Koschere Küche in der ältesten jüdischen Gemeinde nördlich der Alpen

10. Juli 2011, 20:11
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Jüngste Grabungsfunde in Köln zeigen Stadt bereits im Mittelalter als Vielvölkerstadt

Köln - Aktuelle Tierknochen-Funde bei Ausgrabungen in Köln belegen eine koschere Küche im mittelalterlichen Judenviertel. In den Häusern der jüdischen Familien sei kein Schweinefleisch verzehrt worden, dafür aber viel Rind, Schaf, Ziege und Geflügel. Es ließen sich sogar menschliche Zahnabdrücke auf manchen Hühnerknochen nachweisen, sagte der archäologische Projektleiter Sven Schütte am Dienstag. Erst vor einer Woche hatten die Wissenschafter einen ausgegrabenen Goldohrring aus derselben Fundstelle präsentiert.

Das Judenviertel mit Synagoge und Mikwe, einem rituellen Bad, wird seit 2007 ausgegraben. Samuel Gruber, ein Kenner jüdischer Architektur und Präsident des "International Survey of Jewish Monuments", äußerte sich am Dienstag während eines Besuchs in der Stadt begeistert über die Ausgrabungen. "Ich glaube, Sie haben sich bisher noch nicht richtig bewusst gemacht, was Sie hier gefunden haben", sagte er zu Journalisten. "Das wird in der ganzen Welt Schlagzeilen machen." Die Archäologische Zone unmittelbar vor dem Historischen Rathaus sei eine der wichtigsten jüdischen und mittelalterlichen Ausgrabungsstätten Europas.

Nachholbedarf in Köln

Am Donnerstag nächster Woche entscheidet der Kölner Stadtrat über einen geplanten Überbau der Archäologischen Zone mit dazugehörigem Jüdischen Museum. Nach Angaben einer Stadtsprecherin werden die Kosten auf 58 Millionen Euro veranschlagt. "Mir scheint, dass Köln noch Nachholbedarf hat, was Informationen zu seiner jüdischen Geschichte betrifft", sagte Gruber, der Professor im US-Staat New York ist. Dass ein solches Museum eine Top-Touristenattraktion sein könne, bewiesen die Jüdischen Museen in Amsterdam und Prag.

Älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen

Die Archäologen haben auf dem Platz ganze Gassen mit mittelalterlichen Mauerresten und Ruinen freigelegt. Unter anderem fanden sie über 100 Schiefertafeln mit Schriftzeugnissen in Hebräisch und Mittelhochdeutsch. Experten wollen über die Funde an diesem Mittwoch und Donnerstag in Köln diskutieren. Die jüdische Gemeinde von Köln ist die älteste nördlich der Alpen und seit dem Jahr 321 urkundlich belegt. Als die Stadt jedoch 1349 von der Pest heimgesucht wurde, wurden die Juden als Schuldige verleumdet und ermordet.

Gruber sagte, Köln sei in vielen Phasen seiner Geschichte eine "Mischlingsstadt" gewesen, ein "wundervoller Mix, eine Stadt, die ein Hitler nicht verstehen konnte". Im Grunde habe Köln schon im Mittelalter die Vielvölkerstadt des 21. Jahrhunderts vorweggenommen. Auch deshalb sei das Projekt so spannend, sagte er: "Das ist nicht lang vergangene Geschichte - diese Steine sprechen zu uns!" (red/APA)

  • Plan des jüdischen Viertels in Köln von 1349.
    foto: museenkoeln.de

    Plan des jüdischen Viertels in Köln von 1349.

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