Zwischen Projektoren und Projektionen

6. Juli 2011, 17:26
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Der kroatische Künstler David Maljkovic löst die filmische Apparatur aus ihrem Zusammenhang und Wahrnehmung von Gewohnheiten: "Temporary Projections" in der Galerie Georg Kargl

Wien - Es ist nicht das erste Mal, dass ein Künstler die Galerie Georg Kargl wie eine Ausstellungshalle behandelt: Ein Projektor ist jedenfalls auch diesmal nur der "Vorspann" für einen sehenswerten Ausstellungsrundgang, den der kroatische Künstler David Maljkovic von oben bis unten durchgeplant hat.

Betritt man die Galerie, zieht das ratternde Geräusch eines Projektors die Aufmerksamkeit auf sich. Die filmische Apparatur auf einem Sockel stellt sich jedoch nicht als Geräuschquelle heraus. Sie läuft gar nicht. Der Irritation folgt die Suche nach mit dem Rattern verknüpften Filmbildern: Allerdings entdeckt man hinter einem Vorhang nur einen Tape-Recorder. Und damit ist die Trennung zwischen Projektor und Projektionen schon eingeführt, bevor man sich in einem medialen Dazwischen zu verstricken beginnt.

An filmischem Equipment vorbei (u. a. einem riesigen Beleuchtungsschirm, hinter der sich malerische Arbeiten verbergen), führt der Weg zunächst in einen abgedunkelten Vorführraum: Durch eine Glasscheibe im Cinemascope-Format blickt man auf ein Setting, in dem der Künstler sein ehemaliges Gast-Atelier im Augarten nachgebaut hat.

Inwiefern sich private Räume durch die Anwesenheit der Betrachter in öffentliche oder - wie es Maljkovic ausdrücken würde - in "Projektionsräume" verwandeln, war bereits in früheren filmischen Werken eine Frage. Sie kehrt nun auch in der aktuellen Präsentation wieder: Der Betrachter gelangt nur über den Umweg der privaten Galerieräumlichkeiten in das statische "Filmbild" hinein. Erst er selbst bringt Bewegung ins Bild. Um den Übergang zwischen diesen unterschiedlichen "Realitäten" nicht allzu krass erscheinen zu lassen, lädt Maljkovic im Besprechungsraum der Galerie zum Verweilen ein. Auch dort zeigen Fotos, Gemälde und Collagen die filmische Apparatur außerhalb des üblichen Funktionszusammenhangs.

Diese ästhetische Überhöhung der filmischen Apparatur hat man im Kunstkontext nicht zum ersten Mal gesehen. Aber abgesehen davon wird in der Ausstellung nicht nur der Eindruck der Galerieräumlichkeiten völlig verändert, sondern auch ein stimmungsvoller Wechsel der Perspektiven und Rollen forciert. Etwa wenn man vom Voyeur im Dunkeln plötzlich zum Eingeweihten in den privaten Bereichen und letzten Endes zum Protagonisten der Szene und Betrachteten wird. (Christa Benzer, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Juli 2011)

Bis 13. 8., Galerie Georg Kargl Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien

  • Der Filmprojektor als eine Art Skulptur mit Ewigkeitsanspruch ist auf 
einem antiken Säulenstück platziert: "Temporary Projections" (2011) von 
David Maljkovic.
    foto: galerie kargl

    Der Filmprojektor als eine Art Skulptur mit Ewigkeitsanspruch ist auf einem antiken Säulenstück platziert: "Temporary Projections" (2011) von David Maljkovic.

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