Anti-Rassismus in Schulen

"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

5. Juli 2011, 19:10

Jugendliche lernen in Zara-Workshops, wie man den Mut aufbringt, sich einzumischen

Wien - Schauplatz: eine Berliner Straßenbahn. Die Türen gehen auf, die Leute steigen ein. Ein Schwarzafrikaner setzt sich neben eine ältere Dame und sieht gedankenverloren aus dem Fenster. Nach einer Station fängt die Frau an, laut über den Fahrgast neben ihr zu schimpfen. Ein Pensionist nickt ihr zu, die anderen Fahrgäste reagieren nicht. Der Schwarzafrikaner fühlt sich immer unbehaglicher, bis plötzlich ein Kontrolleur die Fahrscheine verlangt.

Der Schwarzfahrer von Pepe Danquart, der 1994 den Kurzfilmpreis gewonnen hat, schildert eine Situation, die auch einigen Schülern der 2. Klasse der KMS Zinckgasse im 15. Bezirk bekannt ist.

Kulturelle Vielfalt leben

Um das friedliche Zusammenleben zu fördern, haben die Grünen des 15. Bezirks - unterstützt von SPÖ-Bezirksvorsteher Gerhard Zatlokal - ein Projekt ins Leben gerufen, das die Anti-Rassismus-Arbeit in Schulen fördern soll. Durchgeführt von Zara, dem Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, lernen die Schüler bei Workshops ihre eigenen Vorurteile zu reflektieren und mit kultureller Vielfalt umzugehen. "Zivilcourage bedeutet, den Mut zu haben, anderen zu helfen und sich einzumischen", erklärt Workshop-Leiterin Susi Bali den Schülern. In einem Sesselkreis sitzend diskutieren die Jugendlichen, nachdem sie den Film gesehen haben, was man bei solchen Ereignissen tun kann. Wild durcheinanderredend bringen sie ihre Vorschläge ein, wie zum Beispiel, dass man etwas Seltsames tun könnte, um den "Täter" abzulenken, dass man Hilfe holen oder mit dem "Opfer" reden könnte.

"Die Schüler haben sehr gute Ideen gebracht. Viele von ihnen waren selbst schon von Rassismus betroffen", sagt Bali, während die Schüler Übungen zu selbstbewusstem Auftreten durchführen. "Jemand, der mit aufrechten Schultern in der U-Bahn sitzt, wird seltener angepöbelt als einer, der in sich zusammengekauert im Sitz versinkt", führt Bali aus. Gehad (13) erzählt: "In der U-Bahn reden die Leute oft schlecht über mich wegen meiner Hautfarbe und dem Kopftuch." Der Workshop habe ihr geholfen, nicht sofort über andere Leute aufgrund ihres Aussehens zu urteilen. Ihr Klassenkollege Haydar (12) meint, er habe gelernt, mehr Respekt vor anderen zu haben. Für Mónica Adighibe, ehemalige Sozialarbeiterin und Jugendleiterin, ist es wichtig, dass sich die Kinder mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen.

In den Schuhen des anderen

"Um Konflikte zu lösen, haben wir versucht, sie in die Schuhe des jeweils anderen zu stellen. Wir haben sie gefragt, was wäre, wenn sie in dieser Situation wären, und wollten sie so zum Nachdenken und Nachfühlen anregen", erzählt Adighibe. Bali sieht das genauso. Denn: "Man kann Gewalt nie durch Gewalt stoppen."

Im Zara-Rassismus-Report 2010 wurden 754 rassistische Vorfälle dokumentiert. Mit 27 Prozent liegt der Hauptanteil solcher Vorfälle bei jenen im öffentlichen Raum. Für Clarisse (20) ist das nicht verwunderlich: "Als ich letztens auf der Straße an einem jungen Mann vorbeiging, hat dieser Affengeräusche gemacht," schildert die Schwarzafrikanerin. Erste Erfahrungen mit Rassismus hat die 20-Jährige gemacht, als sie in die Schule gekommen ist und ein Mädchen nicht neben ihr sitzen wollte, weil sie meinte, Clarisse sei dumm. "Als ich sechs war, habe ich in solchen Situationen geweint. Später reagierte ich aggressiv darauf, und heute stehe ich erstaunlich gleichgültig dazu." Ihrer Meinung nach sei eine gute Ausbildung jedenfalls die beste "Waffe" gegen Rassismus: "Denn Bildung verleiht einem Sicherheit." (SchülerStandard - Aurora Orso, Selina Thaler/DER STANDARD-Printausgabe, 6.7.2011)

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Posting 1 bis 25 von 60
1 2
WRN
00
16.9.2011, 14:20
Doch man kann

Gewalt mit Gewalt zu stoppen ist ganz ganz einfach... man braucht nur genug Gewalt. Dann ist von der anderen Seite spätestens dann keine entgegengesetzte Gewalt mehr zu erwarten wenn es die andere Seite nicht mehr gibt.

Cloon
 
00
16.7.2011, 21:17
zur Headline gibts nen Link...

http://www.tagesspiegel.de/berlin/po... 00332.html

ev. sollten da noch so einige so "Zara-Workshops" besuchen ;)

lg CLoon

armin delmenhorst
 
02
15.7.2011, 14:39
Solange man das Grundübel

bekämpft, wird sich nicht viel ändern. Man muss den Bürgern reinen Wein einschenken, dass sich ne Fehlentwicklung der letzten Jahrzehnte nicht über Nacht bereinigen lässt, sondern ein langer Prozess ist, der Konsequenz und Transparenz fordert.

Rassismus bzw. die unerwünschte Begleiterscheinung Gewalt entsteht dort am Häufigsten, wo unterpriviligierte Inländer direkt mit den "fremden Kulturkreis" zusammentreffen. Z.B. im Wohnbereich. Der Lösungsansatz muss natürlich ein multipler sein, der hier aus Platzründen nicht ausgeführt werden kann. Die wichtigsten zwei Komponenten sollten sein, Verbesserung der Lebenschancen für Inländer und kompromißloses Ausfiltern bei den deliquenten Ausländern. Viele Probleme würden sich von selbst lösen.

BlackFriday
 
06

wozu "ich weiche der Gewalt" für österreich geführt hat wissen wir ja alle...

Barbarin
50
27.7.2011, 17:21
Verharmlosen Sie gerade die Verbrechen unserer...

...österreichischen Vorfahren, die sogar Bekannte/Nachbarn denunziert haben, damit deren Besitz in den eigenen wandert und die fix angestellten, die eine Heidenfreude dabei hatte, wie viel Tausende oder Millionen Menschen zu vergasen?

Barbarin
30
27.7.2011, 12:52
Bitte packen Sie Ihr Geschichtsbuch...

...aus und versuchens das mit dem Lesen und Verstehen!

Österreich war Anfang d. 20. Jhdt kein Opfer von Gewalt, sondern Täter....wie könne Sie zig-tausende ermordete Juden und anderer System-feinde vergessen!

Reiseempfehlung: Mauthausen....in den KZ´s in AT waren Ösis am Werk!

Kam das Posting vor oder nach 3 Bier?

Gendo
00

Man könnte auch " ich weiche der Gewalt" auch so verstehen, dass die österreichischen Truppen nicht auf die Deutschen geschossen haben als diese über die Grenze kamen.

Barbarin
20
27.7.2011, 17:44
Danke, mein lieber Stalker für die Bestätigung! :-)

Und wie gehts heute? Keine Meinung und E**r, aber sicher einen Kampfhund oder großes Auto, gell? (der kaputte Klassiker halt!)

Schönen Abend und vielleicht bis morgen! B

meineMeinung1969
14
"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

Sondern?

mM

Barbarin
30
27.7.2011, 12:54
Fragen Sie Ihren Psychologen...

...mein Ratschlag, wenn diese Frage unlösbar erscheint!

xxx...yyy...
05
"Man kann Gewalt nie durch Gewalt stoppen."

in einer gewalttätigen situation (also wenn die eskalation schon stufe 100 von 100 erreicht hat), dann ist das meistens der einzige weg. bloß ist der normalbürger dafür nicht gerüstet.

W.v.Grün, Erfinder düsengetriebener Wunderwaffeln
05
Stimmt.

Ein netter Spruch, der auf Kalendern im ZARA-Wartezimmer super gut kommt. Aber leider ein Allgemeinplatz, der nur in wenigen, ausgesuchten Situationen passt. Wenn die Gewalt (durch Agressor ausgeübt) einen gewissen Level überschritten hat, hilft entweder nur Flucht (wenn man schnell genug ist) oder entschlossene Gegengewalt. Alles andere ist Träumerei.

Zitronenbaum
00
Mehr tun

Mal ehrlich, so ein Workshop ist schon toll, Hut ab. Natürlich kann man aber die Jugendlichen und Kinder nicht aus einem Umfeld reißen, das vielleicht leider von Rassismus geprägt ist - sprich, wenns im Elternhaus passiert, kann man nur hoffen, dass das Kind seinen eigenen Kopf hat. /:
Was man hier vielleicht auch einfließen lassen könnte wäre, dass allgemein nicht gemobbt wird. Wenn man nur auf Rassismusprävention pocht, geht das leider unter. Es leiden nicht nur Menschen, die von Rassismus betroffen sein könnten (und wenn sie Glück haben, es vielleicht gar nicht sind).

Rosa Stahl
01

wow! was für Erkenntnisse.

Barbarin
10
Was Hänschen nicht lernt...

...leider ist das ein weltweites Übel, dass alle Schichten und Kulturen trifft...Gewalt: ..lernt das Kind bei den Eltern (seelisch/körperlich) wird zum Opfer gemacht, wenn befreit (zb von zu hause weg) werden sehr viele Opfer zu Tätern..aber nicht den Verursachern gegenüber, sondern unschuldigen Dritten! Das weiß die Wissenschaft und Ärzteschaft, schon seeeehr lange, aber Propaganda ist mit kaputten halt leichter, als mit gesunden Individualisten!

bei uns in bagdad
01
wahrscheinlich ist das zu billig und einfach!

man kann gewalt nicht mit gewalt stoppen, aber niemand hindert die verantworltichen daran erfolgreiche antigewaltmodelle auch umzusetzen.

die täglich bewegungseinheit ist wissenschaftlich erforscht und mehr als erfolgreich für das sozialverhalten der kids, die gesundheit und wenn mann/frau es unter einbindung des organisierten vereinssports macht, dann auch noch nahhaltig - weil kids eben auch nach der schulzeit im verein hängen bleiben!
ach ja und einen feststellbar besseren lernerfolg haben sie auch noch!

tock tock tock
29
"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen"

Hört sich toll an, ist aber falsch. Wer sich nicht wehrt, wird im Gegenteil immer mehr zu einem beliebten Opfer!

Franz Reisl
16
Ist aber so ein schöner Spruch.,.

Fast so schön wie "Kein Mensch ist illegal".
oder
"... und wenn dadurch nur ein einziges Menschenleben gerettet wird..."
oder
"Das Boot ist noch nicht voll"

Polemik statt Logik.

Barbarin
21
...wehren fängt aber im Kopf an...

...sich nicht gedanklich schon in die Opfer-Position zu begeben. Aber das muss als Kind gelernt werden. Dann kommt es sehr selten körperlicher Gewalt!

Leider werden aber 99,9% der Kinder im Alter (auch Ihre) zw. 0-3 gebrochen und zu Opfern gemacht und das kehrt sich später erstens um und führt im harmlosesten Fall zu ständig "Sudern", aber nie was ändern, im schlimmsten Fall zu ungesundem Narzissmus!

tock tock tock
28
Ich halte das, so wie es da steht, für

reines Bla-Fasel!

Die Erfahrung die ich als Schüler gemacht hab: Goschen halten, "reden" und/oder weggehen führt nur dazu, dass man bei der nächst besten Gelegenheit wieder als Belustigungsobjekt dient - na, und beim 3. mal warens halt noch a bissl mehr und wollten uns a "bissl hauen".

Was soll ich sagen: Bumm-zack in die Goschn und wir - und andere - hatten eine Ruhe von den Schwachmaten. (Die hatten doch echt geglaubt, dass blos weil wir "Streber" waren, auch schwach wären und uns nicht zu helfen wüßten).
"Man kann Gewalt nie mit Gewalt stoppen" widerlegt. Fertig aus.

Es gibt ganz einfach Leute, die sich prügeln wollen, auch wenn das Gegenüber das NICHT will. Da könnens schon zu diskutieren probieren - das wird als Schwäche ausgelegt.

Rosa Stahl
15

Habe früher anders darüber gedacht, aber mittlerweile sehe ich das auch so.

Mein Ältester wurde letztes Schuljahr immer wieder sekkiert und dann eben auch vermöbelt. Er hat sich nicht getraut, wirklich zurückzufetzen und die Situation wurde immer unangenehmer.

Irgendwann hab ich ihm dann gesagt: Jetzt reichts, hau zurück, was das Zeug hält. Kein Blut, bitte, aber ein paar feste blaue Flecken gehen schon.

Das hat er genau zweimal gemacht. Und auf einmal war eine Ruh!

tock tock tock
11
Das ist genau das was ich meine!

Nicht dass mich jemand falsch versteht: Mein erstes Ziel ist nach wie vor sowas aus dem Weg zu gehen (ganz einfach weil ich diese Art der Auseinandersetzung für primitiv halte!) NUR: Wenn es soweit ist, sollte einem schon klar sein, dass Reden einfach nicht immer hilft/genügt!

xxx...yyy...
11
das problem ist bloß, dass

da draußen doch einige typen rumlaufen die einfach drauf aus sind. und denen macht es auch nicht recht viel aus einen schlag ins gesicht zu kriegen. da hast du in 99,9% aller fälle einfach pech gehabt wenn du auf die triffst. und mit glück lassen sie dich am boden liegen und treten dir nicht auf den schädel.

Barbarin
21
Meine Erfahrung:

..nicht in der Schule, aber in der Bim um 23:00 als kleine Frau, umzingelt von 4 Männern, die mich gleichzeitig angestarrt haben,etwas älter als ich, sonst niemand da...ein Blick pro Nase und ein Satz (ohne Schimpfwörter) hat gereicht und diese sind blitz-artig bei der nächsten Station ausgestiegen, mit Entschuldigungen!

Es beginnt im Kopf...fragen Sie einen Kampf-sport-trainer!

Rosa Stahl
14

seins froh, dass das so ausgegangen ist. Wenn die wirklich was von ihnen gewollte hätten, dann hätten sie ohne Kalaschnikow gegen vier Kerle keine Chance gehabt.

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