Kühlschrank-Pickerl-Affäre

Der Konsument als Budgetspender

6. Juli 2011, 15:49

24 Millionen Euro wurden für Kühlschrank-Pickerl nicht abgeholt. Das Parlament beschließt, was damit geschehen soll

Der stattliche Betrag von 50 Millionen Euro hatte sich durch die "Kühlschrankentsorgungsbeiträge" bis 2005 angesammelt. Heute sollen noch bis zu 30 Millionen davon vorhanden sein, den Rest hatten sich Kühlschrankbesitzer in der Zwischenzeit abgeholt. Mit der "Entsorgungsplakette" als eine Art Pfand sollten Konsumenten ab 1993 angespornt werden, ihren Kühlschrank umweltgerecht zu entsorgen. 2005 kippte eine EU-Richtlinie dieses System, künftig war der Hersteller des Geräts für die Entsorgung verantwortlich. 

Das Umweltforum Haushalt, eine in der Ära Grasser gegründete Privatstiftung, wurde beauftragt, sich um die Rückführung der Gelder an die Konsumenten zu kümmern.

Viele Kühlschrankbesitzer holten ihr Geld nie ab

Der große Ansturm blieb aus, weswegen nach neuen Verwendungszwecken für das Geld gesucht wurde. Die Bundesregierung entschied daraufhin im Zuge des letztjährigen Budgetbeschlusses, die Stiftung zu enteignen und diesen Betrag für budgetäre Zwecke zu verwenden (derStandard.at berichtete). Dieser Plan stieß auf bei Konsumentenschützern auf heftige Kritik, Verfassungsrechtler Heinz Mayer nannte das Vorgehen gar "verfassungswidrig" und sprach von einer "Enteignung" der Konsumenten.

Einführung der Gelder ins Budget soll "korrigiert" werden

Die Bundesregierung verwarf nun diesen erst im Herbst gefassten Plan und schlug eine neue Regelung vor: So soll das Umweltforum Haushalt einen Betrag von 24 Millionen Euro an den Bund überweisen, zusätzlich bis Ende 2013 die Begleichung der Rückzahlungen kostenfrei übernehmen und bis 2020 Rückzahlungsansprüche prüfen und abwickeln.

UFH Geschäftführer Thomas Faast begrüßt diese Regelung, da seine Firma so in gewohnter Manier weiterarbeiten könne. Dies sei im Sinne der Konsumenten, da das UFH die für eine rasche Abwicklung der Ansprüche nötigen Strukturen und Ressourcen bereitstellen könne. Die bis Ende 2013 einlangenden Ansprüche soll das UFH dabei selbst begleichen, danach ist der Bund für die Zahlung, das UFH für die Abwicklung zuständig.

Opposition fragt nach verbleibenden Millionen

Fraglich ist nun, wieviel Geld tatsächlich durch die "Kühlschrankpickerl" akquiriert wurde. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim vermutete im Jänner noch, dass sich 31 Millionen Euro in diesem Topf befinden sollen. Der Grüne Nationalratsabgeordnete Albert Steinhauser warf die Frage auf, was mit den verbleibenden 7 Millionen Euro geschehe. Herbert Scheibner (BZÖ) sprach von einem "ungewöhnlichen Vorgehen" der Regierungsparteien.

UFH-Geschäftsführer Faast betont im Gespräch mit derStandard.at, dass das UFH ein privat geführtes Unternehmen sei, welches lediglich die Aufgabe übernommen habe, die Ansprüche der Konsumenten abzuwickeln. Man habe dies auf eigenes Risiko gemacht und dem Staat alle Finanzen offengelegt; würden sie tatsächlich über einen sehr viel höheren Betrag verfügen, hätte der Bund diesem Deal kaum zugestimmt. Tatsächlich behält das UFH beispielsweise die Zinsen ein, die mit dem Geld der Konsumenten verdient wurden (die AK hatte dagegen prozessiert und verloren). Wichtig sei laut Faast, dass die Ansprüche der Konsumenten erfüllt werden.

Entsorgungsbeitrag soll weiterhin Stopfung von Budgetlöchern dienen

Der Großteil der vom UFH an den Bund überwiesenen 24 Millionen Euro soll trotz der Einwände von AK und Opposition künftig für budgetäre Zwecke verwendet werden. So sieht der Gesetzesentwurf vor, dass dieses Geld - neben der Deckung von Ansprüchen etwaiger Kühlschrankentsorger - für den Wärme- und Kälteleitungsausbau, "zum Zwecke des Umweltschutzes" und auch für die "Abdeckung des Gerichtsbetriebs" verwendet werden kann.

Wenn Ex-Kühlschrankbesitzer ihr Geld weiterhin nicht abholen, dann darf sich das budgetgeplagte Justizministerium also über diese Spende freuen. Das Gesetz soll morgen, 7.7.2011, im Nationalrat beschlossen werden. (Fabian Schmid, derStandard.at, 6.7.2011)

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Posting 1 bis 25 von 92
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M Help
01
"Viele Kühlschrankbesitzer holten ihr Geld nie ab..."

Ja wie denn? Mein Kühlschrank funktioniert immer noch. Soll ich die Seitenwand wo ich das Ding ordnungsgemäß aufgeklebt habe mit der Flex rauschneiden?

Dieser "Entsorgungsbeitrag" war von Anfang an vom ÖVP-Bartenstein-Ministerium als Abzocke angelegt.

Im übrigen mit dem "Entsorgungsbeitrag" für die Energiesparlampen, der fleißg zu den deutlich höheren Preisen gegenübr herkömmlichen kassiert wurde, wars das gleiche:
Nach Jahren hat wohl kein Mensch mehr den Zettel, dass er für die Entsorgung schon gezahlt hat und diese ist jetzt ohnehin kostenlos.

Daran sollten wir immer denken, wenn die ÖVP wieder einmal eine "glorreiche Idee" zum Umweltschutz präsentiert, die außer hohe Kosten für die Konsumenten genau nichts bringt.

UNBEQUEM
00
Aber fürs Pflegegeld habens kein Geld...

das ist ein starkes Stück der Politik..
Ach ja die Förderung von alternativenergie wurde mit 3 Millionen Euro beschlossen anstatt die 30 Millionen dazu zu verwenden..
Meingott sin das Holzköpfe/innen im Parlament
Den Grünen ist das nicht aufgefallen....

das ist fix
02

Die Kühlschrank-Pickerln waren wieder so eine typische Politiker-FEHLENTSCHEIDUNG.

sainty1
21
eine typscihe Aktion von FPÖ/ÖVP-Regierung!

M Help
11
10.7.2011, 21:00
zuständig war damals alleine der ÖVP-Minister Bartenstein

die ganze Pickerlabzocke ist auf seinem Mist unter Beifall seiner Partei gewachsen.

Nelson25
00
11.7.2011, 10:35
und von der FPÖ mitgetragen.

DirtyHarry
00
Kühlgeräteverordnung von 1993

Ihr Posting ist leider falsch.

Österreich hatte damals eine SPÖVP-Koalition.
Von der Website UFH:
"Das UFH-System erfüllte als Servicepartner für Handel, Gemeinden und Entsorgungsunternehmen die Verpflichtungen aus der Kühlgeräteverordnung 1993 sowie deren Novelle 1995."

sysiphos
 
01
da hätt ich schon eine idee

wo das fehlende geld des UFH sein könnt...
offenbar sitzen da in erster linie ein paar gerschäftsführer und vorständ eher ein bissl herum und diskutieren ab und zu drüber was sie mit dem geld am konto jetzt eigentlich machen sollen... während inzwischen fette personalkosten fürs herumsitzen auflaufen...

Blablubb
03
Damit die Rehe...

...immer ein frisches Futter haben.

Zwei Und Vierzig
03
Das Geld könnte man z.B. in Projekte für alternativee Energieformen leiten...

... würde zumindest Thematisch passen.

salaam alaikuum
02

alles klar:
"...
...
Das Umweltforum Haushalt, eine in der Ära Grasser gegründete Privatstiftung, wurde beauftragt, sich um die Rückführung der Gelder an die Konsumenten zu kümmern.
...
..."

M Help
00
genauer "Ära ÖVP-Schüssel"

M Help
00
genauer 2

Ben Chihovsky
00

Anstatt 24 Mill. zu verwenden, um Budgetlöcher zu stopfen wäre es doch für die Konsumenten/Bevölkerung nützlicher mit dem Geld eine unabhängige Organisation zu gründen, die Einsparungsmöglichkeiten bei den ca. 330 Tausend öffentlich Beschäftigten sucht. Davon hätten wir nachhaltig etwas und nicht nur innerhalb dieser Budgetperiode. Wenn das zu viel verlangt ist, dann würde es auch reichen das Geld für Zinszahlungen von Staatskrediten zu verwenden. Man muss nicht immer alles ausgeben!!

ich kapituliere
00

Wir haben zwar das Formular und die Aufkleber eingeschickt aber seither nichts mehr gehört (ca. 1/2 Jahr). Mir ist es aber einfach zu blöd mich damit weiter auseinanderzusetzen und da Zeit zu investieren.

M Help
01
was ja wohl im sinne der erfinder war...

ich kapituliere
00
11.7.2011, 10:25

Da haben sie wahrscheinlich Recht.

naihoit
02
Wozu dieser Aufwand?

Da gibt es eine Stiftung, eine Privatfirma und was weiß ich noch alles, das in Wahrheit ja nur Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten für ein paar Freunderl schafft, sonst aber niemandem nützt.
Wäre es nicht weit einfacher und billiger, das vorhandene Geld wird dem Budget einverleibt und alle, die noch so einen "Gutschein" haben, können diesen beim zuständigen Finanzamt gegen Bares tauschen?
Wann immer sie wollen.
Was nicht abgeholt wird wird nicht zum Zinsgewinn einer "Firma", deren Firmenzweck keiner versteht, sondern bleibt der Allgemeinheit.

M Help
00
vollkommen richtig

aber das war von anfang an nicht so geplant. in wirklichkeit hat man nur die konsumenten unter dem vorwand des umweltschutz hinters licht geführt.

Olga101
01
Kurze Zwischenfrage

Was hat der Verwaltungsaufwand für diese Kühlschankpickerl ausgemacht? sicherlich weitgehend mehr den Nutzen für die einzelnen Kühlschrankbesitzer von läppischen 7 Euro.

Darüber hinaus denke ich, dass wenn jemand sein Kühlschrank umweltfreundlich entsorgt, dann sicherlich nicht, um 7 Euro zu kassieren. Und für die Umweltsünder ist der Betrag zu lächerlich, um sich den Aufwand anzutun.
Wozu dann die ganze Aktion? Um die Verantwortlichen mit einem weiteren gestarterten "Projekt" zu schmücken?

. g.bac
10
1993 wurden 770 ats eingehoben für die vorabentsorgung der kühlgeräte

so wars gedacht, nur hat man die faktoren nicht bedacht.

a. es wird extrem viel geld beim ufh gebunkert, weil es zum einen lange braucht bis die geräte zurückkommen
b. die entsorgungspreise fallen rapide. es ist/war für die handelsfirmen günstiger, in deutschland die geräte entsorgen zu lassen, und den gutschein verfallen zu lassen. (wieder körbchengeld fürs ufh)

1996 (3 jahre später) konnte man das system natürlich nicht komplett einstampfen, hätte man ja auch nie erklären können, deshalb hat man sich auf die ATS 100 aconto-zahlung geeinigt.

es war ein versuch einer elektroschrottverordnung wie sie jetzt umgesetzt wurde, nur sind zu langfristig ausgerichtete planungen oft an der wirtschaft vorbeiführend.

Christoph Steiner2
00

Schon richtig, aber das Ganze wurde 1993 eingeführt. Damals konnte man sich für 100 Schilling noch jede Menge kaufen, der Anreiz war also schon da...

master_of_disaster1
21
Ist doch ganz einfach!

Die Bundesregierung verdoppelt (natürlich aus Steuergeldern) die Summe und sendet sie postwendend nach Griechenland...

oblomow II
00
liebe aufgeregte

... seht es doch wie das lottogeld!

deppensteuer

Aussteiger1
28
Also, ich hab auf meinen Einbaukühlschrank.....

..... auf jeden Fall ein Pickerl oben!

Sollte er nicht den Geist aufgeben, werde ich ihn wohl noch - hoffentlich - 10 bis 15 Jahre haben!

Bekomme ich dann das Geld zurück?

Werden wir hier verarscht?

Gehen die Regierungen davon aus, dass alles innerhalb von 10 Jahren entsorgt wird???

Ist das so schwer hervorsehbar?
Die Lebensdauer eines Kühlschrankes???

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