Irene Brickner

Ausbremsgefahr für Integration

Kommentar | 7. Juli 2011, 00:00

Sebastian Kurz zeigt Tatkraft, doch viele Konflikte und Tabus spricht er nicht an

Auf den Beschwerdeführer aus dem echten Leben, der mit im Saal saß, wusste Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz einzugehen. Ab jetzt würden die "Altschulden" in Sachen Integration getilgt, die Österreich in den vergangenen Jahrzehnten angehäuft habe, sagte er, als der Pressekonferenzbesucher sich darüber beschwerte, dass er es trotz dreier Berufsabschlüsse in Ägypten hierzulande bloß zum Kebabverkäufer gebracht habe.

"Wir können jetzt meinen, alles ist furchtbar - oder aber Schritt für Schritt gegensteuern", sagte der junge Politiker. Das sind Worte, die nach Tatkraft, nach konkreten Verbesserungsabsichten klingen. Wem zuletzt vielleicht schon schauderte, wohin die Missachtung des Umstands, dass Österreich von einer "Insel der Seligen" zu einem Einwanderungsstaat geworden ist, geführt hat, der fühlte sich fast verstanden.

Tatsächlich könnte ernst gemeinte, konsequente Integrationspolitik schon im Vorfeld gegen migrantenfeindliche Auswüchse wie das vor einer Woche beschlossene Vorarlberger Gemeindewohnungsverbot für Deutschunkundige helfen. Ebenso wie gegen die bisher systematische Missachtung ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse, die dem Land eine Vielzahl akademisch gebildeter Taxifahrer beschert hat.

Aber das nur, wenn echte Bereitschaft zur Veränderung besteht, die sich gegen einheimische Besitzstanderhaltungsimpulse durchsetzt. Und die Einwandererdiskriminierung bekämpft, ohne aus Angst vor FPÖ und BZÖ in die Knie zu gehen.

Leider bestehen derartige Ausbremsgefahren. Aus dem am Mittwoch präsentierten 20-Punkte-Programm können sie zum Teil bereits abgelesen werden. Eine davon ist die Tendenz zu Integrationsmaßnahmen in Bestrafungsform; unter der ehemaligen Innenministerin Maria Fekter ein durchgängig verfolgter Ansatz. Da ist von geplanten "Sanktionen bei Verletzung der Schulpflicht" die Rede. Zwar drückte es Kurz freundlicher aus und sagte, man dürfe die Schule boykottierende Jugendliche "nicht fallenlassen": Doch was meinte er? Geldstrafen für Eltern? Polizeieinsatz gegen Schulschwänzer?

An anderer Stelle wiederum, bei den geplanten Maßnahmen gegen den Umstand, dass immer weniger Einwanderer österreichische Staatsbürger werden, wird ein Schaden beklagt, den das Haus selbst angerichtet hat.

Expertenratsleiter Heinz Fassmann schlug als Lösungsansatz eine "Verkürzung der Wartezeit" für besonders Integrierte vor. Dass das Staatsbürgerschaftsgesetz auf Vorschlag des Innenministeriums über Jahre verschärft worden ist und hohe Einkommensgrenzen vorsieht, die selbst Normalverdienern die Chancen auf den Ösi-Pass verbauen, erwähnte er nicht. Dabei wird sich hier ohne Gesetzesliberalisierung überhaupt nichts ändern.

Und als ein Vertreter der afrikanischen Community das Wort ergriff, um zu fragen, wie das Innenministerium integrationspolitisch gegen den schwelenden Rassismus und die auch medial angeheizte Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung vorgehen wolle, wies Kurz lediglich auf den Plan hin, erfolgreiche Einwanderer als Integrationsbotschafter in Schulen zu schicken. Auch wenn das eine gute Idee ist: Reichen wird das nicht, um Österreich zu einem Land zu machen, in dem sich Einwanderer wohlfühlen. Wo sie Teil des Ganzen sind. Denn nur das kann das Ziel sein. (Irene Brickner/DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2011)

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Sherlock85
00

Sorry, es muss sein:

http://webfail.at/facebook-... o-win-ffdt

Die empörten Reaktionen erinnern mich an Fr. Brickner, deshalb musste ich das jetzt posten :)

Stef Hoche
01
Es ist

doch einfach, die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Ein Anruf beim Uwe, eine kleine Überweisung und schon ist allles Part of the Game!

Timagoras
 
01
"Da ist von geplanten "Sanktionen bei Verletzung der Schulpflicht" die Rede"

.
ungeheuerlich!

man will ernsthaft gesetzesbruch mit sanktionen belegen?
das wäre ja so, als würde man autofahrern wegen verletzung der geschwindigkeitsbeschränkung sanktionen androhen, nur weil sie mit 100 sachen durchs ortsgebiet rasen.

wirklich ein skandal sowas!

insertnamehere
 
02
Das ist schon hart, wenn beim Thema Integration Konflikte und Tabus nicht angesprochen werden. ;-)

palmström
12
Geldstrafen für Eltern? Polizeieinsatz gegen Schulschwänzer?

an solchen unbeholfenen vergeblichen effekthaschereien sieht man, wie frau b reale probleme unterschätzt und herabspielt

hilflos jammern über die unterdrückung der frau, das kann man leicht, etwas dagegen tun, schon schwerer, wenn man glaubt, alles, was einem mxgranten nicht das gibt, was er will, sei rxssismus

polly4
13

Wien hat doch auch eine Integrationsstadträtin, was macht die eigentlich?
Kurz macht seine Arbeit bisher sehr gut.

schmauchlümmel
23
fertigprodukt, övp-gewürzmischung und schon ist es selbstgemacht

er hat ja noch nichts gemacht… im grunde genommen sind unsere politiker heute ja keine experten, sondern wandelnde litfass-säulen für die partei, bzw. leere körper, die es mit zielgruppengerechtem image zu füllen gilt.
dahinter sind die mit köpfchen. experten, berater etc. und die wissen auch, wie sie auf der butterseite landen und ihren job machen.

kurz präsentiert von experten vorgekautes: kurz vor ende des kochvorgangs würzt er es mit einer övp-gewürzmischung und schmeisst sein jugendliches image dazu. gut durchgemengt und schon kann man ein halbfertigprodukt als eine von sich selbst kreierte delikatesse anpreisen.

stefan1981
410

das mag jetzt ja vielleicht kleingeistige kronenzeitungs denke sein für manche hier, aber wieso muss österreich ein land sein in dem sich zuwanderer wohl fühlen?
sollte österreich nicht zuallererst und vor allem anderen ein land sein, in dem sich die österreicher wohlfühlen können?

immer mehr tun dies nämlich nichtmehr.

Pareidolic
20

Österreich sollte ein Land sein in dem sich diejenigen die hier leben wohlfühlen.

Alfredo E. Newman
00

Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken.

Frau Trude
30

der geburtsort sollte in einer modernen demokratie nicht den unterschied ausmachen, ob man das recht hat, sich wohlzufühlen.

van.der.stiege
00
stimmt.

aber es darf auch jeder weiterziehen und sich eine umgebung suchen die einem mehr zusagt.

jeder ist halt doch noch immer seines eigenen glueckes schmied.

stefan1981
00

grundsätzlich richtig. aber in einer modernen demokratie entscheidet auch das volk wer hier leben darf und wer nicht.

Thomas_Mueller
 
13

Vielleicht nur einfache Hausverstanddenke, aber muss sich das ausschließen? Fühlen sich die Österreicher dann besser, wenn es anderen schlecht geht? (gefährliche Frage. Am Ende ist es tatsächlich so).

brrrrrr
09
Einwanderer nicht wohl fühlen?

Wieviele der eingewanderten Ungarn, Tschechen, Chinesen, Chilenen fühlen sich nicht wohl?

stefan1981
38

nicht wohlfühlen tun sich genau die, die sich nicht aufführen können wie daheim und mit unserem wertekanon nicht klarkommen.

die können aber gerne wieder gehen. mitsamt anhang!

Frau Trude
20

ihre werte haben mit den meinen genau nichts gemein.

müssen sie jetzt das land verlassen?

stefan1981
00

das glaube ich auch. trotzdem werden wir in den grundsätzlichen dingen (bekenntnis zur demokratie etc.) übereinstimmung finden. weil diese keine frage der politischen einstellung oder eine persönliche entscheidung sind.

viele zuwanderer glauben jedoch dass sie sich hier aufführen und fuhrwerken können wie daheim.

Stef Hoche
23
was sind denn unsere

werte? wenn ich mir ihre postings durchlese haben wir auf keinen fall die gleichen werte.

Arbeiter
02
Unser oberster Wert als fortschrittliche Menschen, Stefan Hoche,

ist die freie Wahl des Lebensentwurfs: ob Single, Alleinerzieherin, Ehe (ganz besonders von Homosexuellen begehrt), kinderlos oder doch Kinder, Scheidung, Abtreibung...alles ganz frei und alles ganz super! Außer Frau zu Hause mit Kindern, das ist schwer rückschrittlich - ausser es wird von MigrantInnen praktiziert, denn die Variante "Familie mit Kindern" ist im Islam der oberste Wert nach Glaube, Beten, Fasten, Pilgerfahrt.
Ich sehe eine massive Kluft zwischen den religiös-konservativen Regeln der islamischen Ordnung einerseits und der Beliebigkeit der fortschrittlichen einheimischen Vorstellungen vom Leben.

aculus populus
 
85
Eine Wahre Geschichte

Ein ausl. Student der auf einer nahmhaften Wirtschaftsuniversität der Hauptstadt (Ö) studierte, ging auf seiner letzten Prüfung zu um den Abschluss mit dem Magister Titel zu besiegeln.
Die Prüfung war nicht leicht und er hatte sehr viel gelernt, er hatte beim schriftlichen Teil aber sogar eine 1 bekommen, das einzige was der Student einfach bis dahin nicht geschaft hat war das ausl. "Akzent" abzulegen, obwohl von der Grammatik her perfekt Deutsch konnte.
Wie es der Teufel so will konnte er auf die Fragen richtig antworten, der Prof stellte ihm aber stehts neue, nach mehreren richtigen Antworten verlierte der Prof die Fassung, gab ihm eine 5 und sagte:"Sie müssen erst DEUTSCH lernen bevor Sie zur mündlichen antreten" so viel dazu.

Der Waehlerwille
 
00
14.7.2011, 18:13
Gschichtl. Schlecht erfundenes.

bully bullson
00
...vielleicht wird ja das mal nicht zensuriert...

...kann sein und falls dem so ist, absolut indiskutabel...

...und ich glaub auch, dass es in gewissen Gegenden Vorurteile gegen MigrantInnen gibt...aber die Vorurteile gibt es, weil es auch Probleme gibt... und die wenigsten haben etwas gegen fremde Nationalitäten..sondern sondern bloss gegen asoziales Verhalten egal ob bei In- oder "Ausländern"....aber wenn man dann diese Dinge anspricht, wird man ins rechte Eck gestellt....

(..und DAS ist genauso indiskutabel, wie Ihr Prüfungsbeispiel....)

Thomas_Mueller
 
00

Nur leider ist es so, dass manche Leute den Unterschied zwischen Probleme ansprechen und Pauschalurteilen nicht so genau nehmen und dann der Einfachheit halber beides machen. Zuerst wird ein bestimmtes Verhalten einer Gruppe zugeschrieben, was dann natürlich von der anderen Seite als Vorurteil kritisiert wird. Dann die übliche Verteidigung: "Ich darf keine Probleme ansprechen!" Dann kommen Politiker und sagen: "Es gibt Probleme, wir müssen sie ansprechen". Die zuvor kritisieren fühlen sich bestätigt in ihrem (Vor)urteil und schreiben einer Gruppe in bestimmtes Verhalten zu, was dann natürlich von den anderen...

und so weiter und so weiter und so weiter

Tiannanmen
03

Falls es Zeugen gibt rate ich zu einer Klage.

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