Serbischer Ultranationalist: Richter haben kein Recht, Prozess zu führen
Den Haag - Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige
Jugoslawien hat der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj in einem
Verfahren wegen des Vorwurfs der Missachtung des Gerichts auf nicht schuldig
plädiert. Bei der Anhörung sagte Seselj am Mittwoch zudem, die Richter hätten
gar nicht das Recht, diesen Prozess gegen ihn zu führen. Dies begründete er
damit, dass bereits ein Verfahren gegen ihn wegen schwerwiegenderer Verbrechen
läuft.
Seselj muss sich seit November 2006 vor dem Gericht in Den Haag wegen
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Bosnien, Kroatien
und in der Wojwodina zwischen 1991 und 1993 verantworten. Daneben läuft
inzwischen das dritte Verfahren gegen Seselj wegen Missachtung des Gerichts.
Seselj weigert sich, eine Anordnung des Tribunals umzusetzen und Informationen
von seiner Internetseite zu nehmen, die eine Identifizierung geschützter Zeugen
ermöglichen.
"Wir haben ihn gut aufgenommen"
Seselj war bereits zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden, nachdem er in
einem Buch die Identität von drei geschützten Zeugen preisgegeben hatte. Im
Februar wurde wegen eines ähnlichen Falls ein weiterer Prozess gegen ihn
eröffnet.
Bei der Anhörung am Mittwoch sagte Seselj zudem, in der Haftanstalt des
Tribunals spiele er mit dem bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic Schach.
"Wir haben ihn gut aufgenommen", sagte Seselj. Nun sei aber beschlossen worden,
Mladic in ein Gebäude des Gefängnisse zu bringen, offenbar weil befürchtet
werde, Mladic könne sonst "unter meinen Einfluss geraten".
Mladic, dem in elf Punkten Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen
die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen
werden, war Ende Mai nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien gefasst und wenige
Tage später nach Den Haag überstellt worden. (APA)