Kranke Mediziner

Wiener Ärzte mehr Burn-out-gefährdet als andere

7. Juli 2011, 10:06
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    foto: apa/patrick pleul

    Mediziner haben oftmals ein problematisches Seelenleben

Ärztekammer: Anteile um 15 Prozent höher als im österreichischen Durchschnitt laut Studie

Wien - Ärztinnen und Ärzte sind österreichweit Burn-out gefährdet: 52,4 Prozent befinden sich in den Belastungsphasen 1 bis 3 auf einer vierteiligen Skala. 10,7 Prozent sind konkret Burn-out gefährdet. In Wien ist die Situation noch dramatischer: 59,2 Prozent der Wiener Ärzte, also nahezu jeder sechste, befinden sich in Phase 1, 2 oder 3, davon 12,8 Prozent in Phase 3. Das bedeutet: akute Burn-out-Gefahr, hieß es bei einem Hintergrundgespräch der Kammer in Wien.

Der Ausgangspunkt: Von November 2010 bis Februar dieses Jahres wurde eine österreichweit repräsentative Studie der "Arge Burn-out" auf Initiative der Österreichischen Ärztekammer online durchgeführt. 6.249 Ärzte nahmen daran teil, in Wien waren es 1.231.

Stufenweise ins Burn-out

Die Burn-out-Gefährdung wurde nach einem Drei-Phasen-Modell der Arbeitsgemeinschaft beurteilt: Phase 1 ist das "tägliche Burn-out", das sich durch emotionale Erschöpfung und Unfähigkeit zur Entspannung charakterisieren lässt. Phase 2 kennzeichnet einen fortschreitenden Prozess mit Interessenabstumpfung, Kontrollverlust, teilweise semantische Beschwerden. Die dritte Phase entspricht dann dem Bild einer echten Depression.

In der Bundeshauptstadt waren die Angaben offenbar besonders dramatisch. "In Wien sind die Ärztinnen und Ärzte", so Thomas Szekeres, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien, "besonders stark Burn-out gefährdet. Die Werte sind generell um etwa 15 Prozent höher als im österreichischen Durchschnitt. Das liegt sicherlich am Großstadtfaktor und an der Tatsache, dass in Wien mit einer guten technischen Ausstattung besonders komplexe Fälle in überdurchschnittlich hoher Anzahl behandelt werden. Zudem absolvieren die Wiener häufiger Arztbesuche als Patienten in den Bundesländern."

Szekeres: "Wir brauchen eine umsichtige Spitalsreform, die das Hauptaugenmerk auf die im Spital tätigen Menschen legt, anstatt auf die Ökonomie. Um das Burn-out-Risiko der Spitalsärzte nachhaltig zu senken, muss ein Bündel an strukturellen Reformen umgesetzt werden." Dazu zählten neben neuen und flexiblen Arbeitszeitmodellen zum Beispiel auch spitaleigene Betreuungsplätze für Kinder und nicht zuletzt der Ausbau des niedergelassenen Bereichs."

Details aus der Online-Erhebung in Wien:

  • Frauen sind offensichtlich robuster als Männer. In der Burn-out-Phase 3 finden sich elf Prozent der Frauen, aber 15,3 Prozent der männlichen Ärzte.
  • Die Gruppe der bis 37-Jährigen - vorwiegend Turnusärzte oder Fachärzte mit geringer Praxis - ist am Burn-out anfälligsten: 65,9 Prozent befinden sich in den Phase 1 bis 3.
  • Am absolut höchsten liegen aber die 48- bis 54-Jährigen in Phase 3.
  • Alleinstehende - die in der Regel auch länger arbeiten - sind stärker Burn-out gefährdet (63,8 Prozent in den Phasen 1 bis 3) als Verheiratete (56,4 Prozent) oder in Partnerschaft Lebende (59,3 Prozent).
  • In Standard-Krankenhäusern ist die Burn-out-Gefährdung höher (Phasen 1 bis 3: 68,8 Prozent) als in Schwerpunktkrankenhäusern (Phasen 1 bis 3: 56 Prozent). Das AKH liegt dabei im Wiener Durchschnitt: 60,3 Prozent der dort arbeitenden Ärzte befinden sich in Phase 1 bis 3.
  • Bei privaten Trägern ist die Burn-out-Rate höher als in öffentlichen Spitälern (Phasen 1 bis 3: 62,7 Prozent versus 61,1 Prozent).
  • Angestellte Ärzte sind zu 63,6 Prozent gefährdet, bei den niedergelassenen Ärzten sind es "nur" 51,9 Prozent. Bei den niedergelassenen Ärzten sind Ärzte mit Gebietskassenverträgen (Paragraf 2-Kassen) deutlich stärker Burn-out gefährdet als Wahlärzte: Das Verhältnis beträgt hier 57,5 Prozent zu 52,3 Prozent. (APA)
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 29
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Ain't got no how watchamacallit
00
22.7.2011, 17:05

kein wunder, haben´s die wiener Ärztinnen doch überwiegend mit wiener pflegepersonal und wiener patientInnen zu tun…

Epistula non erubescit
40

dann sollten diese Ärzte mal ihre Privatordinationen schließen oder auf kleine "Dienste" welche halt das Tascherl füllen verzichten.

Hab eigentlich kein Mitleid, auch andere Berufe haben Nachtdienst, Radl-Dienst...
arbeite selbst im KH und sehe wie "furchtbar" die Ärzte sich "zerreißen" zwischen "Privatgeschichten" und "Dienst"

Grosses W_
01
ein bißchen erröten würde ihnen gar nicht schaden

sie brauchen gar kein mitleid zu haben, mitdenken würde schon reichen.
nennen sie mir einen anderen beruf mit bis zu 49 h arbeitszeit am stück. krankenpflege, polizei, feuerwehr - fehlanzeige.
wenn sie selbst im krankenhaus arbeiten, dann lügen sie, denn statistisch ist die durchschnittliche arbeitsbelastung in 24h 20h, von schlafdiensten sind sie daher - mit einigen ausnahmen - weit entfernt.
sie können aber gerne auf ihrem konzept beharren, dann gehen sie eben in zukunft in die wahlarztordi - und zahlen.
und was die tascherl füllen angeht, sollten sie nicht von einigen primarärzten auf die allgemeinheit schließen.

-blos so-
01
es geht auch nicht um diese Ärzte sondern in erster Linie die Ärzte

die in Krankenhäusern arbeiten... in wie weit das auch Ärzte mit eigener Ordination betrifft, die auch in KH arbeiten muß man mal ausklammern

http://derstandard.at/plink/130... id21932605

Pump Kin
01

Prosekturgehilfe ?

Benedikt W.
 
00

Die Abhängigkeit zu dem Krankenhaus ist dann aber sehr groß. Wenn man Privatordination und Krankenhaus haut, dann kann man jederzeit das Krankenhaus aufgeben. Z.B. in einem gewissen Alter, wo stressige Nachtdienste nicht mehr gehen.

Samhain
01

Ich habe irgendwie das Gefühl, dass die Ärztekammer nicht ganz unschuldig ist an den Burn-Out Gefährdungen.

Benedikt W.
 
01

Ja, das ist sie auch nicht. Die Dunkelziffer, die hier nicht erwähnt ist, ist wahrscheinlich noch um einiges höher. Das Ärzte-System in Wien ist nicht das Beste, und was Mobbing angeht, gibts auch Probleme.

Es werden Posten teilweise nicht nach besetzt, und wenn man dann die übrig bleibenden Ärzte fragt, stört sie das "offiziell" nicht, weil man darf ja keine Schwächen zeigen, und sagen, dass das langsam zu viel wird. In einer Abteilung aus 5 Ärzten sind 2 wegen Krankheit ausgeschieden, und jetzt Jahre später überlegt man neue Ärzte einzustellen. Da muss sich in Wien wirklich einiges ändern.

Gefrotzelt!
00
Die politisch Verantwortlichen sind immer die Verantwortlichen!

Doch wer hat diese Missorganisation politisch über und verwirtschaftet das dermaßen inhuman? Das braucht klarerweise mehr Personal, mehr Ruhezeiten, bessere Dienstpläne und Bezahlung.

Vermutlich wurde anno 2000 auch im Gesundheitswesen alles Schwarz-Blau gefärbt und die Aufsicht und Kontrolle für Private, reiche Lobbys und Pharma-Konzerne dereguliert.

Bei Rechten (ehemaligen Nazi-Parteien mit Verbrecher- und Ausbeuter-Ideologie) sollte sich niemand über Korruption, Grausamkeit und Sozialraub wundern.
Wundern muss man sich allerdings wenn Sozialdemokraten in ihren Ressorts nun auch nichts mehr anderes treiben, da schon jeglicher Lebensbereich wirkt, als wäre er für reiche, private Profiteure versaut.

erich1963
00
Was isn das für ein seltsames Phasenmodell?

Zuerst steht, Phase 3 bedeutet akute Burnoutgefahr und weiter unten entspricht Phase 3 einer echten Depression. Im Internet findet sich über dieses Modell ja kaum was Brauchbares.

Wie Phase 4 ausschaut, möcht ich mir gar nicht ausmalen...

Lilith Boessse
 
01
was man so alles aus dem

akh hört.

*grusel*

und diese ärzte (die nichts dafür können) werden dann auf die patienten losgelassen.
beinahe fahrlässig!

-blos so-
10
man muß auch diferenzieren

besonders die praktischen Ärzte sind da wohl kaum gefährdet...

ich denk da an einen Arzt im 13. Bezirk, der einen Zettel an der Tür zu seiner Ordination hängen hatte, daß er grad auf Weiterbildung ist und dann kam er grad zufällig mit seiner vollbusigen, blonden Ordinationsgehilfin am Motorrad heim wie meine Freundin und ich grad wieder raus gehen wollten...

das nenn ich mal eine Weiterbildung - und das bei 20 Wochenstunden maximal ;)

Benedikt W.
 
01

Ja, es geht, was Burn Out angeht (fast) nur um Krankenhausärzte, die viel stärker belastet sind, als Ärzte mit eigener Praxis.

E. Laserstrahl
120
www.aerztepfusch.at

Wenn es heißen würde Alkohol gefährdet dann könnte ich es eher Glauben .....

Got Your Noes!
03

kann es sein dass sie an den hits dieser seite verdienen?

nik.2008
01

.. das trifft sicher vor allem auf die jungärzte zu. wie oft war ich schon im krankenhaus bei einem guten arzt stationär in behandlung und wollte diese dann fortsetzten - keine chance, weil zu beschäftigt etc. in der privatordi des arztes dann aber kein problem. ich glaube auch das sollte angesetzt werden - die nebentätigkeiten der spitalsärzte gehören gewaltig reduziert.

Grosses W_
05

sie sollten sich dringend die gehaltslisten der jeweiligen bundesländer-spitalserhalter ansehen. die spitalsärztegesetze baut finanziell nur auf überstunden auf, die grundgehälter bleiben immerimmerimmer extrem niedrig, ob turnus-,assistenz-oder fach/oberarzt.
wenn sie also die zusatzeinkünfte ausserhalb des spitals abbauen wollen, bauen sie automatisch spitalsärzte ab.
einfacher wäre es, endlich die grundgehälter anzuheben, sodass die ordi finanziell nicht mehr so interessant wäre.
als beispiel: nach 7 jahren im spital verdiene ich 26€ mehr grundgehalt als ein/e krankenpfleger/schwester im 1.jahr (ohne turnusdienst) - und dem sei sein gehalt natürlich gegönnt - der job ist echte knochenarbeit.

FranzKpunkt
01

Ich glaube eher weil sie andere Wiener behandeln. Das freundlichste Volk der Welt. /Sarkasmus off. Ich will Vergleiche mit München sehen, wenig aussagekräftig das Ganze.

Markus1975
41
Lieber Hr. Szekeres

- Es mag stimmen, dass viele Ärzte und da vor allem die Spitalsärzte unter Stress leiden und im Burn Out versinken, trotzdem denke ich, dass man eine Spitalsreform dahingehend durchführen muss, die das Hauptaugenmerk auf die Bedürfnisse der Patienten legt, denn dazu sind Spitäler da.
- Für die Ärzte wäre es einfacher und auch weniger stressig, wenn man die Ausbildung fachspezifischer gestalten würde, d.h. ein Augenarzt sollte auch nur in dieser Richtung ausgebildet werden ...
- Zumal können Sie sicher durch die Reduzierung der Beiträge zur Ärztekammer einen Entlastungsbeitrag leisten (700 Euro/ Monat sind zuviel im Vgl. zum Gehalt)
- Wie viel Druck man von den Ärzten nehmen kann, wenn man ihnen Kassenverträge vermittelt weiß ich nicht

dr. satanas
00
ein Augenarzt sollte auch nur in dieser Richtung ausgebildet werden ...

wird er doch eh - nennt man facharztausbildung!

Gefrotzelt!
00
Bitte, wo???

In der gesamten AKH-Augenabteilung war kein einziger Augenarzt fähig oder befugt einfache Kontaktlinsen für eine spezielle Untersuchung einzusetzen!
Die Betroffene musste nach monatelangen Wartezeiten für einen Termin zu einem PRIVATEN Kontaktlinsenoptiker, der sie einsetzte und damit halbblind ins Spital fahren!
Wenn das keine kranke Organisation auf Kosten der Patientien ist, was dann?

Markus1975
10
stimmt

nur wäre die alleinige Facharztausbildung aus meiner Sicht ausreichend ... dann hätte man schon während des Studiums eine fachspezifische Ausbildung und könnte diese viel vertiefender angedeigen lassen

Allmächtiger Satan
01

Wozu lernen Sie dann Mathe in der Schule? Wenn Sie Anwalt oder Journlist werden wollen, müssen Sie doch nicht Bruchrechnen können.

Sind Ihnen die Ausdrücke Fachidiot und interdisziplinäres Denken ein Begriff?

Gschisti Bohawiczek
00
nur die Ärzte? Wirklich? Das andre Personal nicht?

Das andre Personal gewährleistet, dass nicht die ärgsten Sachen passieren und dass die PatientInnen nicht traumatisiert werden...

superloser
00
Das andere Personal ist in Phase Vier

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