Porsonal Tools

Facebooks beunruhigende Gesichtserkennung

7. Juli 2011, 11:32

Eine Technologie, die das Teilen von Fotos vereinfachen soll, sorgt für Kopfzerbrechen

Neulich auf Facebook konnte ich mich auf dem Bild einer Bekannten selbst entdecken. Es war ein Zufall, vermutlich war der "Facebook-Freundin" gar nicht aufgefallen, dass sie mich in ihrem Schnappschuss verewigt hatte.

Es hätte auch keinen Grund gegeben, warum mir das Bild unangenehm hätte sein können - und dennoch fühlte ich mich auf unbestimmte Weise ertappt. Ein Gefühl, das Facebook bald vielen Mitgliedern bescheren wird: Denn das Netzwerk führt seit einiger Zeit automatische Gesichtserkennung ein.

Logisch und gespenstisch

Die neue Funktion ist logisch und doch gespenstisch zugleich. Logisch, weil schon jetzt eine oft genutzte Bildfunktionen "Tagging" von Personen ist. Damit kann man Bilder leichter herzeigen (Fotos mit entsprechendem Tag werden auf der Pinnwand des Betreffenden automatisch angezeigt), außerdem interessiert es ja, wer auf den Bildern von Freunden zu sehen ist.

Gespenstisch, weil der Gedanke, auf Bildern im Netz so leicht und schnell wie in Texten zu finden zu sein, Fantasien von ständiger Überwachung auslöst. Selbst der frühere Google-Chef Eric Schmidt, unter dem Street View eingeführt wurde, nennt Gesichtserkennung "creepy": Es sei die einzige Technologie, die Google zwar entwickelt, aber nicht eingesetzt habe.

Unterschied

Dabei macht es einen Unterschied, ob Facebook oder Google diese Technologie einsetzen. Facebook ist, obwohl ein Online-Riese, eine "geschlossene" Veranstaltung, Google eine offene Suchmaschine. Würde Google Gesichtserkennung einsetzen, würden damit alle Fotos indiziert werden, könnte nach Personen in Kombination mit anderen Kriterien gesucht werden.

Facebook hingegen "erkennt" nur Gesichter auf Fotos, die seine User hochladen; diese müssen das bestätigen und bestimmen auch, wer die Bilder sehen kann. Wichtiger noch: Jeder User kann selbst festlegen, ob und wer Bilder sehen darf, auf dem er oder sie getaggt, also identifiziert sind. Bei sorgsamem Umgang würden daher persönlich identifizierte Bilder nicht über einen vorbestimmten Kreis hinaus sichtbar sein. Aber "sorgsamer Umgang" und Facebook scheinen eher ein Widerspruch als eine Ergänzung zu sein.

Aufgenötigt

Das Hauptproblem dabei ist, dass Facebook in üblicher Dampfwalzenmanier zunächst versucht, Gesichtserkennung allen aufzunötigen. Grundeinstellungen sind stets darauf ausgelegt, möglichst viel "zu teilen", nicht möglichst viel privat zu halten - logisch, weil Netzwerke nur dann funktionieren, wenn Menschen etwas von sich preisgeben. Aber das Onlinemedium ist ein gewaltiger Verstärker, auch für unbeabsichtigte Nebenwirkungen. Darum muss Facebook mehr Verantwortung dafür übernehmen, Fehler zu verhindern.

Und Gesichtserkennung? Unwahrscheinlich, dass eine Technologie dieser Art in der Schublade bleibt. Ihre größten Fans sind übrigens seit langem Exekutivbehörden weltweit, nicht nur in Schurkenstaaten. Die EU gibt viel Geld aus für sein Indect-Projekt zur Personenerkennung samt automatischem Datenabgleich mit Polizeicomputern.

Nur wird über solche neuen staatlichen "Features", anders als bei Facebook, gerne geschwiegen und nicht gepostet. (Helmut Spudich, DER STANDARD/Printausgabe, 7.7.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
Jo_ey
00
"Jeder User kann selbst festlegen, ob und wer Bilder sehen darf, auf dem er oder sie getaggt, also identifiziert sind."

das ist meiner meinung nach so nicht ganz korrekt

wenn person A bei person B im bild verlinkt wird, kann person A nicht verhindern, dass freunde von B dieses bild sehen können!

Nihilius
00

Lösung in diesem Fall: Person A müsste die Verlinkung komplett entfernen.

Jo_ey
00

das ist schon klar
aber dann ist A ja auf diesem bild nicht mehr "getaggt, also identifiziert" ;)

werwolfi
00

mist, seit diesem neuen features dauernd fehler beim hochladen meiner fotos...
"Too beautiful, too intelligent, too successful error."

:oP

nääs
00
Google bilder-suche

bei der google bilder-suche kann man seit kurzem auch ein bild as input geben. Auch Fotos. Kann also auch als Gesichtserkennung verwendet werden.

Prof. Vogel
00
"Porsonal Tools"

Wurde das mit Absicht so geschrieben?

Rs St
00

die Nachrichten von gestern mit den worten von heute :D

Wieviel Demokratie ist es bitte?
00
aenema_lateralis
 
00
hm

... und dann fuehrt facebook eine scanner ein, der durch kleidung, papiersackerln und mittelstarke waende blicken kann...

Dschiribimm Dschiribamm
00
wird auf bildern schwer gehen...

Captain Smoker
11
@Standard:

"Die EU gibt viel Geld aus für sein Indect-Projekt"

Müßte das nicht "ihr" heißen?

PHF_XY
12

Sie haben Recht - richtig wäre:

Die EU gibt ihr (Steuerzahler) Geld aus für....

Nitram1988
00
So weiß ic wenigstens welche Foto von mir ins Internet gestellt werden.

jcMaxwell
00

facebook ist nicht gleich internet..

Nitram1988
00
90% der Fotos von mir im Internet sind auf Facebook.

Leider gibts die möglichkeit nicht bei google/bing/yahoo Bildersuche

Slammer
00

Wie ich davon gelesen hab, hab ich es sofort abgeschaltet.
Problem ist das der Schalter zum abstellen gar nicht so schnell zu finden ist.

Franz Brandtwein
00

und wo ist er jetzt zu finden?

Spartaner13
00

hm warum wohl? ;-)

Rent a Democracy
12
Ab jetzt Fotos nur noch mit Guy Fawkes Maske ;-)

Im Ernst: Wozu Facebook? Weils jeder macht? Hier haben wir ein Beispiel dafür dass es besser ist, selbst nachzudenken statt dumpf mit der Herde mitzulaufen.

Citizen Vane
11
mein problem mit facebook

ist, dass man sich auch als Nicht-Mitglied, wenn man nie irgendwas mit dem Verein zu tun haben wollte, damit beschäftigen muss - sog. "Freunde" taggen munter auch Nicht-Mitglieder, geben Informationen _über mich_ an das Netzwerk - was diesen Schafen oft nicht mal bewusst ist bzw. verstehen diese Menschen nicht, dass man da was dagegen haben könnte.
Und ein weiterer Aspekt von großen "Social Networking"-Plattformen in Hinblick auf Nicht-Mitgliedschaft: Jeder kann jederzeit ein Profil mit meinen Daten (soweit bekannt) erstellen und meine Identität stehlen (klingt nach schlechtem Film, aber Identitätsdiebstahl kann auch mit banalen Themen in Zusammenhang stehen). Insofern ist es gewissermaßen gefährlich, *nicht* Mitglied zu sein!

trollvottel
00

"Was der Bauer nit kennt, frisst a nit" gilt wohl auch für neue Methoden der Onlinekommunikation.

Rent a Democracy
00

Ein halbwegs aufgeklärter und mindestens durchschnittlich intelligenter Mensch denkt nach, bevor er irgendwo seine Daten eingibt. Von hinterwäldlerischer Ablehnung, die Sie mir scheinbar unterstellen wollen, ist das weit entfernt.

Facebook ist nicht das einzige Internet-Unternehmen, angesichts dessen Geschäftsgebaren man besser Vorsicht walten lassen sollte. Mit Freunden und Bekannten Kontakt zu halten ist auf vielen Wegen möglich, Facebook benötigt man dafür nicht. Ich benötige diese Seite also nicht und will meine Daten unter Kontrolle behalten. Die Herde hüpft immer gemeinschaftlich in den Abgrund, da muss man nicht mitmachen.

phaidros
00

da sie ihm jedoch hier im standardforum auf sein posting antworten koennen, scheint rent a democracy in onlinekommunikation durchaus nicht so unbewandert zu sein, wie sie vermuten.

Spartaner13
11

Richtig.

Steve Zissou
23

wozu facebook? also ich verwende facebook mit dem nötigen respekt für meine privatsphäre und komme damit in den genuss, an dem teil des lebens meiner freunde/bekannte teilzuhaben, den sie preisgeben. ich kommuniziere mit manchen leuten, mit denen ich davor wenig kontakt hatte wieder viel mehr und kann gewisse dinge, die ich teilen will, mit einem klick ebenso vielen menschen zugänglich machen. ich erhalte nachrichten oft bevor ich sie den medien entnehme und erfahre von veranstaltungen, die mir sonst auch nicht unterkämen. (hab keine 500 freunde, einen anderen namen, kein photo von mir drauf und weiß, wer alles mitliest, nämlich ausschließlich meine "freunde", und was ich denen sagen will und was nicht)
dazu vielleicht?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.