WM voller Vorurteile

Gastkommentar

Sollen wir für den Frauenfussball andere Maßstäbe anlegen als für Männer oder auf Gleichberechtigung pochen? Beides gleichzeitig geht nicht. Dabei könnte es so einfach sein: Jedem das Seine, jeder das Ihre.

Kann Mann zum Frauenfußball eine eindeutige Meinung haben? Alle männlich-medialen Hämethemen im Stil von „Wird in der Kabine vorm Spiel noch etwas Rouge aufgelegt?" oder „Welches Schuhdesign wählt Lira Bajramaj heute?" mal beiseite - zu konstatieren ist: Das Fußballspiel der Frauen ist ein athletisch anderes als das der Männer. Insofern nicht vergleichbar. Insofern eigenständig. Insofern haben die Frauen recht, wenn sie auf diese Unterschiede ständig mit dem Zeigefinger draufzeigen.

Nicht besser, sonders anders

Was mich dennoch stört, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Nämlich einerseits: die Forderung, frauenathletische Maßstäbe anzulegen. Andererseits: das Fußball-Spiel nach genau denselben männerathletischen Regeln spielen zu wollen, der Gleichberechtigung wegen. Das geht genauso wenig zusammen, wie die Forderung - und das Thema läuft seltsam parallel zur Frauen-WM - Lesben und Schwule sollten vorbehaltlos akzeptiert werden; andererseits aber beharren einzelne Gruppen auf geschlossenen Communities, wollen unter sich bleiben.

Frauenfußball ist auch nicht der bessere Fußball, er ist ein anderer Fußball. Kick and rush als Spielgestaltung, Zuspielbillard vor und in den Strafräumen, permanentes Bällewegschlagen, und - mein Liebling: die Hinterkopfballverlängerung eines hohen gegnerischen Balls nach hinten in die eigene Abwehr. Positiv gesagt: der Instinkt überwiegt, Technik und Taktik stehen hintan. Sind das wieder Männermaßstäbe? Es wirkt nicht wie die Frauen-Version des Fußballspiels; es ist eher die Softball-Version des Männerspiels.

Die Atmosphäre in den WM-Stadien ist zweifellos eine komplett andere als bei Männerspielen: statt Schlachtgebrüll und Fäkalbeschimpfung dominiert Frohsinnslachen und Spinnenangstgekreische. Es dröhnt kein basslastiges AC/DC-Stück - vielmehr planscht James Blunt platteuphorisch durchs weite Rund. Es fühlt sich eher an wie Kindergeburtstag.

Was hast du denn gegen Frauenfußball?

Aber die Männer kapieren's auch nicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre zum Beispiel endlich die Gelegenheit, bei der Berichterstattung generell mal von Zuschauerinnen zu sprechen? Ganz anders auf den Punkt gebracht hat's diese Dame (Name dem Autor bekannt): „Was hast du denn gegen Frauenfußball? Ich hab neulich in meiner Wohnung rumgeputzt, der Fernseher war an, ein Spiel lief gerade, und dann saß ich aufm Sofa und hab zugeguckt und fand's ganz possierlich ...!" (derStandard.at, 7.7.2011)

 

Autor: Stefan Erhardt

1995 gründete er in München die Zeitschrift "DER TÖDLICHE PASS - Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballs", eine Mischung aus unabhängigem Fanzine und Vierteljahresschrift.

 

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österreichische Fußballspieler - ein Kapitel für sich!

österreichische Fußballsieler - ein Kapitel für sich!
Es ist rührend, unseren Elite-Kickern bei dem Bemühen zuzuzschauen den Ball treten zu wollen. Eher treffen sie den Gegenspieler und der fährt bei nächster Gelegenheit den Ellbogen aus. Und während sich der schauspielernde Dilletant am Boden wälzt, möchte man als mitfühlender Zuschauer auf die Spielfläche laufen und die Jungs fragen, ob sie nicht lieber Kickboxen wollten, wo sie vermutlich erfolgreicher währen!

Ich hab' nicht aufgepaßt. Ich entschuldige mich!

österreichische Fußballsieler - ein Kapitel für sich!

Es ist rührend, unseren Elite-Kickern bei dem Bemühen zuzuzschauen den Ball treten zu wollen. Eher treffen sie den Gegenspieler und der fährt bei nächster Gelegenheit den Ellbogen aus. Und während sich der schauspielernde Dilletant am Boden wälzt, möchte man als mitfühlender Zuschauer auf die Spielfläche laufen und die Jungs fragen, ob sie nicht lieber Kickboxen wollten, wo sie vermutlich erfolgreicher währen!

Bei der Gelegenheit ist anzumerken, dass sich die Spielerinnen bei der WM nach Fouls im Schnitt nur halb so lang am Boden wälzen wie die Herren der italienischen Serie A

Ob das vielleicht daran liegt, daß Frauen einfach weniger hart treten?

"Das Fußballspiel der Frauen ist ein athletisch anderes als das der Männer."
Warum??? Im Artikel wird immer wieder impliziert oder direkt gesagt, dass Frauenfußball weniger anspruchsvoll oder interessant ist: "der Instinkt überwiegt, Technik und Taktik stehen hintan." Schon mal den österreichischen Männervereinen beim Kicken zugeschaut? LOL

Dear Lady

Es ist, wenn man den Österr. Männern zusieht, oft ein Graus - als Fußballfan muß ich das eingestehen.

Trotzdem sind die österr. Profi-Fußball-Mannschaften in etwa zwei Klassen über die Damen-Weltmeistermannschaft (wer auch immer den Titel erringt) zu stellen und das nicht nur von Kraft/Einsatz/Körperbetontes Spiel her, sondern auch von Taktik, Geschwindigkeit bei der Ballannahme, Spielverständnis,...

Es wird viel gelästert über den österr. Herrenfußball, aber der Unterschied zwischen dem Damen-Weltmeister-Team 2011 und Sturm Graz ist mindestens so groß, wie zwischen Sturm Graz und dem FC Barcelona.

Damen-Fußball ist derzeit auf dem Niveau der österr. Regionalliga - und nochmals: Hier geht es nicht um Kraft.

lg
Dimple

lieber dimple, ich fürchte, sie schätzen den damenfussball zu stark ein. eine österreichische regionalliga-mannschaft hätte kaum probleme mit dem damen-weltmeisterteam.

Ob Frauen oder Männer ist zweitrangig. Zentraler Punkt ist, dass abgesehen von den 5 stärksten Teams hier absolute Hobbymannschaften spielen, die auch nicht sonderlich talentiert sind.

Und ja dieser Hype um solche Events ist ausschließlich ideologisch motiviert. Frauen und Männer müssen die gleichen Geschlechterrolen haben. Koste es, was es wolle.

gastkommentärchen

wenn ein gastkommentar angekündigt wird, dann erhoffe ich mir einen blickwinkel, der von der redaktion eben nicht so bedient werden kann UND der von einer person geschrieben wird, die was zu sagen hat. was soll denn das hier, unterirdisch schwach. am ehesten hilft als erklärung noch der originaltitel des geschreibsels (Von Äpfeln und Birnen) weiter. ich stelle nur eines fest, entweder (obstler-)flasche leer oder birne hohl.

Solange keine Quotenregelung kommt.....

...sodaß ich für 5 Stunden Männerfußball dann mindestens 5 Stunden Frauenfußball ansehen muß, ist mir das wurscht!

mein gott ... die wahrheit ist einfach, dass der Frauenfussball zum Großteil einfach noch nicht professionell ist, klar kommt da oft das eine oder andere Passspiel zusammen wo man die Augen verdeht... aber das wird schon. Und dann ist frauenfussball genauso interessant wie Damenabfahrt (oder auch nicht) .

frauenfußball ist zu akzeptieren.

akzeptiert ist er

aber wozu genau wollen sie jetzt wen genau verpflichten?

Christiano Ronaldo ist mädchenhafter als viele Mädls die nun bei der WM kicken...

DAS

ist auch Teil seines Charmes - im Gegensatz zu dem von Ihnen eingebrachten Vergleich....

Schon wieder dieser verbale Trick:

"Andere Maßstäbe" oder "Gleichberechtigung" - bitte, diese beiden Begriffe sind doch keine Gegensätze. Es wird auch immer wieder Gleichwertig- mit Gleichartigkeit verwechselt. Fußball kann (und wird wohl) von allen Menschen gespielt werden, die einem Ball nachlaufen wollen. Dass diese Spielenden für die Zusehenden aber sehr verschiedenartige Bilder liefern, ist doch wohl nicht zu leugnende Realität - hysterisch Diskriminierte mögen darüber jammern....

wegen dem rouge ...

ja, tun sie. man sehe sich z.b. die amerikanische torfrau an. (die, nebenbei bemerkt, gerne mal ein paar bälle von mir halten dürfte.)

na und? schminke hin oder her. bei den männern juckts auch niemanden, wenn sie ein neues tatoo, neuen haarschnitt (rastazopferl etc.) oder extravagante gesichtsbehaarung haben. warum ist das überhauot thema?

Das hat aber weniger mit Frauenfußball als mit US Sportlerinnen zu tun. Lindsey Vonn et al. fährt auch geschminkt Schi, bzw. läßt sich leicht bekleidet für Sports Illustrated fotografieren. Und da regt sich niemand auf...

Danke für den Tipp

Besonders beachtenswert waren die Diskussionen rund um die "freizügigen" Fotos der Spielerinnen im Vorfeld.

Wenn sich der Christiano Ronaldo halb nackt zweigen darf, dürfen es die Damen schon lange...

DAMEN, schon wieder!

Wozu diese falsche Kategorisierung - das Gegenstück ist der MÄNNER-Fußball, also sind's wohl FRAUEN. Dass Ronaldos Torso seine speziellen und werbewirksamen Reize hat, darf auch festgehalten werden....

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