Srebrenica-Urteil

Der Fall der UN-Schutzzone

Kommentar | 6. Juli 2011, 19:57

Der UN-Schirm schützt nicht vor nationaler Haftbarkeit - von Adelheid Wölfl

Das Urteil, wonach die Niederlande für die Ermordung von drei Bosniaken in der damaligen UN-Schutzzone Srebrenica im Jahr 1995 verantwortlich sind, weil niederländische UN-Soldaten sie ihren Mördern, bosnisch-serbischen Soldaten, auslieferten, ist wegweisend. Der niederländische Staat wird belangt, obwohl die Soldaten unter UN-Kommando standen. Das Gericht argumentierte, dass die Truppen im Auftrag ihrer Regierung im Einsatz gewesen seien. Der UN-Schirm schützt also nicht vor nationaler Haftbarkeit. Wenn man dieser Argumentation folgt (gegen das Urteil kann noch berufen werden), dürften Regierungen künftig mehr Professionalität und Verantwortlichkeit ihrer UN-Truppen einfordern, um nicht mit Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden. Angesichts der Skandale, in die Blauhelme etwa in Afrika involviert waren, ist das ohnehin notwendig. Andererseits könnte das Zögern zunehmen, überhaupt Soldaten zu schicken.

Die Bosnier bekommen durch das Urteil nachvollziehbare Erklärungen für die grausame Geschichte, mit der sie leben müssen. Für andere Angehörige von Opfern wird es zwar schwierig werden, die Niederlande haftbar zu machen (im konkreten Fall hatten die UN-Soldaten die später Ermordeten trotz der Bitte, bleiben zu können, ausgeliefert), aber das Urteil regt dazu an, die politische Verantwortlichkeit für das schlimmste Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg nochmals zu diskutieren. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2011)

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10 Postings
Kohlhaas1
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Wenn also UNO Truppen auf dem Gebiet eines Staates Verbrechen begehen ist dieser Staat Haftbar ?

Das ist wohl Besatzungs und Kolonialrecht.
Wenn sich die UNO irgendwo einmischt und es kommt zu Unregelmässigkeiten so ist die UNO wie jeder Staat auch bis in die Führungsspitzen zu Strafen.
Ansonsten hätten im Umkehrschluss wohl Milosevic und Co davonkommen müssen !

Miki Smiljanic
140
!

hier eine gute Doku die auch die Hintergründe rund um Srebrenica aufzeigt...

http://www.youtube.com/watch?v=R... r_embedded

Selfdefense
00
Und die UNO kommt straffrei davon?

Wenn die UNO vollmundig von einer "Schutzzone" spricht und ankommende Schützlinge entwaffnet, dann aber nicht dafür sorgt, dass die Zusage eingehalten werden kann (schliesslich sind die Mördertruppen nicht unversehens hinter einer Hausecke hervorgesprungen sondern tagelang aufmarschiert), dann ist wohl die UNO selbst schuld.

Aber von einem Verein von großteils nicht demokratisch legitimierten Regierungen kann man nicht erwarten, dass er die Interessen der Bürger vertritt.

r. g.4
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Der Fall der UN Schutzzone geschah viel früher

Denn die UN Truppe schützte nicht Tausende SerbInnen, die von dieser Schutzzone heraus umgebracht wurden.

Benjamin Klein
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das ist´s das dämlich, dümmliche Aufrechnen !!

Ist ja nicht zu glauben, dass die schwachen Serben von den "agressiven" Bosniaken attakiert wurden ???

Aber dass es eine Deal zwischen dem Kroaten-General und dem Milosevic gab die eine faktische Aufteilung Bosnien-Herzegowina bedeutet hat. ist irgendwie schon wahr,
und das Srebrenica eine "Säuberung" im Sinne dieses Deals war, dürfte auch stimmen.

Dass jeder Tote Einer Zuviel war - darf hier wohl nicht vorgebracht werden.

Retro
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"dürften Regierungen künftig mehr Professionalität und Verantwortlichkeit ihrer UN-Truppen einfordern, um nicht mit Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden"

Na aber sicher. Mehr Professionalität einfordern, die notwendige Unterstützung (Luftschläge, mehr Soldaten - wurde ja alles von den Holländern gefordert!) aber nicht geben..

Das Resultat wird wohl sein dass es sich kein Staat mehr antun wird, an einer UN Mission die mehr als das Abfeuern von Marschflugkörpern involviert, teilzunehmen.. ob damit den Opfern ethnischer Säuberungen mehr geholfen ist?

Georg Schütt
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Guter Beitrag! - Ihre Analyse könnte ein Weg sein. Ein anderer wäre, durch die Mitgliedsstaaten Druck auf die UN auszuüben.

Die Mitgliedsstaaten agieren ja nicht aus purer Menschenfreundlichkeit, sondern weil sie Interessen haben: Keine zu hohen Flüchtlingszahlen, Eindämmung von Kriegen und Gewaltherrschern, sichere Handelswege und dgl. mehr.

Das Problem liegt oft bei der UNO, die auch mil. Missionen am liebsten konsensual löst. Also bleibt meist ein sehr weiches Mandat, das eigentlich nur selbstschutz erlaubt (Somalia 1992).

Ein zweites Problem ist die geringe Professinalität der meisten Armeen. Abgesehen von Nato-Armeen und einigen anderen (Austr. Schweden, Südafrika, Indien) sind die allermeisten Ländern kaum in der Lage, militärisch wirkungsvoll zu handeln.

Kurz: Es läuft auf hinaus auf eine Isolierung oder auf eine UN-Reform.

hlg
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genau...

am besten die un unter isr kommando stellen...

die kennen sich im befrieden am besten aus... ;-)

märchenonkel
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Das wird in Libyen wohl auch ein Nachspiel haben ...

Benjamin Klein
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und in Syrien nicht ?

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