Wiens Verkehrs-Stadträtin will bessere Manieren für alle - Pröll will Helmpflicht bundesweit
Wien - Erhöhtes Baustellen- und Radfahreraufkommen, dazu brütende Hitze: Im Sommer steigt das Konfliktpotenzial auf Wiens Straßen. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou will deshalb einen Straßen-Knigge herausbringen. Laut Kronen Zeitung ging es ihr dabei ursprünglich vor allem darum, Radfahrern bessere Manieren beizubringen. Mittlerweile betont das einzige grüne Stadtregierungsmitglied, es gehe um alle Verkehrsteilnehmer.
"Nur mit Gesetzen geht's nicht"
Das Kuratorium für Verkehrssicherheit begrüßt die Idee: "Ein solches Projekt ist außerordentlich wichtig", sagt Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung, "denn nur mit Gesetzen geht's nicht." Zur nachhaltigen Bewusstseinsänderung müsse man allerdings darauf achten, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer nicht einzeln anzusprechen: "Der Zugang muss sein, dass fast jeder abwechslungsweise Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer ist."
"Auto ist am gefährlichsten"
Weniger begeistert vom geplanten Verhaltenskodex ist Alec Hager, Obmann des Vereins IG Fahrrad. "Eine grüne Verkehrsstadträtin sollte sich um ganz andere Dinge als Law and Order kümmern." Gegen Aufklärungsarbeit sei zwar grundsätzlich nichts einzuwenden, "es muss aber schon auch klar sein, von welchem Verkehrsmittel das höchste Gefahrenpotential ausgeht - nämlich vom Auto." Mehr Radverkehr bedeute hingegen automatisch auch mehr Sicherheit.
Mehr Sicherheit erhofft sich Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) auch durch die Radhelmpflicht, die seit Ende Mai bundesweit für unter Zwölfjährige gilt. Nach Informationen aus ihrem Büro wird diese laufend evaluiert. Im Herbst sollen erste Ergebnisse vorliegen.
Pröll will Helmpflicht
Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) empfiehlt dem Bund jedenfalls, "eine generelle Radhelmpflicht zu diskutieren", wie sein Sprecher auf Anfrage sagte.
Pröll sei überzeugt, dass Bures dafür ein offenes Ohr habe, zumal die Skihelmpflicht für Kinder "gute Entwicklungen gebracht" habe. In Niederösterreich gilt bereits seit Herbst 2009 für alle Radfahrer bis 15 Jahre in freiem Gelände eine Helmpflicht.
Diskutiert wird auch noch, wie den Ländern eine Möglichkeit gegeben werden könnte, die derzeit geltende Radwegebenützungspflicht flexibler zu handhaben sowie Radfahrstraßen einzuführen. Beides sind Vorschläge der Verkehrsministerin, zu denen im "Unterausschuss Rad" mit der ÖVP zunächst keine Einigung erzielt wurde.
In Wien sind radfahrerfreundliche Straßen, aus denen der motorisierte Durchzugsverkehr verbannt wird, bereits konkret in Planung. (spri, stem/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Juli 2011)