Einzigartige Fotos zu historischem Computer entdeckt

5. Juli 2011, 22:28
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Bisher unbekannte Dokumente aus den 1950er Jahren zur Zuse-Rechenmaschine M9 aufgetaucht

In der Toggenburger Gemeinde Bütschwil in der Schweiz wurden in den vergangenen Tagen äußerst seltene, hochwertige Fotos und großformatige, handgefertigte Originalzeichnungen zur programmgesteuerten Rechenmaschine M9 (entspricht dem Z9, Anm.) der Zuse KG gefunden. Kurz zuvor tauchten in Zürich bisher unbekannte Schriftstücke zum gleichen Relaisrechner auf. Die Dokumente stammen aus den 1950er Jahren. Die Zuse KG hatte damals für die Schweizer Remington Rand den Rechenlocher M9 entwickelt. Ohne diesen umfangreichen Auftrag hätte die junge, mittellose Firma des deutschen Computererfinders Konrad Zuse möglicherweise nicht überlebt.

Erste Serien-Maschine

Die M9 war Zuses erste, in einer größeren Stückzahl gefertigte Maschine. Die Funde - das Ergebnis langwieriger systematischer Nachforschungen - sind umso bedeutender, als es über dieses selbst in der Fachwelt weitgehend unbekannte Gerät bisher praktisch keine Unterlagen gab. Die M9 bestand aus einem Rechen- und Speicherwerk sowie einer Lochkarteneinheit.

Bis vor kurzem war fast nichts über den Relaisrechner M9 bekannt, der in der ersten Hälfte der 1950er Jahre in Serie gefertigt wurde. Das Deutsche Museum in München, das den Nachlass des deutschen Computererfinders Konrad Zuse verwaltet, besitzt nur spärliche Unterlagen zur programmgesteuerten Rechenmaschine M9. Mit Ausnahme von zwei unscharfen, wenig aussagekräftigen Aufnahmen in einem Firmenprospekt der Remington Rand gab es keine Fotos.

Einzigartige Aufnahmen

Die ehemalige Spinnerei & Weberei Dietfurt AG, Bütschwil, setzte den von der Zuse KG gebauten Relaisrechner M9 volle 12 Jahre, von 1956 bis 1968, ein. Dass die in Dietfurt zum Vorschein gekommenen Fotos und Zeichnungen erhalten geblieben sind, ist Max Forrer, dem langjährigen Leiter des Rechenzentrums des Textilunternehmens, zu verdanken. Die Bilder stellen das Rechen- und Speicherwerk und die Lochkarteneinheit in offenem und geschlossenem Zustand dar. Es sind - soweit bekannt - weltweit die einzigen derartigen Fotos. Ebenso aufschlussreich ist auch die einzige, bisher bekannte Aufnahme der verdrahteten, gelöteten Schalttafel, mit der die Rechenanlage programmiert wurde.

Die M9 war in ein Netzwerk von Lochkartenmaschinen eingebettet: Kartenlocher, Kartendoppler, Kartenmischer, Sortier- und Tabelliermaschine (Tabulator). Dargestellt wird diese Anordnung in großformatigen, handgezeichneten Arbeitsablaufplänen. Hinzu kommt eine farbige Dokumentation über Lochkarten, die für zusätzliche Programme (z.B. Lohnabrechnung, Statistiken) verwendet wurden.

Das Berner Museum für Kommunikation besitzt das einzige Exemplar der M9, das erhalten geblieben ist. Erst 2010 wurde erkannt, dass es sich dabei um ein Unikat handelt. Besonders wertvoll ist eine bisher unbekannte Dokumentation, die erst vor kurzem auf einem Dachboden in Zürich zum Vorschein kam. Der Fund umfasst u.a. Unterlagen zur Programmierung, zum Aufbau des Speichers, zur Rechenweise des Automaten, Wirkbilder und einen Wartungsplan. (red)

  • Max Forrer von der Spinnerei & Weberei Dietfurt während einer Wartung am Relaisschrank (Rechner) der M9.
    foto: max forrer, oberhelfenschwil

    Max Forrer von der Spinnerei & Weberei Dietfurt während einer Wartung am Relaisschrank (Rechner) der M9.

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