Klingende Bilder einer verflossenen Liebe

6. Juli 2011, 17:10
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Die kubanische Sängerin Omara Portuondo lief in der Staatsoper zu großer Form auf

Wien - Gegenüber den Wiedergängern im Programm des Jazzfest Wien neigt man an sich zur Skepsis, gelten sie doch nicht eben als Belege programmplanerischer Kreativität. Andererseits kann man manche dieser Stammgäste durchaus liebgewinnen. Omara Portuondo etwa, die kubanische Diva, bot Dienstagabend im Rahmen ihres dritten Konzerts in der Staatsoper seit 2007 ihren vielleicht besten Auftritt.

Das hatte einerseits damit zu tun, dass Portuondo, eine seit vielen Jahren stramme Parteigängerin von Fidel Castro, bis auf eine kurze Erinnerung an Dos Gardenias die alten Buena-Vista-Social Club-Hits beiseite ließ. Stattdessen widmete sie sich vor allem den Liedern des soeben gemeinsam mit Pianist Chucho Valdés aufgenommenen Duo-Albums Omara & Chucho (World Village / Harmonia Mundi).

Und das hatte vor allem mit Chucho Valdés selbst zu tun, der seine Virtuosität ausspielte, vollgriffige Akkordpassagen und fingerbrecherische Läufe mit Zitaten von Rachmaninow bis Joe Zawinul würzte und in der (mitunter allzu) üppigen Notenflut - unterstützt von Bass, Schlagzeug und Perkussion - ein wirkungsvolles Gegenstück zur leisen, brüchigen, vom Leben gegerbten Stimme Portuondos bedeutete.

Die immerhin 80-jährige Sängerin wiederum schonte sich nicht, warf sich mit Elan in die Show, tanzte, klatschte, machte Stimmung. Das kostete Kraft: In dem mit leierndem Vibrato geschmetterten Summertime verlangte Portuondo ihrer Stimme dann doch mehr ab, als diese noch zu geben vermochte.

Im rauen, sich mitunter leidenschaftlich aufbäumenden Sprechgesang etwa von Alma mia offenbarte sich indessen die große Geschichtenerzählerin in ihr: Als solche kreierte Omara Portuondo an diesem Abend nostalgische Bilder von verflossener Liebe - eines gelebten Lebens -, die noch geraume Zeit im Gedächtnis des Publikums nachklingen dürften. (Andreas Felber, DER STANDARD - Printausgabe, 7. Juli 2011)

  • Omara Portuondo betörte ihre Fans in der Oper mit kubanischen Songs und 
Evergreens wie "Summertime".
    foto: erwin kneidinger/horst kneidinger

    Omara Portuondo betörte ihre Fans in der Oper mit kubanischen Songs und Evergreens wie "Summertime".

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