Wenn aus der Kindergartentante eine Frau Magister wird

Rosa Winkler-Hermaden
7. Juli 2011, 13:35
  • Master-Ausbildung für Kindergartenpädagogen: Ja oder Nein?
    apa-foto: harald schneider

    Master-Ausbildung für Kindergartenpädagogen: Ja oder Nein?

Gemeindebund gegen Pläne der Ministerin: Akademiker-Gehalt sei Utopie

Geht es nach Bildungsministerin Claudia Schmied, sollen in Zukunft alle Lehrer auf Bachelor- und Masterniveau ausgebildet werden, auch die Kindergartenpädagogen. (derStandard.at berichtete) Bis jedoch auch für die Kindergartenpädagogen Bachelor und Master die Regelabschlüsse sein werden, wird es noch dauern. Sie werden vorerst weiterhin an den Bakip (Bildungsanstalten für Kindergarten) ausgebildet, da es noch zu wenig Personal für eine akademische Ausbildung gibt.

In ganz Österreich gibt es mit Cornelia Wustmann von der Uni Graz nur eine Professur für Elementarpädagogik. Schmied will aus diesem Grund die an den Bakip Lehrenden aus- und fortbilden. Die Bakip seien derzeit "möglicherweise nicht auf dem letzten Stand von internationaler Wissenschaft und Lehre", sagte die Bildungsministerin am Mittwochabend bei einem Hintergrundgespräch.

"Überflüssige" Debatte

Längerfristig ist angedacht, dass alle Kindergartenpädagogen einen Bachelor und später auch einen Mastertitel vorweisen. Probleme könnte es hier jedoch mit den Gemeinden geben, da sie für die Kindergärten zuständig sind. "Ehrlicherweise halte ich die Debatte um die Akademisierung für überflüssig", ließ zuletzt Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer ausrichten. Die Gemeinden müssen als Träger vieler Kindergärten auch für die Kosten und die Bezahlung der Pädagogen aufkommen.

Im Gespräch mit derStandard.at sagt Mödlhammer: "Wir können den Kindergartenpädagogen zur Zeit nicht mehr zahlen. Das muss man zu Kenntnis nehmen. Wir befinden uns in einer dramatischen Lage und sind froh, wenn wir den Kindergartenpädagogen das Gehalt zahlen können, das andere Maturanten erhalten. Von einem Akademiker-Gehalt zu sprechen, ist Utopie. Jeder, der das sagt, streut Sand in die Augen der Menschen."

Mödlhammer ist der Meinung, man solle nicht ständig neue Visionen "vorgaukeln", sondern die Probleme von heute lösen, "nicht die Dinge, die in zehn oder zwanzig Jahren passieren".

"System nicht schlecht reden"

Außerdem hält er fest: "Wir haben in Österreich ein sehr, sehr gutes Ausbildungssystem. Die Kintergartenpädagogen leisten sehr, sehr gute Arbeit. Man soll das System nicht schlechtreden, wir stehen nicht so schlecht da."

Als Träger der Kindergärten hätten die Gemeinden derzeit ohnehin andere Sorgen. Es gehe darum, die Plätze für die Unter-Drei-Jährigen auszubauen. Außerdem müssten die Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der Eltern angepasst werden. "Da steht uns noch vieles bevor." 

"Internationaler Standard"

Andreas Schnider, Leiter der Vorbereitungsgruppe für die neue Pädagogenausbildung, kontert: Eine akademische Ausbildung im Elementarbereich sei "internationaler Standard". Dabei gehe es nicht einfach darum, "irgendwas zu akademisieren". Die ÖVP betone immerhin schon lange die wichtige Rolle der Frühkindpädagogik, etwa bei der Sprachentwicklung. "Wenn wir uns ernst nehmen". müsse es daher das Ziel sein, Kindergartenpädagogen eine Ausbildung auf demselben Niveau zu bieten wie den Lehrern der Sekundarstufe zwei, so Schnider. (rwh, derStandard.at, 7.7.2011)

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Kindergartentanten bitte nicht akademisieren ...

... Auch wenn das in die linken Kampfposterköpfe nicht hinein will: Kindergartentante = Kindergartentante und bleibt Kindergartentante. Und das ist gut so - basteln und Lieder singen und eine Vertraute Tante "Vornamen" für die Kinder sein. Aber keine Tschänder-Pädagöse, Frau Kindergartenpädagogin oder Frau Magister...

warum nicht?

...leider dass die Kindergärtnerinnen so unterschätzt sind. Es ist wissenschaftlich bewiesen worden, dass die Kinder bis 6 Jahre das höchste Potenzial zum lernen haben. Also die Kindergärtnerinnen sind die erste Damen, die den Kindern den Weg zum lernen geben...

und Herren

All diejenigen, die der Ansicht sind, dass eine Kindergartenpädagogin eh nicht mehr können muss als Topf schlagen und fröhliche Lieder trällern, mögen sich dann bitte beim nächsten Artikel, der darüber berichtet, dass leider niemand aus dem Betreuungssystem die Anzeichen für Kindesmisshandlung oder sexuellen Missbrauch rechtzeitig erkannt hat, nicht mehr drüber echauffieren.

Und sie sollten sich auch nicht darüber echauffieren, wenn mal wieder ein Mißbrauch ans Tageslicht kommt und sich herausstellt, dass es wieder mal in der Familie passiert ist und die Frau Mama dem jahrelang zugesehen hat, weil sie halt ökonomisch abhängig war und nicht wusste, was sie tun sollte. So ist sie, die perfekte Welt und die perfekte Familie mit dem perfekten Papa, Opa, Onkel und wie sie noch alle heißen. 90% der sexuellen Übergriffe passieren in der Familie. Sicher, die *katholischen* Pfarrer drücken da den Schnitt der letzten Jahre neuerdings, aber das ändert nur wenig. Und selbst die arbeiten mit dem gleichen Mechanismus: Abhängigkeit/Schuldgefühle schaffen und diese brutal ausnutzen.

die perfekte Familie mit dem perfekten Papa, Opa, Onkel

tante, mama

und die Frau Mama dem jahrelang zugesehen hat,

oder selbst die täterin war

Wie kommen Sie drauf, ich würde mich echauffieren? Woraus leiten Sie das ab? Ich arbeite im Kinderschutz, habe also professionell mit dem Thema umzugehen und nicht emotional, weiters kenne ich berufsbedingt die Zahlen, Daten, Fakten, Mechanismen, Folgen etc. danke. Ich bin wirklich verwundert, wie die Forderung "Kindergartenpädagoginnen mögen bitte die Zeichen für sexuellen Missbrauch erkennen lernen" negative Reaktionen auslösen kann.

Mit dem "echauffieren" waren doch nicht Sie gemeint, Herrgottnocheimal ... das Posting war als "Verlängerung" Ihres Postings gedacht ... *grmbl* ... Sie schlossen mit "echauffieren" und ich setzte dort fort ... lesen Sie das mal aus dem Kontext. Dann sehen Sie das Geschriebene hoffentlich anders.

Ups, sorry, völlig klar jetzt (ich hab mich offenbar zuviel über einige Vorposter echauffiert ;-))

Das sollte eigentlich ein Signal sein, denn wie kommt es, dass der Gemeindebund über das Bildungssystem verfügt und es somit mitbegründet. Überlegt man sich, dass darunter Handwerker, wie Werzeugmacher, Schlosser,... sind und die die Aufwertung in den tertiären Bereich verhindern, so ist mir jetzt klar, warum unser Bildungssystem so hinten nach hinkt. Können uns nur mehr mit den Maltesen verbünden, denn in ganz Europa ist die Ausbildung an der Uni! GRATULATION!

Der Gemeindebund verfügt nur über einen kleinen Teil des Bildungssystems - und zwar den, den die Gemeinden finanzieren. Das ist beispielsweise der Kindergarten. Wenn Sie nicht wollen, dass die Gemeinden da mitreden, dann müssen Sie die Parteien wählen, die den Hortbetrieb auf Bundesebene sehen und nicht in den Händen vieler, vieler Bürgermeister...

Auf deren Aussagen aufbauend, muss diese Überlegung herangezogen werden!

Erstens heißt es jetzt amtlich "Magistra",

zweitens würde es vermutlich um ein Bachelor-Studium gehen, und drittens sollte vielleicht einmal jemand erklären, was genau das bringen soll -- außer Mehrkosten.

bessere Ausbildung? Bessere Bildung der Kinder?

ah verstehe, die övp ist gegen bildung, damit überhaupt noch irgendwer diese partei wählt, alles klar

Erstens bin ich nicht die ÖVP

(wähle sie nicht einmal), und zweitens bezweifle ich sowohl die Qualitätssteigerung der Ausbildung als auch den Nutzen für die Entwicklung der Kinder.

Wenn ein einschlägiges Studium zwangsläufig bessere pädagogische Arbeit bedeuten würde, müssten AHS-Lehrer/innen viel bessere Pädagog/inn/en sein -- als sie es der Erfahrung nach sind.

Es ist ja überhaupt nicht einzusehen, warum man nicht z. B. Leiterfunktionen in Kindergärten an den Abschluss eines Studiums bindet. Das wäre möglicherweise sogar leistbar und würde Erfahrungswerte bringen.

Ich kenne einige gute Kindergartentanten und bin sehr skeptisch, dass die ein Studium bewältigt hätten bzw. dass es ihnen etwas gebracht hätte.

Die akademische Ausbildung wird hier leider viel zu stark und viel zu oft auf die Ausbildung direkt und zu wenig auf den Aspekt der angewandten Forschung in diesem Bereich gesehen.

Derzeit passiert die Forschung in diesem Bereich nur im Ausland und entsprechend gering sind auch die Auswirkungen auf den Bildungsstand der KindergartenpädagogInnen in diesem Land. Das kann und wird sich mit einer akademischen Ausbildung in diesem Bereich ändern.

Letzteres nehme ich mit einer gehörigen Portion Skepsis zur Kenntnis,

sehe allerdings die Bedenken bezüglich Finanzierbarkeit u n d betreffend den praktischen Nutzen einer akademischen (oder pseudoakademischen) Ausbildung in keiner Weise entkräftet.

Wie gesagt, fände ich eine universitäre Weiterbildung der Leiter/innen durchaus sinnvoll, z. B. in Hinblick auf Früherkennung von Defiziten, logopädische Kompetenzen usw. Das müsste auch leistbar sein. Aber akademisch geprüfte Kindergartenpädagog/inn/en in jeder Gruppe halte ich für illusorisch.

ich bin prinzipiell und sowieso für eine ausbildung von kindergartenpädagoginnen auf tertiärer ebene, u.a. auch zum vertiefen von ihnen genannten bereichen. das wahre problem ist in diesem fall nicht die ausbildung, denn selbst wenn ich z.b. logopädisch oder im sonderpädagogischen bereich besser geschult wäre: was nützt mir dass, wenn ich mit all dem wissen als alleinige pädagogin für bis zu 25 kinder zuständig bin und es nicht anwenden kann, weil mir dazu einfach die personellen, zeitlichen und räumlichen ressourcen fehlen? :-/

Ob eine akademische Ausbildung ins pseudoakademische abgleitet ist eine Frage der Umsetzung und hier hat Österreich durchaus eine Tradition zum Negativen. Aber das kann kein Grund sein, hier nichts zu tun.

Ob nun in jeder Gruppe eine akademisch gebildete Person sinnvoll ist wird man erst wissen, wenn diese Leute in den Beruf gehen. Vorher weiß man gar nichts. Abgesehen davon wird das System auch keine ausreichenden Kapazitäten für eine flächendeckende Ausbildung bereitstellen können. Die HTLs wurden mit den FHs ja auch nicht abgeschafft. Aber der akademische Weg stellt neue Möglichkeiten für jene bereit, die sich intensiver mit der Materie befassen wollen. Das geht heute nicht.

AHS-LehrerInnen studieren Mathematik, Englisch, Geographie usw. und nicht Pädagogik. Der pädagogische Teil des Studiums ist ein Scherz. Darum sind´s auch keine guten PädagogInnen.

Mag schon sein, aber der Regelfall ist es wohl eher nicht, dass die AHS-Lehrerschaft über ein Doppelstudium verfügt. Und dass jeder der Pädagogik studiert hat automatisch auch ein Genie im Umgang mit Kindern sein muss behauptet auch niemand. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Kindergartenpädagoginnen, besonders im urbanen Bereich, heutzutage mit Herausforderungen und Problemen konfrontiert sind, die sie durch bessere Ausbildung leichter bewältigen könnten. Gilt auch für LehrerInnen. Meine Erfahrung aus der Praxis.

Danke, ich kenne auch AHS-LehrerInnen,

die Pädagogik studiert haben. Die sind erst Genies im Umgang mit Kindern!

lol, ja, bei Humboldt

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