Integrationsbericht

20 Vorschläge, aber "keine Weltformel"

6. Juli 2011, 14:56

Die 20 Vorschläge des Expertenbeirats sollen Schritt für Schritt umgesetzt werden

Wien - Keine mathematische Formel, kein Rezept und schon gar keine Weltformel kann Integrationsstaatsekretär Sebastian Kurz präsentieren. Aber zumindest 20 Expertenvorschläge aus dem neuen Integrationsbericht, die zum besseren Zusammenleben von Zugewanderten und der sogenannten Mehrheitsbevölkerung beitragen sollen, hat er am Mittwoch bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Deren Umsetzung soll nun "Schritt für Schritt" betrieben werden, so Kurz.

"Es findet sich keine mathematische Formel oder eine Weltformel, mit der sich die Probleme lösen lassen. Aber es gibt einen Maßnahmenkatalog mit 20 Vorschlägen, wie man eine schrittweise Verbesserung erreichen kann", erklärte der Staatssekretär gleich zu Beginn. In den vergangenen Jahren sei einerseits "viel gehetzt", andererseits auch viel geträumt worden. "Unser Zugang ist Integration durch Leistung", zentrales Thema dabei die Sprache und die Bildung, betonte Kurz.

"Gesamtgesellschaftliche Aufgabe"

Universitätsprofessor Heinz Fassmann, Vorsitzender des Expertenrates, erklärte: "Integration ist als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen." Alle im Papier genannten Maßnahmen (siehe Hintergrundbericht) zielen auf die Verbesserung der Teilhabechancen ab. Die Sprache stelle dabei eine Brücke sowohl unter den aus unterschiedlichen Ländern Zugewanderten als auch zur Mehrheitsbevölkerung dar, so Fassmann. Der Expertenrat mit seinen 15 Mitgliedern habe die Vorschläge erarbeitet und vorgestellt, nun lehne man sich "entspannt" zurück und beobachte die Umsetzung.

Die Umsetzung möchte Kurz vorantreiben, wenngleich er einräumt, dass es bei manchen Maßnahmen schneller, bei anderen langsamer gehen wird. Schon für Herbst kündigte er etwa eine Kampagne mit "Role Models" an. Dabei sollen Migranten, sowohl Prominente als auch "Normalbürger", bei denen die Integration besonders gut funktioniert hat, in Kontakt etwa mit Schülern treten. Einsetzen möchte sich Kurz auch für eine höhere Erwerbsquote bei Frauen mit Migrationshintergrund - hier habe es bereits Gespräche mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek gegeben.

Kein Zeitplan für Maßnahmen

Geplant ist weiters eine "Rot-Weiß-Rot"-Fibel, die die Identifikation mit Österreich stärken soll. Ein Anliegen ist dem Staatssekretär auch die einfachere Ankerkennung von bereits im Herkunftsland erworbener Ausbildungen - das derzeitige System sei teils zu komplex. Ebenfalls vorgesehen ist ein Mentoringprogramm für junge Journalisten mit Migrationshintergrund und die Einrichtung eines Islamforums. Unterstützt wird von den Experten Kurz' Vorschlag für ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr für jene, die nicht Deutsch können. Eine Umsetzung innerhalb der nächsten Jahre wäre "schön", so der Staatssekretär.

Einen Zeitplan für die Maßnahmen gibt es ebenso wenig wie eine Prioritätenliste: "Manche sind direkt vom Staatssekretariat zu erledigen, manche von anderen Ressorts. Wir werden Schritt für Schritt an der Umsetzung arbeiten." Budgets hierfür gebe es im Integrationsstaatssekretariat, im Integrationsfonds, in fast allen Ressorts und politischen Ebenen. "Vieles funktioniert auch durch positive Stimmung und Bewusstseinsbildung und die kostet bekanntlich kein Geld", so Kurz. Er räumte aber auch ein, dass mit Hilfe von Bewusstseinsbildung zwar Vorurteile abgebaut werden können, Einzelfälle, bei denen das nicht gelingt, werde es aber immer geben.

Grüne: "Viele Forderungen von uns"

Die Grünen erkennen im Maßnahmenpaket "viele langjährige Grüne Forderungen", vermissen allerdings die Punkte Antidiskriminierung sowie Mitbestimmung. Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun drängt in einer Aussendung auf rasches Handeln, denn die Umsetzung der Expertenvorschläge sei "überfällig".

Auch der Wiener Caritaspräsident Michael Landau zeigte sich erfreut über die Veröffentlichung des Berichts, hofft aber auf einen "Rationalitätsschub". Es fehle nicht an Papieren, sondern an der Umsetzung.

FP: "Zuwanderungsstopp"

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky meinte gegenüber der APA: "Es wird am verfehlten Prinzip der Massenzuwanderung festgehalten." Er pochte auf einen "Zuwanderungsstopp", denn Österreich habe nicht die Kapazitäten, um den "Strömen" gerecht zu werden. Nun werde lediglich dem Wunsch der Wirtschaft und Industrie nach billigen Arbeitskräften entsprochen.

Aus Sicht der Industrie ist wiederum die Stärkung der Teilnahme am Bildungssystem ein zentraler Vorschlag. "Die Qualifikation der nächsten Generationen entscheidet unsere Zukunft als Industrie- und Arbeitsstandort", erklärte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer, in einer Aussendung. Derzeit schöpfe Österreich das bestehende Bildungspotenzial der Bevölkerung nicht gänzlich aus, eine Verbesserung bei der Anerkennung sei deshalb wesentlich. Positiv sei weiters, "dass man nun vom Planen zum Umsetzen kommt", so Neumayer.

BZÖ: "Bloßes Sammelsurium"

BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner kritisierte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz und bezeichnete den Bericht als "bloßes Sammelsurium von Expertenmeinungen". Ebner verwies weiters auf den "Katalog für Integration" des Bündnisses. "In Fragen der Integration sind auch die Eltern in die Pflicht zu nehmen", so der Generalsekretär.

Stadt Wien: "Wir sind Vorbild"

Die Stadt Wien sieht sich angesichts des Integrationsberichts als Vorbild. So sei etwa der angekündigte "Bildungspass" ein bestehendes Wiener Modell, betonte eine Sprecherin der Wiener Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger. Auch das Konzept von "Mama lernt Deutsch" werde übernommen.

Dementsprechend gab es aus dem Rathaus Lob: Der Bericht enthalte Maßnahmen, die sinnvoll seien. Jetzt gehe es jedoch um die Frage der Umsetzung und Finanzierung. Bekräftigt wurde in Wien aber auch Kritik - etwa an der Maßnahme "Deutsch vor Zuzug".

Der "Wiener Bildungspass" ist laut Frauenberger-Büro erfolgreich. Er wurde 2008 als Teil des Programms "StartWien" entwickelt und dient laut Rathaus als Nachweis der besuchten Sprachkurse, Beratungen sowie Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen. Er wird neu Zugewanderten im Rahmen des sogenannten Startcoachings übergeben. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 124
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Unpolitisch
01
Überrascht

Habe mich anfangs auch über Kurz lustig gemacht - aber die Statements, welche er gestern in der ZIB2 abgegeben hat, kann man nur unterschreiben.

Vielleicht habe ich mich wirklich getäuscht in ihm...

gagarin
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Richtig: Der Bursche fällt auf! Positiv

Er spricht nicht nur gut, er sagt auch etwas!
Wenn ich da an das Gestammel der Rudas denke......
Durchaus gute Performance bisher; weiter so.

adabei1001
01

am dienstagabend in der diskussion um migrantische schulabbrecher, die moderatorin "also, wenn muslim. eltern ihre kinder aus der schule nehmen..." kurz "ich habe nie gesagt, dass es muslim. eltern sind" chapeau!

wavey25
010
Ich finde es lustig...

wie die Poster hier über Kurz herfallen.

Hätte die Vassilakou das gleiche gesagt, hätten die selben vor Neid zerfressenen Personen hier applaudiert.

Euch geht's wohl nicht um die Sache ansich, sondern nur darum, von welcher Partei wer ist.

Erich_1
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Seh ich auch so.

Wenn der Falsche das Richtige sagt, muss es runtergemacht werden.
Wo kämen wir in Ö hin, wenn man politischen Gegnern Recht geben würde?

Neid und Mißgunst bis zum Abwinken hier.

The Intense Humming of Evil
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Die Grünen versuchen doch panisch, an Unwählbarkeit zu den etablierten Mafia-Parteien aufzuschließen - und kommen hier deshalb auch entsprechend weg!

The Intense Humming of Evil
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Er war zu geil, zu schön, zu intelligent und arbeitete unter einer wunderschönen, klugen und weltgewandten Ministerin...

... so viel Glück darf ein einzelner Mensch einfach nicht haben!

LGM
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Was hat der Grasser (egdUV) damit zu tun?

Queen of Sheba
 
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"Jung sind wir JETZT !" - und dumm und gefräßig sowieso.

fescher79er
04

ich finde es in erster Linie erfreulich, dass es endlich ein solches Ressort gibt.
was es bringt, und wie gut oder schlecht die Arbeit ist, die Kurz leistet, wird man erst in einiger Zeit beurteilen können.
Was man aber sehr wohl sagen kann - und da hab ich mich zugegeben selber getäuscht bei seinem Amtsantritt - ist, dass er seine Arbeit offensichtlich zumindest nicht schlechter macht als irgendein 50jähriger Politprofi.

Prof. Bienlein
41
Ob besser oder schlechter...

...ist glaub ich gar nicht die Frage. Die Frage ist vielmehr, ob wir uns einen 16.000 Euro teuren Pressesprecher Kurz leisten wollen, der hin und wieder sein Gesicht in die Kamera hält und diverse Expertenmeinungen als "seinen großen Wurf" vorträgt. Unnötige Esser und Pfründeempfänger gibt es zuhauf und Kurz scheint einer von ihnen zu sein.

Besser wäre gewesen, man hätte Heinz Fassmann, den Vorsitzenden dieses Expertenrats, auch zum Staatssekretär gemacht. Der ist ja ohnehin drin in der Geschichte und kennt sich offensichtlich auch hervorragend aus. Warum also noch einen weiteren Typen installieren, der keine Qualifikation hat und deshalb nichts gehaltvolles im Ressort beitragen kann? Es gibt billigere Pressesprecher, will ich meinen.

wavey25
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Neid ist schon was blödes ...

... gell?

fescher79er
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Sie haben natürlich nicht ganz unrecht. Aber ähnliches könnte man fast über jedes Ressort sagen.
Kaum ein Minister ist echter Experte auf seinem Gebiet, sondern lediglich Polit-Manager.
Ich will Kurz auch nicht zu viel verteidigen. Wie gesagt: wichtig ist, dass ein Thema, welches die Bevölkerung seit Jahren intensive beschäftigt, endlich ein eigenes Ressort bekommen hat. ob dafür einer 14.000 Euro im Monat kriegt oder nicht, ist für mich nicht wesentlich.

Prof. Bienlein
20
Die Tatsache, dass man ähnliches über fast jedes Ressort sagen kann...

...trägt, würde ich meinen, zu einem guten Teil dazu bei, dass die FPÖ heute die stimmenstärkste Partei ist. So gut können wir mit diesem Kurs - nämlich ausschließlich Marionetten und politische Setzlinge ohne Charakter und sozialem Engagement einzusetzen (Faymann - eine reine Sockenpuppe; Kurz - ein Parteigünstling; die Innenministerin - eine von der ÖVPNÖ gewollte Person), nicht fahren. Wie wäre es einmal mit einem Umdenken?

Kein seriöser Betrieb sucht für die Stelle als Controller einen rhetorisch aufgepäppelten Quacksalber ohne Qualifikationen und Erfahrung - für's politische Amt hingegen reicht das aus.

Prof. Bienlein
00
Berichtigung

(Die 16.000 Euro hatte ich scheinbar falsch in Erinnerung, es dürften "nur" etwas über 14.000 Euro sein, wie ein Poster weiter unten schrieb)

Mag.a Draude Resom
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Von seriöser Politiker, lieber Herr Kurz, erwarte ich mir nicht nur Vörschläge was man alle (gratis) tun kann, ich erwarte mir auch ein klares Statement über die Finanzierung dieser Gratisleitungen.

und ICH habe es satt, als typische Vertreterin des steruzahlenden Mittelstandes diese Gratisideen, die sich populistisch wunderbar umsetzen lassen, unbegrenzt zu finanzieren.

Im Übrigen, in der Integrationspolitik brennt das Haus, und es ist sinnlos zu versuchen den Brand mit einem Waserglas zu löschen.

Spitzmaus
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Zusätzliches Kindergartenjahr für jene die nicht Deutsch können

Eine schlichte Frage: Wie kommt man an jene Kinder ran die nicht Deutsch können? Ist da jemand Hellseher oder gibt es verpflichtentes Vorsprechen? Nicht fehlen darf natürlich das Wort Leistung, leider hat Kurz nicht ausgeführt wie das zu verstehen ist. Jedenfalls hat er wenigstens gezeigt dass er ohnmächtig ist und nur PR-Sprüche von sich geben kann.

Lucius Vorenus
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Ich weiß "gebt's ihm eine Chance", aber bisher hat er seine Erennung zum Staatssekretär nicht rechtfertigen können. Gelegentlich geht er mit Meinungen, Ideen und Vorschlägen (von anderen) an die Presse, lässt ein paar 0815 Sprüche ab und das war's dann. Konkrete Maßnahmen etc. sucht man vergebens. Kurz ist halt ein typischer Politiker, nur mit einer jüngere Hülle, die dafür genauso leer zu sein scheint wie jene der Älteren...

derunbestechliche
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Ähnliches hätte ich gerade schreiben wollen. Wie lange schon ist Herr Kurz im Amt? Offiziell seit dem 21. April 2011. Für dieses Ergebnis also, welches Experten ausgearbeitet haben, hat er seitdem ca. 14.688 € brutto * 2 Monate + 14.688 € brutto/2 verdient.

Experten braucht es nur, weil kurz keine Fachkenntnis besitzt und grün hinter den Ohren ist.

Dem Steuerzahler hat Kurz somit ca. € 36.720 brutto für 2 1/2 Monate gekostet, indem er außer ein paar Gesprächen, NLP-Standardsätze, fehlende Sachkompetenz zum Thema Integration und dem Ergebnis eines Expertenrats durch nichts aufgefallen ist.

Kurz ist das Paradebeispiel für das Minimalprinzip. DAS nenne ich eine Leistung.

Rudine Karell
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Also wer erwartet von einem Politiker das er Fachkompetenz hat? Ein Politiker ist dafür da um Rahmenbedingungen zu schaffen, um Experten zu suchen die ihm zuarbeiten damit der Politiker eine Entscheidungsgrundlage hat und mit diesem Wissen der Fachkundigen bei allen Beteiligten versucht die beste Lösung zu suchen. Es gab noch nie (außer vielleicht Androsch) einen Finanzminister der wirklich tiefe Ahnung von den geltenden Gesetzen haben? Oder traust Du der Schotter-Mizi zu, daß die mehr Fachkompetenz hat als Kurz?

derunbestechliche
00
Also wer erwartet von einem Politiker das er Fachkompetenz hat?

Ich, aber das scheint aber heutzutage wohl zuviel verlangt zu sein.

The Intense Humming of Evil
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"Also wer erwartet von einem Politiker das er Fachkompetenz hat?"

Ich würde es voraussetzen. Aber selbstverständlich kann man an eine mafiöse Phantomdemokratie keine Anforderungen stellen.

wavey25
01
" mafiöse Phantomdemokratie "

Jetzt hab ich echt schmunzeln müssen. Was bloederes habe ich hier bisher noch nie gelesen.

The Intense Humming of Evil
00

Doch, letztens als jemand schrieb, er glaube daran, dass unsere Staatsform die einer demokratischen Republik sei. Die Dummen sterben nicht aus.

Prof. Bienlein
11
Dass unsere Politiker keine Ahnung von Finanzen haben...

...und deshalb ihr Wissen von externen Experten, beispielsweise philantropischen Bankern, beziehen müssen und mussten, hat uns in der Krise aber nicht wirklich geholfen. Würden Politiker selbst etwas mehr vom Fach verstehen, könnte man sie nicht derart leicht übertölpeln.

Sie befürworten ernsthaft, dass ein Herr Kurz +14.000 Euro für's Pressesprechen (nämlich das öffentliche Vorlesen von Expertenmeinungen) bezieht? Könnte man seinen Sessel nicht einsparen, zumal er ohnehin ganz und gar nicht "vom Fach" ist und deshalb in seinem Ressort nichts Gehaltvolles beitragen kann?

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