Verkehr

"Straßen-Knigge" statt Radler-Knigge in Wien

Bericht | 6. Juli 2011, 20:07

Wiens Verkehrs-Stadträtin will bessere Manieren für alle - Pröll will Helmpflicht bundesweit

Wien - Erhöhtes Baustellen- und Radfahreraufkommen, dazu brütende Hitze: Im Sommer steigt das Konfliktpotenzial auf Wiens Straßen. Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou will deshalb einen Straßen-Knigge herausbringen. Laut Kronen Zeitung ging es ihr dabei ursprünglich vor allem darum, Radfahrern bessere Manieren beizubringen. Mittlerweile betont das einzige grüne Stadtregierungsmitglied, es gehe um alle Verkehrsteilnehmer.

"Nur mit Gesetzen geht's nicht"

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit begrüßt die Idee: "Ein solches Projekt ist außerordentlich wichtig", sagt Armin Kaltenegger, Leiter der Rechtsabteilung, "denn nur mit Gesetzen geht's nicht." Zur nachhaltigen Bewusstseinsänderung müsse man allerdings darauf achten, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer nicht einzeln anzusprechen: "Der Zugang muss sein, dass fast jeder abwechslungsweise Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer ist."

"Auto ist am gefährlichsten"

Weniger begeistert vom geplanten Verhaltenskodex ist Alec Hager, Obmann des Vereins IG Fahrrad. "Eine grüne Verkehrsstadträtin sollte sich um ganz andere Dinge als Law and Order kümmern." Gegen Aufklärungsarbeit sei zwar grundsätzlich nichts einzuwenden, "es muss aber schon auch klar sein, von welchem Verkehrsmittel das höchste Gefahrenpotential ausgeht - nämlich vom Auto." Mehr Radverkehr bedeute hingegen automatisch auch mehr Sicherheit.

Mehr Sicherheit erhofft sich Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) auch durch die Radhelmpflicht, die seit Ende Mai bundesweit für unter Zwölfjährige gilt. Nach Informationen aus ihrem Büro wird diese laufend evaluiert. Im Herbst sollen erste Ergebnisse vorliegen. 

Pröll will Helmpflicht

Der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) empfiehlt dem Bund jedenfalls, "eine generelle Radhelmpflicht zu diskutieren", wie sein Sprecher auf Anfrage sagte.

Pröll sei überzeugt, dass Bures dafür ein offenes Ohr habe, zumal die Skihelmpflicht für Kinder "gute Entwicklungen gebracht" habe. In Niederösterreich gilt bereits seit Herbst 2009 für alle Radfahrer bis 15 Jahre in freiem Gelände eine Helmpflicht.

Diskutiert wird auch noch, wie den Ländern eine Möglichkeit gegeben werden könnte, die derzeit geltende Radwegebenützungspflicht flexibler zu handhaben sowie Radfahrstraßen einzuführen. Beides sind Vorschläge der Verkehrsministerin, zu denen im "Unterausschuss Rad" mit der ÖVP zunächst keine Einigung erzielt wurde.

In Wien sind radfahrerfreundliche Straßen, aus denen der motorisierte Durchzugsverkehr verbannt wird, bereits konkret in Planung. (spri, stem/DER STANDARD, Printausgabe, 7. Juli 2011)

Kommentar posten
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Ponticus
00
19.7.2011, 16:30

Ich bin in der ganzen Diskussion Autofahrer-Fahrradfahrer eher zwiegespalten, ich fahr weder Auto noch wirklich Fahrrad, wenns mal schnell gehen muss, oder es irgendwo auswärts hingehen soll, schwing ich mich wetterbedingt auf die KTM. Ich kann beide Seite verstehen und den "Frust" beider Seiten nachvollziehen.

Was ich mich jedoch historisch und technisch bedingt frage, bzw. in Frage stelle: Ich kann mir nicht vorstellen, dass mehrspurige Straßen jemals auch nur annäherd für den Verkehr mit dem Fahrrad gedacht waren. Dieser Erkenntnis wurde ich mir durch Teils absurde Situationen auf diversen Bundesstraßen in ganz Österreich bewusst.

Ich frage ob jemand Quellen oder Belege dafür oder dagegen hat, denn mich interessierts.

Elio Ambrosi
 
14
nicht Gefahrenpotential - Aufmerksamkeit!

"es muss aber schon auch klar sein, von welchem Verkehrsmittel das höchste Gefahrenpotential ausgeht - nämlich vom Auto".
Ich fahre sehr oft bestimmte Strecken als Radfahrer auf dem Radweg und als Autofahrer "paralell" dazu.
Es geht nicht darum, von welchem Verkehrsmittel das höchste Gefahrenpotential ausgeht, sondern von welchem Verkehrsteilnehmer die niedrigste Aufmerksamkeit ausgeht, und das ist sehr oft (ich ertappe mich selbst dabei) der Radfahrer. Ich habe mir angewöhnt, so den Radweg über die Kreuzung zu benutzen, dass ich rechtzeitig stehen bleiben kann, wenn mich der abbiegende Fahrer nicht rechtzeitig erkennt. Das "Floriani-Prinzip", Herr Alec Hager, ist kein Lösungsansatz.

bluebeard's 8th wife.
26

völlig richtig - traurig finde ich als stadtradlerin (15 jahre unfallfrei), dass man als umsichtige radlerin von anderen, sagen wir: erlebnisorientierteren kollegen (von rechts) geschnitten, angeklingelt, angepöbelt und runter gemacht wird.

was, liebe stadtradler, hindert euch daran, auf viel befahrenen innenstadtstrecken auch mal kurz in der rad-kolonne zu fahren? handzeichen beim abbiegen zu geben? rücksicht auf weniger routinierte neulinge zu nehmen? an kreuzungen nicht wie ein schwarm kaulquappen durcheinander zu fahren? was?!

[citation needed]
01
18.5.2012, 13:49

die radwege sind zu schmal für die hohen geschwindiggkeitsunterschiede zwischen radlern.

mit 2 spuren in jede fahrtrichtung und bei einhaltung des rechtsfahrgebotes würde das funktionieren. aber das kostet eine autospur.

am einfachsten wäre es aber, für schnelle fahrer die radwegbenutzungspflicht aufzuheben.

entenkrages
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die warnklingel ist dazu da um benutzt zu werden, z.B. wenn man zum überholen ansetzt und den voraussfahrenden vorabwarnen will. wieshalb das immer als wütendes oder ungeduldiges klingeln aufgefasst wird, verstehe ich nicht. ein rad hört man halt nicht wie ein auto schon von weitem.

ich finde, es wird VIEL zu selten geklingelt

Sibylle Rosenstrauch
51

Vielleicht ist Ihnen als stadträtin (?) schon mal zu Ohren gekommne, dass auch radfahrerInnen nicht nur aus spass an der sache in die pedale treten, sondern manchmal stress ausgesetzt sind und möglichst rasch von A nach B kommen möchten!?

Chocoholic
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Das ist lustig. Mit dem gleichen Argument fahren irrsinnige Autofahrer dermassen

gemeingefaehrlich und gefaehrden andere.... nicht viel anders also.

pagat ultimo
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ah - und wenn sie gestersst sind, können sie keine handzeichen geben?

sie sollten sich das mit dem radfahren besser noch mal überlegen.

bluebeard's 8th wife.
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junge frau: warum sonst als für das vorankommen sollte ich in der stadt radeln -

für's vergnügen? in wien? seriously?

ich hab ja schon viele antwort-posts bekommen, aber ihres lässt an selbstverliebter engstirnigkeit die meisten davon weit hinter sich.

daher erlaube ich mir jetzt, so richtig herablassend zu werden:

wer auf dem rad so rasen muss, dass er keine rücksicht mehr auf sein eigenes wohl und das von anderen nehmen zu können glaubt, sollte das nächste mal 5 minuten früher losfahren.

-blos so-
04
man muß einfach akzeptieren

daß die Straße auf den öffentlichen Raum aufgesetzt wurde... der öffentliche Raum gehört allen Menschen.

Und jeder, der seinen Führerschein auch verdient hat, kann eigentlich mit Radfahrern kein Problem haben, denn sie fahren nur dort wo sie es auch dürfen (von "ungehorsamen" Ausnahmen mal abgesehen, aber da müssen sich Autofahrer auch an der Nase nehmen, wenn ich mir die 30er-Zonen Ignoranten so ansehe)

Was die Lebensqualität betrifft sind mir Radfahrer unendlich viel lieber, weil sie kaum Lärm verursachen -selbst wenn sie zu schnell unterwegs sind...

die minimalen Rollgeräusche der Reifen machen's möglich :)

Spigola
00
A. Kaltenegger: "Der Zugang muss sein, dass fast jeder abwechslungsweise Autofahrer, Fussgänger und Radfahrer ist."

Das, Herr Kaltenegger, ist in der Praxis nicht der Fall. Zwar sind Autofahrer, Radfahrer und Öffibenützer natürlich auch Fussgänger sobald sie ihr Fahrzeug verlassen haben, aber Autofahrer die auch Radfahrer sind- und zwar als Verekehrsteilnehmer, nicht als Freizeitsportler- sind eine verschwindende Minderheit. Daher gibt es zwischen Auto-und Radfahrern das grösste Konfliktpotenzial; Autofahrer wollen die Radfahrer weder auf den Strassen als Platzkonkurrenz und Bremser, noch wollen sie sich mit diesen als Fussgänger befassen. Diesen Konflikt wegreden zu wollen bringt nix.

Hairy Tongue
00
13.7.2011, 15:00

vielleicht nicht "fast jeder", aber sicher auch nicht die "verschwindende minderheit" - wenigstens nicht in wien. auf meinen bekanntenkreis trifft der satz zu 80 prozent zu, wenn ich diese zugegeben nicht repräsentative beobachtung hier einwerfen darf.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
00
Vielleicht ...

... hilft das?!

http://derstandard.at/130395047... -Schulbank

Ich bin zu haben
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Ich würde echt gerne in Wien mit dem Fahrrad fahren!

Leider hab' ich dabei Angst um mein Leben :( einerseits und um mein psychisches Wohl andererseits.

Deshalb drehe ich lieber abends eine Runde mit dem Mountainbike im nahen Wienerwald.

Dabei wäre so genial, den Weg zur Arbeit sportlich zu nützen!

meinrad
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feig

Roderic Schuchart
00
19.7.2011, 15:11

Nein, einfach auf die Propaganda hereingefallen. Wetten, dass er beim Stadt-Radfahren einen Styroporhut aufhat?

Searles
 
010

Ich komm grad aus London zurueck. Wie schoen waren diese Schilder "Pedestrian Priority - Considerate Cycling Welcomed" (auf den Mülltonnen) und grossflaechige (2 Stockwerke hoch) "Give space when overtaking - Look out for cyclists" unterzeichnet vom Mayor of London... Man wird ja wohl noch traeumen duerfen...

1116er
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"Der Zugang muss sein, dass fast jeder abwechslungsweise Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer ist."

und für alle ist ihre art des vorankommens teuer / langsam / frustrierend...

wer clever ist und auf billig / superschnell / viel spaß steht, hat einen roller vor der tür stehen!

meinrad
00
man mag ja radeln einschätzen wie man will

aber eins ist es definitiv nicht: teuer

irgendein poster
 
03
pröll will helmpflicht

nur weil er selber immer einen aufhat

Am Punkt
00

nein, weil er davon befreit ist!!

itzibitzistriezi
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bin vor 2 jahren gedoord worden ohne helm. schuld war laut autofahrer ich weil ich so schnell gefahren bin dass ich ihm spiegel nicht sichtbar war. laut ihm 50 km/h ...LOOOL

naja er hat schlussendlich zahlen dürfen passiert ist mir fast nix nur hab ich jetzt immer angst vor parkenden autos...

27
01
ernstgemeinter tipp:

immer ca. .75 m Abstand zu den parkenden Autos und nur im Schritttempo rechts vorfahren (an der Ampel).
Wenn der Autofahrer einen guten Anwalt hat bekommens noch eine Teilschuld wegen zu geringem Sicherheitsabstand!

angeblich Professor
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hab ich jetzt immer angst vor parkenden autos...

- andere haben Angst vor fahrenden Autos
- wieder andere haben Angst vor fahrenden Radlern

Am wenigsten Angst muss man vor Türe aufmachenden Radlern haben

trollvottel
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Ich hab einen Autofahrer erlebt, der erst mit der Tür eine Radfahrerin zu Fall bringt und dann mit Tritten und Fausthieben auf sie los geht ... dann ist er eingestiegen und weggefahren.

Das ist nicht so selten bei Autonarren. Dringender Tipp: Bei JEDEM Unfall mit einem PKW die Polizei rufen.
IMMER möglichst sofort das Autokennzeichen notieren, auch wenn die Polizei schon unterwegs ist.

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