"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

6. Juli 2011, 17:51

Jugendliche lernen in Zara-Workshops, wie man den Mut aufbringt, sich einzumischen

Wien - Schauplatz: eine Berliner Straßenbahn. Die Türen gehen auf, die Leute steigen ein. Ein Schwarzafrikaner setzt sich neben eine ältere Dame und sieht gedankenverloren aus dem Fenster. Nach einer Station fängt die Frau an, laut über den Fahrgast neben ihr zu schimpfen. Ein Pensionist nickt ihr zu, die anderen Fahrgäste reagieren nicht. Der Schwarzafrikaner fühlt sich immer unbehaglicher, bis plötzlich ein Kontrolleur die Fahrscheine verlangt.

Der Schwarzfahrer von Pepe Danquart, der 1994 den Kurzfilmpreis gewonnen hat, schildert eine Situation, die auch einigen Schülern der 2. Klasse der KMS Zinckgasse im 15. Bezirk bekannt ist.

Kulturelle Vielfalt leben

Um das friedliche Zusammenleben zu fördern, haben die Grünen des 15. Bezirks - unterstützt von SPÖ-Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal - ein Projekt ins Leben gerufen, das die Anti-Rassismus-Arbeit in Schulen fördern soll. Durchgeführt von Zara, dem Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, lernen die Schüler bei Workshops ihre eigenen Vorurteile zu reflektieren und mit kultureller Vielfalt umzugehen. "Zivilcourage bedeutet, den Mut zu haben, anderen zu helfen und sich einzumischen", erklärt Workshop-Leiterin Susi Bali den Schülern. In einem Sesselkreis sitzend diskutieren die Jugendlichen, nachdem sie den Film gesehen haben, was man bei solchen Ereignissen tun kann. Wild durcheinanderredend bringen sie ihre Vorschläge ein, wie zum Beispiel, dass man etwas Seltsames tun könnte, um den "Täter" abzulenken, dass man Hilfe holen oder mit dem "Opfer" reden könnte.

"Die Schüler haben sehr gute Ideen gebracht. Viele von ihnen waren selbst schon von Rassismus betroffen", sagt Bali, während die Schüler Übungen zu selbstbewusstem Auftreten durchführen. "Jemand, der mit aufrechten Schultern in der U-Bahn sitzt, wird seltener angepöbelt als einer, der in sich zusammengekauert im Sitz versinkt", führt Bali aus. Gehad (13) erzählt: "In der U-Bahn reden die Leute oft schlecht über mich wegen meiner Hautfarbe und dem Kopftuch." Der Workshop habe ihr geholfen, nicht sofort über andere Leute aufgrund ihres Aussehens zu urteilen. Ihr Klassenkollege Haydar (12) meint, er habe gelernt, mehr Respekt vor anderen zu haben. Für Mónica Adighibe, ehemalige Sozialarbeiterin und Jugendleiterin, ist es wichtig, dass sich die Kinder mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen.

"Um Konflikte zu lösen, haben wir versucht, sie in die Schuhe des jeweils anderen zu stellen. Wir haben sie gefragt, was wäre, wenn sie in dieser Situation wären, und wollten sie so zum Nachdenken und Nachfühlen anregen", erzählt Adighibe. Bali sieht das genauso. Denn: "Man kann Gewalt nie durch Gewalt stoppen."

Im Zara-Rassismus-Report 2010 wurden 754 rassistische Vorfälle dokumentiert. Mit 27 Prozent liegt der Hauptanteil solcher Vorfälle bei jenen im öffentlichen Raum. Für Clarisse (20) ist das nicht verwunderlich: "Als ich letztens auf der Straße an einem jungen Mann vorbeiging, hat dieser Affengeräusche gemacht," schildert die Schwarzafrikanerin. Erste Erfahrungen mit Rassismus hat die 20-Jährige gemacht, als sie in die Schule gekommen ist und ein Mädchen nicht neben ihr sitzen wollte, weil sie meinte, Clarisse sei dumm. "Als ich sechs war, habe ich in solchen Situationen geweint. Später reagierte ich aggressiv darauf, und heute stehe ich erstaunlich gleichgültig dazu." Ihrer Meinung nach sei eine gute Ausbildung jedenfalls die beste "Waffe" gegen Rassismus: "Denn Bildung verleiht einem Sicherheit." (Aurora Orso, Selina Thale, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2011)

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Posting 1 bis 25 von 28
1 2
docw
00
12.7.2011, 10:41

frage an zara: es gibt im bka zahlen, wie oft österreicher opfer von migranten wurden und wie oft umgekehrt. warum werden diese zahlen nicht veröffentlicht? vielleicht würde sich dann ihr verein ad absurdum führen?

askalex
00
"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

Weltfremder Blödsinn. Man kann Gewalt prima durch Gegengewalt stoppen, nicht zuletzt weil das das einzige ist, was der Aggressor im Moment fürchtet. Das Gelaber von der Gewaltspirale ist Blödsinn, in Wirklichkeit setzen Angreifer das Maß an Gewalt ein, das ihnen nützlich oder befriedigungsstiftend erscheint. Mit Vergewaltigern oder Eckenstehern kann man nicht verhandeln.

Selfdefense
01
Gewalt ist nicht gleich Gewalt

Willkürliche, kriminelle Gewalt (engl: violence) kann und soll durch gerechtfertigte Verteidigung (engl: force) gestoppt werden.

rowdy
00
well said!

Diona007
04

Habe kürzlich im Kindergarten beobachtet, wie mein Junge von einem älteren Jungen grundlos angeremtpelt und plötzlich geschlagen wurde. Mein Junge schaute kurz verdutzt, hob die Hand und schlug kräftig zurück. Der andere Junge war sichtlich erstaunt und wendete sich ohne weitere Reaktion einem Spielzeug zu.

Ich finde Gewalt auch nicht gut, aber mein Bub hat die ausdrückliche Erlaubnis zurück zu schlagen, wenn jemand anfängt. Wenn man Gewalttäter nicht in ihre Schranken weist, gibt es bald gar kein Halten mehr.

warlord
00

das gefällt dem warlord ;-)

manchmal gehört auch mal die schippe bemüht....

im ernst: kindern muss man beibringen sich zu wehren! sonst nehmen die deppen, die glauben sie können sich alles erlauben, oberhand.

rowdy
00
richtig

keine Macht den Rowdies!

Rosa Stahl
13

dass Gewalt auch von Migranten Richtung Österreicher gehen kann und auch geht, das darf man hier im Forum offenbar nicht sagen.

Wie die schwarze Dame schon richtig sagt: Bildung verleiht Sicherheit. Auch wenn Wissen in manchen Foren einfach ignoriert wird.

molekühl
31

Was hat der Verein in der Schule verloren?

Wolkengedanken
11
EXTREM SELTSAME FRAGE !

Wieso hat das Thema Zivilcourage in der Schule nichts verloren ??

verinus
02
falsch

man kann gewalt nur durch gewalt stoppen.

die frage ist nur wer die gewalt ausübt und wie der einsatz reglementiert ist.

solange nur die polizei (und in extremsiatuationene das militär) berechtigt ist gewaltsam gegen gewalttäter vorzugehen ist alles in ordnung.

einzig gewaltprävention kann niemals durch gewalt erfolgen und ist immer vorzuziehen.

AlBundyFan
 
03
sollte mir mal jemand mit einem hammer den kopf einschlagen wollen

werde ich trotzdem versuchen dagegen mit gewalt vorzugehen (indem ich ihm versuche vorher eine reinzuhauen, sodaß er sein vorhaben nicht umsetzen kann).

auch wenn hier behauptet wird, daß man mit gewalt keine gewalt stoppen kann - was ich lächerlich finde.

verinus
00

ok selbstverteidigung hab ich jetzt als selbstverständlich angenommen- mein fehler, tschuldigung.

Denker9
00

Die meisten Kinder sind in erster Linie psychischer Gewalt ausgesetzt, die oft sehr subtil eingesetzt wird. Diese üben Eltern aber auch Lehrer aus. Darauf reagieren viele Kinder mit körperlicher Gewalt gegenüber ihren Mitschülern.

askalex
20
Guter Punkt, ...

... die häufigste Gewalt in unserer Gesellschaft ist verbal-psychischer Natur. Zudem ist sie sehr feige, weil der Täter bzw. die Täterin "... hat ja nur gemeint ..." u.dgl. Bevor man einen Selbstverteidigungskurs zur Abwehr des fiktiven ultrabrutalen Räubers am hellichten Tag macht, sollte man sich verbal, juristisch u.dgl. wehren können.

Allerdings muß man auch sagen, daß psychische Gewalt deswegen weniger schlimm ist, weil ihre Folgen stets komplett reversibel sind. Bei einem tätlichen Angriff können lebenslange Schäden zuückbleiben.

verinus
02

das seh ich anders

ich stufe psychische gewalt als schlimmer ein. seelische wunden kann man nicht sehen und noch schwerer behandeln.

dass bei alltäglicher gewalt öfters bleibende schäden zurückbleiben wage ich zu bezweifeln.

pitt stehler
01
die protagonisten solcher aussagen

hätten einen adolf schon in die schranken gewiesen.

Wolkengedanken
10

Die altbewährte Gewaltvariante hat in dem Fall ja auch hervorragend funktioniert: 6 Jahre Weltkrieg, Millionen Tote, Millionen für den Rest ihres Lebens traumatisierte Menschen, Hunger, Elend, Vertreibung, Zerstörung von allem, was zerstört werden konnte ....

Neuer Nick neues Glück
03

Natürlich!
Mit Malbüchern und kreativem Tanz.

opti
11
"Man kann Gewalt nie durch Gewalt stoppen."

das sollte einmal jemand der nato sagen!

Dhimmi
09
"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

Selbstverständlich kann man.
Stellt nicht Prämissen auf, die nicht stimmen.
Der ganze Rest wird so unbrauchbar.

Nessus
05
Aber es ist politisch korrekt, wie es sich gehört!

Allerdings kann ich mich aus der Schulzeit und Bundesheer erinnern, dass Provokationen wie " wos schaust denn so deppert" nur durch manchmal wahrgemachte Androhungen, dem Provozierer ordentlich eine aufs Maul zu hauen, gestoppt werden konnten.

Die Friedlichen und Gutmütigen dagegen wurde einfach fertiggemacht - rein aus Spaß an der Freud!
Verprügelt, aber politisch korrekt? Naja...

mikromalist
 
00
Sie haben völlig recht.

Dazu gibt es zB das spannende Buch vor R Axelrod, Die Evolution der Kooperation.

http://www-personal.umich.edu/~axe/

Cosinus62
05
....Notwehr ist nie gerechtfertigt?

worry1
03
Wenn du in Österreich zb.:

von einem Jugentlichen angegriffen wirst und du verletzt ihn, dann hast du sicher eine Vorstrafe und der Jugendliche kriegt höchstens eine Ermahnung und geht nach Hause.
Ist auch einer der Gründe warum es kaum noch Zivilcuorage gibt.

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