzt auf Neubau

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Wien hat den größten Zuzug und deshalb wachsende Probleme

Keine andere Stadt in Österreich muss soviele neue Menschen aufnehmen wie Wien. So wie überall auch wächst die Hauptstadt und zieht Menschen aus den Regionen ab. Beispiel NÖ wo viele Häuser leerstehen und Regionen immer dünner besiedelt sind.

In Wahrheit muss die Wiener Stadtpolitik einsehen, dass auch Städte nicht um jeden Preis wachsen können, sonst bilden sich halt Slums, wie anderswo. Regionale Wirtschaftsentwicklung muss ernst genommen werden, sonst wirds in Wien mit Jobs und Wohnungen eng.

So viele Cayennes gehäuft wie in Rumänien hab ich noch nirgends gesehen - nach Ihrer Theorie muss es den Leuten dort ja allen wirtschaftlich super gehen?

die neue Armut in Ö

Grundsätzlich ließ sich ein Trend hin zu stärkeren Fahrzeugen beobachten.

Gut das es keine neuen Gemeindewohnungen mehr gibt

Es war gut und vernünftig seit 2004 in Wien KEINE NEUEN Gemeindebauwohnungen mehr auf Staatskosten zu errichten. Endlich müssen Wohnungsbewerber die Errichtungskosten (=Genossenschaftsbeitrag) PRIVAT zahlen. !! Das finde ich ist gerecht ! Alles andere ist sozialsschmarotzerei. Ich bin zwar ausgenommen (hab geerbt in Wien) aber ich knnte mir ja auch so was kaufen - bin Ärztin.

Ich zweifle stark daran, dass diese Posterin Akademikerin ist. Bei dieser Grammatik und Orthografie ???

Es findet sich auf der ÄrztekammerWien Seite

eine Ärztin Klara Zhuber registriert, aber nachdem die oboge Posterin bei jedem Post dazu schreibt "ich kenn mich aus, weil ich Ärztin bin", denk ich auch eher an ein Fake (hoffe ich zumindest stark!!).

Und haben Sie schon

die Gesamtkosten Ihres Studiums zurückbezahlt, das Ihnen der Staat finanziert hat da Sie so großkotzig über Sozialschmarotzerei reden?

Sowas ist eine Frage, mit der man sich schnell in die Nesseln setzen kann - ich kenn jetzt diese Dame nicht, aber mit besserem Einkommen haben's über das mehr an Steuern die Kosten des Studiums rasch zurückgezahlt.

Es gibt übrigens auch Studien darüber, dass Akademiker als Gesamtheit ein sehr gutes Geschäft für die Volkswirtschaft sind - eben weil die Kosten rasch amortisiert werden, und dann durch das mehr an Steuern direkt und durch induzierte Standorteffekte auch noch indirekt der langfristige Nutzen bei Weitem überwiegt.

so viel dummheit derschlagt einem ja!

die eltern...

gehören erschlagen! die haben die brut ja erzogen... hauptfach: medizin, nebenfach: intoleranz & arroganz :-) so leicht gehts: mama+papa zahlen das studium und dann setzt man sich in die geerbte whng und schimpft über sozial schwächere ..sauber! gratuliere! hoffentlich gibts nicht mehr davon wo die herkommt...

WIE bitte finanzieren die Eltern ein kostenloses Studium?

Die koennen maximal die Nebenkosten wie Skripten usw. finanzieren. Aber die ca. 5000 Euro pro Semester oder Jahr werden vom Staat bezahlt.

Der Staat hat kein eigenes Geld - Das Studium wird aus Steuereinnahmen finanziert. Das Argument, des Studium sei selbst bezahlt, wenn man jährlich zehntausende Euro mehr an Steuern abführt als der Durchschnitt, ist ncht ganz von der Hand zu weisen.

naja

1. wird sie wohnen, essen, kleidung gemeint haben, dass das die eltern finanziert haben
2. gabs sehr wohl studiengebühren vor ein paar jahren

wenn Sie in Ihrem beruf als arzt auch so inkompetent sind, wie hier Ihr posting, dann wundert mich in der medizin nichts mehr!

Sie sind ja nicht einmel in der lage eine gemeindewohnung (wien) von einer gemeinnützigen genossenschaftswohnung zu unterscheiden. denn die gemeinde wien errichtet ja schon seit jahrzehnten keine gemeindewohungen mehr (derzeitiger bestand ca. 220.000)!

die gemeinnützigen genossenschaften werden nach den grundlagen der wiener wohnbauförderung gefördert unnd es sind vom mieter bei bezug auch eigenmittel bis zu 40.000 euro zu bezahlen. nach 10 jahren kann eine mietkaufwohnung ins eigentum übernommen werden!

die wohnbauförderung zahlt sich jeder abreitnehmer in diesem land selber: 0,5 prozent dienstnehmer- und dienstgeber beitrag werden monatlich vom lohn abgeführt!

sie operieren sicher privat und nutzen die infrastruktur des akh's zum spotpreis.

unnötiges posting.

gibt nicht nur ärzte in wien die erben oder?

Ich habe die Konstruktion:

Genossenschaft
Aktiengesellschaft
Gemeinnütziger Wohnbau

noch immer nicht verstanden...

Was konkret wollen's verstehen?

Ich habe die Konstruktion noch immer nicht verstanden...

Ist auch schwer zu verstehen. Die rote Stadt-regierung hält sich eine eigene Wohnbau-genossenschaft (die Sozialbau gehört zum Firmen-imperium der SPÖ Wien) und verknappt gleichzeitig den sozialen Wohnbau in Wien. Ein Schelm der Böses denkt.

Sozialbau könnte ja ins Umland ausweichen. Da gibts um 100,- durchaus was.

Die durchschnittliche Miete bei der Sozialbau beträgt 3,51 Euro pro Quadratmeter.

Woooooo ?

Ein kurzer Blick auf aktuelle Projekte spricht anderes !
Knapp 8,- !

im Altbau. Na klar zieht dort niemand mehr aus, wenn dann mit

eklatanter privater Abloese, weil der Mieter bestimmen kann, wer als naechstes mietet und die Wohnung rein theoretisch fuer die naechsten 100 Generationen weitergegeben werden kann. Klar, dass Sie da nicht in den Genuss kommen, solche Wohnungen, wenn jemals leer, werden garantiert nicht mehr vermietet, weil der ERloes eigentlich ein Verlust darstellt. Aber so etwas interessiert beim Sozialen Wohnbauvertreter niemand, hauptsache, der durchschnittliche Mietpreis ist niedrig, sodass sie angeben koennen, dass es eh niedrige Mieten gibt. Leider werden die privaten Einzelvermieter in den Bankrott getrieben und die, die eigentlich billige Mieten anbieten sollten, kassieren Subventionen und vermieten suendteuer.

vielleicht meinen...

die die nettomiete?! das könnte eventuell hinkommen denke ich. aber sich für eine neue genosenschaftswhng auf 30jahre kredit aufnehmen für einen genossenschaftsanteil von 30.000e aufwärst ist schon heftig...warum aber die alten genossenschaftswohnungen zb aus den 50er 60er 70er jahren noch immer gute 13.000e gen.anteil kosten verstehe ich nicht, das muss sich ja längst amortisiert haben?! der trend geht halt zum flatsharing, sonst ist wohnen nicht mehr leistbar. WG's sind nicht mehr nur von studenten bewohnt inzwischen, sondern von leuten wie du und ich....

wenn man Miete per m2 spricht

dann ist das immer die Nettomiete, also ohne BK und ohne MWSt.
Amortisation - vielleicht ja, aber ein Haus mit 60, 50 oder 40 Jahren am Buckel braucht auch erheblich mehr Reparaturen als ein Neubau.

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