Massachusetts

Treffen der Gay Bears: Sommerparty mit Fell

7. Juli 2011, 16:58
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    In der zweiten Juliwoche regieren in Provincetown die Bären, die ihre Leibesfülle stolz vor sich hertragen.

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    Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für das Städtchen.

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    grafik: der standard

    Anreise & Unterkunft:

    Nach Boston z. B. mit Lufthansa, British Airways oder Air France. Mit der Fähre nach Cape Cod: www.bostonharborcruises.com und www.baystatecruisecompany.com. Schöne Zimmer im White Wind Inn, im Prince Albert Guest House oder Carriage House. Die Gay Bear Week Provincetown ist vom 9. bis 17. Juli. www.ptownbears.org.

    Literatur: "Provincetown: From Pilgrim Landing to Gay Resort" von Karen Christel Krahulik, erschienen 2005 bei New York University Press.

In Provincetown ist der Bär los. Jedes Jahr im Juli verwandelt sich die Halbinsel Cape Cod im Osten der USA in ein Paradies für Gay Bears aus aller Welt

Bären, schrieb die New York Times in einem Artikel vor einigen Jahren, sind eine subkulturelle Gruppe schwuler Männer, die es lieben, einander am dicken, natürlichen Körperhaar zu kraulen. Vor dem Prince Albert Guest House, einem typisch neuenglischen Gästehaus mitten im Zentrum der Stadt, wird die journalistische Theorie manifest. Zwischen Lilien, Gladiolen und Oleandern stehen sie im Rudel, das Bier in der einen Hand, die Gürtelschlaufe in der anderen, und recken stolz ihre kugelrunden, mächtig behaarten Bäuche in die Sonne.

Sommer für Sommer verwandelt sich Provincetown, die kleine Provinzhauptstadt am Ende der Halbinsel Cape Cod, in ein Mekka für Lesben und für Schwule. Nirgendwo ist Massachusetts so rosarot wie hier. Hinzu kommt, dass jede Woche zwischen Mai und Oktober unter einem anderen Motto steht. Mal werden die väterliebenden Väter aufgefordert zu kommen, mal die reiferen Single-Damen, mal die homosexuellen Flugbegleiter und Piloten. Die Gay Bear Week vom 9. bis 17. Juli jedoch, die steht ganz im Zeichen der muskel- und fettbepackten 100-Kilo-Männer. Haarige Sache.

"Ich lebe hier das ganze Jahr", sagt Michael Valenti. Der 54-Jährige ist Inhaber des White Wind Inn. Draußen am Portikus wehen Stars and Stripes und Regenbogenfahnen, im Innenraum herrscht Häkeldeckchenstimmung wie zu Großmutters Zeiten. Am Kamin stehen Quiche und frisches Obst bereit, aus den Lautsprechern wabbert süßer Jazz, Blumenvasen überall. "Im Frühling, Sommer und Herbst sind die Gästehäuser in P'town 180 bis 200 Tage durchgehend ausgebucht. Und zwar bis aufs letzte Bett. Doch glauben Sie mir, das P'town des Sommers hat mit dem des Winters nichts zu tun. Das sind zwei völlig verschiedene Städte."

Während im Winter ein paar hundert Leute den atlantischen Winden trotzen, fasst das Hafenstädtchen in den Sommermonaten bis zu 50.000 Einwohner und Touristen pro Tag. Die meisten kommen her, um der Gleichgesinntheit und den gemeinsamen gesellschaftlichen Vorlieben zu frönen. Die anderen kommen, um zu schauen. Eine Mutter spaziert mit ihrer Tochter Hand in Hand durch die Tremont Street. "Schau, Kleines, das sind dicke Männer, die gerne mit anderen dicken Männern zusammen sind. So ist das hier."

Bärenlagerfeuer

Und weil die dicken Männer auch unterhalten werden wollen, wird das Partyprogramm von P'town in der zweiten Juliwoche entsprechend adaptiert. Und man möchte sich gar nicht ausmalen, zu welchem Zweck der 77 Meter hohe Pilgerturm, das historische Wahrzeichen der Stadt, auf den Einladungskarten der Clubs und Diskos mitunter herhalten muss. Beworben werden etwa schwule Bärenbootsfahrten durch die Bucht, Bärenlagerfeuer mit Leder und Latex im Wald sowie Travestieshows mit nicht nur dicken, sondern auch dick geschminkten Bärinnen. Jeden Donnerstag, Freitag und Samstag tritt die mächtig beleibte Cashetta mit ihrer "Comedy Magic Show" im Art House auf. Der Saal ist bis auf den letzten Sitzplatz ausgebucht. Der Laden brummt.

"Ja, das Angebot ist überbordend, und die Stimmung im Juli ist brutal", sagt Angus McCaslin, Geschäftsführer im kleinen Hotel Carriage House. "Ich bin froh, dass Provincetown trotz dieses dichten Tourismusprogramms noch immer seinen Charme behalten hat." Zu verdanken ist das nicht nur den Festivalmachern und den Betreibern der vielen Gästehäuser, Geschäfte und Restaurants, sondern auch der Stadtverwaltung. Vor einigen Jahren beschloss der Gemeinderat von P'town, den touristischen Betrieb in lokaler Hand zu behalten und sämtlichen Hotel- und Fastfood-Ketten den Zutritt in die Stadt zu verwehren. "Vor allem in den USA ist so eine Haltung eine Seltenheit", so McCaslin.

Lon Casinelli, Betreiber des kleinen Bademoden-Shops "Bravo", sieht die Sache etwas skeptischer. Zu Beginn sei Cape Cod vor allem als östlichste Landungsstelle für Pilger aus Europa berühmt gewesen. Der Pilgerturm in Form eines alten toskanischen Geschlechterturms, errichtet 1892, soll daran erinnern. "Danach haben sich hier viele Künstler und Intellektuelle angesiedelt, und Provincetown wurde der Inbegriff für linke Bohemiens. Doch was in letzter Zeit mit diesem schönen Städtchen passiert ist, das ist eine Farce. P'town ist wie Disneyland - nur kleiner und schwuler."

Für sein kleines Geschäftslokal in der Commercial Street - an den Wänden werben nicht etwa vollbusige Blondinen, sondern braungebrannte Männer mit Sixpack - zahlt Casinelli 50.000 Dollar Miete im Jahr. "Man kann sich hier nichts mehr leisten. Es ist eine Katastrophe. Für ein Hotelzimmer legen die Touristen in der High Season locker 300 bis 400 Dollar pro Nacht hin. Beim Rest wird dann gespart." Irgendwann, meint der 56-Jährige, würde sich das Phänomen Provincetown ad absurdum geführt haben.

Das sagt auch Lydia Hamnquist. Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie ein Geschäft für Geschenkartikel und Schmuck. "Nach außen hin ist das Leben hier sehr lustig und sehr fröhlich. Aber unter einer funktionierenden Stadt stelle ich mir ehrlich gesagt etwas anderes vor." Die Frauen sind in P'town in der absoluten Minderzahl, die klassische Familie ist hier ohnehin eine Rarität. Letztes Jahr absolvierten gerademal elf Kids die Provincetown High School. "Ich bin froh, dass ich meinen David habe", meint sie. "Ohne Ehemann kann man als Frau in diesem Nest verzweifeln."

Froh über ihre Davids, Toms und Fat Tonies sind auch die Bären im Garten des Prince Albert Hotels. Der Nachmittag ist angebrochen, das Bier wird plastikbecherweise gekippt, das Kraulen wird enthemmter. Partystimmung ist angesagt. Darf ich Euch fotografieren? "Ja, aber nur, wenn man unsere großen Bäuche sieht." (Wojciech Czaja/DER STANDARD/Rondo/08.07.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 39
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beastofburden
12
10.7.2011, 12:24
mal ehrlich

so müssen richtige männer aussehen. mittlerweile wollen uns ja schwulen werbemenschen einreden, dass wir uns die beine rasieren und die brauen zupfen sollen.

Christ Kind
00
13.7.2011, 15:51
echt?

so blad?

Abernein
00

Mein Bauch und meine Brust haben eine Sommer-Frisur. (KEINE GLATZE)

lamby69
 
01
nett, lustig, informativ...!

nette g'schichte..... wenn's nicht sooo teuer wär, es würde sicher spass machen, da einmal vorbeizuschau'n...!
solche artikel, die ein bisschen ablenkung von mord, krieg und alltäglichen gemeinheiten bieten, sollten viel häufiger zu lesen sein.

Peter aus Wien
016
Gay Bear oder Grey Bear

Alles schön und besser als die ganzkörpergeharzten Metrosexbubis.

Grizzlybear
18
Wer wissen will,

wie Wiener Bären aussehen, geht heute in den Club Pi in der Zieglergasse. Schön, dass der Standard auch mal über Bären berichtet.

haphazardly
03

die wiener bären schauen doch gleich aus wie alle anderen bären auf der welt.
normativ ist eben normativ ;-)

ridgero
80

Die Geruchsbelästigungsbären.

Er staunt
00

Sie meinen der schwitzbär der schwitzt sehr? :p

[Mannomann, dieser Titel hat mich wirklich ordentlich reingelegt! Von wegen Zoologie und Wildtiere - so kann man sich täuschen... ]

The Green Fairy
50

Gay Bear --- irgendwie redundant.

Joseph EU
318
Mir gefallen die Bären ...auch als Hetero, ...

Männer sollen IMHO wie Männer ausschauen, diese metrosexuelle Zeitgeist is sowas zum Speiben, hab an Bauch (OK der könnt kleiner sein.... :-(( .... ), und mein Brusthaar wird sicher niemals abgeschoren - höchstens bei einer OP ....Hairy rulez !!! Frauen mit Schnurrbart turnen mich allerdings gar nicht an...

zeamount
02

wie wär's, wenn jeder einfach so ausschaut, wie er mag und niemand sich von irgendjemandem sagen liesse? haarig, rasiert, dick, schlank, sportlich, bunt, schwarz, feminin etc, so lange man sich nicht gesundheitlich ruiniert? =]

xxx...yyy...
10
also ein mann schaut nur wie ein mann aus, wenn er eine wampe hat?

wenn du meinst...

notanaddict
03

Aber die Frau soll sich quasi alles abrasieren was geht, außer am Kopf, oder?

Christ Kind
00
13.7.2011, 15:53
bitte

ned.

Joseph EU
01
10.7.2011, 22:21
also jeder missversteht so gut r kann....

ich mag keine bärte und beharte Brust bei Frauen, aber sonst können Haare ziemlich scharf sein....

notanaddict
00
10.7.2011, 22:50

Sehen Sie die anderen Reaktionen - das hatte ich gemeint...

Franz A.
10
Auch am Kopf

Naja, Bart soll sie eigentlich auch keinen Haben.
Koteletten vielleicht.

Kühnemund
20

Ja.

Grizzlybear
05
Die Medien

sollten überhaupt verstärkt kommunizieren, dass es viel, viel mehr Schwule gibt, die nicht wie jene Leute aussehen, die in den Berichten über die Regenbogenparade am liebsten gezeigt werden, als solche, die halt so aussehen. Jeder nach seiner Façon, aber die Berichterstattung ist leider stets sehr einseitig. Der positive Grundton in den Postings zu dem bärigen Bericht gibt mir Recht.

Peter Widzky
03
er hat ja auch recht

wieso sollte jeder mann wie ein 20jähriges buberl ausschauen?

schweinsbraten und bier rulez :-)

ela vie
24

das ganze gibts 1. in österreich auch, das jährliche bärentrefen war schon und der monatliche pit-bull club erfreut sich großer beliebtheit und 2. hat das auch einen einfachen sachlichen hintergrund: hiv ist gott sei dank kein todesurteil mehr, es gibt wieder genug schwule männer die älter werden und das bringt es halt mit sich, dass ein baucherl wächst, die brusthaare grau und länger werden, so wiehalt bei allen anderen männern auch.

Kräuterpfarrer Escobar
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Hallo? Es gab immer schon genügend schwule Männer, die älter geworden sind. Was glaubens? Dass alle älteren Schwule HIV-Positiv sind? Dass alle Baucherl von schwulen Männern aufgrund der Nebenwirkungen der HIV-Medikamente stammen?

Unfassbar.

ela vie
04

da verstehen sie mich gründlich falsch, aber es gab ganz einfach eine zeit, in der gerade in amerika eine ganze generation ausgelöscht wurde. und dass der bauch nicht unbedingt von den pillen ist, liegt auf der hand - ich hab auch keinen bauch...

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