Menschenrechts-Sprecherin

Alev Korun: "Integration ist wie Walzer tanzen"

Interview | 6. Juli 2011, 19:01
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    foto: standard/urban

    Beim Plan, Zigarettenautomaten zu verbieten, sind die Grünen laut Alev Korun anderen voraus - wie beim Thema Integration

Die 20 Integrationsvorschläge von Staatssekretär Sebastian Kurz sieht die Grüne Alev Korun positiv, aber ihre Kritik am Fremdenrecht bleibt

STANDARD: Staatssekretär Sebastian Kurz hat 20 Vorschläge für bessere Ausländerintegration präsentiert. Stimmt die Richtung jetzt?

Korun: Da sind viele grüne Forderungen wie Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen oder leistbare Deutschkurse dabei. Wenn die umgesetzt werden, wäre das ein Fortschritt. Aber es fehlen völlig politische Mitbestimmung und Antidiskriminierung.

STANDARD: Würde Ihr Integrationsprogramm anders aussehen?

Korun: Ja. Es würde zwei große, bundesweite Programme umfassen. Eines für Neuankömmlingen - nicht nur Sprachkurse, sondern auch Alltagstrainings, etwa wie man in Österreich einen Arzt besucht. Und dann brauchen wir Programme für Menschen, die schon länger hier leben und Schwierigkeiten haben. Auch, damit sie bessere Kontakte zu Österreichern knüpfen können.

STANDARD: Integration von Einwanderern setzt Integrationswillen der Österreicher voraus. Deren Stimmung ist nicht gut. Was tun?

Korun: Die Österreicher gibt es nicht, viele hier Geborene haben enge Kontakte zu Einwanderern. Am Besten bringt man Menschen zusammen, wo es ähnliche Interessen gibt. Etwa in der Nachbarschaft und der Schule.

STANDARD: Auch das plant Kurz, nennt aber in erster Linie das Deutschlernen als Integrationsvoraussetzung.

Korun: Deutschlernen ist für Neuankömmlinge sehr wichtig, aber zu den Lernpflichten müssen auch Rechte kommen. Integration ist wie Walzer tanzen, man braucht einen Partner dazu. Vierzig Jahre war es wurscht, ob Dragan oder Ayşe gut Deutsch können, solange sie nur brav am Fließband hackelten. Als klar wurde, dass sie hierbleiben, hat man plötzlich getan, als wäre Deutsch das allein Seligmachende.

STANDARD: Für seine Integrationspolitik macht das Innenministerium derzeit großflächig Werbung. Sie kritisieren das - warum?

Korun: Weil man das dafür ausgegebene Geld besser in Integrationsprogramme investieren sollte. So polieren Mikl-Leitner und Kurz nur ihr persönliches Image auf.

STANDARD: Stichwort Image: Die Grünen waren als einzige Partei gegen die Fremdenrechtsverschärfung ab 1. Juli. Bringt das viele Stimmen?

Korun: So rechnen wir nicht. Wir haben eine klare Linie: Österreich ist ein Einwanderungsland, wir brauchen einen neuen Gesellschaftsvertrag. Beim Asyl sind durch internationales Recht klare Regeln vorgegeben: Wer verfolgt ist, muss Schutz bekommen.

STANDARD: Die SPÖ fürchtet bei zu viel Beschäftigung mit Ausländerthemen eher Stimmenverluste. Was ist bei den Grünen anders?

Korun: Menschenrechtsfragen und ein gutes Zusammenleben sind unsere Kernanliegen - während die SPÖ seit 20 Jahren der FPÖ nach dem Mund redet. Dann hilft sie mit, FPÖ-Forderungen mit Zeitverzögerung umzusetzen - und sie selbst hat nichts davon.

STANDARD: Wäre mit der SPÖ eine Koalition möglich?

Korun: Wenn sie umdenkt, ja - und dafür gäbe es Gründe, denn die ÖVP macht im Nationalrat immer öfter mit der FPÖ statt mit ihr gemeinsame Sache.

STANDARD: Auch das ist nicht neu. Spielen bei all dem nicht auch die Grünen eine festgelegte Rolle?

Korun: Wenn Rechte abgebaut werden ist es die Rolle der Grünen, dagegen aufzutreten.

STANDARD: Aber Verschärfung verkauft sich gut. Was sagen Sie zum grünen Radler-Knigge oder der Zigarettenautomatenabschaffung?

Korun: Die Grünen machen immer wieder Vorschläge, die später von der Regierung kopiert werden: etwa auch das grüne Einwanderungsmodell, jetzt zum Teil Rot-Weiß-Rot-Card. Beim Rauchen ist es nicht anders. In der Politik muss man Mut haben.

STANDARD: Ist ein Zigarettenautomatenverbot mutig?

Korun: Unter den heutigen Verhältnissen in Österreich offenbar schon. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe, 7.7.2011)

ALEV KORUN (41)

kam mit 19 Jahren aus der Türkei nach Österreich. Vor dem Wechsel in die Politik beriet sie Migranten

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Eule9
00
19.2.2012, 20:21
Einwanderungsland?

Seit wann ist Österreich ein klassisches Einwanderungsland? Waren das nicht immer die USA, Kanada, Australien....siehe "Der Kaiser von Amerika" von Martin Pollak, der die Wanderungsströme aus der k.u.k. Monarchie in die USA beschreibt..auch wenn man eine Wunschvorstellung permanent äußert, entspricht sie nicht der Realität...

Alexander Patjomkin
01
10.11.2011, 20:25
Die unkontrollierte Zuwanderung ist ein Riesenbelastung sowohl sozial, sicherheitspolitisch als auch kulturell..

mi se
11
10.7.2011, 15:19
das problem..

vereine wie igöö, atib, milli görüs, gülen schulen (siehe phoenixgymnasium) nicht an der integration ihrer mitglieder ist, da ist der staat gefragt, er muss v.a bei den eltern ansetzen, damit die kinder nicht in die haende von diesen vereinen gelangen, andererseits muessen die hier lebenden tuerkischstaemmigem oesterr. von dem angebot gebrauch machen.. auch duerfen die tuerkischen eltern nicht sofort die hoffnung aufgeben wenn mal das kind mal sitzen bleibt, es ist meistens so, dass die eltern sofort die hoffnung aufgeben und ihr aus der schule nehmen und meinen die kinder sollten lieber arbeiten gehen..der schluessel zu den problemen liegt in der bildung...

Amanda Gallas
313
10.7.2011, 05:51
Grün

Werde ich erstmal nicht mehr wählen. Sorry, ich war stets ein Fan dieser Partei, doch nun reicht es mir. Diese Art von Blauäugigkeit ist nicht mehr tragbar. Sie wirken wie ein Spiegel der FPÖ, die ich ebenfalls nie wählen würde. Alles verkappt, aber eben verkehrt herum und links wird rechts.

armin delmenhorst
 
21
10.7.2011, 15:40
Eigentlich schade

denn in anderen Bereichen haben sie durchaus gute Ideen und arbeiten anständig. Leider werden die vernünftigen Leute (z.B. Pilz und Kogler) immer rarer und jene von der einschlägigen Industrie immer mehr.

Hoffe doch, dass sie noch zur Vernunft kommen, bevor sie weiter schrumpfen. Das würde nur wieder den beiden widerlichen Regimeparteien zugute kommen.

Auch wenn es fürs Erste absurd klingt, hätte eine Zusammenarbeit von Grünen und FP ihren Reiz. Ausländerthema natürlich zur F, bei der Verwaltungsreform dürften die Gegensätze überwindbar sein, Steuer- und Abgabenreform unter Kogler seine Führung, und beim "Religionsschlatz" dürfte es auch keine Probleme geben, wenn sich beide auf ihre Herkunft besinnen.

Herr Steuerzahler
25
Vierzig Jahre war es wurscht, ob Dragan oder Ayse gut Deutsch können,

Mir war es nicht wurst, aber ich hatte als Betroffener nichts zu sagen - solange die Wirtschaft ihre "billigen Arbeitskräfte" haben wollte. Die Sozialkosten (Krankenkasse, Arbeitslose, ect.) wurde sowieso der Solidarität der Allgemeinheit (= Steuerzahler) umgehängt. Seltsam, wenn es den Türken hier nicht gefällt warum bleiben sie dann hier? Weil man in A auch Geld fürs Nichtstun und (noch) eine kostenlose Krankenversorgung bekommt?

Ingrid Goeschl
60

Die Sozialversicherung (Arbeitslose, Krankheitskosten etc.) zahlt nicht "die Allgemeinheit", sondern der Versicherte zahlt sie mit seinen eigenen Abgaben.

Wer nicht eine gewisse Zeit lang eingezahlt hat bekommt diese Leistungen nicht.

kpax
25

"Der Versicherte zahlt mit seinen eigenen Abgaben."

Das ist korrekt. Wenn aber die Abgaben des Versicherten aus der Sozialhilfe kommen, dann zahlt der Staat, das Geld macht nur den Umweg über unsere geschätzte MigrantInnen und kommt reduziert wieder an den Staat zurück. Siehe auch:
http://www.spiegel.de/politik/a... 63,00.html

Ingrid Goeschl
11
10.7.2011, 15:29

Bekommen Angehörige von Drittländern Sozialhilfe?

Das wäre mir neu.

Expertenrat
23
"Wer nicht eine gewisse Zeit lang eingezahlt hat bekommt diese Leistungen nicht"

Die medizinische Versorgung für sich und für die ganze Familie gibts ab dem ersten Tag Arbeit, oder?

Kinderbeihilfe gibts ab dem ersten Tag Arbeit, oder?

Mietbeihilfe gibts ab dem ersten Tag Arbeit, oder?

usw. usf.

Barbarin
50
12.7.2011, 10:49
Aha....und Sie würden es gut finden....

...wenn zwar alle (auch die pösen Migraten) einzahlen, aber nur die "reinrassigen" dürfen daraus profitieren!?

Sie haben ein Problem mit der Logik und oder mit brauner Gehirnwäsche!

Ingrid Goeschl
41
10.7.2011, 00:26

Ausländer zahlen nicht weniger als Österreicher in die Abgabentöpfe, aus denen all dies bezahlt wird, weshalb sollte jemand, der genauso einzahlt, nicht notfalls die gleiche Versicherungsleistung bekommen?

Wie sie daraus konstruieren, dass Ausländer jemand anderem zur Last fallen, kann ich nicht nachvollziehen.

Sahin's Zahnlücke
83
Wozu integrieren, wenn man so oder so nicht akzeptiert wird.

real_schlimm_edi
 
47
Wozu akzeptieren, wenn sie sich seit 40 Jahren nicht integrieren wollen ?

So, und jetzt wieder Sie :

Sahin's Zahnlücke
22
10.7.2011, 01:00

Wozu akzeptieren, wenn man 40 Jahre sowieso ignoriert wurde.
So und jetzt wieder Sie:

sepp schilehrer
12
13.7.2011, 07:33

Wozu das Geld in Bildung investieren, wenn ich mir auch meinen 5er BMW damit aufmotzen kann...?

mi se
34
hast eh Recht

Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ....

Sahin's Zahnlücke
02
10.7.2011, 00:58
Vollkommen richtig

Warum sollte sich ein Allgäuer Bub die Gepflogenheiten eines Norddeutschen oder Berliner annehmen...

mi se
31
10.7.2011, 14:52
Lieber Sahin, wenn Sie mein Posting weiter unten lesen würden, war das ironisch gemeint ;)

Und warum jammern Sie. Österreich ermöglicht den Menschen hier für relativ wenig Geld eine gute Ausbildung (die Uni -Gebühren sind vergleichswenig wenn man bedenkt wieviel man in GB zahlt, zusätzlich noch Stipendien) ...

So what ?

mi se
22
vergass zu schreiben .. ironie off --- sorry war eine Anspielung auf (Großayatollah)Erdogans Rede in Deutschland :P

wahrscheinlich hat sich Sahin Zahnlücke Erdogans Reden zu ernst genommen.

Berlin Berlin
15
Die mehrheitlich (nicht alle!!) sunnitischen Araber, Türken, Bosnier sollten sich fragen,

.. warum es keine Probleme mit Exil Iranern gibt ..
..oder sich warum sich türkischstämmige Aleviten sehr gut in Gesellschaft integrieren...

.... böse böse Europäer .....
.... alles nur Rassisten ....

hm ?

jesus mohamed von wien
01
genau und das ganze leben hat sowieso keinen sinn.

armin delmenhorst
 
27
@ Zahnlücke

Warum kann man die Frage nicht andersrum stellen? Ich persönlich kann verstehen, dass sich jemand nicht integrieren will, wenn seine Wertvorstellung ganz andere sind. Was ich aber nicht verstehen kann, warum er/sie sich dann nicht ein Land sucht, wo die Rahmenbedingungen besser kompatibel sind. Das gilt insbesondere für die 2. und 3. Generation bei uns, die auf einmal "ihre kulturelle Identität" entdecken. Was spricht dagegen, einen Trip nach Anatolien zu unternehmen? Sie würden bestimmt keine Lücke bei uns hinterlassen, im Gegenteil.
Ne aufstrebende Wirtschaftsnation, die nach Meinung vieler schon längst in die EU gehört. Würde wetten darauf, dass selbst bei ner EU-Mitgliedschaft uns diese "Bereicherung" erhalten bleibt.

Ingrid Goeschl
21

Was wissen Sie über türkische Wertvorstellungen?

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